Pressemitteilung

Die Redaktion von „ARD aktuell“ hat bedauert, in einem Bericht über Ausschreitungen in Berlin-Friedrichshain den politischen Hintergrund der Vorkommnisse nicht erwähnt zu haben. Am 10. Juli 2016 hatte die „Tagesschau“ um 20 Uhr in ihrem Beitrag kein Wort darüber verloren, dass die Gewalt von linksautonomen Randalierern ausgegangen war. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon zahlreiche andere Medien diese Tatsache kundgetan, die unter anderem auch vom Berliner Innensenator bereits bestätigt worden war. Der Journalist Dennis Riehle (Konstanz) hatte aufgrund der Unvollständigkeit der Wiedergabe von Details in den Fernsehnachrichten eine Beschwerde beim Intendanten des Norddeutschen Rundfunks eingereicht.

Mittlerweile antwortete dieser mit einer Stellungnahme Dr. Kai Gniffkes (Hamburg), Chefredakteur von „ARD aktuell“, der sich für den Fehler entschuldigte: „In der Nachbetrachtung wäre es aus Sicht der Redaktion sicher besser gewesen, die politische Orientierung der Demonstranten genauer zu beschreiben“. Riehle hatte an den Pressekodex erinnert, der die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung fordert: „Damit ist auch Vollständigkeit gemeint. Eine Redaktion kann damit nicht beliebig Informationen weglassen, die überall bekannt sind, nur, weil sie möglicherweise nicht ins Weltbild passen oder bei manchen Zuschauern schlecht ankommen würden“.

Der Konstanzer Journalist hatte auch bemängelt, dass der Beitrag in der „Tagesschau“ das Ausmaß der Randale verharmlost habe. Immerhin sei es nicht bloß um einige Tumulte gegangen, sondern um Zustände, die an Straßenschlachten erinnerten: „Insgesamt wies der Bericht massive Mängel auf, da hilft es auch nicht, dass die Redaktion auf das Internetangebot der ARD verweist, in welchem die Informationen ausführlicher dargestellt worden seien. Es hätte nur ein paar Worte mehr gebraucht, die Bildauswahl hätte prägnanter sein können – und schon wäre man deutlich näher an der Wahrheit gewesen. So wirken die Einlassungen des Chefredakteurs einigermaßen halbherzig“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

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Der Deutsche Presserat hat die Beschwerde des Selbsthilfegruppenleiters Dennis Riehle (Konstanz) zurückgewiesen, mit welcher der gelernte Journalist einen Artikel aus „Stern Online“ vom 16. März 2016 (http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/germanwings-absturz–eltern-ueber-andreas-lubitz—verzeihen—wir-nicht–6748766.html) kritisiert hatte. Im Beitrag ging es um den Absturz der „Germanwings“-Maschine in den Französischen Alpen und die Rolle des Co-Piloten, der die Maschine wohl absichtlich in die Felswand lenkte. Der offenbar psychisch kranke Kapitän war zuvor in medizinischer Behandlung gewesen, nach dem Unglück waren zahlreiche persönliche Angaben über ihn, sein Leiden und Auszüge aus seiner Krankenakte öffentlich geworden.

Auch der vorliegende Bericht ging auf die psychische Störung ein. Unter anderem wurde dem behandelnden Psychiater der Vorwurf unterbreitet, er habe dem Piloten ein „Antidepressivum mit Nebenwirkungen“ verschrieben. Konkret ging es um das Präparat „Mirtazapin“. Riehle bemängelte, dass mit dieser Darstellung eine unnötige Verunsicherung unter Betroffenen erzeugt werde. Man wisse, dass Psychopharmaka begleitende, unerwünschte Wirkungen mit sich brächten. „Was sollen Anwender von ‚Mirtazapin‘ jetzt denken? Dass die Nebenwirkungen des von ihnen genutzten Wirkstoffs besonders schlimm sind?“, fragt Riehle, der selbst an seelischen Störungen leidet und das Präparat ebenfalls eine Zeit lang einnahm.

Es sei vollkommen unnötig gewesen, so Riehle, diese Details zu publizieren. Sie seien lediglich aus Gründen der Sensationsberichterstattung geeignet, veröffentlicht zu werden. „Ansonsten schüren sie nur Angst und haben für den Laien keinen Mehrwert an Information“. Der Presserat sieht auch in der Darstellung, dass besonders das Suizidrisiko als Nebenwirkung hervorgehoben werde, keinen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht. Immerhin sei diese Tatsache für Kinder und Jugendliche belegt – und daher für den vorliegenden Fall „von Relevanz“. Man könne nicht ablesen, dass die Nebenwirkung in jedem Anwendungsfall auftrete, argumentiert der Presserat. Damit rechtfertige er laut Riehle auch eine mögliche Missinterpretation durch Laien

Dass der behandelnde Arzt an den Pranger gestellt werde – und damit eine Berufsgruppe diskriminiert ist, erkennt der Presserat ebenso nicht. Riehle argumentiert stattdessen, dass es fraglich sei, ob das Erwachsenenalters des Patienten dem Psychiater in der Abwägung der Anwendung eines Psychopharmakums nicht Recht gegeben hat und er damit keinesfalls hätte absehen müssen, dass es zu solchen Folgen wie dem Verhalten des Piloten kommen würde – auch unter Berücksichtigung dieses Berufsbildes. Es sei deshalb presseethisch nur schwer nachvollziehbar, welcher Ansporn bestanden haben sollte, den Arzt derart zu beschuldigen, als ein falsch verstandenes öffentliches Interesse, das letztlich nur dient, aufzustacheln.

