Leserbrief
zu „Kein Mainaublick für Flüchtlinge“, „Stuttgarter Zeitung“ vom 22. September 2016

Die Debatte um die Bebauung eines sensiblen Gebietes im Konstanzer Teilort Litzelstetten steht stellvertretend für ein gesellschaftliches Klima, in welchem die Maske der Hilfsbereitschaft für Ankommende die unterschwelligen Ressentiments, die Ablehnung des Fremden und unterschiedlichste Neidgefühle verdeckt. Klassisch ersichtlich im schon sprachlich beachtenswert konnotierten Satz: „Wir haben nichts gegen Asylanten, aber…“. Dieses „Aber“ drückt sich hier vor Ort bereits in der skurrilen Feststellung „Seeblick für Flüchtlinge“ aus. Ob als Frage oder Empörung, beides offenbart weit mehr als Populismus vom Stammtisch. Warum sollten nicht auch Geflohene Anspruch auf eine Wohnung mit Sicht auf das Schöne haben? Weil sie noch nicht in die Sozialversicherung eingezahlt haben? Weil sie noch keine Leistung für das Land erbracht haben? Oder vielleicht, weil sie noch keine „anständigen“ Bürger sind, die korrektes Deutsch sprechen und die Sitten und Bräuche kennen? Artikel 1 und 3 unserer Verfassung regeln klar, dass Gleichheit herrscht. Dafür braucht es keine Verdienste, dafür genügt allein das Menschsein. Ob aus Aleppo oder aus Litzelstetten, jeder darf Teil unseres Staates sein, wenn er das Grundgesetz achtet. Letztlich bleibt offen, wer sich daran im Moment besser hält…

[Dennis Riehle]

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