Lesermeinung
zu „Sizilianischer Priester segnet Handys“, „Süddeutsche“ vom 11.12.2017

Jeden Tag erreichen uns neue skurrile Meldungen aus der Welt der Moderne und des Mainstreams. Wie die, dass ein italienischer Pfarrer jetzt auch Handys segnen will. Dabei gibt uns die Bibel klare Anweisungen zum Handauflegen: Der Segen ist in erster Linie personalisiert, auf den Menschen gerichtet. 1. Mose 12,2 ist ein Beispiel hierfür.

Aber schon unsere reine Vernunft macht klar: Am „Smartphone“ gibt es nichts zu segnen. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen süchtig nach ihrem Mobiltelefon werden, sind die Endgeräte eher ein großer Fluch für alle, denen ein Leben abseits der virtuellen Welt noch etwas bedeutet. Mit dem Segen setzen wir ein Zeichen, wir heißen etwas gut.

Das scheint nicht zu der Kritikfähigkeit zu passen, der sich ein Smartphone ausgesetzt sehen muss. Gott bejaht nichts, was uns abbringt von der Zentrierung auf sein Wirken und Tun. Selbst manch einem Pfarrer würde heute neben dem Zölibat auch die Enthaltsamkeit vom eigenen Handy guttun. Denn nichts führt so sehr in Versuchung wie der ständig wachsende Drang hin zum Kommunizieren, Surfen, Recherchieren.

Der Konsum des Digitalen, er läuft dem Gebot der Ruhe und Besinnung zuwider, das wir verlernt haben ernst zu nehmen. Selbst wenn mein Smartphone heute Apps zum Beten und Bibellesen anbietet, nichts kann das bewusste Einlassen auf das Studium der Heiligen Schrift, auf den direkten Kontakt zum Schöpfer, ersetzen. Deshalb dürfen wir nicht unterstützen, was zur Sünde verleitet. Ein Segen für Handys ist absurd!

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Konstanz. Ankündigungen aus den Parteien, das Werbeverbot für die Abtreibung nach § 219 StGB abschaffen zu wollen, kommentiert der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bekenntnistreue Christen – Konstanz mit eindeutigen Worten: „Gerade denen, die mit Schwangerschaftsabbrüchen Geld verdienen, muss es verboten bleiben, für eine Beendigung von Leben zu werben“ sagt Dennis Riehle, der hinzufügt: „Ein Arzt, der selbst Abtreibungen vornimmt, kann nicht objektiv über den Schwangerschaftsabbruch informieren. Natürlich brauchen Frauen im äußersten Falle, wenn nach Recht und Gesetz alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, sie von diesem Schritt abzubringen, Aufklärung über die Abtreibung, das Vorgehen, die Folgen und Konsequenzen. Solche Informationen sachlich vorzutragen kann dem aber nicht gelingen, der von einem solchen Verfahren auch noch profitiert“.

Nach Aussagen Riehles sei der Schwangerschaftsabbruch keine „Dienstleistung“ wie andere, für die man werben müsse. „Beratungsstellen, die nichts mit der Abtreibung zu tun haben, können die einzig unbeeinflussten Informationsgeber über den Schwangerschaftsabbruch sein. Außerdem gibt es ausreichend andere Möglichkeiten, als sich von demjenigen unterrichten zu lassen, der einen Vermögensvorteil von der Abtreibung hat. Es braucht daher keine Werbung durch Mediziner, die selbst Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, weil Abtreibungen nichts sind, was es anzupreisen, sondern zu verhindern gilt“. Riehle fordert Ärzte stattdessen auf, für das Leben einzutreten: „Das Selbstbestimmungsrecht der Frau kommt dort an die Grenzen, wo die Freiheit einer werdenden Mutter auf die Rechte eines heranwachsenden Menschen trifft. Mediziner sollten – wie die Gesellschaft im Gesamten – Schwangeren beistehen, damit sie überhaupt keinen Grund zur Abtreibung sehen. Wer sich heute für die Werbung zum Schwangerschaftsabbruch durch Abtreibung vornehmende Ärzte einsetzt, der untermauert die ethisch-moralische Korrektheit des Abbruchs eines werdenden Lebens, der in Deutschland nur ausnahmsweise straffrei bleibt“.