„Ich sehe durchaus, dass es dem Deutschen Presserat an Feingefühl fehlt, wenn es um solch heikle Themen geht. Ich würde mir aber wünschen, dass er dann Experten hinzuzieht, die bei der Beurteilung derartig herausfordernder Fragestellungen helfen und bei der Beurteilung zur Seite stehen. Denn es ist fatal, wenn die Pressefreiheit im Sinne dessen missverstanden wird, dass Journalisten keine Verantwortung bei ihrer Berichterstattung hätten. Im Gegenteil: Gerade, weil wir in unserem Land diese Offenheit haben, braucht es eine besonders kritisch Kontrollinstanz, die auch mehrdeutige Aussagen auf ihre möglichen Auswirkungen auf bestimmte Lesergruppen fachkundig hinterfragt“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

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Der Deutsche Presserat hat zwei Beschwerden über Artikel abgewiesen, in denen Konfessionsfreie Gegenstand der Berichterstattung waren. Der Sprecher der Humanistischen Alternative Bodensee (HABO), Dennis Riehle, hatte die beiden Berichte zur Prüfung vorgebracht, da er den Redakteuren eine Verletzung ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht vorwarf.

Konkret ging es um den Beitrag „Männlich, über 50, verheiratet, konfessionslos“ aus „SPIEGEL Online“ vom 31. Januar 2016 (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-wer-geht-zu-den-demos-und-warum-gehen-sie-auf-die-strasse-a-1074028.html), in welchem das Magazin aus einer Studie des „Göttinger Instituts für Demokratieforschung“ zitierte. Riehle, selbst gelernter Journalist, warf den Autoren eine plakative Übernahme von einzelnen Aussagen der Erhebung vor, um damit ein Vorurteile schürendes Bild von einem stereotypen Teilnehmer der sogenannten „Pegida“-Demonstrationen zu zeichnen. Unter anderem konkretisierte Riehle seine Anschuldigung mit der verkürzten Übernahme von Eigenschaften in die Überschrift des Artikels, die dazu in der Lage sei, religionsfreie Menschen als Anhänger der rechtspopulistischen Bewegung zu generalisieren und sie dadurch zu diskriminieren. Riehle hielt SPIEGEL vor, Angaben aus der ohnehin wissenschaftlich fragwürdigen Studie unreflektiert übernommen zu haben, ohne dabei nötige Differenzierungen und ursächliche Hinterfragungen der Ergebnisse anzustellen.

Der Presserat dagegen will im Artikel ausreichende „wissenschaftliche Auswertungen“ erkannt haben, „die sich auf die Konfession bezogen“. Entsprechend sei es „gerechtfertigt, diesen Aspekt in die Überschrift aufzunehmen“. Riehle vermag von diesen „Auswertungen“ nicht allzu viel erkennen, eine kritische Auseinandersetzung mit den Resultaten der Studie sehe für ihn anders aus. „Überdies rechtfertigt all das keine zusammenhanglose Aneinanderreihung von Prädikaten. Nimmt man die Überschrift des Artikels, so passt sie auf Millionen Deutsche. Und sie werden durch den Titel des SPIEGELS plötzlich alle zu ‚Pegida‘-Anhängern. Das kann kein seriöser Journalismus sein“, meint Riehle.

Auch im zweiten Fall bemängelt der HABO-Sprecher den Presserat: Im Artikel von „WELT Online“ des 22. Februar 2016 mit der Überschrift „Keine Vorbilder, keine Religion – und Angst“ (http://www.welt.de/politik/deutschland/article152522538/Keine-Vorbilder-keine-Religion-und-Angst.html) hatte die Zeitung das Interview mit Sozialwissenschaftler Frank Richter abgedruckt, der dazu Stellung nahm, wie es zum Fremdenhass in Sachsen kommt. Riehle warf den Redakteuren vor, auch hier einen Titel gewählt zu haben, der Persönlichkeitseigenschaften willkürlich aneinanderreiht – und daraus denjenigen Typus an Mensch abbildet, der Häuser anzündet oder Flüchtlinge angreift. Und wesentliches Merkmal sei dabei wiederum die Konfessionslosigkeit, mit deren missbräuchlicher Verwendung eine ganze soziale Gruppe zu Tätern stigmatisiert werde.

