Pressemitteilung

Die Sozial- und Pflegesprechstunde der Litzelstetter Nachbarschaftshilfe e.V. hat ein neues Informationsblatt veröffentlicht, auf welchem sie zehn beratende Tipps für Angehörige gibt, die Menschen mit altersbedingten Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit pflegen oder betreuen.

Der reguläre Altersprozess, aber auch gerontologische (also Krankheiten aller Art, die bei jüngeren wie älteren Menschen gleichermaßen auftreten, aber im Alter zu besonderen Herausforderungen führen, z.B. Depression) und geriatrische (Krankheiten des Alters, z.B. Demenz) Erkrankungen sind dafür verantwortlich, dass wir uns in der späteren Lebensphase körperlich wie geistig, psychisch, emotional und sozial verändern. Gerade für unsere Bezugspersonen ist dieser Wandel der Persönlichkeit eine große Hürde in der Betreuung und im Umgang mit den Betroffenen. Dabei helfen oftmals einfache Ratschläge, um sein Verhalten anzupassen.

Deshalb hat der Leiter der Sprechstunde, Dennis Riehle, zehn Ratschläge zusammengefasst, die die Kommunikation, aber auch die Steuerung von Emotionalität, das Reagieren auf Eigenarten des Betroffenen und das Verständnis von Veränderung der Persönlichkeit und des Wesens des Gegenübers betreffen. Damit soll Unterstützung geleistet werden, sich als Angehöriger in der schwierigen Aufgabe der Annahme seines Nächsten nicht alleine gelassen zu fühlen.

Das kostenlose Informationsblatt kann postalisch oder elektronisch angefordert werden: Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz, Tel.: 07531/955401 (AB), Mail: Li-Na@Riehle-Dennis.de.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Braunschweig. Der Verein „intakt e.V.“ hat als Norddeutscher Selbsthilfeverband bei Sozialer Phobie neue Informationsmaterialien veröffentlicht. Einerseits wurde ein aktualisierter Flyer herausgebracht, der die Arbeit des Vereins, seine Ziele und Aufgaben, Kontaktdaten und Themen vorstellt, mit welchen sich der als Dachverband von Selbsthilfegruppen im nördlichen Teil Deutschlands mit einigen Exklaven im Süden fungierende Zusammenschluss versteht, identifiziert. „Wir haben insbesondere auf eine modernere Gestaltung geachtet und den Umfang des Flyers begrenzt. So ist er im handlichen Format ein gutes Aushängeschild, mit dem wir fortan Werbung für uns machen können“, sagt Julian Kurzidim, 1. Vorsitzender.

Daneben wurde auch eine Broschüre aufgelegt, die mit wertvollen Tipps für den Alltag von Selbsthilfegruppen eine Anleitung zur Gestaltung des Zusammenkommens von Menschen gibt, die mit Schüchternheit und Sozialer Phobie konfrontiert sind. „Bei solch einem Krankheitsbild ist es ohnehin schwierig, von der Selbsthilfe wirklich zu überzeugen, deshalb braucht es ein sensibles Ansprechen der Betroffenen. Insofern haben wir nicht nur eine einfache Sprache gewählt, sondern dem Einzelnen auch viel Freiraum in der Beurteilung gelassen, ob eine Gruppe denn auch eine mögliche Ergänzung zur Psychotherapie ihn persönlich und seine individuelle Situation sein kann“, meint Dennis Riehle, 2. Vorsitzender.

Sowohl Flyer und Broschüre können beim „Intakt e.V.“ kostenlos bezogen (Post: Wendenring 4, Briefkasten 93, 38114 Braunschweig, Mail: intakt-ev@schuechterne.org) oder auf der Webseite www.schuechterne.org.de heruntergeladen werden.