Riehle fordert insgesamt eine völlig andere Debattenkultur: „Dass sich politische Parteien vor den Karren derer spannen lassen, die allein das Recht der Frau auf ihren eigenen Körper hochhalten und die Abtreibung zu einer völlig normalen Alltagsdienstleistung verkommen lassen, ist Ausdruck einer Verrohung der Sitten in unserem Land. Wir müssen uns allesamt fragen, welchen Wert das werdende Leben für uns noch hat“.

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Verbraucherschützer: Patienten sollen auf Videosprechstunde bestehen“, Finanzen.net vom 13.11.2017

Wenn sich nur jeder vierte Baden-Württemberger für eine Video-Sprechstunde mit seinem Arzt ausspricht, dann muss doch ein erheblicher Zweifel daran aufkommen, ob die Bevölkerung überhaupt schon bereit für die Telemedizin ist. Denn es geht erst im zweiten Schritt um das, was sich Verbraucherzentralen oder manch Ärzteverband wünschen. Wenn den Patienten im Video-Chat Vertrauen, Empathie und Datenschutz fehlen, um sich für eine medizinische „Behandlung“ auf diesem Wege zu öffnen, dann sollte das Alarmglocken bei denen klingeln lassen, die Kameras und Programme für solch eine Maßnahme an Mann und Frau bringen wollen.

Nein, nicht das Geschäft von Start-Ups steht im Vordergrund, wenn es um die Gesundheit der Bürger geht. Steht der Wunsch der Patienten auf persönliche, gegenwärtige und menschliche Zuwendung dem Gewinnstreben einer neuen Sparte an Unternehmen im Weg, die sich an der Video-Sprechstunde bereichern wollen, dann muss letztendlich der Wille des Patienten siegen. Warum respektiert die Branche nicht, dass es noch zu früh ist mit einer Revolution in der ärztlichen Therapie?

Berührungsängste der Menschen muss man ernst nehmen, Zweifel ausräumen und Fragen beantworten, statt eine Technologie durchzudrücken, die bei einer Mehrheit der Bevölkerung auf keine Gegenliebe stößt. Ich selbst würde mich nicht über eine Videokamera zu einem Gespräch mit meinem Arzt verabreden. Nicht nur, dass es an jeglicher geschützter Atmosphäre fehlt, sind die Interventionsmöglichkeiten des Behandlers doch gering – und seine Möglichkeiten nach einer tatsächlichen Einschätzung meiner Beschwerden ziemlich begrenzt. Was bleibt dann noch? „Small-Talk“? Dafür ist die Sprechstunde wahrlich zu kostbar…

[Dennis Riehle]

Lesermeinung zu
„FDP geht mit säkularer Position bei einer Jamaika-Koalition voran“, hpd.de vom 16.11.2017

Für mich als juristischen Laien bleibt auch im Einzelfall der Beihilfe zum Suizid ein ethischer Beigeschmack. Ähnlich, wie der Gesetzgeber auch den Schwangerschaftsabbruch bis zum dritten Monat nicht unter Strafe stellt, so erkennt er auch im Fall der Sterbehilfe eine Ausnahmesituation, die er – so ließ es auch die Diskussion im Bundestag vermuten – zwar billigt, dennoch aber große Bedenken gegen ein wiederholendes Handeln hegt.

Wenngleich bei der Sterbehilfe die grundsätzliche Distanzierung vom Handlungsakt im Gesetz nicht widergespiegelt wird, so lässt gerade der Aspekt der „Geschäftsmäßigkeit“ im Paragrafen als notwendige Hürde zur Strafbarkeit erkennen, dass der Gesetzgeber auch in der grundsätzlichen „Tat“ der Sterbehilfe ein Unrecht sieht. Er sanktioniert es nicht, weil er für einmalige Notsituationen eine Ausweichregelung schaffen will, die niemanden bestraft, der aus emotionaler, ethischer und normativer Befangenheit unter dem Druck der Entscheidung steht, Leben erhalten zu wollen und dem Wunsch nach dem Sterben nachzukommen. Denn tatsächlich ist es ein Unterschied im moralischen Beweggrund, der für die Strafbarkeit einer Handlung von erheblicher Bedeutung ist, ob einem Verlangen nach Sterbehilfe aus einer solitären Zwangssituation heraus Folge geleistet oder ob ein Dienst aus finanziellem oder selbstherrlichem Anspruch heraus wiederholt vollzogen wird.

