Pressemitteilung

Konstanz. Der Deutsche Presserat hat eine Beschwerde des Konstanzer Journalisten und Psychologischen Beraters (VfP) Dennis Riehle in der Vorprüfung als unbegründet zurückgewiesen, die sich auf einen Artikel des Magazins „Stern“ bezog. Es formulierte am 01. Mai 2017 in seiner Online-Ausgabe unter der Überschrift “So gefährlich sind Heilpraktiker in Deutschland“ verschiedene Vorwürfe anhand von Beispielen der Arbeit ausgewählter Heilpraktiker, bei denen es zu Missständen in Beratung und Therapie gekommen war. Riehle sah in den Formulierungen des Beitrages eine pauschale Kritik an der Berufsgruppe der Heilpraktiker und beanstandete eine Ehrverletzung (Ziffer 9 Pressekodex) dergleichen.

„Durch eine fehlende Einschränkung in der Überschrift kann in der Interpretation von einer unbestimmten Anzahl an Heilpraktikern in Deutschland ausgegangen werden, die ‚gefährlich‘ sind. Diese Zuschreibung geht über die Ergebnisse der Recherche hinaus, die zwar vermuten lässt, dass strukturelle Probleme in der Qualifizierung und Überprüfung von Heilpraktikern bestehen, die gleichzeitig aber außer Acht lässt, dass viele Heilpraktiker eine über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Ausbildung durchlaufen haben – und eine verantwortungsvolle Arbeit betreiben. Dies wird lediglich im letzten Absatz erwähnt – und steht im Widerspruch zur Überschrift, den die Redaktion gewählt hat“, so Riehle in seiner Begründung.

Der Presserat reagierte mit dem Einwand, dass er sich dieser Darlegung nicht anzuschließen vermochte. Die Berichterstattung habe „einen Tatsachenkern, der durch die verschiedenen Beispiele belegt wird. Es wird nicht gesagt, dass alle Heilpraktiker gefährlich sind. Auch im Text wird dies nicht personalisiert“. Riehle hatte die Auffassung geteilt, dass „der insgesamt tendenziöse Beitrag, der allein Negativbeispiele herausgreift, in seiner Gesamtheit eher beschädigend für eine komplette Berufsgruppe [wirkt]. Die Rückschlüsse, die aus den genannten Extrembeispielen gezogen werden, lassen sich nicht durch die einzelnen Kreise von Heilern belegen“. Beim Presserat gab man Riehle zumindest darin recht, „dass der Beitrag sich sicherlich auf die negativen Aspekte des strukturellen Ausbildungsproblems der Berufsgruppe und die damit verbundenen Auswirkungen“ beschränke, aber es liege „im Ermessen der Redaktion, den Fokus eines Thema selbst zu wählen“.

Auch Riehle brachte vor, dass „die Intention des Artikels vollkommen legitim sei, „die vorgebrachten Falldarstellungen“ genügten seinem Verständnis nach aber nicht, „um pauschale Urteile – vor allem in der Überschrift, die für den Leser wegweisend in Erinnerung und als Resümee des Beitrages haften bleibt – über eine bestimmte Lehre und ihre Anwender zu treffen“. Außerdem monierte der gleichzeitig als PR-Fachkraft und Journalist tätige 32-Jährige zwei Beispiele innerhalb des Textes, die herausstachen: „[…] manche Darstellungen [wirken] oberflächlich (‚Das Einzige, was das alte Gesetz verlangt: Angehende Heilpraktiker müssen einen Test über elementare Medizinkenntnisse beim Gesundheitsamt absolvieren‘)“. Diese Sachdarstellung halte einer Überprüfung nicht stand, meint Riehle, seien die „Tests“ bei den „Gesundheitsämtern doch durchaus geeignet, die medizinische Anschauung der Anwärter kritisch zu hinterfragen – und verlangen ihnen weitaus mehr als nur grundlegende Kenntnisse ab. Hierüber weist der Artikel in seiner Einseitigkeit allerdings keine weiteren Recherchen auf“.

Ähnlich ergebe es sich laut Riehle mit der Aussage, ‘An Heilpraktikerschulen werde[n] lebensbedrohliche Irrlehren verbreitet‘. Denn: „Auch hier wird durch die Ungenauigkeit suggeriert, als handele es sich um eine breite Masse an Schulen, an denen solche Praktiken vorherrschten. Ob die Aussagen, wonach am Klinikum rechts der Isar jeden Monat eine Frau auftauche, deren Brustkrebserkrankung durch ‚Alternativheiler‘ verschleppt worden sei, für die Aussage ausreicht, es handele sich hierbei nicht um Einzelfälle, bleibt ebenso kritisch zu werten wie die Belastbarkeit der Feststellung, dass man mit entsprechenden Suchbegriffen bei ‚Google‘ in mehr als der Hälfte der Fälle auf Berichte über nicht richtig erkannte beziehungsweise auch behandelte Brustkrebserkrankungen durch Heilpraktiker (und Ärzte!) stoße“, so der Beschwerdeführer. Der Presserat konstatierte abschließend, dass man zusammenfassend „keinen Verstoß gegen die presseethischen Grundsätze feststellen“ konnte.