Hintergrund:

Als „Soziale Phobie“ wird die Angst vor dem Umgang mit Menschen bezeichnet, die Furcht davor, im Mittelpunkt zu stehen und bewertet zu werden, Ablehnung zu erfahren oder Erwartungen nicht erfüllen zu können. Sie zeichnet sich nicht nur durch eine Zurückgezogenheit aus, sondern durch ein ausgeprägtes Schüchternsein, eine hohe Sensibilität, eine starke Verletzlichkeit und eine Neigung zu depressiven Verstimmungen. In Angst auslösenden Situationen sind Panikattacken mit Erröten, Schwitzen, raschem Puls u.a. denkbar, die wiederum neue Sorge davor auslösen, Mitmenschen könnten diese Nervosität, die auch in Sprechhemmungen und Verkrampfung ihren Ausdruck finden kann, bemerken. In Deutschland kann von etwa 2 Millionen Betroffenen ausgegangen werden.

Der Verein „intakt e.V.“ wurde 2004 ins Leben gerufen und hilft bei der Gründung und Leitung von Selbsthilfegruppen zu Sozialer Phobie. Er versteht sich als deren Interessenvertreter, vermittelt Betroffenen Kontakte zu den passenden Gruppen, stellt Materialien zur Verfügung, berät Erkrankte und deren Angehörige und startet regelmäßig Projekte wie beispielsweise die Buchveröffentlichung „Der ängstliche Panther“. Er ist als gemeinnützig anerkannt.


[Dennis Riehle]

Erfahrungsbericht

Schon in der Pubertät war es merkwürdig: Nein, es war gar nicht in der Pubertät. Denn die gab es bei mir eigentlich nicht. In der Zeit, in der sich meine Mitschüler damit beschäftigten, wen sie warum lieben und wie sie ihre sexuellen Höhenflüge der inneren Schmetterlinge in den Griff bekommen könnten, war es bei mir eher eine Leere, zumindest, was die Orientierungen und Neigungen anging. Als in der Schule Bilder von einem ausgewachsenen Genitale gezeigt wurden, war mir zunächst unklar: Ist das bei jedem Mann so? Denn bei mir hatte das ganz anders ausgesehen. Überhaupt: Aufklärungsunterricht? Wofür braucht man so etwas? Wofür gibt es Sexualität, wenn ich doch nichts davon spüre, ob ich nun Mann oder Frau anziehend empfinde und ich mir auch keine Gedanken über Nachwuchs mache, keine Idee habe, wie man sexuelle Praktiken ausleben könnte.

Nachdem ich weit über die Pubertät hinaus einen starken Nachtschweiß hatte, rasch eine Fettleibigkeit ansetzte, die nicht mit meiner Ernährung im Einklang stand und ich eine ausdauernde Müdigkeit bei einer regelmäßigen Zunahme meiner Herzfrequenz verzeichnete, kam mein Hausarzt schlussendlich darauf, mich beim Endokrinologen vorzustellen. „Da ist aber Einiges durcheinander“, sagte dieser nach dem ersten Blick auf meine Laborwerte. „Niedriges TSH, niedriges fT3 und fT4. Sie haben in jedem Fall eine Hypothyerose“, meinte er. „Was habe ich?“, war mir unklar. „Na ja, eine Schilddrüsenunterfunktion. Wir machen gleich einmal eine Sono“. Er bat mich, den Hemdknopf zu öffnen und warnte: „Es wird kalt“. Ja, sie war ziemlich klein, zu klein für eine normale Entwicklung. „Ich bitte ihren Hausarzt, nochmals entsprechende Immunparameter zu bestimmen“. So sandte er mich nach Hause, mit dem zusätzlichen Hinweis: „Gehen Sie denn nicht in die Sonne? Sie sind so fahl im Gesicht! Und außerdem haben Sie viel zu wenig Vitamin D. Ich schreibe Ihnen da etwas auf. Und die Schilddrüsenhormone müssen auch noch eingestellt werden!“.

