BESCHWERDE wegen des möglichen Verstoßes gegen den Pressekodex
„Junge Freiheit“ (online) vom 10. Oktober 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Beitrag „Linke im Realitätsstreß“, veröffentlicht in „Junge Freiheit (online)“ am 10. Oktober 2016 (https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2016/linke-im-realitaetsstress/), verstößt nach meiner Auffassung in Teilen gegen den Pressekodex. Entsprechend lege ich Beschwerde ein. Ein Ausdruck des Artikels („Screenshot“) ist beigefügt.

Begründung:

„Junge Freiheit“ (online) publizierte oben genannten Beitrag als Kommentar. Wenngleich dieser journalistischen Textform mehr Freiheiten zustehen als beispielsweise einem Sachbericht, sind auch in einem solchen Standpunkt Grenzen der Meinungsfreiheit zu achten, unter denen der Pressekodex gleichsam Anwendung findet. Entsprechend bemängele ich bereits den ersten Satz des Textes, in welchem das Wort der „Schutzsuchenden“ offenkundig bewusst in Anführungszeichen gesetzt wurde. Die Fluchtursachen von Asylsuchenden werden hierdurch pauschal in Frage gestellt, der Autor bezweifelt scheinbar generell, dass Menschen aus Gründen der Gewalt, Verfolgung oder des Krieges zu uns kommen und diese stattdessen nur vorschieben.

Derartige Unterstellungen kommen einer Diskriminierung nach Ziffer 12 Pressekodex gleich. Ich untermauere diesen Verdacht dem Beispiel der offenbar ebenso explizit getroffenen Betonung der „angeblichen“ Traumatisierung, die wiederum die Skepsis an den Angaben der Asylsuchenden – dieses Mal an deren seelischen Zustand – verdeutlicht und mithilfe derer der Autor ihnen mögliche Falschaussagen vorwirft, ohne dafür Belege vorzuweisen.

Fragwürdig auch, was der Autor mit der „sexuellen Not“ ausdrücken möchte. Die Suggestion beim Leser dürfte dahingehend ausfallen, dass Flüchtlinge generell einen sexuellen Drang mitbringen, möglicherweise gar biologisch darauf ausgerichtet sind, und der nun hier am „Frauenvolk“ ausgelebt werden muss. Damit dürften geschickt gedankliche Verbindungen zu Ereignissen wie in der Silvesternacht in Köln oder zu anderen sexuellen Übergriffen hergestellt und Vorurteile bestärkt werden. Einer ganzen ethnischen Gruppe wird eine potenzielle Sexualisierung unterstellt, was einer Diskriminierung einerseits (Ziffer 12 Pressekodex), aber auch einer Missachtung ihrer Ehre (Ziffer 9 Pressekodex) gleichkommt.

Die vorliegenden Zitate aus einem verlinkten Artikel bleiben bei der Betrachtung außen vor. Viel eher ergeben sich die anstößigen Stellen aus den eigenen Worten des Kommentators. Er arbeitet dabei unzureichend heraus, dass sich sein Beitrag offenbar auf Einzelfälle in Leipzig bezieht. Statt einer Differenzierung streckt sich durch den Text viel eher der Tenor einer Frauenfeindlichkeit des „afrikanisch-orientalischen Jungmannens“ im Allgemeinen, ist doch eine Individualisierung und Begrenzung auf die tatsächlich geschilderten Beispiele ausgeblieben.

Insofern liegt unter Abwägung der Verhältnismäßigkeiten von Meinungsfreiheit und den genannten Ziffern des Pressekodexes für mein Verständnis ein eindeutiger Verstoß gegen die presseethischen Vorgaben vor, weshalb ich um eine Prüfung des Beitrages bitte.

Ich verbleibe mit Dank
und bestem Gruß

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.

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