[Dennis Riehle]

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Pressemitteilung

Konstanz. Der Deutsche Presserat sieht keinen Anlass für eine Sanktionierung des Kommentars „Gegner des Kreuzes sind intellektuell überfordert“, den „WELT Online“ am 21. Mai 2017 zur Diskussion um den Neubau des Stadtschlosses von Berlin veröffentlicht hatte. Der Autor hatte darin „Grüne“ und Linksfraktion im Bundestag angegriffen, weil diese infrage gestellt hatten, ob ein Kreuz auf dem Stadtschloss das richtige Signal in der heutigen Zeit sein könne. Der Konstanzer Journalist Dennis Riehle hatte den Presserat daraufhin um Prüfung des Beitrages in der Online-Ausgabe der Zeitung gebeten, da er eine pauschale Verurteilung von Gegnern des Kreuzes sah, die über die Grenzen der Meinungsfreiheit hinausginge. Immerhin, so bemängelte der Beschwerdeführer, sei mit der Zuschreibung einer „intellektuellen Überforderung“ eine Begrifflichkeit verwendet worden, die „der Kinder- und Jugendlichen-Psychologie“ entstamme und „eine Unzulänglichkeit in der Reifeentwicklung deutlich“ mache. Somit ergebe sich „eine allegorisch anmutende Herabsetzung einer Personengruppe, für die es allerdings keinen rationalen Grund abseits der Mutmaßung, die ‚doppelte Bestimmung des neuen Berliner Schlosses‘ überwiege die Intellektualität dergleichen, gibt“.

Anders als in Sachtexten müssten in Meinungsbeiträgen zwar großzügigere Maßstäbe für die Abwägung zwischen den einzelnen Freiheitsrechten angelegt werden. Dennoch scheine im vorliegenden Fall eine offenkundige Übertretung der Meinungsfreiheit auf der einen Seite zulasten der Persönlichkeitsrechte andererseits vorzuliegen. Die Formulierungen seien zumindest subjektiv als Beleidigung anzusehen, immerhin ergebe sich für den Leser kein anderer Zweck. Und auch wenn sich der Text nur auf „manche Zeitgenossen“ beziehe, so würden diese in der Überschrift doch mittelbar umschrieben und gleichsam personifiziert. Nachdem sich die Herabwürdigung nicht in einem Kontext wiederfinde, der in seiner Gesamtheit eine satirische, offensichtlich metaphorisch gehaltene Ausrichtung aufweist, müsse eine Schmähung angenommen werden, die nicht in Einklang mit den Ziffern 9 und 10 des Pressekodexes stehe.

Der Presserat folgte dieser Argumentation allerdings nicht. Eine Verletzung presseethischer Grundsätze liege nicht vor, es handele sich viel eher um eine Meinungsäußerung, weise der Kommentar doch nur darauf hin, wonach die Gegner des Kreuzes „nicht verstünden, dass der Neubau [des Stadtschlosses, Anm. d. A.] eine doppelte Bestimmung habe“. Eine Ehrverletzung sei nicht zu erkennen, viel eher sei die Äußerung des Kommentators nach Ansicht des Presserates zulässig. Man folgte damit auch nicht dem Verdacht des Beschwerdeführers, wonach der Beitrag eine derart tendenziöse Ausrichtung verfolge, die die legitime Inanspruchnahme eines politischen Standpunktes durch einen Journalisten deutlich übersteige und eine ganze Gesellschaftsgruppe, die sich aus weltanschaulichen Gründen für eine andere Position in der Streitfrage eingesetzt habe, stigmatisiere.

[Dennis Riehle]

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Lesermeinung

Es ist wirklich schade, dass Wolfgang Bosbach zum Ende des politischen Engagements im Bundestag solch ein Bild hinterlässt: Gerade er, der über Jahrzehnte erfahren ist in der Medienlandschaft und im Umgang mit dem politischen Gegner, hätte ein dickeres Fell beweisen müssen, als es darum ging, manche Frotzeleien in der Gesprächsrunde bei „Maischberger“ auszuhalten.

Dünnhäutig und aufgekratzt wirkte er, ideologisch doch ziemlich einseitig und durchaus naiv, die Polizei blind zu verteidigen – und Demonstranten und Krawallmacher nicht differenziert genug voneinander zu trennen. Er wusste sicherlich um die Gesprächspartner – und welche Argumentationslinie die „linken“ Gäste in der Sendung verfolgen würden.