Mein Hausarzt hatte schließlich alle Werte beieinander und diagnostizierte eine „Hashimoto-Thyreoiditis“, war sich aber nicht ganz sicher ob der Ätiologie. Er fragte nach möglichen anderen Betroffenen in der Familie, die unter dem autoimmunen Abbau des Schilddrüsengewebes leiden, was ich aber verneinen musste. „Hat der Endokrinologe denn nichts zu Testosteron, FSH und LH gesagt?“, fügte er noch an. „Nein, wieso, was ist das denn?“, „Nun, das sind die Sexualhormone – und fast keines davon ist in deinem Blut nachweisbar. Bei einem bald Volljährigen sollte das anders aussehen“. Nachdem der Facharzt darüber aber kein Wort verloren hatte, vereinbarten wir, es weiter zu beobachten. Tatsächlich entwickelte ich zunehmende Muskelschmerzen bei kurzen Gehstrecken und verspürte immer öfter im Tagesverlauf eine große Abgeschlagenheit. Es war nicht nur eine Erschöpfung, sondern sie führte gar bis zur vollständigen Erlahmung, kaum noch eine Kraft im Körper, um irgendeiner Aufgabe nachzugehen. Nachdem ich an einem Spezialzentrum für Muskelerkrankungen keine wegweisende Diagnostik erhalten hatte, verwies man mich allerdings an eine endokrinologische Uniklinik.

Und dort fiel zum ersten Mal ein Wort, das sich mich seither als eine durchaus fordernde Krankheit begleitet: „Wir haben bei Ihnen einen hypogonadotropen Hypogonadismus festgestellt“, sagte die freundliche Ärztin, die gleichsam meinte, dass meine Schilddrüse mittlerweile eigentlich ganz gut eingestellt sei. „Aber nun sollten wir über eine Hormonsubstitution nachdenken“, gab sie mir mit auf den Weg – und ich war irritiert. Machen das nicht eigentlich nur diese Bodybuilder, die stärkere Muskeln bekommen wollen? Ist das nicht eher „Doping“? Die Aufklärung durch die Experten hatte mir allerdings deutlich klargemacht, dass es sich um eine medizinische Notwendigkeit handelte, jetzt aktiv zu werden. Denn langfristig würden diese Laborwerte zu massiven Einschränkungen führen. „Das ist, als wären sie mit 25 schon ein Senior“, so einer der Mediziner an der Uniklinik, die mich ermutigten, fortan regelmäßig an die Spritze mit Testosteron zu denken. Gleichzeitig veranlassten sie ein MRT vom Schädel. „Warum das?“, wollte ich erfahren. „Hat das nicht etwas mit meinem kleinen Hoden zu tun, der keine Hormone produzieren kann?“. Man entgegnete mir, dass die Laborwerte deutlich darauf hinweisten, dass eine „höhere Ebene“ betroffen sei, die Hypophyse, die Hirnanhangdrüse, die das Genitale erst zur Produktion anregt. „Und was kann dort kaputt sein?“, fragte ich noch mit einem jugendlichen Leichtsinn. „Wir warten ab“, so der Arzt.

Im Kernspin ergab sich ein Hypophysenadenom, das mit fünf Millimetern aber klein war und gemäß Experten nicht eindeutig hinwies, warum meine Hormonspiegel derart niedrig seien. Mittlerweile hatte die Muskelmasse an Händen und Füßen messbar abgenommen, an Handgelenken und Fußgelenken konnte man das in Zentimetern feststellen. Und eine zunehmend depressive Stimmung machte deutlich, welch globale Auswirkungen der Hypogonadismus auf meinen gesamten Organismus hatte. Vorsichtshalber schickte man mich auch zur Knochendichtemessung. „Eigentlich ist sie in Ihrem Alter nicht nötigt, aber wir haben erhöhte Calcium-Werte bei Ihnen im Blut gemessen, was auf eine beginnende Osteoporose hindeuten könnte“. Und so war es auch. Genauer gesagt: Eine „Ostepenie“, die Vorstufe des Knochenschwundes, wurde festgemacht an den Aufnahmen, die sich einreihten in ein weiteren Untersuchungsergebnis: In der Uniklinik wurde ein Karyogramm angefertigt, jedoch: „Ein Klinefelter-Syndrom haben Sie nicht“, bestätigte mir die Humangenetikerin. „Das können wir ausschließen“ und fügte hinzu: „Das ist doch auch schon mal gut!“, wenngleich ich erst nachlesen musste, was man darunter überhaupt versteht.

