Lesermeinung
zu „Barrierefreiheit ist oft ein Fremdwort“, SÜDKURIER vom 27. Februar 2016

Barrierefreiheit ist öfter in aller Munde als man denken mag. Bei Baugesuchen, im öffentlichen Nahverkehr und in der Stadtplanung wird heute – zurecht – großer Wert auf die Einhaltung von Standards gelegt.

Viel größerer Handlungsbedarf besteht da eher bei den Menschen selbst: Wer das tägliche Ringen im Bus kennt, wenn Fahrgästen mit einer Behinderung der Sitzplatz vor der Nase weggeschnappt wird, der weiß, wo die wirklichen Barrieren zu finden sind. Im Gedränge in der Fußgängerzone wird geboxt, egal, ob der Nachbar mit Rollator oder Blindenstock unterwegs ist. Und wer im Sehen oder Gehen eingeschränkt an der Ampel darauf wartet, an der Hand über die Straße begleitet zu werden, wird dabei alt.

Denn bei allem Beharren auf die weiterhin wesentliche behindertengerechte Anpassung unserer Umwelt in baulicher Hinsicht bedürfen Personen mit Handicap mindestens gleichsam einen vehementen Einsatz für den Abbau von Gleichgültigkeit, Respektlosigkeit und Rücksichtslosigkeit in der Gesellschaft.

Ich ärgere mich täglich über den wachsenden Egoismus, der mir weitaus größere Probleme bereitet als manch fehlender abgesenkter Bordstein oder die zu hohe Trittstufe. Barrierefreiheit ist in unseren Breiten angesichts eines Wandels hin zu mehr Selbstgerechtigkeit ein multidimensionales Vorhaben, das neue Aufmerksamkeit aus einer veränderten Perspektive braucht.

[Dennis Riehle]

Lesermeinung
zur Erwiderung des Kommentars im SÜDKURIER vom 27. Januar 2016 über die Informationspolitik der Stadtverwaltung Konstanz zu einer möglichen Flüchtlingsunterkunft am „Hörnle“

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass die Stadtverwaltung sich so rasch und gleichsam umfassend öffentlich über einen Kommentar beschwert. Dr. Osner holt nahezu zu einer Generalabrechnung aus, wenn er das „Unverständnis“ der Stadt gegenüber den Einschätzungen des SÜDKURIER beim Thema „Informationspolitik“ in Sachen Flüchtlingsunterkunft in der Tennishalle am Hörnle attestiert.

Journalisten dürfen Meinungen haben, dafür sind die Kommentarspalten explizit vorgesehen. Und im Gegensatz zur Berichterstattung darf und muss ein solch subjektiver Ruf eines Redakteurs auf Widerspruch ausgerichtet sein. Entsprechend mag die abrupte Empörung nachvollziehbar sein. Was allerdings auch ein Bürgermeister nicht erwarten darf, ist Hörigkeit. Denn in weiten Teilen liest sich die Entgegnung seinerseits wie eine Anschuldigung, dass es der SÜDKURIER wagen könne, die Stadtverwaltung zu kritisieren.

Solch eine Einstellung offenbart ein noch immer merkwürdiges Verständnis innerhalb der Behörden, die hiesige Tageszeitung sei wohl das öffentlich-rechtliche Sprachrohr der Stadt Konstanz. Es ist gut, wenn sich die Medien öfter einmal frei schwimmen, denn es wäre fatal, den Verantwortlichen allzu häufig nach dem Munde zu reden.