Der sonst so souveräne Politiker der CDU, er wirkte eher wie das eingeschnappte Kind, aber nicht wie ein gestandener „Polit-Profi“, der nun eine Frage selbst provoziert hat: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit erhobenem Haupt die große Bühne der aktiven Karriere zu verlassen?

[Dennis Riehle]

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Pressenotiz

Konstanz. Der deutsche Presserat hat die Zeitung „Junge Freiheit“ neuerlich wegen diskriminierender Äußerungen über die Sinti und Roma kritisiert. Im Beschwerdeverfahren über einen Artikel des Mediums erging ein „Hinweis“ als schwächstes Mittel der Sanktion, der zuständige Beschwerdeausschuss folgte der Argumentation des Beschwerdeführers, des Journalisten Dennis Riehle (Konstanz). Dieser hatte einen Beitrag vom 29. Juni 2016 mit der Überschrift „EU-Kommission fordert mehr Geld für Zigeuner-Integration“ vor den Presserat gebracht, weil er einen Verstoß gegen den Pressekodex sah.

Riehle hatte formuliert: „Im Artikel verwendet der Redakteur mehrfach die Begrifflichkeit des ‚Zigeuners‘. Als Bezeichnung für das Volk der Sinti und Roma hat diese Zuschreibung mittlerweile im deutschen Journalismus seine Gebrauchsfähigkeit verloren, da sie in der Lage ist, zu diskriminieren. Entsprechend findet sie kaum noch Verwendung. […] Gerade [ihre] Doppeldeutigkeit, eben nicht nur ursprünglich auch eine Volksgruppe zu bezeichnen, sondern heute vor allem alltagssprachlich zur Abwertung von Menschen im Sinne umherziehender Gruppen, meist wohnsitzlos und plündernd, genutzt zu werden, bringt Sinti und Roma zwangsläufig mit diesen Eigenschaften in Verbindung. […] Sie ist aufgrund ihrer historischen Bedeutung und der bis heute in der Umgangssprache gezielt stigmatisierend verwendeten Dimension in der Lage, gegenüber einer ethnischen Gruppe Vorurteile zu schüren. Entsprechend scheint auch der Titel plakativ mit dem Synonym gestaltet worden zu sein. ‚Mehr Geld für die Integration der Zigeuner‘ dürfte redaktionell als populistische Widersprüchlichkeit fungieren, die in das Bild der demonstrativen Nutzung des Begriffs passt und den Eindruck verstärkt, als sei hier bewusst gegen Ziffer 12 Pressekodex verstoßen worden“.

Der Beschwerdeausschuss übernahm diese Perspektive und unterstrich, dass die „Diskrepanz zwischen offiziell zitierten Äußerungen der EU-Kommission (‚Roma‘) und der Formulierung der Redaktion (‚Zigeuner‘) […] eine diskriminierende Wirkung [entfaltet], die nicht mit Ziffer 12 des Pressekodex vereinbar ist“. Entsprechend sah der Presserat die Beschwerde Riehles als begründet an und verhängte einen „Hinweis“ gegenüber der „Jungen Freiheit“. Bereits in der Vergangenheit hatte der Konstanzer Journalist gegen die Zeitung in einem ähnlichen Fall eine Beschwerde beim Presserat eingereicht, die damals eine „Rüge“, die stärkste und zur Veröffentlichung verpflichtende Sanktionsmaßnahme, ergeben hatte.

[Dennis Riehle]

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Pressemitteilung

Der Deutsche Presserat hat eine Missbilligung gegen einen Artikel der „Jungen Freiheit“ ausgesprochen. Grund war eine Beschwerde, die vom Konstanzer Journalisten Dennis Riehle eingebracht worden war. In dem Beitrag berichtete die Redaktion über einen Asylbewerber, der in Untersuchungshaft eine Gefängniswärterin attackiert haben soll. Diese wiederum hatte den Minderjährigen daraufhin angegriffen und wurde von der Jugendgerichtshilfe angezeigt. Allerdings erläuterte die „Junge Freiheit“ in ihrem Text auch die Gründe für die eigentliche Inhaftierung des Jugendlichen, dem eine Vergewaltigung vorgeworfen wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch die Nationalität des Tatverdächtigen genannt.

Riehle beklagte, dass diese Informationen für den eigentlichen Sachverhalt nicht bedeutsam waren und der Eindruck aufkommen könne, sie seien lediglich erwähnt worden, um einer bestimmten ethnischen Gruppe zu schaden. Immerhin hätte solch ein sexueller Übergriff auch durch andere Täter ausgeübt werden können, das Verhalten sei trotz der Vorkommnisse in Köln und andernorts nicht „typisch“ für die nationale Zugehörigkeit des Beschuldigten. Daher müsse von einer Diskriminierung ausgegangen werden, sie wäre ein Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodexes, der die Wiedergabe einer nationalen Herkunft nur dann für gerechtfertigt hält, wenn sie für das Verständnis des Gesamtzusammenhangs notwendig ist. Dies sah auch der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserates als nicht gegeben an und sprach deshalb die genannte Sanktion aus.