Der Presserat hielt auch hier wiederum entgegen: „Überschriften dürfen plakativ und zusammenfassend sein, solange sie vom Text gedeckt sind“. Riehle sieht in der presseethischen Verantwortung allerdings die Freiheit des Journalismus dort begrenzt, wo Titel von Beiträgen irreführend sein oder mehrdeutig verstanden werden können. „Die Überschrift ist der Hingucker eines Artikels. Entsprechend erhält sie die größte Aufmerksamkeit. Und auch wenn die Headline entsprechend kurz sein soll, muss sie als Zusammenfassung des Inhalts sachgerecht formuliert werden. Das wahllose Zusammensuchen von Bausteinen für eine möglichst sensationelle Überschrift hat nichts mit ordentlicher Recherche zu tun“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

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Sehr geehrte Damen und Herren,

die „tagesschau“ des 10. Juli 2016 (Hauptausgabe, 20:00 Uhr) berichtete an nicht prominenter Stelle mit einem lediglich kurzen durch das Off moderierten Beitrag von den Ausschreitungen in Berlin-Friedrichshain in der Nacht auf den 10. Juli 2016.

Im Text wurde nach meinem Vernehmen nicht deutlich gesprochen, von wem die Gewalt ausging. Nahezu alle Medien, auch Politiker und wohl gleichsam die Polizei, hatten von Beginn an verdeutlicht, dass es sich um linksradikale Täter handelte, die durch ihre örtliche Herkunft, ihre inhaltlichen Aussagen und ihre scheinbare Bekanntheit entsprechend eindeutig zu identifizieren waren. Es gab also keinerlei Zweifel daran, dass die Angriffe aus dieser Szene stammten, die schon seit Monaten mit Feuern an Autos, Randale gegenüber Häusern und Pöbeleien in den Straßen ganze Viertel tyrannisieren.

Zwar sprachen Sie von der Motivation der Randalierenden, die sich gegen die Räumung eines Hauses wehren wollten, unterließen aber auch hierbei erneut die Erwähnung der weltanschaulichen Orientierung dieser Gruppierungen. Zudem fehlte es für das Gesamtverständnis des Zuschauers an weitergehenden Details über das Ausmaß der Störungen bereits in den vergangenen Monaten, die für die Hauptstadt nicht nur zu einem sozialen und wirtschaftlichen, sondern auch zu einem Image-Problem geworden sind.

Weshalb der Thematik nicht ein Reporter-Beitrag zugestanden wurde, der dem Thema mehr Raum zugestanden hätte, bleibt gerade auch beim Blick auf andere Fernsehsender einigermaßen unverständlich. Die Gewichtung in der benannten Sendung wäre anders möglich gewesen, um wesentliche Hintergründe von Kurzmeldungen auslassen zu müssen.

Man könnte entsprechend den Vorwurf einer bewussten Unterdrückung der wichtigen Information über die Gesinnung der Täter im Rahmen des „Mainstream“-Journalismus erheben. Viel wesentlicher erscheint mir jedoch, dass durch die Unvollständigkeit der dargebotenen Berichterstattung auch die Sorgfaltspflicht vernachlässigt wurde, die § 10 Abs. 1 RStV aber verlangt.

Immerhin ist auch das Verschweigen einer Tatsache geeignet, ein diskriminierungsfreies Miteinander zu stören, wenn nämlich eine unzureichende Angabe derartig großen Spielraum für Spekulationen über die politisch-weltanschauliche Motivation eines Vorgangs lässt, dass sich verschiedene Gruppen unschuldig als Täter angesprochen fühlen. Ich sehe also auch einen Verstoß gegen § 41 Abs. 1 (Programmgrundsätze) des Rundfunkstaatsvertrages.

Entsprechend bringe ich Beschwerde nach § 13 NDR-Staatsvertrag ein.

Freundliche Grüße

[Dennis Riehle]

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Die Selbsthilfegruppe Zwänge, Phobien, psychosomatische Erkrankungen und Depressionen im Landkreis Konstanz reagiert mit Unverständnis auf eine Entscheidung des Deutschen Presserates. Gruppenleiter Dennis Riehle hatte eine Beschwerde vorgebracht, nachdem die BILD-Zeitung Teile der letzten E-Mail des Piloten der „Germanwings“-Katastrophe, Lubitz, an seinen Psychiater veröffentlicht hatte. Das Flugzeug war durch den Kapitän offenbar bewusst in den Französischen Alpen zum Absturz gebracht worden.

Riehle argumentierte damit, dass die hoch sensiblen Informationen aus einer elektronischen Mitteilung an den behandelnden Arzt auch nach dem Tod des Patienten trotz des besonderen Interesses der Öffentlichkeit daran geschützt werden müssten. Gerade, wenn es um psychische Erkrankungen gehe, stünde selbst bei einer derartigen Katastrophe das Recht des Piloten auf den Schutz seiner Krankenakte über dem Wunsch der Allgemeinheit auf Information: „Gerade Betroffene seelischer Störungen, die noch immer einer großen Stigmatisierung unterliegen, brauchen diese Verschwiegenheit über ihr emotionales Leben – auch nach dem Tod“, meint der Gruppenleiter, der beruflich selbst als Journalist tätig ist.