Inhaltlich konnte Dr. Osner im Übrigen auch nicht überzeugen: Er spricht vom Bodenseestadion, wenn er die Belegung der Tennishalle rechtfertigen will. Da nutzt auch die hilflose Belehrung nichts, dass beides bekanntlich „am Hörnle“ liege. Dass der Gemeinderat im Sommer unterrichtet wurde, ist zwar schön. Mit Bürgerinformation hat das aber trotzdem nichts zu tun. Und wir alle wissen, dass die Verwaltung im Krisenmodus arbeitet; ob die ständige Betonung darauf aber als Mitleidsbonus wird überzeugen können? Ich wünsche mir zumindest, dass sich der SÜDKURIER von Krokodilstränen nicht beeindrucken lässt…

[Dennis Riehle]

Großer Coup

Die Stadtwerke Konstanz haben zum Wechsel des Fahrplans wesentliche Änderungen in den Busbetrieben vorgenommen. Mit der Einführung der Ringlinien 4/13 und 13/4 ist eine bislang ungeahnte Vernetzung der Vororte untereinander, aber vor allem auch eine von nahezu allen Bereichen des Stadtgebietes direkte Anbindung an wichtige Ziele wie Mainau, Universität oder den Wallhauser Hafen möglich geworden. Mit guten Umstiegen auf die Linie 2 bleiben Ziele rund um den Fürstenberg, aber auch der Sternenplatz aus Dettingen erreichbar, die Kapazitäten werden durch die Zusatzbusse auf beiden Routen und größere Fahrzeuge deutlich erhöht. Der langen Nachfrage nach mehr Kundennähe wurde genüge getan – und eine in sich stimmige Konzeption des Nahverkehrs begonnen.

Auch wenn Kritiker keinen wirklichen Viertelstundentakt in die Teilorte sehen wollen und Umwege bemängeln, wenn sie „mit der Kirche ums Dorf“ fahren müssen, nehme ich allemal einige Minuten mehr Fahrzeit in Kauf, als mir am Bahnhof die Beine in den Bauch stehen zu müssen. Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten sind auf Anschlüsse besser abgestimmt und das Erreichen von Terminen in der Stadt fällt nun leichter. Die Linienbezeichnung mag zunächst verwirren, aber ist aus den Abendstunden bereits bekannt. Und gleichsam mit der Einbeziehung des Industriegebietes und den neuen Zielen „Bodensee-Forum“ oder „Rheinufer“ sowie der frequentierten Ansteuerung des Bahnhofs Wollmatingen ist den Stadtwerken ein großer Coup gelungen. Genügend Pausen für die Fahrer und die Aussicht auf weniger Verzögerungen durch die veränderte Streckenführung komplettieren den Eindruck.

Allein ein Wehmutstropfen bleibt: das „Abhängen“ der stadtauswärts führenden Laube. Die Haltestellen dort waren gerade für bewegungseingeschränkte Menschen ein wichtiger Zugang zur Altstadt, ohne die viel frequentierte Fahrbahn überqueren zu müssen und stattdessen einen zu den stadteinwärts liegenden Stationen versetzten Ausstieg zu schaffen. Unter dem Gesichtspunkt von Enge und Überlastung auf der Bodanstraße, die der Linie 6 viel Verspätung einbrachte, bleibt die Entscheidung aber nachvollziehbar.

[Dennis Riehle]

Leserkommentar zu
„Landrat zeigt Einsicht: WLAN für Flüchtlinge“, „SeeMoZ“ vom 04. Dezember 2015

Man könnte durchaus kritisieren, dass unser Landrat mit seiner Entscheidung lange gebraucht hat. Allerdings ist es mir lieber, wenn ein Politiker sich für seine Meinungsbildung Zeit nimmt und sich überzeugen lässt, statt einem öffentlichen Druck unreflektiert nachzugeben (was heute leider oftmals Normalität ist).

Ich finde es schwierig, nun doch wieder zwischen (deutschen) Sozialhilfeempfängern und Leistungsbeziehern nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu unterscheiden, wie es die Redaktion durch ihre in die Pressemitteilung eingearbeitete Kommentierung tut. Das fördert das letztlich befürchtete „Ausspielen“ bedürftiger Menschen – egal, aus welchem Grund sie Leistungen erhalten.