Gleichzeitig wurde aber auch eine Verletzung von Ziffer 8 des Pressekodexes gesehen. Der Artikel hatte aufgeführt, dass der Jugendliche unter einer Krankheit leide, für deren Behandlung regelmäßig hohe Kosten anfielen. Auch diese Details sah Riehle als nicht bedeutend für das eigentliche Geschehen an, viel eher würden durch die Veröffentlichung solcher Hintergründe die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen tangiert. Diese schützt die entsprechende Richtlinie des Pressekodexes, was auch der Beschwerdeausschuss so sah. Er missbilligte zusätzlich, dass mit solchen Ausführungen die Intimsphäre eines eindeutig Minderjährigen beeinträchtigt würde, die unter besonderer Beachtung stehen müsse.

Riehle zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Gerade in Zeiten, in denen wir durch Ereignisse unter Beteiligung von Flüchtlingen in unserer Empfindung geprägt sind, macht dieses Beispiel deutlich, wo die Grenzen der Berichterstattung liegen. Informationen über Nationalitäten oder das Privatleben sind nicht deshalb von Belang, weil sie zu einem Asylbewerber gehören. Die Presse steht in der Verantwortung, einerseits ehrlich zu unterrichten, gleichzeitig aber keine Vorurteile zu schüren. Diesen Balance-Akt hat die ‚Junge Freiheit‘ in diesem Fall nicht geschafft“, so der Journalist abschließend.

[Dennis Riehle]

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Kommentar
Viele Verlierer

Eine traumhafte Einschaltquote, einige anerkennende Schlagzeilen und Lob für den Mut des „Ersten“ – so wird das TV-Event gefeiert, das die ARD in Kooperation mit dem Schweizer und Österreichischen Fernsehen am 17. Oktober 2016 zur besten Sendezeit ausstrahlte. Ein Ereignis, bei dem die Zuschauer aufgefordert waren, über weitaus mehr abzustimmen als beim klassischen „Telefon-Voting“, bei dem man ansonsten eher Küchengeräte und Autos gewinnen kann. Dieses Mal war es der Erkenntnisgewinn, den man versprach – und der in unterschiedlichster Form auch eintrat. „Terror – Ihr Urteil“ war aber keinesfalls das Highlight, auf das man gespannt sein durfte. Vielleicht sogar eher ein Tiefpunkt in der Fernsehlandschaft, aus dem man die Einsicht ziehen sollte: Nicht noch einmal!

Gespannt wartete auch ich auf den Zeitpunkt, als es zum Moment kam, als der Vorsitzende Richter die Verantwortung in die Hände des Zuschauers gab. Als Schöffe sollte man sich nun beteiligen, das Urteil über den angeklagten Piloten zu sprechen, der knapp eineinhalb Stunden in einem Gerichtsprozess dargestellt wurde: Szenisch zwar einseitig, inhaltlich aber oftmals rechtsphilosophisch beanspruchend, wurde der Bürger am Bildschirm mit allerlei theoretischen Konstrukten vertraut gemacht, die eigentlich so etwas Praktisches in sich trugen – das menschliche Leben. Wie sollte man sich einem Vorfall auch nähern, der wörtlich gesehen „aus der Luft gegriffen“ wurde, die gekaperte und gut besetzte „Luthansa“-Maschine, die auf die gefüllte Münchner „Allianz-Arena“ zurast – und letztlich durch die „Courage“ eines Bundeswehrangehörigen in der Luft zerreißt.

Wie sollte man also entscheiden, bei einem Fallbeispiel, das doch viel Abstraktionsvermögen abverlangte und trotz des Versuchs, realistisch dargestellt worden zu sein, an die Grenzen dessen kam, was sich der Fernsehabendzuseher ausmalen konnte. Über achtzig Minuten versuchten wenige Zeugen, die beiden Positionen darzulegen – vom Vorgesetzten des Tornado-Fliegers bis zur Angehörigen, die in der Airline ihren Ehemann verlor. Schauspielerisch sicher eine gute Leistung – und doch blieb alles unwirklich. Und man kann sich vielleicht jetzt besser vorstellen, warum es gegen Pläne so großen Widerstand gibt, spektakuläre Gerichtsverfahren künftig im Fernsehen übertragen zu wollen. Denn der Zuschauer bleibt nicht nur Beobachter, so war es gewollt. Eine Stimmung entwickelte sich, nicht nur im TV, sondern wohl auch an den Geräten zuhause.