Den Vorstoß der FDP, § 217 StGB nochmals zu überarbeiten, kann ich deshalb nicht verstehen, weil mir in der Argumentation das Recht auf Freiheit des Sterbehelfers zu kurz kommt. Wenngleich er bereitwillig ist, mit seinem Tun einem Suizid beizuhelfen, so muss auch seine Freiheit des Handelns vor einer Übertretung ethischer Grenzen geschützt werden. Denn gerade Art. 1 GG ist es, der nicht nur die Würde des Menschen, sondern auch das Recht auf Leben garantiert. Dafür hat der Staat Sorge zu tragen. Und dem Grunde nach ist auch der Mensch darauf ausgerichtet, nicht Leben zu nehmen, sondern Leben zu bewahren.

Deshalb ist bereits das Abverlangen einer Suizidbeihilfe eine Grenzüberschreitung gegenüber des Sterbehelfers, die er nur dann in reinem Gewissen verüben kann, wenn er um die einmalige Solidarität mit einem ganz bestimmten, nahestehenden und in persönlichem Bezug lebenden Menschen weiß. Wir sind nicht darauf angelegt, Menschen im Sterben zu helfen – auch wenn das Gegenüber und wir selbst ein Leiden nicht mehr mitertragen können. Aller Einsatz muss auf Erhaltung des Daseins gerichtet sein – und deshalb wäre es auch viel zu verfrüht, das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. März 2017, das Sterbehilfe in „extremen Ausnahmesituationen“ zulässt, als Freifahrtsschein zu verstehen. Im Gegenteil: Mit seinem Rechtsspruch unterstreicht das Gericht die jetzige Formulierung des § 217 StGB, der genau diese besondere Konstellation zulässt – einmalig und nicht geschäftsmäßig.

[Dennis Riehle]

Leserbrief
zur FDP-Kritik am „grünen“ Antrag zu Regenbogenfamilien im Landtag von NRW

Die FDP hat vollkommen recht, wenn sie die Frage stellt, welche Antwort die „Grünen“ im Landtag von Nordrhein-Westfalen auf die Verantwortungsbereitschaft von Vätern haben, deren Kinder in einer Regenbogenfamilie aus zwei Frauen leben.

Es ist das Recht eines Kindes, seinen Vater auch als solchen wahrnehmen zu dürfen – statt einer zweiten Mama verordnet zu werden, die automatisch, durch das Gesetz geregelt, mit der Heirat ihrer Ehefrau auch zur Mutter des Kindes wird, das eine der beiden Frauen mit in die Ehe bringt. Denn schon in heterosexuellen Familien, nach Scheidung und Trennung, stehen Väter in Deutschland oftmals alleine da mit ihren Ansprüchen, ihre Kinder zu Gesicht zu bekommen, den Umgang regeln zu können oder darauf zu vertrauen, auch nach dem Aus zwischen zwei Partnern zumindest die Elternschaft für das Kind nicht zerbrechen zu lassen.

Wir haben bereits heute eine Gesetzgebung und eine Rechtsprechung, die Väter – ob nun in „gewöhnlichen“ Familien oder aus Gleichgeschlechtlichen bestehend – nicht selten schlechter stellt als die Mütter. Dabei gehört der Vater nicht nur zwingend zur Zeugung hinzu. Auch im Erwachsenwerden eines Kindes spielt die männliche Figur eine bedeutende Rolle. Ganz abseits der Frage, in welchem Umfeld die Kleinsten nun heranwachsen, ihnen muss ein Anrecht auf die Einbindung des Vaters in jedwedes Familienkonstrukt erhalten bleiben.

Denn wie bei allen Fragen aus diesem Bereich hat auch hier das Kindeswohl an erster Stelle zu stehen. Und dass die „grün“ geforderte Abstinenz der Männer tatsächlich ohne Folgen für diejenigen bleibt, die irgendwann ganz natürlich nach einem Vater fragen werden, das kann ich nicht glauben – und will es auch nicht.