Eine Gleichbehandlung kann durchaus gerechtfertigt werden, zumal es aus meiner Perspektive zunächst doch nachrangig ist, wofür die Mittel eingesetzt werden, die für „Nachrichtenübermittlung“ im Regelsatz enthalten sind. Denn sollen wir jetzt auch noch unterscheiden, ob ein Flüchtling nun Verwandte in der Heimatregion hat – oder nicht, wo diese Bekannten sich aufhalten, ob der Sozialhilfeempfänger mit deutscher Staatsangehhörigkeit vielleicht ebenso Verwandtschaft im Ausland nachweisen kann oder ob er seinerseits mit Angehörigen Verbindung halten will, die sich eben „nur“ – aber immerhin – im Norden der Bundesrepublik befinden und auch über das Netz kontaktiert werden sollen?

Gerechtigkeitsempfinden stellt sich wahrscheinlich immer nur dann ein, wenn möglichst individuelle Regelungen getroffen werden. Das kann unter der momentanen Situation aber keiner verlangen. Deshalb sind Pauschalen, die nicht unterscheiden, in welcher Höhe und wofür sie letztlich genutzt werden, eine faire Lösung.

Dass die Flüchtlinge in einer besonders schweren sozialen Notlage sind, hat das Landratsamt gewürdigt, indem für einen vergleichsweise niedrigen Kostenanteil von drei Euro der Zugang zum W-LAN ermöglicht wird – für einen privaten (deutschen) Haushalt, der Sozialleistungen bezieht, ist das Internet sicherlich kaum so günstig zu erreichen. Insofern findet bereits eine gewisse „Bevorzugung“ statt, die allerdings begründet werden kann – die aber gleichsam auch den Vorwurf im Bezug auf die angeblich „ungerechte“ Gleichbehandlung“ ausräumt.

[Dennis Riehle]

Sehr geehrter Herr Langensteiner-Schönborn,

der Spurgruppe und der Öffentlichkeit wurde erläutert, dass der neue Entwurf für die Bebauung auf dem WOBAK-Areal in der Litzelstetter Ortsmitte bereits vorliege. Nach Ihrem Willen, so wurde mitgeteilt, sollte der daraus resultierende Bauantrag schon in der Dezember-Sitzung des Ortschaftsrates beraten werden. Ich kann mich noch gut an unser Gespräch in Ihrem Büro erinnern. Ich hatte mir folgende Aussagen Ihrerseits notiert: „Dieses Mal dürfen wir es nicht überstürzen. und müssen die Bürger mitnehmen. Wir sollten uns beim neuen Entwurf Zeit nehmen. Es ist keine Eile geboten“. Es war die Rede davon, dass wahrscheinlich erst Mitte 2016 die überarbeiteten Planungen vorliegen würden. Nun ging es offenkundig rasch – und wenn ich mir die öffentlich zugänglichen Unterlagen ansehe, kann ich auch verstehen, weshalb die Nachbesserungen so zügig erledigt werden konnten.

Es hieß, die neuen Entwürfe lägen zwischen dem ursprünglichen Ergebnis aus dem Architektenwettbewerb und dem letzten Bauantrag, der eingereicht worden war. In der Tat ist es so: Sie liegen dazwischen – und wahrscheinlich dürfte es auch naiv gewesen sein, zu glauben, dass der Abstand zu den beiden Bezugspunkten ungefähr gleich groß sein würde. Wahrhaftig ergibt sich nämlich nun ein doch recht merkwürdiges Verhältnis: Im Wettbewerbsergebnis war eine Höhe des neuen Gebäudes von 11,10 Metern festgelegt worden. Der letzte Bauantrag gab dann 14,80 Meter vor. Die Übereinkunft jetzt liegt bei 14,00 Metern. Betrachtet man die Änderung zwischen dem Wettbewerbsergebnis und dem Bauantrag und bemisst daran, wo sich nun der neue Entwurf letztlich einfindet, kann festgehalten werden, dass zum Bauantrag eine Verringerung der Höhe von 22 %, zum Ergebnis aus dem Wettbewerb aber weiterhin eine Zunahme von 78 % zu verzeichnen ist. Ein ausgewogener „Kompromiss“ sieht anders aus. Denn ähnliche Proportionen gibt es gleichsam in den Breiten und Längen des Gebäudes, wenn man die Werte vom Wettbewerbsergebnis, vom Bauantrag und dem neuen Entwurf jeweils relativ zueinander betrachtet.

