Leserbrief zu
„Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix stellt Umsetzung von zwei Großprojekten in Frage“, SÜDKURIER vom 25.01.2018

Von „Retourkutschen“ ist dieser Tage oft die Rede, wenn es um die nicht stattgegebene Verlängerung des Vertrages von Theater-Intendant Christoph Nix geht. Dabei ist der Fall viel zu komplex, tiefgründig und langwierig, als ihn allein auf Befindlichkeiten zu reduzieren. Natürlich sind einige, vielleicht sogar die Mehrheit der Gemeinderäte persönlich „gekränkt“ davon, dass ihnen ein Mann gegenübersitzt, der klare Worte spricht, leider aber viel zu selten der Kommunalpolitik direkt seine Meinung sagen konnte.

Denn manch ein Stadtrat ist es nicht gewohnt, wenn ihm von einer namhaften Stelle Gegenwind zukommt. Genau aber das hat Nix immer wieder bemängelt: Viele der Räte sind nicht kritikfähig genug, um es aushalten zu können, wenn ihnen einmal die Leviten gelesen werden. Transparenz und Information bei so einigen kulturellen Fehlentscheidungen – nicht nur Nix hat sie eingefordert, und doch nicht bekommen. Er hat viel von seinem Ärgernis auch künstlerisch verarbeitet, selbst das dürfte gewissen Politikern nicht gepasst haben.

Und doch schützt die Freiheit das gestalterische Tun des Intendanten – und das ist richtig so! Möge er sich Gehör für seine Deutlichkeit verschaffen – und sei es auf der Bühne. Das Volk verträgt es allemal, denn der Zuschauer denkt oft gleich. Mit abgeschotteten Abstimmungen ist es nicht getan, sie zementieren Vorurteile. Nix hatte recht – im ersten und vielleicht auch im letzten Akt. Doch der Vorhang ist noch nicht gefallen…

[Dennis Riehle]

Sehr geehrte Damen und Herren,

rund 800 Flüchtlinge, die im Landkreis Konstanz auch nach 24 Monaten noch keine feste Aufenthaltserlaubnis besitzen, fallen aus der Landesfinanzierung – und verursachen nach aktuellen Berechnungen knapp 11 Millionen Euro Kosten für den Kreis.

Wird diese Ausgabe nicht durch das Land Baden-Württemberg übernommen, müsste der Landkreis die Kreisumlage erheblich erhöhen. Wie aus den Städten und Gemeinden zu hören ist, wäre solch ein Schritt nicht finanzierbar – und auch nicht tragbar. Bereits ohne Sonderkosten sind die Finanzierungsanteile der Kommunen für den hiesigen Kreis eine hohe Anforderung. Es darf nicht sein, dass die unterste Ebene das ausbaden muss, was von höherer Stelle angeordnet wurde.

Landrat Frank Hämmerle hat in seinen Reden mehrfach darauf hingewiesen, dass die Hauptverantwortung für den jetzigen Stand der Dinge vom Land zu tragen ist (vgl. https://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/kreis-konstanz/Millionen-Kosten-fuer-Fluechtlingsbetreuung-belasten-den-Kreishaushalt;art372432,9576883).

Nach meiner Einschätzung hat es die Weisung zur Aufnahme von Flüchtlingen erteilt, und damit auch derjenigen, bei denen bis heute unklar ist, ob sie in Deutschland werden bleiben dürfen – oder nicht.

Nicht nur für diese Menschen ist die Situation eine Zitterpartie. Auch die Haushalte der Landkreise können solch eine immense Belastung nicht stemmen. Es ist aus meiner Sicht eine Verpflichtung des Landes Baden-Württemberg, seinen Aufgaben gerecht zu werden und die unerwartet hohen Kosten für die Asylsuchenden, deren Status weiterhin unklar bleibt, zu übernehmen.