Nach einigen Jahren der Substitution mit Testosteron war mein Gewicht noch nicht merklich zurückgegangen, dafür waren meine Leberwerte angestiegen. „Wir sollten Sie einmal zu einem Gastroenterologen schicken“. Der wollte eigentlich nur meine Fettleber inspizieren, als er aufmerkte: „Da ist irgendetwas, Sie haben eine Raumforderung in der Leber“. Eine Biopsie sollte Klarheit bringen, doch rasch kam der Gedanke auf, dass es sich um eine Nebenwirkung der Hormongabe handeln könnte. „Das ist äußerst selten“, schrieb ein Professor aus einer Spezialambulanz, an die mein entnommenes Gewebe gesandt wurde. Ein „Beta-Catenin mutiertes Adenom“, das an der Grenze war, bösartig zu werden, wie man mir verdeutlichte. Rasch wurde in der Uniklinik ein Termin für eine Ablation, eine moderne Entfernung des Tumors durch einen „Schmlezprozess“, wie ich im Aufklärungsgespräch erfuhr, angesetzt, nachdem man aufgrund meines Gesundheitszustandes entschied, doch nicht große Teile der Leber konservativ zu entnehmen. Aber: Wie denn nun weiter mit der Testosteron-Substitution? Zwischenzeitlich war die Gabe abgesetzt worden, aber die Werte sanken wieder unter den Grenzbereich. Und meine Gesamtsituation verschlechterte sich neuerlich.

Das war erst vor einigen Monaten – und jetzt habe ich mich durchgerungen, es nochmals zu versuchen. Allerdings nur unter ständiger Kontrolle durch den Hepatologen. Endokrinologen und andere Fachärzte arbeiten glücklicherweise zusammen, ungeklärt bleibt letztlich noch die Ursache des Hypogonadismus. Denn das Hypophysenadenom war es ob seiner geringen Größe wohl nicht, es musste nicht einmal entfernt werden. Und aufgrund der Adipositas? Sie kam allerdings ausgeprägt erst nach der Feststellung der Unterfunktion von Hirnanhangdrüse und – wie sich mittlerweile herausstellte – auch der Nebenniere, sie weicht allerdings nur geringfügig von ihrer Leistung ab, wie ACTH und HRC im entsprechenden Test belegten, aber durchaus auch eine merkwürdige Kurve meiner Vitalität im Tagesprofil gesehen erklären konnten. Die Suche geht also weiter, es passt auch nicht der Hirsutismus, die extreme männliche Körperbehaarung, die schon vor der Testosteron-Gabe auffiel, und die nicht korrespondiert mit einer Gynäkomastie, einer Ausformung der männlichen Brust, die bei mir überdies zeitweise leichte Milchabsonderungen erkennen ließ. Hier ergab die Untersuchung, die ansonsten nur Frauen kennen, zwar keine Auffälligkeit, obwohl ich mittlerweile auch nicht mehr so ganz sicher bin: Ja, vom Aussehen ein Mann, aber bist du das auch emotional wirklich?

Die psychischen Belastungen sind nicht leicht. Denn tatsächlich sind nicht nur sexuelle Gefühle, die momentan eher auf eine homosexuelle Orientierung bei einer Reifungskrise der männlichen Identität hindeuten, sondern auch die Auswirkungen der Mangelerscheinungen eine Herausforderung, die Aufmerksamkeit an vielen verschiedenen Punkten erfordert. Wachsamkeit und ständige Kontrollen sind nun an der Tagesordnung, zunehmende Gedächtnisstörungen machen mir klar, weshalb man den Hypogonadismus eigentlich das Syndrom des „alternden Mannes“ nennt. Mit Disziplin und Durchhaltevermögen lässt sich aber Vieles ertragen, das wissen auch andere Betroffene. Und deshalb soll der vorliegende Bericht kein Mitleid erzeugen, sondern eher anregen, selbst bei vielen Baustellen nicht aufzugeben und zu versuchen, den Durchblick zu bewahren. Die Reise wird weitergehen. Und ich bin jederzeit bereit, meine Erfahrungen mit denen zu teilen, die ebenso unterwegs sind mit ihren eigenen Symptomen, mit ihrer Geschichte und mit ihren Hoffnungen, Nöten und Sehnsüchten!