Irritiert bin ich auch, dass von einem „Kompromiss“ gesprochen wird. Darunter verstehe ich, dass sich mindestens zwei Parteien auf eine Lösung in der Mitte verständigen. Wer ist bisher diesen Kompromiss eingegangen? Die Bürger? Die Stadtverwaltung? Oder handelt es sich nicht doch eher um einen Entwurf der WOBAK, der nun zum Kompromiss oktroyiert wird? Die Änderungen im Vergleich zum Bauantrag sind nicht nur marginal, weshalb die kurze Überarbeitungszeit nachvollziehbar ist – Wesentliches musste das Büro im Auftrag der WOBAK wohl nicht verbessern, obwohl der Gestaltungsbeirat dies gefordert hatte, wie ich denke. Besonders enttäuscht bin ich aber, dass auch Sie nun scheinbar Ihr Wort nicht halten: Wie sollen Unterrichtung der Spurgruppe, Entscheidung im Gestaltungsbeirat, Debatte im Ortschaftsrat und ausgewogene Stellungnahmen der Verwaltung noch innerhalb des kommenden Monats erfolgen? Unter einem solchen Zeitdruck ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit der sensiblen Thematik nicht machbar. Wiederum scheint es, als solle der Bauantrag letztlich „durchgepeitscht“ werden. Und so dürfte das Vorgehen kaum mit der Ihrigen Zusicherung vereinbar sein, bei diesem Male nichts übereilen zu wollen.

Fachlich dürfte sich die Nachbarschaft im Anhörungsverfahren wiederum umfassend mit den Entwürfen konfrontieren. Ich habe vernommen, dass nach Vorlage der neuen Unterlagen der Glaube in einen fairen und respektvollen Umgang miteinander von vielen Bürgern verloren ist. Und auch ich ärgere mich, dass ich einen weiteren Vertrauensvorschuss gegeben hatte, der nun gänzlicher Ernüchterung Raum lassen muss. Ich weiß nicht, ob diese Verdrossenheit allzu schnell oder überhaupt jemals einer frischen Zuwendung zu WOBAK und Stadtverwaltung weichen kann. Die Stimmung dürfte nämlich mittlerweile langfristig und überaus nachdrücklich gestört sein. Und das nicht zuletzt auch deswegen, weil sich die Art des Vorgehens scheinbar zur Selbstverständlichkeit wandelt: Noch ist das zugesicherte Handbuch, das die Ergebnisse aus dem Ideenteil des Architektenwettbewerbs zur Ortsmitte zusammentragen und als eine Anleitung für künftige Bauprojekte in unserem Dorfkern dienen sollte, nicht fertig gestellt, da beschäftigen sich die Verantwortlichen bereits mit dem nächsten Vorhaben an der Ecke Martin-Schleyer-Straße / Großherzog-Friedrich-Straße. Weniger Achtung und Anstand gegenüber der demokratischen Partizipation ist fast nicht denkbar.

Und so bedauere ich auch, dass ich gegenüber den Ministerien und in der Evaluation dieses Teilprojektes im Rahmen der sogenannten „ZukunftsWerkStadt“ eine letztlich so positive Resonanz wiedergegeben habe. Denn der alleinige Hinweis darauf, dass der Beteiligungsprozess gut angefangen habe, wird durch das Verhalten von Bauträger und Stadtverwaltung im Endspurt des gesamten Verfahrens gänzlich torpediert. Das ist das deprimierende Ergebnis unter einem Schlussstrich, aus dem auch ich noch meine Konsequenzen ziehen muss – beispielsweise, ob ich mich überhaupt noch an Bürgerbeteiligungsprozessen der Stadt partizipieren werde und welches meines vielfältigen und umfangreichen ehrenamtlichen Engagements in Konstanz ich als logische Konsequenz eines zerrütteten Vertrauensverhältnisses abgebe. Das macht mich traurig.