Ich unterstütze den Landrat in seiner Auffassung, dass im Zweifel auf die Erfüllung des sogenannten Konnexitätsprinzips geklagt werden müsste. Denn nach meinem Verständnis entbindet § 15 Abs. 2 FlüAG nicht von der Kostenerstattung für Menschen, deren vorläufige Unterbringung nach § 9 Abs. 1 Nummer 4 zwar beendet scheint, gleichzeitig eine Verlängerung nach Abs. 3 nicht ausgeschlossen werden kann – und damit eine vorläufige Unterbringung nicht neuerlich erfolgt, sondern aufgrund des fehlenden Aufenthaltsstatus verlängert wurde. In diesem Fall scheint nach Art. 71 Abs. 3 Landesverfassung Baden-Württemberg die Aufgabenlast, aus der schlussendlich auch die Auslagenlast folgt (äquivalent zu Art. 104a Abs. 1 GG), auch weiterhin beim Land zu liegen (§ 2 Abs. 2 Nummer 1 FlüAG). Immerhin dürfte die untere Aufnahmebehörde in ihrer Zuständigkeit nach § 2 Abs. 4 FlüAG nur für sachliche Entscheidungen, nicht aber für finanzielle Aufwendungen verantwortlich sein.

Ich hoffe entsprechend, dass es nicht zum Rechtsstreit kommen muss, der die angespannte Lage der kommunalen Finanzen weiter verlängern würde und appelliere an Sie, in beiderseitigem Einvernehmen die Städte und Gemeinden nicht mit einer weiteren Last zu bedenken.

Ich verbleibe mit freundlichem Gruß

[Dennis Riehle]

Lesermeinung zu
„Reich-Gutjahr: Miethöhendeckelung ist Ablenkungsmanöver eines grünen Oberbürgermeisters“, Pressemitteilung vom 16.01.2018

Die wohnbaupolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg macht es sich mit ihrer Kritik an Boris Palmer etwas zu leicht. In ihrer Pressemitteilung fehlen maßgebliche Belege für die aufgestellten Behauptungen, beispielsweise, wonach der Verweis auf Spekulationen als Preistreiber für Miethöhen nur ein „Ablenkmanöver“ des grünen OB sei.

Ist es nicht der Bauboom, der eine Blase füllt, die vor lauter Gier nach mehr Rendite irgendwann zu platzen droht? Bauen, bauen, bauen, das ist das Credo der FDP-Politikerin. Dabei weiß sie selbst, dass all das nicht so einfach getan wie gesagt ist. Immerhin stößt auch die Innenentwicklung irgendwann an ihre Grenzen. Und im Außenbereich, da ist es legitim, dass wir umfangreich prüfen müssen, ob und inwieweit wir mit Umwelt- und Naturschutz in Kollision geraten. All das dauert, die deutschen Regelungen mögen an vielen Stellen nur unnötige Bürokratie sein. Doch das bloße Abtun einer staatlichen Miethöhendeckelung bringt hierfür auch keine Lösung.

Viel eher müssen wir fragen, weshalb wir das Angebot immer weiter in die Höhe treiben müssen – und die Nachfrage trotz allem Bemühen nicht sinkt. Was ist mit leerstehendem Wohnraum, wie viel Platz braucht ein Mensch zum Leben? Ja, es ist eine Gerechtigkeitsfrage, die sich auftut – und die nicht allein mit marktwirtschaftlichen Weisheiten beantwortet werden kann.

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Kober: Abschaffung von Sanktionen im SGB II wäre unfair“, Pressemitteilung vom 18.01.2018

In wieweit Lebensmittelgutscheine mit der Würde des Menschen vereinbar sind, darüber kann man trefflich streiten. Nein, wir machen Menschen nicht dadurch klein, dass wir Sanktionen des SGB II streichen. Im Gegenteil. Ich widerspreche Pascal Kober ausdrücklich, dass versäumte Termine bei den Jobcentern vergleichbar sind mit einem verspäteten Erscheinen am Arbeitsplatz. Denn die Konsequenzen sind völlig unterschiedliche – und auch die Hintergedanken divergent.

Bei den Maßnahmen, die gegen „Hartz IV“-Empfänger in Form von Streichungen ihrer Leistungen verhängt werden, geht es in erster Linie um eine Disziplinierung, die nicht selten unrechtmäßig ist. Dass 40 Prozent der Verfahren gegen die Sozialleistung für den Kläger erfolgreich ausgehen, zeigt, dass die Anwendung der Sanktionskeule oftmals willkürlich und damit schikanös angewandt wird. Ich gebe dem „Paritätischen Wohlfahrtsverband“ recht, der die Abschaffung dieses Instrumentes fordert – und damit auf eine bedingungslose Grundsicherung drängt, die dem Menschen den möglichen Freiraum zur individuellen Entfaltung seines Selbst geben würde.