[Dennis Riehle]

Erfahrungsbericht

Es war ein Erdbeben in Asien, das im Blick aus heutiger Perspektive der Beginn einer Krankheit war, die weder ich, noch meine Bezugspersonen früh genug erkannt hatten. Ich war ein noch junger Mensch, kurz vor dem Abitur, hatte zwar Geld gespart, war aber keinesfalls derart reich, dass ich mit den Scheinen nur so hätte um mich werfen können. „Kannst du bitte diese Überweisung mitnehmen?“, bat ich meinen Vater eines Tages, nachdem die Spendenaufrufe über das Fernsehen verbreitet wurden. „50 Euro? Bist du dir wirklich sicher?“, fragte er mich. „Ja, ich muss doch helfen“, entgegnete ich ihm. Und noch ahnte er nicht, dass das der Anfang von Tausenden von Euros sein könnte, die in den nächsten Jahren an unzählige gemeinnützige Zwecke gingen. Das Hochwasser in Deutschland, die Waldbrände in Südeuropa, die Opfer des Krieges im Irak, die Obdachlosen nach den Überschwemmungen in Indonesien und die Hungertoten von Afrika waren nur einige ausgewählte Beispiele, für die ich fortan über diverse Hilfsorganisationen spendete.

Wenige Stunden, nachdem ich eine Überweisung ausgefüllt hatte, zog ich mich in mein Zimmer zurück. „Was hast du da eigentlich getan?!“, murmelte ich vor mich hin. Und ich sah mir mein Sparbuch an, auf dem es gar nicht so üppig aussah, wie ich immer dachte. Und dann kam da ja auch noch das Studium, das Geld kosten würde. Ich legte mich auf mein Bett, zog die Decke bis weit nach oben. Irgendwie kreisten die Gedanken um Nichts, so empfand ich es zumindest. Emotional ärgerte ich mich zwar kurz über mich selbst, aber dann verlor ich mich wieder in einer Leere, in der gefühlsmäßig null in mir stattfand. Nach knapp drei Stunden kam meine Mutter besorgt zu mir. „Was ist denn los, warum schläfst du um diese Zeit?“. Ja, seitdem ich Medikamente für meine Zwangserkrankung genommen hatte, die schon seit Jahren diagnostiziert war, prägte sich die Müdigkeit bei mir aus. Doch das war es in diesem Fall nicht. Dass eine kurze, depressive Phase dahinter stehen könnte, das konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht ermessen.

Ich stand auf, und mir fiel ein, dass ich da einen Werbebrief bekommen hatte, von einem Kinderdorf, das Paten für einen Waisen in Osteuropa suchte. „Nur 30 Euro im Monat für ein gutes Leben, das werde ich doch verkraften können“, sagte ich mir – und füllte den Fragebogen aus, der mich kurze Zeit später die erste Post von meinem Patenkind erhalten ließ. Nach dem Abendessen kalkulierte ich durch: 360 Euro im Jahr. Wie lange würde ich das durchhalten? Aber jetzt wieder absagen? Die zählen doch auf mich, was hinterlässt das für einen Eindruck, wenn ich die Patenschaft nun schon wieder beende? Und außerdem wollte ich doch mithelfen, dass die Welt etwas besser wird! Euphorisiert füllte ich gleich eine Überweisung aus und ließ meinem Patenkind 20 Euro extra zukommen, darüber würde es sich sicher freuen. Doch dachte ich dabei auch an mich? Mein Vater tuschelte mit meiner Mutter, nachdem ich ihm also wieder ein Überweisungsformular in die Hand gedrückt hatte. „Ich spreche mal mit seinem Therapeuten“, hörte ich da heraus. Aber was sollte der denn jetzt mit meinem Patenkind in der Ukraine zu tun haben? Ich verstand in diesem Augenblick die Zusammenhänge nicht.