Ich wünsche Ihnen trotzdem frohe Weihnachtstage und verbleibe
mit freundlichem Gruß

[Dennis Riehle]

22 Bürger für ihr Bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet

22 Bürgerinnen und Bürger aus Litzelstetten, die sich ehrenamtlich engagieren: Stellvertretend für die vielen freiwillig Aktiven im Konstanzer Ortsteil wurden sie beim ersten Ehrenamtsfest im Katholischen Gemeindehaus im Kornblumenweg für ihren Einsatz gewürdigt. Der noch recht junge Arbeitskreis „Soziales Miteinander“ des Ortschaftsrates hatte unter Vorsitz von Ortsvorsteher Heribert Baumann am 28. November 2015 nicht nur die Vertreter der zwölf Vereine und Institutionen eingeladen, die im Vorfeld diejenigen benannt hatten, die in diesem Jahr ausgezeichnet werden sollen. Auch die Bevölkerung war angesprochen, der gut eineinhalbstündigen Veranstaltung beizuwohnen. Ehrengast war der frühere Ortsvorsteher Rudolf Riedle. Insgesamt kamen über 100 Litzelstetter am winterlichen Samstagfrüh zu diesem „Experiment“, denn neben dem zentralen Bürgerempfang der Stadt Konstanz, auf welchem zentral eine regelmäßige und thematisch ausgerichtete Würdigung der Engagierten vorgenommen wird, stellt das erste Ehrenamtsfest in Litzelstetten ein herausragendes Novum dar.

In einem würdigen Rahmen begrüßte Heribert Baumann zu einem Vormittag, an dem die ganze Vielfalt des Ehrenamts in Litzelstetten offenbar wurde. Immerhin ist das Bürgerschaftliche Engagement ein wesentlicher Faktor für den Zusammenhalt im Dorf, wie der Ortsvorsteher feststellte – und klarstellte, dass die öffentliche Hand das, was die Freiwilligen leisten, nie selbst übernehmen könnte. Das Ehrenamt bringe Wärme und Menschlichkeit in die Gesellschaft, ansonsten bliebe der soziale Raum nicht nur in Litzelstetten oftmals leer und gleichermaßen kalt. Dass es aber keineswegs eine Selbstverständlichkeit sei, sich zu engagieren, stellte auch der Beauftragte für Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung der Stadt Konstanz, Martin Schröpel, in seinem Grußwort fest. Auch wenn gerade im ländlichen Raum die Strukturen dazu beitrügen, dass gerade das Ehrenamt in den örtlichen Vereinen noch einen hohen Stellenwert besitze, verändere sich die Landschaft des freiwilligen Tuns doch erheblich. Nicht nur der demografische Wandel trage dazu bei; besonders die Tatsache, dass sich gerade junge Menschen eher kurzfristig und möglichst auch ungebunden, punktuell und ohne dauerhafte Verantwortung engagieren wollten, stellt Organisationen und immer häufiger auch lose gebildete Initiativen vor Herausforderungen. Und auch die Debatte um die Monetarisierung des Ehrenamtes werde immer heftiger geführt.

In persönlichen Worten wurden im Anschluss die 22 Bürger mit einer Urkunde ausgezeichnet. Die jeweilige Laudatio übernahm dabei ein Mitglied des Arbeitskreises. Mit der Würdigung verbunden war auch das Überreichen eines kleinen Geschenkes. Neben einem Handtuch mit Konstanzer Wappen erhielten die Geehrten eine kleine Köstlichkeit aus dem Ort. Die Ausgezeichneten waren: Barbara Grießinger, Ursula Romer (beide für ihr Engagement im früheren Arbeitskreis Kultur, der Ausstellungen in der Litzelstetter Ortsverwaltung organisiert hatte), Gabriele Boyny (für ihr Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde), Gertrud Keller, Lena Pfeiffer (beide für katholische Kirchengemeinde), Henry Messmer, Johannes Grundel (beide Narrenzunft „Kuckuck“), Rainer Kohler, Herbert Fuchslocher (beide für Sportverein Litzelstetten), Angelika Eckert (Seglerverein Purren), Wolfgang Graf, Manfred Lang (beide für Yachtclub Litzelstetten-Mainau), Angelika Feldmann, Roland Breunig (beide für Fanfarenzug), Ramona Krieg, Jürgen Gensle (beide für Feuerwehr), Karin Straub, Doris Feuerstein (beide Litzelstetter Nachbarschaftshilfe), Rosel Kunkel, Regina Wesner (beide für ihr gesellschaftliches Engagement), Wolfgang Flick, Dennis Riehle (beide für ihr politisches Engagement und die Öffentlichkeitsarbeit).