Es ist ein Trugschluss zu glauben, wir seien dazu geschaffen, unseren Alltag auf dem Sofa vor dem Fernseher zu verbringen. Die Mehrheit ist gewillt, Arbeit aufzunehmen – denn sie gibt Sinn, Struktur und Ablenkung. Doch kaum jemand wird zeitnah in einen Job zurückfinden, wenn er von der Agentur gegängelt und für jedes Verfehlen gemaßregelt wird. Empfänger von Sozialleistungen sind keine Sklaven des Staates, sondern selbstbewusste Persönlichkeiten, die es in erster Linie zu fördern, statt ständig nur zu fordern gilt.

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Wie freiheitstauglich ist ein verurteilter Doppelmörder?“, WELT vom 19.01.2018

Gesellschaften tun sich schwer damit, Menschen zu vergeben. Das Vertrauen in diejenigen, die straffällig geworden sind, ist gering. Ihnen wird nicht zugetraut, sich zu wandeln. Besonders „Schwerverbrecher“ sollten dem Populismus vieler Stammtische gemäß ewig im Knast schmoren. Dabei ist unser Rechtsstaat nicht auf „lebenslang“ ausgerichtet. Ein ständiges Wegsperren widerspricht der Philosophie der Wiedereingliederung, die auch für Menschen gelten muss, die schwer an Schuld tragen. „Freiheitstauglich“ sind besonders die, die Buße tun.

Denen, den ein Umdenken bescheinigt werden kann, dort, wo Sühne stattfindet, da muss auch die Chance auf Rückkehr ins Leben bestehen. Mit dem Credo „Aus den Augen, aus dem Sinn“, werden wir niemandem gerecht. Die dauerhafte Unterbringung in der Haft kostet nicht nur den Steuerzahler, sie läuft auch unserer Ethik der Freiheit zuwider, die jedem zugutekommen sollte, den wir nach ausgiebiger Prüfung, nach langer Beobachtung als den identifizieren, der eine Umkehr gewagt hat. Das Gefängnis, die Beschäftigung mit der eigenen Tat, sie kann verändern – und kann aus Menschen neue Persönlichkeiten machen.

Es wird der Würde eines Jeden nicht gerecht, wenn wir unser Justizwesen auf das Verwahren fokussieren. Jede Möglichkeit, selbst Schwerverbrecher wieder in das öffentliche Dasein zu integrieren, erleichtert auch unser Gewissen. Denn Strafe allein, sie mag unsere Überlegenheit befördern. Gerechtigkeit ist aber erst hergestellt, wenn uns die Resozialisierung des Täters gelingt.

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Förderprogramm für die Ränder rechts und links“, Handelsblatt vom 12.01.2018

Ein Mehr an Verteilungen und Ausgaben macht noch keinen besseren Staat. Zwar mag sich der ein oder andere Wähler über die Geschenke einer möglichen Großen Koalition freuen, doch inhaltlich sind wir mit den Sondierungsergebnissen von Union und SPD nicht wirklich weiter. Im Gegenteil: Die jüngere Generation muss sich fürchten, dass die Rentenversprechen mit den Beiträgen der heutigen und künftigen Arbeitnehmer finanziert werden – von den Aufwänden für die Mütterrente ganz abgesehen.

Ein Großteil der Verbesserungen für die ältere Generation wird zulasten der kommenden Erwachsenen gehen. Sozialer Sprengstoff ist schon heute vorprogrammiert. Verbindlichkeit herrscht auch beim Soli nicht: Ein langsames Auslaufenlassen, das widerspricht den einstigen Perspektiven, die man den Menschen in Aussicht stellte. Über Bürgerrente, Freiheitsrechte und Datenschutz liest man in den Sondierungspapieren fast nichts. Und bei der Bildung kam wohl niemand so richtig über den Föderalismusgedanken hinweg, denn auch weiterhin gilt abseits der Finanzen ein strenges Kooperationsverbot – so, wie es sich die Landesfürsten wünschten. Europapolitisch forciert niemand die innere Integration, allein der Wunsch nach mehr Geld, er wird befriedigt.

Im Land selbst sind wir von Entlastungen weit entfernt, Visionen werden mit Milliarden vertröstet. Und während man auf anderen Kontinenten mit Meilenschritten in der Digitalisierung vorausgeht, hetzen wir im Tippeln hinterher. Kein großer Wurf, sondern im Schlafwagen voraus in die Vergangenheit. Mit solchen Versprechen der Großen Koalition kann man Deutschland nur verwalten, reagieren aber, das sieht anders aus!