Und dann war es so weit: Nach den Plädoyers der Aufruf, im Internet oder über Telefon für „Schuldig“ oder „Nicht schuldig“ zu entscheiden. Was dagegen wohl nicht nur ich erlebte: Dauerndes Besetztzeichen, eine tote Leitung – und beim Ausweichen auf das Netz eine beständige Fehlermeldung, wonach die „Voting-Seite“ momentan nicht aufzurufen wäre. Trotz massiver Probleme beim Abstimmungsprozess vermeldete Frank Plasberg in seiner anschließenden Diskussionsrunde den überwältigenden Freispruch. Weit über 80 Prozent hatten sich für den Piloten eingesetzt. Merkwürdig, dass Österreich bis auf die Kommastelle genau denselben Wert veröffentlichte. Die ersten Mutmaßungen konnten sich auftun: War hier ein bestimmtes Ergebnis gewollt?

Die Frage am nächsten Morgen fiel ganz anders aus, als sich das die Fernsehmacher gewünscht hätten: Deutschland diskutiert nicht darüber, was Kampfpilot Koch hätte machen dürfen. Sondern die Republik schüttelt den Kopf über eine offenbar unfähige Redaktion, die trotz wochenlangen Vorlaufs, großspuriger Ankündigungen dieses Fernsehereignisses und dem Bewusstsein, dass mit einem großen Ansturm an Abstimmenden zu rechnen sein dürfte, nicht in der Lage war, einen reibungslosen Ablauf des Votings gewährleisten zu können. In Zeiten, in denen die Medien sich ihrer digitalen Fähigkeiten rühmen, war solch eine Blamage nicht nur peinlich, sondern möglicherweise auch verheerend in der inhaltlichen Aussagekraft dieses Versuchs.

Und noch viel schlimmer: Auch am kommenden Tag prahlt die „tagesschau“ auf ihrer Webseite noch immer mit einem Ergebnis, bei dem man mittlerweile ganz erhebliche Zweifel an seinem Zustandekommen haben muss. Zwar war auch in den Theateraufführungen des Stücks in der Vergangenheit die Zahl derjenigen, die den Hauptakteur als Schuldigen verurteilt sehen wollten, in der Minderheit. Doch ob diese Eindeutigkeit tatsächlich der Wahrheit entspricht, muss nun zumindest beim Fernsehevent hinterfragt werden. Die Kritiker, die es im Vorfeld bereits zur Genüge gab, erhalten nun unverhofft neue Argumente, warum die ARD mit diesem Sendungsformat einen Reinfall erlebt.

Denn das Experiment brachte auch darüber hinaus große Sprengkraft mit sich. Die Initiatoren der Klage über das Luftsicherheitsgesetz, die 2006 vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt wurde und mit dem Urteil endete, Deutschland dürfe im Falle einer entführten Maschine, die eine viel größere Anzahl an Menschen bedroht als die der Passagiere, nicht abschießen, äußerten bereits vor Ausstrahlung des Films ihre Zweifel, ob es sinnvoll sein könne, das Thema jetzt nochmals aufzugreifen – und einen Gerichtsentscheid der Hüter über das Grundgesetz durch das Fernsehvolk bewerten zu lassen. Nicht umsonst gab es scharfe Worte, bei solch einer Konstruktion entscheide letztlich das Gewissen, die Moral – aber eben nicht der objektive Richter, der sich von den Emotionen eines Florian David Fitz unbeeindruckt zeigt.

Tatsächlich konnte, so machte es auch die Theologin Bahr in der anschließenden Runde „Hart aber fair“ deutlich, nicht erwartet werden, auf diesem Wege zu einem rechtlich argumentativen Urteil zu kommen. Die Dimensionen im Abwägen von einigen Dutzenden gegen einige Zehntauende Leben waren für den Normalsterblichen, der sich nicht auf ein Jurastudium oder die Lektüre von Kants und seiner Kollegen Werke berufen konnte, nur schwer zu greifen. Dass hier ein quantitatives Entscheiden –des Plädierens für ein „kleineres Übel“, wie es der Verteidiger sagte – Vorrang haben würde, war eigentlich schon im Vorfeld klar geworden. Da würde der Grundsatz der Verfassungsrichter, dass kein Leben gegen ein anderes aufgewogen werden könne, nicht zählen – und so kam es auch.

War der Versuch, auf diesem Wege ein Stimmungsbild einzuholen, fahrlässig? War es vielleicht ein Abend, an dem Polemik und Populismus gefördert wurden? Ja, der Begriff der „Volksjustiz“ fiel – und tatsächlich erinnerte ich mich einige Momente an den „Wutbürger“. Nicht, dass es hier Parallelen gäbe. Aber da war nun Gelegenheit, vom Sessel aus seine Emotionen zum Ausdruck zu bringen, ganz bequem, ohne sich auf Montagsdemonstrationen die Kälte antun zu müssen. Nein, ich unterstelle der Fernsehrepublik nicht, dass sie sich keine ernsthaften Gedanken gemacht hat. Im Gegenteil: Wahrscheinlich sind wir zu sehr von unseren Denkmustern geleitet, so klang es auch im Prozess an. Es ist nicht Alltag, was dort verhandelt wurde, kein Nachbarschaftsstreit, bei dem wir uns unsere Meinung einfacher bilden könnten. Selbst die Richter waren in der Bredouille bei einer Fragestellung, die im Augenblick vollkommen fiktiv wirkt.