In diesem Jahr wurden lediglich Personen geehrt, die ihr Engagement vollkommen unentgeltlich entrichten. Sie leisten es sozusagen für „Gottes Lohn“, so Heribert Baumann, der unterstrich, dass man diese Form der Ehrung nun regelmäßig abhalten wolle. Alle zwei Jahre solle solch ein Ehrenamtsfest stattfinden, sodass auch immer wieder neue Gesichter eine Anerkennung erhielten. Er hoffe, dass sich damit eine Kultur des Würdigens und des Dankes etabliere. In einem geselligen Abschluss war bei dem von der Ortsverwaltung Litzelstetten mit ihrem Verwaltungsleiter Klaus Frommer ausgerichteten Imbiss, den Familie Rößler darbrachte, noch Gelegenheit für das persönliche Gespräch und einen inoffiziellen Ausklang. Im Foyer hatten sich einige Vereine mit ihrer Arbeit präsentiert. Für die Vorbereitung galt der Dank auch Helferinnen der Nachbarschaftshilfe, namentlich Gertrud Keller, die den Raum gestaltet hatten. Und nicht zuletzt den Mitwirkenden im Arbeitskreis „Soziales Miteinander“, die die Veranstaltung über Monate hinweg geplant hatten (Mitglieder: Heribert Baumann, Brigitte Momma-Lavall, Brigitte Wind, Regina Münch, Dennis Riehle, Wolfgang Gensle, Brigitte Fuchs, Dr. Helmut Knöbl, Klaus Frommer).

[Dennis Riehle]

Rolle ihrer Kirche bei der Suche nach Flüchtlingsunterkünften

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Region von Konstanz haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Besitzer von Ferienwohnungen Post erhalten. Die beiden Kirchen forderten die Wohnungsinhaber in einem Schreiben dazu auf, zu überdenken, ob die temporäre Vermietung zur Unterbringung von Flüchtlingen in Frage komme. Während von katholischer Seite eine weitgehende Zurückhaltung in der Ansprache zu erkennen war, forcierte die evangelische ihre Gangart.

Eine Ferienwohnungsbesitzerin äußerte mittlerweile, dass sie den Druck, der von der protestantischen Kirche ausgeübt werde, als „Belästigung“ und „Mobbing“ wahrnehme. Auf Nachfrage beim zuständigen Dezernat in der Konstanzer Stadtverwaltung teilte man mit, dass man dort nichts von dem Vorgehen der Kirche wisse. Die Inhaber der Ferienwohnungen fragen zu Recht, ob es die Zuständigkeit der örtlichen Kirche ist, sich bei Privatpersonen mit einer derartigen Vehemenz für die Flüchtlingsunterbringung einzusetzen – zumal diese Arbeit eigentlich in den öffentlichen Händen liegt und sicherlich keine moralische Unterstützung durch Alleingänge des hiesigen Klerus benötigt. Abgesehen davon blieb auch unbeantwortet, woher die Daten stammen, die für das Kontaktieren der Wohnungsbesitzer genutzt worden sind.

Ich möchte fragen, ob die evangelische Kirche sich selbst bereits nähere Gedanken dazu gemacht hat, Flüchtlinge in ihren Einrichtungen aufzunehmen und Eigentum als Wohnraum für Asylsuchende zu vermieten? Wird das Vorgehen ihrer Geistlichen vor Ort durch den Oberkirchenrat unterstützt? Zweckentfremdet die Kirche möglicherweise die Adressen ihrer Mitglieder für Projekte wie das momentane zur Gewinnung von Wohnraum für Flüchtlinge? Und wie begründen Sie die offenkundige Vollmacht, eigenständig auf Wohnraumsuche zu gehen und dabei auch die moralische Keule zu schwingen? Oder lassen Sie ihren Gemeinden eine derartige Freiheit, sich mit solchen Aktionen auch politisch zu positionieren und offenkundig in hoheitliche Aufgabengebiete des Staates einzudringen?