[Dennis Riehle]

Lesermeinung zu
„Mittel des Rechtsstaates konsequent einsetzen“, Portal Liberal vom 11.01.2018

Liest man die Äußerungen des nordrhein-westfälischen Integrationsministers, so könnte man schnell auf die Idee kommen, sie stammten von einem Rechtsaußen der Union, der mit aller Härte in der Migrations- und Flüchtlingspolitik punkten will. Dabei ist es ein FDP-Politiker, der seine Forderungen nur so aneinanderreiht: Rückführungszentren, „atmende Richtwerte“ oder die Möglichkeit des „Spurwechsels“ für Asylbewerber, die den Absprung in den Arbeitsmarkt geschafft haben. All das klingt nach einem Pauschalverdacht.

Natürlich brauchen wir Ordnung, wenn es um die Einreise in unser Land geht. Und Gefährder haben hier nichts zu suchen! Doch generalisieren wir Flüchtlinge nicht zu Kriminellen und Arbeitsverweigerern, wenn wir mit lautstarken Parolen dafür sorgen, dass sie nicht länger als Schutzsuchende wahrgenommen werden, sondern als die, die unser Land bewusst destabilisieren wollen? Der neue Minister möchte sich zweifelsohne einen Namen als Hardliner machen, er schießt mit seinem Katalog an Maßnahmen aber weit über das Ziel hinaus – und in manchem Details sogar wohl an den Positionen der CDU vorbei. Die Freien Demokraten haben in der Zuwanderungsfrage in den letzten Monaten einen deutlichen Rechtsdrall zurückgelegt.

Zwar will man damit der AfD die Existenzgrundlage nehmen, macht sich gleichsam aber selbst verdächtig, die bürgerliche Mitte zu verlassen. Ich sorge mich ein Stück weit um das Image der Liberalen, die ich bislang als die politische Macht der stetigen Vernunft wahrgenommen habe. Möge auch Minister Stamp wieder zurückkehren ins Fahrwasser bedächtiger Verhältnismäßigkeit.

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Wir brauchen Sanktionen gegen Länder, die Christen verfolgen“, WELT vom 11.1.2018

Zweifelsohne gehören christliche Gläubige zu denjenigen weltweit, die die stärkste Verfolgung, Unterdrückung, Gewalt und Folter hinnehmen müssen. Doch warum fällt der Kommentar so einseitig aus? Natürlich bietet der aktuelle „Open-Doors“-Bericht einen Anstoß dafür, sich mit der Christenverfolgung auseinanderzusetzen.

Doch blicken wir darauf, welche Torturen Menschen unterschiedlichen Bekenntnisses hinnehmen müssen, dann sind es auch andere Religionszugehörige, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken sollten. Und es sind vor allem auch die, die überhaupt nicht glauben: Atheisten werden schikaniert, gepeinigt und verurteilt, weil die „Blasphemie“ noch vielerorts unter Strafe steht und gar den Tod bedeuten kann. Ich würde mir wünschen, dass wir die Realitäten mit mehr Weitsicht wahrnehmen – nicht nur aus dem Blickwinkel des christlich geprägten Deutschlands, in welchem Humanisten, Freidenker oder Konfessionslose auch in diesen Tagen Benachteiligungen in Bildung, bei Feiertagen oder in der Vertretung in öffentlichen Gremien hinnehmen müssen, obwohl sie zu einer immer weiter wachsenden Gesellschaftsgruppe gehören.

Nein, Christenverfolgung ist nicht hinnehmbar. Um aber ein Vorbild in Sachen Religionsfreiheit zu sein, sollten wir in unserem eigenen Land damit beginnen, gleichen Menschen gleiche Rechte zukommen zu lassen – ob sie nun glauben oder nicht.

[Dennis Riehle]

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Jusos in Sachsen-Anhalt,

eine „2000 Jahre alte Hirtenmythologie“, wie Sie das Christentum offenbar in einem Antrag für den Landesparteitag der SPD bezeichnet haben, es kann wahrlich keine Antworten für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts liefern, wenn man sich derart verschlossen gegenüber dem zeigt, was Milliarden Menschen in der Welt verbindet: Ja, zur Religionsfreiheit gehört in Deutschland auch, die Glaubensgemeinschaften kritisieren zu dürfen. Doch Ihre Argumentation stellt sich doch reichlich dürftig dar: Sie wollen das Ende des Einzugs der Kirchensteuer über staatliche Behörden, eine Abschaffung von Leistungen an die Kirchen und ein Ende der Entschädigungszahlungen an selbige – und begründen dies damit, dass das Christentum den Menschen von heute keine Antworten auf die Probleme in ihrer Lebensführung bereithalte.