Einige Tage später setzte sich meine Mutter recht sorgenvoll an meine Seite. „Sind denn deine Zwänge schlimmer geworden? Oder warum überweist du so viel Geld?“. Meine Antwort war recht eindeutig: „Ich muss diesen Menschen doch helfen. Wer hilft ihnen denn sonst, wenn nicht ich?“. „Ja, ja, du rettest die Welt“, frotzelte sie vor sich hin. Und mir kam in diesem Moment der Gedanke an einen Entlassbericht aus einer Klinik, in der ich schon vor einigen Monaten zuvor gewesen war. Eine „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ hatte man mir dort diagnostiziert. Narzissmus, das würde doch gut mit diesem „Ich“ zusammenpassen, das ich immer wieder in meiner Wortwahl, aber auch in meinem Tun bemerkte. Aber es kam auch noch ganz anders. „Wofür brauchen wir denn kiloweise von diesem Druckerpapier“, fuhr es meinem Vater einige Wochen später heraus. „Na ja, es war im Angebot und da dachte ich…“. Er unterbrach mich: „Und wie hast du das bezahlt?“. „Über Lastschrift, das geht doch ganz einfach“. „Ja, eben, das ist ja das Problem“. Nachdem in den folgenden Tagen immer mehr hinzukam, Druckerpatronen, Schulhefte, Schreibutensilien, wurde sie ungehalten: „Wofür brauchst du das denn?“, wollte meine Mutter wissen. „Für die Schule…“. „Kind, du bist jetzt noch acht Monate am Gymnasium, dann kommt vielleicht ein Studium, reicht es nicht, wenn du das nach Bedarf anschaffst?“. Ich verstand das nicht, war es doch gerade alles so billig – und das konnte man doch immer gebrauchen.

Nachdem ich mich wieder in mein Bett zurückgezogen hatte, kreisten die Gedanken dieses Mal um eine andere Frage: „Warum sind denn alle gegen mich? Was mache ich falsch?“. Ich fand mich in einer Spirale der Selbstkritik wieder, auch wenn ich gar nicht wusste, was denn eigentlich mein Fehler sein sollte. Dass man eher das Beste für mich wollte, das konnte ich – wie Viele in ähnlichen Situationen – natürlich nicht nachvollziehen. Stattdessen baute ich in mir langsam wieder eine Trotzreaktion auf, in der Mathematik würde man sagen, die Kurve arbeitete wieder auf einen Wendepunkt zu, denn immerhin war ich im Grunde doch davon überzeugt, das Richtige zu tun. Es stellte sich ein Dauerzustand ein, der sich insgesamt über vier Jahre hinwegzog. Es wechselte zwischen Schreibtisch und meinem Bett, zwischen Ausfüllen von Überweisungen und großer Ratlosigkeit, Traurigkeit, Mutlosigkeit. Und recht plötzlich war Schluss damit. Eine drei Jahre andauernde Phase war fortan geprägt von einer alleinigen Deprimiertheit. Ich hatte das Studium abbrechen müssen, nachdem meine kognitiven Leistungen nicht mehr ausgereicht hatten. Ich konnte aufgrund neurologischer Störungen nicht mehr Vollzeit arbeiten. Und irgendwie zerbrach innerhalb weniger Monate eine ganze Lebensvorstellung, meine Träume und Sehnsüchte, die Ziele, die ich mir gesetzt hatte.