Der Presserat sah dies anders: In diesem Falle überwiege der Anspruch des Publikums dem des Patienten, weil seine Krankengeschichte erhebliche Auswirkungen auf den Verlauf der Katastrophe habe. Riehle entgegnet hier mit der Frage, welchen Mehrwert die Details über die psychische Leidensgeschichte des Piloten für den Leser der Zeitung erbrächten – abgesehen von der Befriedigung eines reinen Sensationsbedürfnisses: „Ich verstehe, dass der Mail-Verkehr für die ermittelnden Behörden von Bedeutung sind. Einzelheiten werden aber dem Laien nicht dabei helfen können, die komplexe Persönlichkeit eines Menschen zu verstehen, der in solch einer Situation gewesen ist“, so Riehle.

„Für mich hat die Darstellung zudem etwas von einem Pranger. Hier sollen die Memoiren eines angeblichen Verbrechers präsentiert werden – und das durch die Medien, die mit ihrer Gier nach einer Abstempelung des Piloten Aufsehen erregen möchten. Da muss ich mit meinen eigenen Kollegen hart ins Gericht gehen, ich würde mir nicht anmaßen, solch einen reißerischen Eingriff in die Privatsphäre vorzunehmen. Denn trotz aller Schuld, die Lubitz auf sich geladen haben mag, muss der Respekt auch vor ihm bleiben, gerade nach dem Tod, wenn er sich nicht mehr gegen die Berichterstattung wehren kann“, meint der selbst psychisch betroffene Riehle, der abschließend ergänzt: „Der BILD ist es mit dieser Veröffentlichung zudem sicher nicht daran gelegen, über seelische Erkrankungen aufzuklären. Das hätte sie nämlich anders haben können“.

[Dennis Riehle]

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Sehr geehrter Herr Lutz,

über mehrere Quellen ist mittlerweile verlautbart, dass Sie Ihren Redakteur in der Lokalredaktion Konstanz, Michael Lünstroth, aufgrund dessen Berichterstattung über das „Scala-Kino“ auf der Marktstätte scheinbar abmahnten. Sie warfen ihm demnach mangelnde Sorgfaltspflicht vor, Hintergrund dürften Beschwerden aus der Rathausspitze über eine gefühlte einseitige Wiedergabe der Geschehnisse um die Proteste der Bürgerinitiative und das Entscheidungsverfahren des Gemeinderates mit seinem Vorlauf, Gutachten und Stellungnahmen gewesen sein.

Zunächst einmal: Eine Zeitung ist kein Sprachrohr der Verwaltung. Die Medien verstehen sich im Lande zu Recht als „vierte Gewalt“ – und unterliegen damit nicht nur der Gewaltenteilung, sondern der vollkommenen Unabhängigkeit, wie Sie sie auch für Ihr Blatt proklamieren, jeden Tag neu im Titel der Ausgabe. Jeder darf sich über Verlautbarungen der Presse beschweren, Leser und nicht lesende Bürger, Gemeinderäte und auch Oberbürgermeister. Doch gerade aufgrund der Garantenstellung in Sachen Neutralität sind Zeitungen herausragend gegen den Versuch der Beeinflussung immunisiert. Allein die presserechtlichen und ethischen Grundsätze des Journalismus sind Maßstäbe, an denen sich Redakteure zu orientieren haben.

Der Deutsche Pressekodex zeigt uns auf, wann ein Journalist tatsächlich seine Sorgfaltspflichten verletzt hat. Lesen wir Ziffer 2, so finde ich dort keinerlei Aussage, in welcher Gewichtung ein Redakteur zu informieren hat. Viel eher ist er der Wahrheit verpflichtet, so steht es dort, was schlussendlich bedeutet, im Zweifel auch Kritik üben zu müssen. Das verlangt sogar die Präambel des Pressekodexes, die uns nochmals an die journalistischen Werte erinnert: Sie „schließt die Unabhängigkeit und Freiheit der Information, der Meinungsäußerung und der Kritik ein“.
All das hat Michael Lünstroth verwirklicht. Er hat in seinen Texten, die ich vollständig verfolgt habe, nicht nur seine Sicht der Dinge vollständig legitim auf die heikle Thematik der möglichen Entstehung eines weiteren Drogeriemarktes an einer markanten Stelle des hiesigen Stadtbildes geworfen. Viel eher hat er darüber hinaus eine Perspektive eingenommen, die sich von derjenigen abhob, welche die Stadtverwaltung öffentlich wahrnehmbar kundtat. Und genau das ist Aufgabe der Presse: Sie darf der Exekutive nicht nach dem Mund reden, sondern muss der Öffentlichkeit die Möglichkeit einräumen, andere Argumente und Sichtweisen kennenzulernen. Denn lesen wir im Pressekodex weiter, so heißt es: „Verleger, Herausgeber und Journalisten müssen sich bei ihrer Arbeit der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und ihrer Verantwortung für das Ansehen der Presse bewusst sein“. Ja, Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit! Der SÜDKURIER ist nicht dem Oberbürgermeister oder dem Gemeinderat gegenüber verpflichtet, Meinung zu bilden, sondern gegenüber der breiten Allgemeinheit!

