Lesermeinung zu
„Wenn nur noch Drohen hilft“, „ZEIT“ vom 18.10.2017

Man fühlt sich zurückversetzt in Zeiten der PDS und WASG, als linke Interessen in Deutschland noch zwei unterschiedliche politische Kräfte benötigten, um zum Ausdruck gebracht zu werden. Auch heute scheint es noch so: In kaum einer anderen Partei schwelen die Auseinandersetzungen der Flügel derart beständig wie in der LINKEN. Nach der neuen Zusammensetzung der Fraktion brachen die bislang zumeist nicht-öffentlich ausgetragenen Grabenkämpfe jetzt offen auf, war man kurz davor, zurück in die Spaltung aus „Realos“ und „Fundis“ zu fallen.

Weil die ostdeutschen Linken in der Abarbeitung an der AfD offenbar nicht polemisch genug auftraten, weil Sahra Wagenknecht es wiederum wagte, auf die Flüchtlingsfrage rationale Antworten zu finden, deshalb steht DIE LINKE nun vor einem Scherbenhaufen, der verheerend ist für die Wahrnehmung der Partei in der Öffentlichkeit. Denn der Eindruck bleibt mehr denn je: Eine mögliche Mehrheit unter den Linken hat gar kein Interesse, ernsthaft zu regieren. Es geht um Konfrontation, um Kritik, um das Treiben derjenigen, die Verantwortung übernehmen.

Das wollten die beiden Fraktionschefs eigentlich schon lange verhindern, stießen auf erbitterten Widerstand der Parteispitze mit einer immensen Rückendeckung West-Linker. So bleibt DIE LINKE wohl dauerhaft nur ein zahnloser Tiger, der sich auf den Oppositionsbänken im Parlament eingenistet hat, ohne von dort wirklich etwas verändern zu können. Für solch ein Rollenverständnis wurden Parteien jedoch nicht geschaffen. Das hat auch der Wähler verstanden. Und die Linken dürften nach der aktuellen Einlage schon jetzt vor der nächsten Abstimmung zittern.

[Dennis Riehle]

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