[Dennis Riehle]

Leserbrief
zu: „Penny verkauft ‚Zipfelmännchen‘ in Regenbogenfarben“, idea.de vom 05.11.2017

Bei allem Verständnis für das Eintreten von Gleichheitsrechten Schwuler und Lesben: Ich schäme mich als Homosexueller, wenn nun selbst das Nikolaus-Fest missbraucht wird, um auf empfundene Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft hinzuweisen.

Ein traditionsreiches Fest, hinter dem eine ernsthafte Botschaft von Armut, Gerechtigkeit und Empathie steckt, darf nicht für eine Werbemaßnahme zweckentfremdet werden, die mit dem eigentlichen Hintergrund des Brauchtums nichts gemein hat.

Ich distanziere mich als Schwuler von solch einer Vereinnahmung des Nikolaus-Festes für einen rein politischen Aufruf, denn es geht in Wahrheit nicht um die Liebe auch unter Gleichgeschlechtlichen, sondern um die Weiterverbreitung einer Ideologie, in der nicht nur Respekt, sondern Akzeptanz aufoktroyiert werden soll.

Schwule und Lesben sind nicht weniger, aber eben auch nicht mehr wert als alle Anderen. Wenn dieser Grundsatz durch ein ständiges Bevorzugen der Homosexuellenbewegung ins Wanken gerät, dann wackelt auch der soziale Friede.

[Dennis Riehle]

Kommentar

Ja, vor der (möglichen) zukünftigen Bundesregierung, da liegen tatsächlich viele Aufgaben. Von allen Seiten wird sie mit Themen beschossen, eines wichtiger als das andere. Manchmal tun mir die Unterhändler schon leid, denn was ist wirklich entscheidend in unseren Tagen? Ist es vordringlich, Artikel 3 des Grundgesetzes anzupassen? Einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie aufzulegen? Das weltweite Eintreten für eine Entkriminalisierung von LSBTI voranzutreiben? Sicher, manch ein Anliegen davon ist nicht nur sinnvoll, sondern gar erstrebenswert. Doch kämpft unsere Republik gerade nicht mit anderen Sorgen? Geht es da nicht um Existenzielleres, als um Feinheiten, die für Einige sicherlich eine große Bedeutung haben mögen, die in einem demokratischen Verständnis der Mehrheit aber zunächst einmal zurückgestellt werden sollten, bis wir all das gelöst haben, was uns gemeinsam noch viel dringlicher auf den Nägeln brennt?

Wenn ich Deutschland aus dem Blickwinkel des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) sehe, dann denke ich manchmal, wir lebten noch immer in einem Unrechtsstaat! „Menschenrechtsbasierte Gesetzgebung zur Anerkennung der Geschlechtsidentität“ ist eine weitere Forderung des LSVD anlässlich der Sondierungsgespräche einer möglichen Koalition, so verlautbarte es erst kürzlich gegenüber der Öffentlichkeit. Ja gelten in der Bundesrepublik denn noch immer keine Menschenrechte, so will man ob der skurrilen Formulierungen der selbsternannten Interessenvertreter von Homosexuellen fragen, die offenbar ernsthaft der Überzeugung sind, Deutschland sei auch im 21. Jahrhundert noch immer fern eines Rechtsstaates?!

Das Bestreben absoluter Neutralität. Keine Männer, keine Frauen mehr – nur noch ein „Es“. Gesetze berücksichtigen nicht Männlein, nicht Weiblein – so, wie Toiletten unisex sind und Ampelmännchen (pardon, -frauchen) nicht länger darauf hinweisen dürfen, ob und welchem Geschlecht sie denn möglicherweise zugehören. Ad absurdum führen schon lange „Binnen-I‘s“ und Sternchen (*) jeglichen Leser von geschlechtsneutralen Texten, die nun durchgängig Verwaltungen, Unternehmen und das gesellschaftliche Zusammenleben heimsuchen und das Land zu einer geschlechtsfreien Zone erklären sollen. So zumindest dürfte die Vorstellung sein, wenn man sich ernstlich vor Augen führt, was hinter den Anstrengungen steckt, die auch abseits jeglicher Wahlen auf Politiker einwirken.