Sind solche Vorhaben wie ein „Tele-Voting“ über „Schuld“ somit nicht immer zum Scheitern verurteilt? Natürlich wissen wir nun, wie Deutschland abgestimmt hat – oder eben auch nicht. Doch darf uns das in einem Rechtsstaat überhaupt interessieren? Wie die Volksseele kocht? In einer Demokratie ist es wichtig, wenn wir erfahren, welche Parteien am nächsten Sonntag bei der Bundestagswahl gewinnen würden. Doch ist die Gewaltenteilung nicht auch deshalb so wichtig, damit der einfache Bürger sich in dieses sensible Gebiet der Justiz gerade nicht einmischt? Bei Urteilen über Freispruch oder eine lebenslange Haft geht es nicht um ein Spiel, bei dem einige Tasten gedrückt werden und das Resultat aus der Maschine hüpft. Da geht es um das Schicksal von Einzelnen.

Selbst wenn es alles eine Show war, so halte ich sie für schwierig. Wenn wir uns nicht einmal darauf verlassen können, dass die verkündeten Zahlen auch wirklich echt sind, wurde dieses Experiment zu einem grenzwertigen Event, mit dem – wie es ein Talkgast sich wünschte – die Politik aufgefordert werden soll, das Thema des Handelns im Katastrophenfall neuerlich anzugehen. Und man kann nur hoffen, dass sie sich dabei nicht von den nahezu lobbyistisch anmutenden Werten dieser Fernsehabstimmung beeindrucken lässt. Denn darin liegt die größte Gefahr: Volkes Wille macht sich auf banalem Wege viel Luft – da half der Versuch des Reflektierens durch die anschließende Debatte nicht. Die fast schon DDR-Verhältnisse erreichende Mehrheit derjenigen, die Koch als unschuldig sah, erkannte sich in ihrer Perspektive bestärkt, dass der Abschuss eines Flugzeuges gerechtfertigt ist, wenn er Tausende rettet.

Nicht nur die Frage, wo denn die Grenze liegt, an der solch eine Rechnung „aufgeht“, blieb unbeantwortet. Auch das Denkmuster des Piloten fand seine Schwellen dort, wo es um sein Verhalten geht, wenn Frau und Kinder an Bord gewesen wären. Ohnehin blieben viele Ungereimtheiten, die in solch einem inszenierten Prozess niemals ausreichend beantwortet werden könnten – und er deshalb schon nicht repräsentativ sein darf. Dass ein Pilot eigenmächtig handelt, dass ein Flugzeug eher abgeschossen statt ein bedrohtes Stadion geräumt wird und dass ein Angehöriger des Militär seinen Eid auf umständliche Art zu interpretieren versucht – für mich sprach all dies im Zweifel gegen den Angeklagten. Meine Stimme wurde ich allerdings nicht los – wer weiß, wie viele Andere ebenso nicht. Und so bleiben an diesem Abend viele Verlierer zurück – die ARD und ihre Technik, der Rechtsstaat mit seiner Objektivität und ein Fernsehpublikum, das ausgenutzt wurde, auf unredliche Weise Richter zu spielen.

[Dennis Riehle]

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BESCHWERDE wegen des möglichen Verstoßes gegen den Pressekodex
„Junge Freiheit“ (online) vom 10. Oktober 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Beitrag „Linke im Realitätsstreß“, veröffentlicht in „Junge Freiheit (online)“ am 10. Oktober 2016 (https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2016/linke-im-realitaetsstress/), verstößt nach meiner Auffassung in Teilen gegen den Pressekodex. Entsprechend lege ich Beschwerde ein. Ein Ausdruck des Artikels („Screenshot“) ist beigefügt.

Begründung:

„Junge Freiheit“ (online) publizierte oben genannten Beitrag als Kommentar. Wenngleich dieser journalistischen Textform mehr Freiheiten zustehen als beispielsweise einem Sachbericht, sind auch in einem solchen Standpunkt Grenzen der Meinungsfreiheit zu achten, unter denen der Pressekodex gleichsam Anwendung findet. Entsprechend bemängele ich bereits den ersten Satz des Textes, in welchem das Wort der „Schutzsuchenden“ offenkundig bewusst in Anführungszeichen gesetzt wurde. Die Fluchtursachen von Asylsuchenden werden hierdurch pauschal in Frage gestellt, der Autor bezweifelt scheinbar generell, dass Menschen aus Gründen der Gewalt, Verfolgung oder des Krieges zu uns kommen und diese stattdessen nur vorschieben.