Freundliche Grüße

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Kennen Sie eigentlich Ihre Mitbürger? Wissen Sie, wer Ihr Nachbar ist? Und woher Ihr die Bewohner von der nächsten Tür stammen? Litzelstetten ist spätestens seit der zunehmenden Bedeutung der Universität zu einem prosperierenden Teilort geworden, der sich in der Zusammensetzung seiner Bevölkerung verändert hat. Studierende und Lehrende haben sich hier niedergelassen, aber auch für junge Familien wird unser Dorf immer häufiger ein attraktives Lebensumfeld – und nicht zuletzt auch die älteren Menschen schätzen die Mischung aus guter Infrastruktur und ländlichem Raum.

Doch durch die verstärkte Fluktuation fällt es auch immer schwerer, die „Ureinwohner“ mit den neu nach Litzelstetten gezogenen Bürgern in Austausch zu bringen. Manches Mal holt uns der Eindruck ein, die Einheimischen bilden ihre beständigen Strukturen. Und die „Reing’schmeckten“ vernetzen sich (verständlicherweise) unter ihresgleichen. Bürger, deren Vorfahren schon in Litzelstetten lebten, aber auch Menschen, die nun schon seit Jahrzehnten hier wohnen, und diejenigen, die ganz frisch zur „Dorfgemeinschaft“ zählen – unter ihnen Kontakte zu knüpfen, ist es eine Herausforderung. Nicht erst durch diejenigen, die derzeit in unserer Stadt Asyl und Zuflucht suchen, wird das Miteinander lebendiger. Bereits seit Jahren merken wir, wie neue Bürger Innovationen, Anregungen und Ideen „von außen“ beisteuern. Und gleichzeitig wäre unser Ort viel ärmer, gäbe es nicht die, die Geschichten aus Litzelstetten erzählen könnten, Traditionen pflegen und sich mit Gepflogenheiten und Historie auskennen.

Um diese wertvollen Ressourcen zu verbinden, „alte“ und „neue“ Litzelstetter anzunähern, sich gegenseitig auszutauschen, einander mit Informationen zu helfen, Vereine und Institutionen vorzustellen, Tipps und Ratschläge für das „Einleben“ zu geben oder einfach nur über aktuelle Themen, Interessen und Freizeit ins Gespräch kommen, locker miteinander plaudern und somit Nachbarschaften vital zu gestalten – das soll Ziel eines angedachten „Litzelstetter Nachbarschaftstreffs“ sein, der in Form eines Stammtischs regelmäßig in ungezwungener Runde diejenigen einlädt, die den Ort schon lange kennen oder erst seit kurzem hier sind. Wer Freude am Kennenlernen, Neugier auf neue Kontakte oder Lust darauf hat, die Mitbürger über die eigenen vier Wände hinaus kennen zu lernen, ist herzlich willkommen!

Initiator Dennis Riehle, der seit Geburt in Litzelstetten wohnt, erklärt seine Idee mit den eigenen Erfahrungen: „Natürlich kenne ich die Einheimischen. Aber auch in meinem Umkreis gibt es einen beständigen Wechsel. Und mit manchen Bewohnern vom Haus gegenüber, die nun schon seit Jahren oder Monaten dort leben, konnte ich noch nie einige Worte wechseln. Dabei ist es doch gerade im Angesicht des demografischen Wandels von großer Bedeutung, die kleinräumigen Nachbarschaften als besonders wichtig zu würdigen“. Langfristig könnte überlegt werden, so Riehle, ein derartiges Projekt an einen der bestehenden Vereine anzuschließen.