Dass wir uns nach dem Erreichen eines großen Etappenziels, der Einführung der „Ehe für alle“, nun um die nächsten Wünsche derer kümmern müssen, die dem „Gendern“ verfallen sind, das dürfte nicht jedem schmecken. Verbindlichkeiten abzuschaffen und stattdessen der Beliebigkeit Tor und Tür zu öffnen, für die in vielen Teilen der Zivilgesellschaft nur beschränktes Verständnis zu herrschen scheint, ist das Aufgabe der Politik, die Verantwortung für die gesamte Gesellschaft trägt? „Können die denn nie genug kriegen“, so fragte mich erst kürzlich ein Bekannter, als wir darüber debattierten, was ich – als vermeintlich einer von „denen“ – denn so halten würde von den Ansinnen der Lesben- und Schwulenvertreter im Land, bei denen nach der Wahl schon wieder vor der Wahl zu sein scheint.

Ich mache mich keinesfalls lustig, weder über Homosexuelle, von denen ich selbst einer bin, aber auch nicht über Intersexuelle (zu denen man mich auch schon zählte), Transsexuelle oder wie auch immer jemand sich selbst zu definieren vermag. Doch wo ist Minderheitenpolitik gegenüber einer Mehrheit noch gerechtfertigt? Muss jede menschliche Besonderheit künftig eine gesetzgeberische Beachtung finden? Ist es verhältnismäßig, dass sich eine Vielzahl nach dem richtet, was einen Einzelnen in seinen Gefühlen zu verletzen droht? Und wie soll das Zusammenleben praktisch aussehen, wenn wir fortan tatsächlich unsere Identität verlieren und als Neutren durch die Welt gehen, in der wir jede Ecke und jede Kante einbüßen, vor Gleichmacherei auch noch unseren Charakter aufgeben?

Nein, ich verlange niemandem ab, dass er sich in ein Korsett einer Geschlechtsidentität presst. Wer nicht männlich und nicht weiblich empfindet, wer Frau zu sein scheint, aber eher Mann sein möchte – und umgekehrt, der hat weder weniger Wert als der, der männlich gestanden mit geschwellter Brust vor lauter Testosteron zu platzen droht. Der ist auch nicht „fremd“, vielleicht anders, hat aber dieselben Rechte wie jeder, für den es unsinnig sein mag, das Thema überhaupt zu diskutieren. Ja, wie Mann und Frau, so – nicht mehr, nicht weniger – stehen jedem von uns universelle Ansprüche zu. Dabei kann und will ich aber nicht glauben, dass wir in einem Land leben, in dem wir reihenweise von unserem Geschlecht Abstand nehmen, in welchem wir der Zugehörigkeit zu Mannsein oder Frausein versagen, vielleicht gar aus Solidarität mit denen, die sich nicht einengen, nicht einklassifizieren lassen möchten.

Wie jeder von uns sich in seiner Selbstverantwortung versteht, das ist die Privatsache eines Einzelnen. Wir können als Gesellschaft aber nur funktionieren, wenn wir gewisse Normen an uns anlegen, um Ordnung in ein Gemeinwesen zu bringen, das sich eben nicht erst seit gestern an der offensichtlich mehrheitlichen Geschlechtszuweisung von Mann und Frau orientiert. Es steht mir nicht zu, mich einzumischen in die emotionale Welt eines Anderen. Doch aus eigener Erfahrung weiß ich, welch unheimlich erlösendes Gefühl es gewesen ist, mich zu einem der gängigen Geschlechter zugehörig definieren zu können. Nein, nicht, weil ich damit auch Teil dieses angeblichen „Normalen“ wurde, sondern weil ich selbst nicht mehr ringen musste, nicht mehr durcheinander war ob des Auseinanderbrechens von äußerlichen Geschlechtsmerkmalen und inneren Empfindungen. Weil ich Gewissheit hatte und Ruhe finden konnte, deshalb war es für mich erleichternd, mich als Mann zu sehen – und ein solcher auch zu bleiben.