Derartige Unterstellungen kommen einer Diskriminierung nach Ziffer 12 Pressekodex gleich. Ich untermauere diesen Verdacht dem Beispiel der offenbar ebenso explizit getroffenen Betonung der „angeblichen“ Traumatisierung, die wiederum die Skepsis an den Angaben der Asylsuchenden – dieses Mal an deren seelischen Zustand – verdeutlicht und mithilfe derer der Autor ihnen mögliche Falschaussagen vorwirft, ohne dafür Belege vorzuweisen.

Fragwürdig auch, was der Autor mit der „sexuellen Not“ ausdrücken möchte. Die Suggestion beim Leser dürfte dahingehend ausfallen, dass Flüchtlinge generell einen sexuellen Drang mitbringen, möglicherweise gar biologisch darauf ausgerichtet sind, und der nun hier am „Frauenvolk“ ausgelebt werden muss. Damit dürften geschickt gedankliche Verbindungen zu Ereignissen wie in der Silvesternacht in Köln oder zu anderen sexuellen Übergriffen hergestellt und Vorurteile bestärkt werden. Einer ganzen ethnischen Gruppe wird eine potenzielle Sexualisierung unterstellt, was einer Diskriminierung einerseits (Ziffer 12 Pressekodex), aber auch einer Missachtung ihrer Ehre (Ziffer 9 Pressekodex) gleichkommt.

Die vorliegenden Zitate aus einem verlinkten Artikel bleiben bei der Betrachtung außen vor. Viel eher ergeben sich die anstößigen Stellen aus den eigenen Worten des Kommentators. Er arbeitet dabei unzureichend heraus, dass sich sein Beitrag offenbar auf Einzelfälle in Leipzig bezieht. Statt einer Differenzierung streckt sich durch den Text viel eher der Tenor einer Frauenfeindlichkeit des „afrikanisch-orientalischen Jungmannens“ im Allgemeinen, ist doch eine Individualisierung und Begrenzung auf die tatsächlich geschilderten Beispiele ausgeblieben.

Insofern liegt unter Abwägung der Verhältnismäßigkeiten von Meinungsfreiheit und den genannten Ziffern des Pressekodexes für mein Verständnis ein eindeutiger Verstoß gegen die presseethischen Vorgaben vor, weshalb ich um eine Prüfung des Beitrages bitte.

Ich verbleibe mit Dank
und bestem Gruß

[Dennis Riehle]

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Leserbrief zu
„Pokémon Go in der Kirche: Das geht gar nicht, findet der Pfarrer“, SÜDKURIER Konstanz vom 4.10.2016

Wer in die Kirche kommt, der sollte dies aus einem bestimmten Antrieb tun: Gotteshäuser sind Orte der Besinnung. Menschen kommen dort zusammen, um ihren Glauben zu leben. Zweifelsohne strahlen sie somit auch Vitalität aus, weshalb es falsch wäre, Abwechslung, Freude oder Spaß aus ihnen zu verbannen. Doch sie sind keinesfalls dafür gedacht, sie für das reine Vergnügen zu entweihen. Ich tue mir schwer, bei „Pokémon Go“ irgendeinen Zusammenhang zu dem religiösen Bekenntnis zu finden, für das eine Kirche steht. Im Gegenteil: Sie soll unsere Gedanken zentrieren, uns nicht ablenken. Jeder bringt seine Gottesfurcht anders zum Ausdruck, sicher aber nicht dadurch, ein Gebetshaus für eine virtuelle Welt zu missbrauchen. Gerade ein Spiel, das auf Kampf, Kommerz und Erobern ausgerichtet ist, entspricht dem typischen Bild des Götzendienstes. Ein Pfarrer, der seine Sehenswürdigkeit davor bewahrt, handelt verantwortungsvoll. Denn er hat die wesentliche Verpflichtung gegenüber jenen, die den Zweck der Kirche würdigen und sich in ihr sammeln wollen. Ruhe zu finden, das ist in der heutigen Zeit nicht einfach, daher lobe ich Herrn Rudiger dafür, dass er denen Heimat bietet, die im Hier und Jetzt lebendig sind. Es ist Aufgabe der Kirchen, nicht alles zu tolerieren, sondern den Menschen auch Grenzen aufzuzeigen, zu deren eigenem Schutz. Und bei allen Versuchen der Übertragung des Biblischen in die heutige Zeit habe ich meine Zweifel, ob sich Jesus gern von magischen Fantasiewesen hätte jagen lassen…

[Dennis Riehle]

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Leserbrief
zu „Kein Mainaublick für Flüchtlinge“, „Stuttgarter Zeitung“ vom 22. September 2016

