Leserbrief
zu „Innehalten am Buß- und Bettag“, SÜDDEUTSCHE vom 22.11.2017

Es ist bedauerlich, dass Feiertage heute nur noch eine Bedeutung zu haben scheinen, wenn wir an ihnen „frei“ haben. Dabei ist der Buß- und Bettag in einer Gesellschaft, in der Egoismus und Überheblichkeit wohl nicht nur gefühlt deutlich zugenommen haben, von großer Bedeutung. In Zeiten, in denen wir uns selbst als unantastbar ansehen, was braucht es da noch Buße?

Gerade, weil wir so überzeugt von uns sind, ist die Aufforderung zum Nachdenken so wichtig. Es geht diesem Gedenktag gerade nicht um Strafe, sondern um das befreiende Gefühl der Reue. Wir alle sind nicht fern von Sünde, wir schleppen sie nur oft ganz unbemerkt mit uns. Meinen, dass sie uns nichts anhaben könne, weil der Mensch als das höchste Wesen sich nicht zu entschuldigen braucht für seine Fehltritte. Dabei vergessen wir aber unsere Nächsten, die, denen wir oftmals wehgetan haben, die wir ungerecht behandelt haben, an denen wir vielleicht sogar schuldig geworden sind.

In einer Epoche der Ellenbogen scheint auch das Viele nicht zu beeindrucken, was unsere Gegenüber denken, fühlen, empfinden. Und doch werden wir irgendwann wieder auf sie treffen, werden wir angewiesen sein auf die Hilfe derer, die wir heute links liegen lassen. Deshalb lohnt es sich, um ehrliche Vergebung zu bitten und dafür zu beten, dass auch Gott uns die schweren Bürden nimmt, die wir oftmals erst dann spüren, wenn sie uns bereits zu erdrücken drohen.

Es ist ein barmherziges Gefühl der Entlastung, des neuen Freiseins, wenn wir zu verzeihen bereit sind und gleichzeitig um Verzeihung ansuchen dürfen. Das zwischenmenschliche Ringen um Fairness, nicht um Genugtuung, es ist heilsam für alle Seelen, die es verstanden haben, loszulassen.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

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