Meine Eltern wiederum waren diejenigen, die mich auffingen. „Du lebst doch nicht für die Leistung!“. Das sagten die so einfach einem Sohn, der darauf bedacht war, Leben über den Erfolg zu definieren. Dabei ging es vor allem um dieses Gute für die Menschen. Nicht für mich wollte ich die Ergebnisse erzielen, sondern für jene, die mich brauchten. Und aus dieser Überzeugung wuchs rasch die Notwendigkeit heran, ich müsse mich doch ehrenamtlich stärker engagieren, wenn ich doch schon auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr so richtig zu gebrauchen war. Eine Selbsthilfegruppe gründete ich, noch eine und noch eine. Und zwischendurch übernahm ich den Vereinsvorsitz hier, den Schriftführer-Posten dort und für die Protokolle war ich sowieso überall zuständig, wo ich nur hinkam. Und manches Mal hatte mein Tag plötzlich mehr Stunden, als es bei einem regulären Job der Fall gewesen wäre. Gut, ich war langsam in meinen Tätigkeiten aufgrund meiner Einschränkungen. Aber ich hatte diese Aufgaben übernommen und aus meiner Gewissenhaftigkeit heraus, die ich als Tugend von Kindheit an hochgehalten hatte, musste ich diese auch erfüllen. Und so war eigentlich vorprogrammiert, dass sich eine neue Achterbahn auftun würde, die mich schlussendlich psychisch, aber auch körperlich an den Rand dessen brachte, was man noch hätte verkraften können.

„Herr Riehle, können Sie uns eine Zusammenfassung dieser Sitzung bis morgen fertigen?“ – Natürlich konnte ich das. Und in der Erkenntnis meiner narzisstischen Eigenschaften fühlte ich mich auch „gebauchpinselt“, denn immerhin traute man mir etwas zu, es war doch eine Ehre, in öffentlichen Gremien so eine Arbeit zugesprochen zu bekommen. Gut, finanziell bekam ich dafür nichts, am Anfang aber wenigstens Anerkennung. „Herr Riehle, könnten Sie die Dokumentation zu diesem Abend schreiben?“ – Selbstverständlich konnte ich auch das. Und zwischendurch noch einen Termin für ein Pressegespräch, für einen Arbeitskreis und für eine Vorstandssitzung. Plötzlich verzeichnete mein Kalender acht Termine für einen Tag. Immernoch einen hinzu, denn der Herr Riehle würde das schon schaffen. Der schafft alles. Der kann im Zweifel auch fliegen und wenn es sein muss, vielleicht auch Gott spielen. Meistens reichte diese Vermutung aber nur bis am Vortag solch eines Marathons an Verpflichtungen, die ich nie hätte einhalten können. „Mama, kannst du da vielleicht anrufen und absagen?“, bat ich sie – und wie ich meine Mutter kannte, wusste sie nicht, was sie dagegenhalten sollte. Ich zog mich währenddessen wieder ins Bett zurück. „Ich bekomme das eben doch alles nicht auf die Reihe“, so flüsterte ich mir selbst zu. Und irgendwie stand ich vor dem Scherbenhaufen einer falschen Planung, die geprägt war von einer vollkommen fehlerhaften Selbsteinschätzung. Aber es ging ja auch um meine Ruf. Was würde man sagen, wenn ich nun reihenweise Termine „canceln“ müsste? Wäre ich überhaupt noch etwas wert? Nach einigen Stunden Grübeln griff ich selbst zum Hörer und rief beim Vereinsvorsitzenden an: „Können wir die Sitzung vielleicht übermorgen noch nachholen?“. Mit allen Mitteln versuchte ich, meiner Reputation keine Delle zuzufügen. Dabei war doch klar, dass mir es niemand verdenken würde, wenn ich einfach an meine Grenzen gelangte. Stattdessen baute ich dasselbe Gerüst wieder von vorne auf – und auch übermorgen würde ich es nicht schaffen, es einzuhalten.