Die Debatte um die Bebauung eines sensiblen Gebietes im Konstanzer Teilort Litzelstetten steht stellvertretend für ein gesellschaftliches Klima, in welchem die Maske der Hilfsbereitschaft für Ankommende die unterschwelligen Ressentiments, die Ablehnung des Fremden und unterschiedlichste Neidgefühle verdeckt. Klassisch ersichtlich im schon sprachlich beachtenswert konnotierten Satz: „Wir haben nichts gegen Asylanten, aber…“. Dieses „Aber“ drückt sich hier vor Ort bereits in der skurrilen Feststellung „Seeblick für Flüchtlinge“ aus. Ob als Frage oder Empörung, beides offenbart weit mehr als Populismus vom Stammtisch. Warum sollten nicht auch Geflohene Anspruch auf eine Wohnung mit Sicht auf das Schöne haben? Weil sie noch nicht in die Sozialversicherung eingezahlt haben? Weil sie noch keine Leistung für das Land erbracht haben? Oder vielleicht, weil sie noch keine „anständigen“ Bürger sind, die korrektes Deutsch sprechen und die Sitten und Bräuche kennen? Artikel 1 und 3 unserer Verfassung regeln klar, dass Gleichheit herrscht. Dafür braucht es keine Verdienste, dafür genügt allein das Menschsein. Ob aus Aleppo oder aus Litzelstetten, jeder darf Teil unseres Staates sein, wenn er das Grundgesetz achtet. Letztlich bleibt offen, wer sich daran im Moment besser hält…

[Dennis Riehle]

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Leserbrief

Kaum wird ein Einzelfall bekannt, reagiert Deutschland mit der Keule: Egal, wo wir hinschauen, ob zur inneren Sicherheit, ob in der Flüchtlingspolitik oder nun im Gesundheitswesen – im Aktionismus sind wir spitze. Ein Scharlatan soll nun dazu führen, dass unzählige Homöopathen stigmatisiert werden? Eine Verantwortungslosigkeit soll jetzt jeden Heilpraktiker unter einen Generalverdacht stellen? Nein, dass nun möglicherweise mehrere Menschen an den Folgen komplementärer Behandlungsmethoden gestorben sein sollen, liegt nicht an deren Sicherheit oder Anwendung, sondern an der offenbar kriminellen Energie, die diejenigen mitbrachten, die mit unausgegorenen Verfahren Profite ausschlachten wollten, Heilversprechung vor den wirklichen Hilfegedanken stellten.

Dagegen wird auch keine neue Gesetzesänderung etwas ausrichten können. Es ist völlig abstrus, nun in Diskussion zu bringen, das Heilpraktikergesetz zu durchforsten. Eine Verschärfung aufgrund eines Verantwortungslosen, der sich nicht einmal als Heiler schimpfen sollte, ist ungerecht denjenigen gegenüber, die ihre Arbeit in großer Ehrfurcht vor ihren Patienten tun. Die Schreie nach Reformen kommen jetzt ausgerechnet aus medizinischen Kreisen, die Absichten dahinter dürften offensichtlich sein: Leider sehen noch immer viele Ärzte die komplementären Heilverfahren als diejenigen, die die Patienten abgraben. Eine Konkurrenz, die eigentlich keine ist. Denn respektvolle Heilpraktiker ergänzen den Arzt – und ersetzen ihn nicht. Diese Sichtweise sollten auch Mediziner und ihre Berufsgruppe gewinnen, statt Homöopathie und andere Heilweisen zu verteufeln.

Das, was nun passiert ist, hätte auch durch einen kriminellen Arzt geschehen können. Die Pauschalisierungen sind völlig unangebracht, sie verunglimpfen eine ganze Zunft der Heilpraktiker, die in ihrer großen Mehrheit versuchen, eine zusätzliche Behandlung und Therapie zu bieten, für alle Patienten, die dies nach ihrem freien Willen so wünschen und das Angebot danach offenkundig auch in großer Zahl suchen. Wie bei jedem Heilenden müssen alle, die in die Gesundheit eingreifend agieren, auch fortan einer gründlichen Prüfung unterzogen werden – auch ihrer Eignung und ihrer Persönlichkeit. Denn sowohl Arzt, aber auch Heilpraktiker tragen große Lasten in der Behandlung ihrer Patienten. Hierfür müssen sie gewachsen sein. Und gleichwohl ermahnt uns der Zwischenfall auch, die solide Kunst der Heilung wieder stärker zu fördern. Ärzte und Therapeuten brauchen Zeit, Kapazitäten und Entlastung in der Bürokratie, um sich dem Menschen mit Hingabe widmen zu können. Dann steht auch der Heilpraktiker nicht unter Druck, Alternative sein zu müssen, sondern seinen eigenen Beitrag für das Wohl des Patienten leisten zu können – statt Ersatz zu spielen für den Mediziner, der das Gespräch nach fünf Minuten aus Budgetgründen bereits erneut abbrechen muss. Das jetzige Geschehen ermahnt, nicht zu Populismus, sondern zu profunder Gesundheitspolitik.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.