Die Sichtweise der Verwaltung wurde im SÜDKURIER ausreichend thematisiert, vergleichen Sie hierzu Ihre Berichte vom 09.02.2016, 07.04.2016 oder 21.04.2016. Darüber hinaus ging es bei einem Schwerpunkt, der die Bevölkerung massiv polarisierte, vor allem um die Erörterung. Und zu dieser hat Michael Lünstroth berechtigterweise meinungsstark seine Beiträge geleistet, hat dabei durchaus Mängel in der Arbeit der Stadt aufgezeigt, blieb in seinen Ausführungen trotz aller Deutlichkeit und Vehemenz aber „fair“, wie der Pressekodex es verlangt. Und besonders: Er handelte offenbar „unbeeinflusst von persönlichen Interessen und sachfremden Beweggründen“. Viel eher scheint er in seiner zwar subjektiv anmutenden, aber mit der Richtlinie „nach bestem Wissen und Gewissen“ des Pressekodexes allemal vereinbaren Positionierung der Überzeugung gerecht zu werden, dass Medien nicht nur objektiv vermelden, sondern selbst als Akteur im öffentlichen Dialog auch Player sein können.

Dagegen habe ich Zweifel, ob der SÜDKURIER in seiner verantwortlichen Leitungsschiene den Vorsatz aus der Präambel des Pressekodexes, wonach Sie eine „Verpflichtung zum Ansehen der Presse“ tragen, derzeit beachtet. Verfolgt man die Entwicklungen, stehen Vorwürfe der erheblichen Einflussnahme von Seiten des Konstanzer Rathaus und der politisch führenden Köpfe auf Ihre Tageszeitung im Raum, den Beschwerden einer voreingenommenen Berichterstattungen gab man wohl statt, indem Herr Lünstroth entsprechend diszipliniert wurde. Welche etwaigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten eine Rolle in dieser Entscheidung gespielt haben mögen, will ich nicht beurteilen. Jedenfalls erweckt der Vorgang den Eindruck, als folge der SÜDKURIER den Eingaben der Stadtoberhäupter blind, um einen bedeutsamen Kunden nicht zu vergraulen und auch künftig als Projektpartner attraktiv zu bleiben.

Dass aber möglicherweise Ihre Leser durch die Aktion um Herrn Lünstroth verstört sind und sich ihrerseits überlegen müssen, ob sie weiterhin eine Zeitung abonnieren, die sich Unabhängigkeit auf die Fahnen schreibt – und im Hintergrund diejenigen Mitarbeiter sanktioniert, die sich nicht lenken lassen, scheinen Sie weniger in Betracht zu ziehen.
Kollege Michael Lünstroth ist ein hoch angesehener Journalist und findet in der Bürgerschaft viel Rückendeckung. Ihre Vorgehensweise dagegen erntet kaum Verständnis, was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass eine Mehrheit offenbar der Meinung ist, dieser Redakteur habe letztendlich nur seine Arbeit gemacht – und das ziemlich gut. Denn Michael Lünstroth beherrscht nun seit neun Jahren das Handwerk des Journalismus in Ihrem Unternehmen und hat sich zu einem beliebten Lokalreporter in Ihrem Hause gemacht. Jetzt wäre es an der Zeit gewesen, Ihren Redakteur zu verteidigen. Und nicht nur ihn, sondern die Pressefreiheit!

Freundliche Grüße

[Dennis Riehle]

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Pressemitteilung

Der Deutsche Presserat hat eine Beschwerde über einen Artikel des „FOCUS“ zurückgewiesen, in welchem Studienergebnisse über Gemeinsamkeiten von Atheisten und Psychopathen vorgestellt worden waren (http://www.focus.de/gesundheit/videos/glaube-ist-im-gehirn-verankert-was-atheisten-mit-psychopathen-gemeinsam-haben_id_5386211.html). Unter anderem hatte der Sprecher der „Humanistischen Alternative Bodensee“ (HABO), Dennis Riehle, Verstöße gegen die geltenden Richtlinien vermutet, da er durch die pauschalen Vergleiche eine weltanschauliche Personengruppe diskriminiert sah und Fehler in der Aufbereitung der wissenschaftlichen Ergebnisse durch die Redaktion des „FOCUS“ vermutete. Der gelernte Journalist hatte daher entsprechende Grundsätze nach Ziffer 2 (Sorgfalt) und Ziffer 10 (Schmähung) des Pressekodexes verletzt gesehen und den Beitrag vom 25. März 2016 dem Gremium zur Überprüfung vorgelegt.

