Leserbrief zu
„Experimente mit dem Grundeinkommen taugen nichts“, SÜDDEUTSCHE vom 07. August 2017

Wer ein Grundeinkommen weiterhin in die gleiche Kategorie wie das Arbeitsentgelt einordnet oder es miteinander kombiniert, hat den Sinn des gesamten Gedankenmodells nicht verstanden, das derzeit an verschiedenen Orten in der Welt durchdacht und erprobt wird.

Die Bedingungslosigkeit ergibt sich nicht aus einer Bedürftigkeit, sondern kann nicht ohne eine digitalisierte Welt verstanden werden, in der sich Arbeit frei macht von der gegenseitigen Abhängigkeit zu einer Entlohnung. Denn Gewinn entsteht künftig auch ohne Menschenhand. Ihn zu verteilen, das könnte Grundlage eines Einkommens sein, das eigentliche eine Selbstverständlichkeit wiederherstellt: Jeder auf diesem Planet hat das Recht, einen Anteil an Ressourcen und den Profiten zugestanden zu bekommen, der sich künftig von selbst erwirtschaftet.

Arbeit wird dann zu einem Luxusgut, das gerade dadurch seinen Anreiz findet, weil das Grundeinkommen im Sinne der Gemeinschaftlichkeit, aber auch der Gerechtigkeit zwar zu einem Existenzminimum ohne Überlebensängste ausreicht, ein besseres Dasein aber doch nur mithilfe der „Aufstockerleistung“ „Arbeit“ möglich wird. In ihrer Ätiologie sind beide liquiden Mittel aber derart unterschiedlich, dass jeder Vergleich hinken würde.

Vielleicht ist es tatsächlich noch zu früh, das Experiment in einer Dekade zu wagen, in der sich unsere Vernunft noch gegen den rasanten Wandel von Arbeitswelt, Wachstum und Leistung stellt. Der Mensch muss angesichts einer Schnelllebigkeit unserer Zeit allerdings lernen, über seine bisherigen Horizonte hinweg zu planen.

[Dennis Riehle]

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