Zunächst werden Interessierte gebeten, die an einem „Nachbarschaftstreff“ Gefallen finden, sich Dennis Riehle zu melden (vorzugsweise per Mail: email@riehle-dennis.de, alternativ auch Tel.: 07531/955401), damit aus der Resonanz deutlich wird, ob derartige Treffen auf Anklang stoßen.

[Dennis Riehle]

Politik und Verwaltung mögen manches Mal recht träge sein. Doch dass sie nicht lernfähig wären, kann man nicht behaupten, wenn man die Bemühungen der Stadt Konstanz in den letzten Monaten ehrlich und fair bewertet.

Ob nun reagierend oder agierend – der Versuch, Bürger in wichtigen Entscheidungen bereits im Vorhinein zu beteiligen, ist wiederholt gelungen. Sei es in der regelmäßigen Information für die Anwohner und Gewerbetreibenden in der Radolfzeller Straße, die Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn persönlich über den Stand der Bauarbeiten unterrichtet. Gleiches gilt für Bürgerversammlungen dort, wo neue Flüchtlingsunterkünfte entstehen, mit der Zeitung „Flüchtlinge in Konstanz“ an alle Haushalte oder der engen Kooperation mit dem Landratsamt, um die Einwohnerschaft zeitnah über etwaige Notmaßnahmen in Asylfragen aufzuklären. Und nicht zuletzt beim „Döbele“, im „Zergle“ oder beim „Bodensee Forum“ – die Partizipation und Transparenz gewinnt an immer mehr Stellenwert.

Dort, wo Fehler gemacht wurden, ist die Bereitschaft der Stadtspitze erkennbar, selbstkritisch zu reflektieren. Bei aller Herausforderung, die die Verwaltung derzeit zu bewältigen hat, ist es an der Zeit, den eingeschlagenen Weg des Einbeziehens und Zuhörens beizubehalten. Dafür ist es wichtig und richtig, auch von Seiten der Bürger die Stadt zu ermutigen und ihr Fortschrittlichkeit zu attestieren.

[Dennis Riehle]

Von verschiedenen Seiten wird unser Landrat für seine klaren Worte in der Flüchtlingsthematik kritisiert. Dabei ist er einer der wenigen Kommunalpolitiker, die ernsthaft und ehrlich aussprechen, mit welchen Problemen die Verwaltung täglich konfrontiert ist – ohne, dass die breite Bevölkerung im Detail davon erfährt. Ich erkenne in den Verbalattacken gegen Frank Hämmerle eine Opposition ohne Lösungsorientierung. Nein, nicht er ist derjenige, der den rechten Rand stärkt. Mit seinen realistischen Aussichten zeigt er viel eher Verantwortung dafür, mit der Öffentlichkeit fair umzugehen.

Die „Wutbürger“ und jene aus der demokratischen Mitte, die sich angesichts leerer Phrasen aus Berlin zu Recht besorgt zeigen, können von einem Abrutschen in die Radikalität nur dann geschützt werden, wenn sie rationale Antworten erhalten. Und die kann ich in aller Kritik am Landrat überhaupt nicht erkennen: Dort werden „Rassismus“-Parolen unterstellt und naiv in die „Wir schaffen das“-Mentalität eingeschwenkt, ohne jeden konstruktiven Vorschlag für die Herausforderungen, vor denen Landratsamt und Stadt in jeder Minute stehen.

Von links habe ich bisher nicht erfahren, was die Alternative zu einer Obergrenze an Flüchtlingen ist und wie die Konsequenzen bewältigt werden sollen, wenn Religionen und Kulturen ungebremst aufeinander stoßen. Auch nicht, woher die hunderten Wohnungen kommen sollen, die spätestens beim Nachzug der Familien von anerkannten Asylsuchenden gebraucht werden. Und auch nicht, was gegen das zwangsläufige Gefühl getan werden soll, das hilfsbedürftige Einheimische empfinden, wenn sie seit Jahren auf Obdach warten – und nun zusehen müssen, dass sie bei neuen Sozialwohnungen wieder leer ausgehen. Da bin ich dankbar, wenn ein Landrat mit einem „No, we can not“ seine Grenzen aufzeigt.

[Dennis Riehle]