Wer nicht in der Lage ist, zumindest mit Respekt zu akzeptieren, dass der Glaube etwas Höchstpersönliches ist, den zu deuten es einer gewissen Offenheit und Toleranz auch jenen gegenüber bedarf, die – wie Sie – mit merkwürdigen Rechtfertigungen darauf abzielen, den Status der christlichen Kirchen in Deutschland zu verändern, der wird auch nicht erkennen können, was die Botschaft von Geburt und Tod Jesu Christi dem einzelnen Menschen auch in diesem Jahrzehnt noch zu sagen haben. Es kommt einer Ignoranz der besonderen Art und Weise gleich, wenn persönliche Abneigungen gegenüber einem Glaubensinhalt die Forderung nach dem Ende staatlicher Kooperation mit den Kirchen begründet. Es mag durchaus sein, dass Sie mit bloßer Entwürdigung auf das reagieren können, was Anderen Halt und Kraft gibt. Dass Sie damit Freiheitsgrenzen des Gegenübers überschreiten, merken Sie in Ihrer Boshaftigkeit gegenüber dem christlichen Glauben wohl kaum.

Niemand muss an einen Gott glauben. Und niemand muss davon überzeugt sein, dass sich dieser Gott durch die Geburt eines Menschen als Sohn offenbart – und dadurch zeigt, dass er keine höhere Macht allein, sondern einer von uns ist. Niemand muss an die Errettung glauben, an die wundersamen Ereignisse, die unter Jesu berichtet werden. Und niemand muss damit übereinstimmen, dass Christen die Sünden vergeben werden, wie sie auch Christus in seinem Tod am Kreuz genommen worden sind. Doch zum Anstand gehört es, Dinge nicht zu veralbern, ins Lächerliche zu ziehen. Christen sind in aller Regel friedliebende Menschen, die genauso gut Wertschätzung und Anerkennung für Ihre Weltanschauung des offenbaren Säkularismus entgegenbringen. Wieso kann in einer Generation von heute nicht gleichsam respektiert werden, dass auch Gefühle von Anderen nicht durch schändliche Politisierung verletzt werden müssen?

Ich kann mir nicht vorstellen, welche Wut, welche Aggression, welche tiefe Verbitterung Sie antreibt, dass Sie ein verfassungsrechtlich bis heute nicht beanstandetes Miteinander zwischen dem Staat und den Konfessionen als für beide Seiten, für die Zivilgesellschaft und nicht nur für christliche Bekenntnisträger sinnstiftendes und gewinnbringendes Modell abseits des Laizismus in dieser Brachialität ablehnen. Wir verfolgen in unserem Land derzeit wahrlich andere Sorgen als die Frage, ob das funktionierende System der gegenseitigen Würdigung von Staat und Kirche zu einem Ende kommen sollte. Mit Ihren Forderungen lenken Sie ab von fehlenden Antworten auf die tatsächlich drängenden Fragen. Zweifelsohne verlieren die Kirchen im Land an Mitgliedern. Und damit schwindet auch ihr Einfluss. Dass daraus aber wiederum eine prinzipielle Belustigung einer wachsenden Zahl von Menschen gegenüber christlichen Lehrmeinungen abzuleiten wäre, dafür gibt es nach meinem Dafürhalten keinerlei Anzeichen.

Im Gegenteil: Über eine lange Zeit hinweg galt es als selbstverständlich, dass man sich in der Religions-, Meinungs- und Redefreiheit zumindest an gewisse Maßgaben der Vernunft hielt. Dazu gehörte auch, mit sachdienlichen Argumenten Politik gegen eine durchaus streitbare, aber bis heute die Menschen in diesem Land wohl nicht wirklich belastende Tatsache zu betreiben, wonach es als aus der Geschichte unserer Vergangenheit erwachsene Selbstverständlichkeit galt, das punktuell kooperierende Miteinander von Kirche und Staat zugunsten des Sozialstaatsgedankens, des friedlichen Zusammenhalts der Weltanschauungen und des Lebendighaltens eines Wertekanons zu wertschätzen. Bis auf das Faktum, wonach Sie die christliche Überlieferung, die Tradition und die jahrtausendealte Entwicklung einer religiösen Bewegung als „Mythos“ von Hirten ansehen, die Sie in Ihrer Abwertung wohl auch noch ihrer Gabe berauben wollen, Zeugnis über das Christuskind geliefert zu haben, halten Sie wenig an brauchbarer Kritik vor, um Ihren staatspolitischen Forderungen auch nur irgendeine Relevanz zu schenken.

