Pressemitteilung

Aus Anlass des Welttages zur Seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2017 warnt die Selbsthilfegruppe für Zwänge, Phobien und Depressionen im Landkreis Konstanz vor zu viel Gelassenheit: „Nur, weil wir mittlerweile desöfteren etwas von Depressionen im Fernsehen hören oder in der Zeitung lesen, ist die Entstigmatisierung von Betroffenen noch lange nicht fortgeschritten“, so der Leiter des Angebots, Dennis Riehle, der ergänzt: „Wir erleben in unserer Arbeit, dass die Scham weiterhin sehr groß ist und sich Erkrankte bereits gegenüber Angehörigen fürchten, zu ihrer Betroffenheit zu stehen. Noch schwieriger wird es im Arbeitsumfeld, unter Freunden oder Schulkollegen – denn immer häufiger sind auch Schüler, Studenten oder Auszubildende unter den Erkrankten“.

„Auch, weil wir nicht richtig wissen, wie wir mit psychischen Erkrankungen umgehen sollen, verharmlosen wir sie. Ob als Betroffener oder auch als Gegenüber – wenn wir das Ganze auf ein ‚BurnOut‘, auf Stress oder den Leistungsdruck schieben können, sind wir erleichtert, uns nicht weiter mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen. Dabei sind das häufig nur einige der Auslöser für schwere Leiden wie die Depression, die natürlich in vielen Fällen auch eine Wurzel in unserer gesellschaftlichen Entwicklung des Schneller, Weiter, Höher hat“, meint Riehle, der gerade für diese Situationen mahnt, die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Was sich mittlerweile nach einer gängigen Volkskrankheit anhört, ist zwar heute eine gut behandelbare, aber noch immer nicht im Bewusstsein der Menschen angekommene seelische Störung, die dringend einer Therapie bedarf“.

Gerade zum Welttag sei es daher wichtig, auf die Ernsthaftigkeit der Thematik hinzuweisen: „Uns hilft die gute medizinische und psychotherapeutische Unterstützung, die vor allem in den vergangenen 20 Jahren an Fahrt gewonnen hat, nur wenig, wenn Mitmenschen in der Annahme der Erkrankung nicht mitziehen. Dabei erleichtert es die Betroffenen erheblich, wenn sie sich nicht noch im eigenen Umfeld rechtfertigen müssen, sondern offen über ihre Situation sprechen können. Der Appell geht daher zum Abbau von zwischenmenschlichen Hürden und zum Aufbau von Vertrauen in den engsten Beziehungen“, so Riehle, der in der Selbsthilfearbeit oft gerade zu der Frage berät, wie Erkrankte sich ihren Nächsten gegenüber öffnen können – und wie Angehörige im Zweifel auf ein „Geständnis“ reagieren sollten.

„In der Kommunikation gibt es Wichtiges zu beachten, sie muss befreit sein von Vorwürfen, dafür unterfüttert von ‚Ich-Botschaften‘ und der beiderseitigen Bereitschaft, Überforderung einzugestehen“, erklärt der 32-Jährige, der selbst mit schweren Depressionen zu kämpfen hat und weiß, dass im Zweifel ein offensiver Umgang helfen, aber auch risikoreich sein kann: „Man sollte genau abwägen, welcher Person man wann seine Erkrankung anvertraut. Denn nicht jeder Zeitpunkt ist ideal dafür. Und manchmal rate sogar ich dazu, lieber zu schweigen“. Gleichsam gelte für die Allgemeinheit, das Thema der seelischen Erkrankungen auch im Alltag nicht zu tabuisieren. „Warum sprechen wir so leicht von einer Grippe, tun uns aber bei einer Depression so schwer? Einen logischen Grund dafür gibt es für mich nicht!“, motiviert der Gruppenleiter zu mehr Mut.

Für Rückfragen steht die Selbsthilfeinitiative unter Mail: info@zwang-phobie-depression.de oder über Tel.: 07531/955401 (AB) zur Verfügung. Das ehrenamtliche Angebot ist kostenlos und steht Betroffenen, Angehörigen und Interessierten offen.

[Dennis Riehle]

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