Dort entschied man nun, dass die Eingabe gegen den Text mit dem Titel „Glaube ist im Gehirn verankert – Was Atheisten mit Psychopathen gemeinsam haben“ unbegründet gewesen sei. Nachdem Riehle unter anderem bemängelt hatte, dass der „FOCUS“ die Studienerkenntnisse nicht auf ihre Plausibilität hinterfragt habe, schrieb der Presserat: „Es steht Ihnen – wie auch allen anderen Lesern – selbstverständlich frei, die Erkenntnisse der Studie, deren wissenschaftliche Methodik etc. anzuzweifeln. Aus presserechtlicher Sicht bleibt allerdings festzuhalten, dass die Redaktion die Studie im streitgegenständlichen Artikel ihrem Inhalt nach korrekt wiedergegeben hat. […] Im vorliegenden Fall jedenfalls bleibt die Berichterstattung in ihren Aussagen so nah an der zugrunde liegenden Studie, dass weitergehende Ausführungen nicht erforderlich waren“. Riehle hält hier jedoch entgegen, dass eine Redaktion aus ihrer journalistischen Verantwortung dazu aufgefordert ist, solch prägnante Feststellungen wie die aus der Studie zumindest auch kritisch zu hinterfragen oder dafür zu sorgen, dass durch ein unkommentiertes Reproduzieren keine Missverständnisse entstehen können. Hier meint der Presserat allerdings: „Auch die von Ihnen monierte fehlende Differenzierung bei der Beschreibung der Ähnlichkeiten in den emotionalen und kognitiven Eigenschaften der Personengruppen ist bereits der dem Artikel zugrunde liegenden Studie inhärent“. Der HABO-Sprecher sieht damit den Redakteur des Beitrags aus der Pflicht genommen: „Allein darauf zu verweisen, dass all das Wiedergegebene in der Studie steht, reicht nicht aus. Ein Journalist ist doch mehr als eine ‚Copy- und Paste‘-Tastenbediener, seine Leistung zeigt sich nicht nur im Informieren, sondern besonders im Erklären, Analysieren und Aufdecken von Ungereimtheiten“.

Auch erkennt der Presserat keine Schmähung: „Der Artikel berichtet über die Ergebnisse einer konkreten Studie, die im Ergebnis funktionale Ähnlichkeiten im Denkmuster von Atheisten und Psychopathen konstatiert. Die Grundlage, auf der diese Ähnlichkeiten festgestellt wurden, wird den Lesern ausreichend transparent gemacht. Der Artikel stellt dabei hinreichend deutlich heraus, dass die Studie gemeinsame Muster gefunden hat, die sowohl Atheisten definieren als auch Psychopathen. Eine Gleichsetzung dieser Personengruppen erfolgt jedoch nicht“. Auch hier zeigt sich Riehle überrascht, wie schützend sich der Presserat vor den Redakteur stellt: „Eigentlich gilt im Pressekodex, dass bereits jeder Anschein, wonach eine Ungenauigkeit zu Fehlinterpretationen beim Leser führen könnte, vermieden werden sollte. Ich weiß nicht, ob jedem, der den Beitrag studierte, auch wirklich deutlich war, dass hier nur eine Parallele, aber keine Gleichheit aufgezeigt werden sollte. Insofern hat das Gremium dem FOCUS einen großen Spielraum dafür gelassen, einen provokativen Artikel zu verfassen, ohne dabei auf mögliche Zweideutigkeiten achten zu müssen“, so der Journalist abschießend.

[Dennis Riehle]

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Beschwerde wegen des möglichen Verstoßes gegen den Pressekodex
FOCUS (online) vom 19. April 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Beitrag „Auf diese Untersuchungen können Sie verzichten“, veröffentlicht in FOCUS-online am 19. April 2016 (http://www.focus.de/gesundheit/arzt-klinik/mein-arzt/ueberfluessige-medizinische-tests-unnoetig-und-teuer-auf-viele-roentgenuntersuchungen-koennen-sie-getrost-verzichten_id_5450926.html), verstößt nach meiner Auffassung in Teilen gegen den Pressekodex. Entsprechend lege ich Beschwerde ein.

Begründung:

Der Beitrag startet bereits mit einer zweifelhaften Überschrift: „Auf diese Untersuchungen können Sie verzichten“ ermutigt den Leser, von bestimmten diagnostischen Maßnahmen beim Arzt zurückzuschrecken, weil es sich nach Meinung der Redaktion um „unnötige“ und „teure“ Verfahren handelt. FOCUS stützt sich dabei auf die sogenannten „IGeL“-Leistungen, also die von Patienten privat zu finanzierenden Leistungen, die der Gesetzgeber nicht als derart aussagekräftig eingestuft hat, um sie als Regelleistung in den Katalog der Krankenversicherung aufzunehmen.

Blicke ich beispielhaft auf die für unsere Initiative bedeutsame und auch für mich persönlich wichtige Untersuchung der Augeninnendruckmessung, so schreibt FOCUS: „Augenärzte messen den Innendruck allerdings auch gern bei jüngeren fehlsichtigen Erwachsenen, die keine Risiken für einen gefährlich hohen Augeninnendruck haben“. Ich möchte aus meiner eigenen Geschichte berichten: Bei mir wurde im Alter von 25 Jahren genau durch die genannte IGeL-Leistung ein Normaldruckglaukom diagnostiziert. Es ist nachweislich falsch – ich stehe hierfür als Beispiel –, dass jüngere Menschen keinen hohen Augeninnendruck haben können (siehe zudem Pillunat, Lutz-E.; Stodtmeister, R.: Das Glaukom. Aspekte aus der Forschung für die Praxis. Springer-Verlag, 2013. S. 23). Oder wieso kennen wir in Deutschland Selbsthilfeaktivitäten für Glaukom-Kinder? Einerseits kann bereits ein Augeninnendruck von dauerhaft 20 mmHg gefährlich sein, andererseits sind Risiken für einen hohen Innendruck auch in jungem Alter nicht ausgeschlossen. Und nicht zu vergessen: Ein Glaukom kann, wie in meinem Fall, auch bei normalen Druckwerten entstehen, wenn bestimmte Voraussetzungen für eine Schwäche des Sehnervs vorliegen. Es gibt aber auch darüber hinaus genügend Hinweise für einen eindeutigen Zusammenhang von Fehlsichtigkeiten und einem „Grünen Star“, beispielsweise bei der Myopie, vergleiche die „Ocular Hypertension Treatment Study“. Hätte ich die „IGeL“-Leistungen nicht in Anspruch genommen, wäre mein Glaukom wohl deutlich später erkannt und damit auch nicht frühzeitig behandelt worden.