Ich kann Ihre Einlassungen entsprechend nicht sonderlich ernst nehmen, zeigen sie doch keinerlei Sensibilität für den Respekt vor dem Anderen, sondern offenbaren sie ein transhumanistisches Gedankengut, das allein auf der nihilistischen Grundlage menschlichen Verstandes die traurige Eigenschaft des Menschen im 21. Jahrhundert belegt, für das Begreifen größerer Zusammenhänge, Visionen und Ermutigungen keinen Platz zu sehen. Das ist schade, aber gleichsam verständlich in einer materialistischen Welt, die gut auskommt ohne die Verheißungen, die eben gerade auch dieser Tage noch manch Einen erden würden.

Ich wünsche Ihnen bei Ihrem weiteren Vordringen gegen das Christentum vor allem Weitsicht, nicht irgendwann die eigenen Interessen aus dem Blick zu verlieren, sondern sich wahrhaftig auf den politischen Diskurs zu besinnen, der Ihnen zweifelsohne freistellt, sich auch künftig für ein anderes Verständnis der Rolle von Kirchen und Staat einzusetzen.

Freundliche Grüße

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung
Diskussion um Vereinsamung durch soziale Netzwerke

Die Diskussion über die Frage, ob „Facebook“ einsam macht, beobachtet der „intakt e.V.“, Selbsthilfeverband bei sozialer Phobie und Schüchternheit, mit großem Interesse. Nachdem sich das soziale Netzwerk auch selbst in die Debatte eingebracht hat, wird darüber gestritten, ob sich gerade junge Menschen durch die Nutzung von „Facebook“ und anderen Diensten zunehmend in die Isolation zurückziehen und an ihren sozialen Kommunikationsfertigkeiten verarmen.

„Wir erleben auch in der Selbsthilfe einen Trend dazu, nicht mehr die klassische Gruppe aufzusuchen, in der man von Angesicht zu Angesicht ins Gespräch kommt. Viel eher trifft man sich zum Austausch über Krankheiten und soziale Probleme in geschützten Chaträumen, Foren und bei sozialen Netzwerken. Wir sehen diese Entwicklung durchaus kritisch, zementiert sie bei vielen Betroffenen doch ein wesentliches Problem: die ausbleibende Teilnahme am zivilgesellschaftlichen Leben“, so die Vorsitzenden Julian Kurzidim und Dennis Riehle.

„Es wäre verfrüht, um eine Schlussfolgerung zu ziehen, aber allein der logische Verstand verdeutlicht uns, dass Personen, denen die Übung am Umgang mit Anderen fehlt, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen oder sich ausschließlich auf virtuelle Kontakte konzentrieren, auch anfälliger werden, eine soziale Angst zu entwickeln. Denn wir können durchaus verlernen, wie man sich im zwischenmenschlichen Miteinander verhält, wie man Gespräche führt, wie man selbstbewusst in der Gesellschaft auftritt“.

Der „intakt e.V.“ ist gleichsam der Überzeugung, dass man die Fähigkeiten zum sozialen Interagieren gezielt trainieren kann. „Auch im Zustand einer sozialen Phobie ist die Exposition, das sich bewusste Konfrontieren mit der angstauslösenden Situation, ein wichtiger Therapieansatz. Wenn wir uns vornehmen, wieder vermehrt in reale Bekanntschaften zu investieren, im Redefluss mit Menschen außerhalb der digitalen Welt bleiben, dann haben wir gutes Rüstzeug dafür, auch bei eingeschränktem Nutzungsverhalten sozialer Medien sowohl den schnellen Kontakt am Smartphone oder Tablet zu pflegen, gleichsam aber den Anschluss an das Leben abseits der mobilen Endgeräte nicht zu verpassen“, so die Vorsitzenden abschließend.

[Dennis Riehle]