Und nochmals: Ich erwarte nicht, dass sich jemand in gleicher Art festlegt. Und doch kann ich in einer Gemeinschaft der Vielen doch um Verständnis bitten, dass die Zukunft nicht der Willkür überlassen wird. Wir brauchen Verlässlichkeiten, auf die wir uns berufen können, allein, um des eigenen inneren Friedens willen, aber auch, um nicht zu vergessen, dass die Natur offenbar Verschiedenheiten vorgesehen hat. Auch hier gilt: Es ist nicht eine Frage des „Besser“ oder „Schlechter“. Geschlechter sind jemandem gegenüber, der sich nicht einordnen kann, weder überlegen, noch dazu berechtigt, sich über ihn zu erheben. Und doch ist es eine Frage von Mehrheit und Minderheit – und von Egoismus und Solidarität. Denn ein demokratisches Gemeinwesen kann nur funktionieren, wenn nicht jeder Einzelne seine Rechte durchzusetzen vermag, sondern bereit ist, sich auf Nenner zu verständigen.

Und so wäre es auch an der Zeit, dass sich LSVD und alle, die berechtigt für ihre Klientel eintreten, bedachtsam geben in Forderungen, Erwartungen und Ansprüchen. Denn nichts wäre in Phasen der Geschichte, in denen wir uns neuerlich auseinander zu dividieren drohen, verheerender, als vordringlich auf Partikularinteressen von Minderheiten dort zu setzen, wo wir – und da gebe ich allen Kämpfern für mehr Gleichberechtigung vollkommen recht – noch genügend Arbeit damit haben, für deutlich Grundlegenderes zu werben: Homosexualität, Transsexualität, Intersexualität – sie alle müssen als gleichwertige, schützenswerte und respektierte Merkmale des Menschen selbstverständlich werden. Nicht auf dem Papier. Sondern im Alltag.

[Dennis Riehle]

Leserbrief
zur Ankündigung über eine „Halloween-Sauna“ in der „Bodensee-Therme“ Konstanz

Braucht es eine „Halloween-Sauna“? Ich kann das Marketing der „Bodensee-Therme“ zwar gut verstehen, wenn man mit dem legendären Brauch von Geistern, Hexen und Grimassen auch im Schwimmbad Kasse machen möchte. Doch gerade in diesem Jahr, da Christen offiziell gleich zwei Feiertage hintereinander begehen und die Stimmung eher des Gedenkens würdig ist, scheint es mir ein Affront gegen die Gläubigen, sich mit solchen Aktionen in den Vordergrund spielen zu wollen.

Ja, wir leben in einer Zeit des Egoismus. Jeder beansprucht für sich Selbstbestimmung. Da will man keine Regeln vorgesetzt bekommen, wann man Musik hören, Party machen oder in die Kürbis-Saune gehen darf. Respekt scheint in diesem Jahrhundert zu einem „Unwort“ verkommen zu sein. Doch wie lässt es sich gemeinsam leben, wenn jeder seine Freiheiten durchzusetzen vermag, ohne Rücksicht darauf, die Empfindungen Anderer zu verletzen? Ja, ich weiß, „religiöse Gefühle“ gibt es in einer säkularen Welt nicht mehr. Und ob Luther nun Thesen anschlug oder Katholiken den Toten gedenken wollen, was interessiert’s den Atheisten oder den, der zwar brav seine Kirchensteuern zahlt, aber eigentlich nichts mehr am Hut hat mit dem Glauben?

Solidarität im Besinnen darauf, dass Stille und Innehalten jedem gut tun kann, zur Rückbesinnung auf die Wurzeln, auf Leben und Sterben, auf die Freude am Hier und Jetzt, diese Einsicht wünsche ich allen zum Monatswechsel – ob nun feucht-warm beim Saunieren oder beim Beten in Kirche, Zuhause oder auf dem Friedhof.