Fasse ich diese Passage des Artikels zusammen, erkenne ich die Darstellungen der Autorin als unzureichend, wenn nicht sogar als sachlich falsch. Sie berücksichtigt ebenso nicht, dass es bei der genannten Leistung nie allein um eine Messung des Augeninnendrucks, sondern gleichzeitig um eine integrierte Beurteilung des Augenhintergrundes und weiterer Maßnahmen geht, die zuverlässigere Aussagen über eine tatsächliche Erkrankung liefern können. Auch das Auslassen von Informationen wird dem Anspruch an eine sorgfältige Recherche und Wiedergabe von Inhalten nicht gerecht, ich sehe daher eine Verletzung von Ziffer 2 Pressekodex. Der Anspruch gilt mehr denn je bei medizinischen Berichten, in denen eine besondere Verantwortung gegenüber den Lesern gefragt ist. Ich halte es für fahrlässig, derart verkürzt Tipps zu geben, auf welche Untersuchungen verzichtet werden kann.

Die Autorin betont immer wieder, Behandlungen seien unnötig, begründet ihre Einschätzung aber nicht. Wieso sind das EKG oder der Herzkatheter überflüssig? Wir können unsere Kranzgefäße kaum anders begutachten und spüren nicht wirklich, in welchem Zustand sie sind. Gerade unter dem Aspekt, dass wir um die steigenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wissen, ist der Satz, der den Ärzten vorgeworfen wird, sie wollten durch die zusätzliche Diagnostik mehr Sicherheit, kein Widerspruch, sondern eine Bestätigung für die Untersuchungen. Dem Anspruch, der zu Beginn des Textes formuliert wird, Nachteile, Risiken, aber auch Nebenwirkungen darzulegen, wird FOCUS schlussendlich nicht gerecht – und legt stattdessen eine unvollständige Medizin-Berichterstattung hin, die aufgrund ihrer geringen Aussagekraft in der Lage ist, Patienten zu verunsichern. Der Tenor des Beitrages, die „IGeL“-Leistungen entlarven zu wollen, hat eher einen sensationellen Charakter, der aber gerade im medizinischen Journalismus nicht erlaubt ist (Ziffer 14 Pressekodex). Ähnliches gilt übrigens auch für einen in der Intention der Redaktion offenbar gleich gelagerten Artikel: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/wirkstoffe/schmerzen-sodbrennen-schlafstoerungen-keine-lust-auf-wartezimmer-diese-medikamente-bekommen-sie-auch-ohne-rezept_id_5460812.html.

Entsprechend bitte ich um Überprüfung des Beitrages
und verbleibe mit Dank und bestem Gruß

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.

Beschwerde beim Presserat
WELT (online) vom 25. April 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Beitrag „Was der Rechtspopulist Hofer mit Österreich vorhat, veröffentlicht in der WELT online (http://www.welt.de/politik/ausland/article154704060/) vom 25. April 2016, verstößt nach meiner Auffassung in Teilen gegen den Pressekodex. Entsprechend lege ich Beschwerde ein.

Begründung:

Die „Welt“ setzt gleich in ihrer Einführung zum Bericht über den österreichischen FPÖ-Bewerber um die Bundespräsidentschaft Norbert Hofer einen Akzent, indem sie ihn unter anderem damit charakterisiert, dass er einen Gehstock brauche. Im weiteren Text wird gegen Ende des Artikels eine Erklärung hierfür geliefert. Ein Unfall hat dazu geführt, dass der Politiker heute von einer Behinderung gezeichnet ist.

Es bleibt also zwischen einleitendem Satz und der letztendlichen Erläuterung ein ganz erheblicher Raum für Spekulation. Die Erwähnung einer Behinderung muss eine Person des öffentlichen Interesses zwar insgesamt hinnehmen. Um sie aber nicht zu einer Diskriminierung werden zu lassen, ist es nach gültigem Verständnis für sorgfältiges journalistisches Arbeiten notwendig, dass die explizite bildliche wie textliche Herausstellung einer Beeinträchtigung Informationswert für den Leser hat, ohne den ein Verständnis der Zusammenhänge nicht möglich wäre (vgl. hierzu auch analog den Grundsatz in Richtlinie 12.1 Pressekodex).

Zwischen den Zuschreibungen des Waffenliebhabers und Verbreiters populistischer Positionen einerseits sowie der letztendlichen Angewiesenheit auf eine Gehhilfe andererseits besteht objektiv kein Sachbezug. Für das Nachvollziehen der politischen Persönlichkeit bedurfte es der Erwähnung der Behinderung nicht. Sie steht in der Reihung eher gegenstandslos und ohne jeglichen Konnex, die Aufnahme dieses Charakteristikums in den ersten Satz scheint damit unnötig gewesen zu sein und kann lediglich als sensationell motiviert gewertet werden. Dies lässt die Hervorhebung eines so sensiblen Merkmals einer Person zur bewussten Diskriminierung mutieren, wie sie Ziffer 12 Pressekodex widerspricht.

Entsprechend bitte ich um Überprüfung des Artikels
und verbleibe mit Dank und bestem Gruß

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.

Beschwerde beim Presserat
BILD (online) vom 4. Mai 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Beitrag „Die Folter-Bestie von Höxter“ (http://www.bild.de/news/inland/hoexter/die-chronologie-der-gewalt-45631360.bild.html) in der Online-Ausgabe der BILD vom 04. Mai 2016 verstößt nach meiner Auffassung in Teilen gegen den Pressekodex. Entsprechend lege ich Beschwerde ein.

Begründung:

Die „BILD-Zeitung“ beschäftigt sich mit einem schweren Kriminalfall, der in der Bevölkerung für großes Aufsehen sorgt. Entsprechend ist das Interesse der Öffentlichkeit an Details zu den Ereignissen groß und eine eingehende Berichterstattung begründet. Die Online-Redaktion von BILD geht nach meinem Verständnis aber über die Grenzen, die durch den Pressekodex für solch besondere Fälle gesetzt werden, hinaus und pointiert ihre Darstellung bildlich, aber vor allem textlich in einer Weise, die der Verhältnismäßigkeit widerspricht.

So zeigt bereits die Überschrift eine reißerische Absicht. Sie bezeichnet den mutmaßlichen Täter als „Folter-Bestie“ und schreibt ihm damit eine Eigenschaft zu, deren Berechtigung noch nicht einmal abschließend geklärt ist. Ziffer 13 Pressekodex formuliert, dass die Berichterstattung über etwaige Straftäter „frei von Vorurteilen“ sein soll und auch in der Pressearbeit die Unschuldsvermutung gilt. Diese scheint schon deshalb geboten, weil selbst BILD fragt: „Wurde sie ein Opfer von Wilfried W. und Angelika B.? Unklar!“. Die eindeutige Abgrenzung zwischen Verdacht und erwiesener Schuld, die Richtlinie 13.1 Pressekodex einfordert, um einen „Medien-Pranger“ zu verhindern, wurde hier nicht eingehalten. Eine Betitelung, wie bei vorliegendem Artikel geschehen, ist gerade unter diesem Aspekt eine Vorverurteilung, die besonders durch die grafische Darstellung des angeblichen Täters an Brisanz gewinnt. So bleibt die als Realität dastehende Überschrift in Verbindung mit der in extra gewählter Übergröße abgedruckten Bilddarstellung eine die Menschenwürde durchaus tangierende Behauptung, weil sie eben noch keiner nachgewiesenen Wahrhaftigkeit entspricht – und damit Ziffer 1 Pressekodex verletzt. Äquivalent gilt dies auch für die vermeintliche Täterin, die unter dem ebenso mutmaßenden Titel „So tickt das Folterpaar aus Höxter“ abgelichtet zu sein scheint. Durch die eigenen Spekulationen der BILD, die keinerlei eindeutigen Nachweis für einen erhärteten Tatverdacht liefert, sind auch die in Richtlinie 8.1 Satz 2 genannten Kriterien zur Abwägung über eine Veröffentlichung von Fotos und persönlichen Angaben von Verdächtigen nur schwer in die Richtung einer Bejahung zu wenden, denn lediglich die Schwere der Tat würde für eine Publikation sprechen.

Der größte Vorwurf, der der Redaktion gemacht werden sollte, ist die Art und Weise der Wiedergabe des Tatgeschehens. In Ziffer 11 Pressekodex wird davon gesprochen, dass die Presse auf eine „unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid“ verzichtet. Im vorliegenden Artikel geht BILD detailliert in die Vorkommnisse ein, beispielsweise mit wiederkehrender Aneinanderreihung von vermeintlichen Fakten wie „gequält, tiefgefroren und verbrannt“, „… immer wieder zerteilt…, im Kamin verbrannt…, am Straßenrand verstreut“, „gekettet, geschlagen, getreten“. Für den komplexen Tathergang, die Dramatik des Geschehens und das große Martyrium der Opfer scheint eine solche plakative Darstellung nicht gerecht, diese zusammenhanglosen Auflistungen von Tatsachen ohne ausreichende Hintergrundinformationen werden einer Kriminalberichterstattung mit solch außergewöhnlichem Charakter nicht gerecht. Es ist darüber hinaus zu bezweifeln, ob diese Form der Sensationspresse im Sinne der oben genannten Ziffer und Richtlinie 11.1 vertretbar ist und allen Lesern guten Gewissens zur Lektüre vorgelegt werden kann (Jugendliche, Opfer ähnlicher Straftaten etc.).

Entsprechend bitte ich um Überprüfung des Artikels
und verbleibe mit Dank und bestem Gruß

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.