[Dennis Riehle]

Lesermeinung zu
„Wo Sterbehilfe selbstverständlich erscheint“, katholisch.de vom 03.10.2017

Es ist nicht verwunderlich, dass sich eine Mehrheit der Deutschen laut einer aktuellen Umfrage dafür ausspricht, im Zweifelsfalle einem leidenden Angehörigen dabei helfen zu wollen, sich das Leben zu nehmen. Wir sind soziale Wesen, die der Mitmenschlichkeit gerade gegenüber unseren Allernächsten einen größeren Vorrang einräumen als ethischen Überlegungen, als Gesetzen und Paragrafen, als Dogmen und Leitlinien. Und doch resultiert aus der Meinung der Bevölkerung nicht zwangsläufig auch ein Automatismus für Recht und Politik. Zwar hat in einer Demokratie der Wille des Volkes eine herausragende Bedeutung. Doch dürfen wir allein aus der Bereitschaft, dass Viele von uns unseren Angehörigen unter dem Umstand großen Leidens zum Suizid verhelfen würden, nicht die Notwendigkeit ableiten, dass genau für diese Offenheit auch ein passender gesetzlicher Rahmen geschaffen wird, der noch liberaler auszulegen ist als der bisherige bereits.

Wer davon ausgeht, dass unter der momentanen Regelung Sterbehilfe kaum möglich sei, solange Ärzte keine Rechtssicherheit erhielten, wenn sie beim Suizid Unterstützung leisteten, der fordert im Umkehrschluss die zweifelsfrei auf eine zumindest zur gewerblichen Sterbehilfe zu verkommen drohende Form des Unterstützens eines Freitodes in Fällen von schwerer Krankheit, welche der Bundestag im Jahr 2015 ausdrücklich ausgeschlossen hatte. Der Grundsatz nämlich, Ärzte seien zum Heilen und zur Linderung von Leiden da, hat sich auch durch die Debatte um die Sterbehilfe nicht verhindert. Die Berufsgruppe darf ihre Stellung auch künftig nicht dafür ausnutzen, ihrem eigenen Mitgefühl zu verfallen. Denn für ein solches wären auch die Schutzmechanismen, die wir rechtlich einzubauen in der Lage wären, nicht hinreichend, um einer logischen Konsequenz der Empathie entgegenzustehen.

Denn es ist das falsche Mitgefühl, wenn wir einem Sterbewunsch dadurch entgegenkommen, dass wir ihn in seiner Erfüllung unterstützen. Kaum jemand wird bestreiten können, dass Äußerungen nach der Bitte um Assistenz beim Freitod aus einer Not heraus geboren werden, die einen klaren Blick auf die Möglichkeiten von Palliativmedizin und Therapie verschließt. Denn auch wenn Suizidenten den Eindruck einer Aufgeklärtheit erwecken, so ist ihre tatsächliche Information über Alternativen oft unzureichend. Auch ihr Wissen über das, was morgen möglich sein wird, um ein Leben erträglicher, ja vielleicht gar wieder lebenswert zu machen, dringt in einem Abwehrmechanismus nicht bis zur Vernunft vor, die im Zustand eines ungebrochenen Willens aus der Perpektivlosigkeit heraus ausgeschaltet ist.

Viel zu schnell wird der Suizid als einzige Möglichkeit für eine scheinbar ausweglose Lage gesehen, für die es auf Grundlage des heutigen medizinischen und psychologischen Fortschritts in kaum noch einem Fall eine tatsächliche Begründung geben dürfte. Denn: Weder Depressionen, auch nicht die Demenz, Krankheiten mit schwerer Schmerzbeteiligung oder Erkrankungen mit stärksten Nebenwirkungen von Medikamenten müssen noch eingriffslos hingenommen. In Ausnahmen wird das Leiden nicht gänzlich unterdrückt werden können, doch die ethische Frage tut auch hier sich auf: Haben wir ein Anrecht darauf, Qualen umgehen zu dürfen? Beziehungsweise: Nimmt uns der Ausweg des Suizids nicht auch die Gelegenheit, dem Absoluten zu entrinnen und darauf zu vertrauen, dass selbst im tiefsten Tal das Wundersame plötzlich noch einmal zuschlägt?

Zwar mag uns im Leiden die Frage nach dem Sinn eines Lebens gestellt werden, wenn es allein durch medizinische und therapeutische Intervention stützend aufrecht erhalten wird – und damit künstlicher denn natürlich wirkt. Letztendlich stellt sich aber die Krux über das Selbstbestimmungsrecht über Leben und Tod auch in diesen Situationen. Wir konnten nicht entscheiden, ob wir leben möchten. Dann müssen wir zumindest darüber befinden dürfen, ob wir sterben wollen. Zu Recht bleibt der Suizid in Deutschland straffrei, weil wir gerade die Achtung vor der Eigenverantwortlichkeit über das eigene Leben hochhalten. Doch als Außenstehende sind wir nicht in der Lage, einen Freitod werten zu können. Wir würden übergriffig, wenn wir ihn positiveren oder negativieren, wenn wir ihn moralisch befürworten oder ablehnen. Insofern steht uns das Gutheißen nicht zu, sondern die Neutralität ist im Artikulieren und Denken unsere Pflicht.

Im Handeln aber sind wir schon allein aus dem Solidaritätsgedanken des Grundgesetzes und der Notwendigkeit zur Hilfeleistung aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch dazu angehalten, Selbstmorde zu verhindern. Denn gerade aus der Geschichte Deutschlands wissen wir um die engen Grenzen, die uns als Unbeteiligten gesetzt werden müssen, wenn es um die Frage von Tod und Tötung geht. Wir überschritten die Würde des Gegenübers, wenn wir ihm aktiv zu sterben verhülfen. Denn sie definiert sich nicht durch die individuelle Sicht des Einzelnen, sondern sie ist gesellschaftlich genormt von der Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Und dieser Umstand kann auch nicht von der Meinung verblasst werden, die wir geradezu menschlich aufbringen, wenn wir sehen, dass unser Angehöriger leidet. Das Mitreißenlassen durch einen subjektiv gehaltenen Sterbewunsch dürfen wir nicht dadurch begleiten, indem wir uns auf wahrgenommene Gefühle der Todessehnsucht einlassen. Wir übergingen die ethische Barriere, die uns gegeben ist, um uns und unseren Nächsten vor Voreiligkeit und Hoffnungslosigkeit zu schützen.

Immerhin müssen wir davon ausgehen, dass die Befragten der aktuellen Erhebungen selbst nicht einmal um die Vielfalt der stützenden Behandlungsmethoden psychischer Ausnahmezustände, aber auch für die schier ausweglose Lage der Schwerstkranken wissen, wenn sie sich zum Intervenieren in einer Situation einlassen, die nicht nur den Betroffenen abseits des persönlichen auch ein moralisches Ringen abverlangt. Es geht nicht darum, das Weiterleben um jeden Preis zu erzwingen. Auch Sinnhaftigkeit ist ein einzelnes Empfinden, dem wir nicht verfallen dürfen, wenn wir zum Grundsatz auf Unabhängigkeit verdammt sind. Denn er gilt in einem Rechtsstaat. Und es liegt in der Natur der Sache, dass dessen Normen nicht immer konform gehen können mit dem, was wir denken und fühlen. Doch er ist und bleibt die einzige Chance, um gemeinsam auf Regeln zu beharren, die nicht immer mehrheitsfähig sind, aber gleichsam den einzigen Nenner darstellen, der unter Betrachtung der Objektivität einer Prüfung standhalten würde…

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Die Pleitetour der Freifrau von Beverfoerde“, FR vom 18.09.2017

Es ist zunächst legitim, auch nach einem Beschluss des Bundestages gegen die „Ehe für alle“ zu sein. Unsere Meinungsfreiheit gebietet den Respekt vor Ansichten, die vielleicht nicht mehrheitsfähig erscheinen, aber ihre Gründe haben.

Ob es sinnvoll ist, mit einem derartigen Aufwand durch Deutschland zu touren, das ist eine andere Frage. Denn gleichsam ist es auch für den gesellschaftlichen Frieden eine Notwendigkeit, Entscheidungen in der repräsentativen Demokratie anzuerkennen, selbst wenn man sie nicht mitträgt. Das Stimmungsbild in der Bevölkerung zeigt eher, dass eine Vielzahl an Menschen mit dem leben kann, was in freier Abstimmung beschlossen wurde.

Wenngleich es vielleicht für manchen ungewohnt erscheint, wenn Männer künftig Männer heiraten, und Frauen eben Frauen. Doch gerade, weil es eine Gewissensentscheidung der Politiker war, zeigt sie das Ringen um Zeitgemäßheit und Tradition. Da gibt es nicht ein „Besser“ und „Schlechter“ – und so sollte man irgendwann einen Punkt setzen, vielleicht auch Hedwig von Beverfoerde.

[Dennis Riehle]