Lange wurde all das auf meine Zwangsstörung zurückgeführt. Und klar, das Händewaschen, das Kontrollieren und Sortieren, aggressive und sexuelle Zwangsgedanken, sie waren in ihrer Unverkennbarkeit auch noch immer da. Aber irgendwie schien da etwas nicht zu passen. Ich selbst hatte das Gefühl, dass die Differenzialdiagnostik noch nicht ausreichend durchgeführt worden war. Und so entschied ich mich nach den neuesten Erfahrungen und dem Absturz aus meinem „Ich kann Bäume ausreißen“ und der Frage am nächsten Tag, was ich mit all dem Holz tun soll, eine Spezialsprechstunde für Bipolare Störungen aufzusuchen. Denn aus einer Selbsthilfearbeit lernt man viele Erkrankungen kennen, man bekommt ein Gespür dafür, was mit mir los sein könnte. In mehreren Testbogen bestätigte sich dann, was ich vermutet hatte. Eine bipolare Erkrankung. Im Arztbrief las ich, es handele sich um den „Rapid-Cycling – Typ“. Und nach einer Recherche war klar, die Ärzte hatten recht. Bis zu fünf Mal pro Woche hatten die Phasen zwischen Höhenflug und Unterwassertauchen letztendlich gewechselt, meine Stimmungen waren teilweise gar nicht mehr so schnell einschätzbar, wie sie sich wandelten. Viele der Auswirkungen daraus mussten meine Eltern ertragen. Und ich war froh, dass nun eine Therapie angesetzt werden konnte, die passgenau auf die Symptome ansprach. Überraschend für alle war der rasche Erfolg einer sich wieder einpendelnden affektiven Schwingungslage, eines angepassten Verhaltens an die Realitäten. Doch damit war es nicht getan. Die Arbeit in der Psychotherapie begann nun erst: Wie viel Selbstwert spreche ich mir zu? Wie definiere ich meine Würde? Wie organisiere ich einen Alltag so, dass er den Ressourcen entspricht, die mir zur Verfügung stehen? Wie viel Arbeit muss ich streichen? Und vor allem: Welche will ich wirklich behalten, welche will ich vielleicht neu hinzunehmen, weil sie meiner tatsächlichen Begabung, meiner eigentlichen Freude entsprechen? Und welchen Sinn gibt es abseits von Können, Leisten und „Dienen“ denn wirklich?

Heute gibt es noch kurze Episoden, drei oder vier im Vierteljahr, kaum zu vergleichen mit dem, was ich ursprünglich erlebt habe. Auch, wenn das erst im Nachgang alles so unwirklich ist. Gerade an die hypomanen Phasen kann ich mich kaum erinnern, gebe nur müßig zu, dass das auch tatsächlich alles so übertrieben war. Allerdings gelingt mein Management besser, mein Tagesablauf ist so geregelt, dass ich ihn gut erfüllen kann – und vor allem danach zufrieden bin. Viele der psychischen Schwachpunkte konnte ich im Gespräch angehen und habe gelernt, dass nicht wenige Charaktereigenschaften auch anerzogen, nicht wirklich genetisch bedingt waren. Das Umfeld, in dem ich aufwuchs, das von Sorgen meiner Eltern über mich geprägt und wie ein Knäuel an Watte auf mich gewirkt hat, trug sicherlich ebenso zu einer Entwicklung bei, die gleichsam Parallelen zu vielen Glaubenssätzen aufweist, die Menschen mit einem geringen Selbstvertrauen, mit dem Erleben von wenig Freiheit und einem erst spät zugestandenen und ausgelebten Verantwortungsbewusstsein haben. Doch daran kann man etwas ändern, wenn man sich neu findet und zu Veränderungen bereit ist, wenn man mit Stress besser umzugehen lernt, aber auch mit Kritik, mit Zurückweisung und empfundenem Unsolidarischsein. Zu erkennen, dass gewisse Haltungen, Gefühle und Reaktionen des Gegenübers menschlich sind und nicht zwingend auf eine einzelne Person bezogen sein müssen, ist eine echte Herausforderung. Anzunehmen, dass man selbst limitiert ist in seinem Einfluss, in seinem Erreichbaren und seinen Möglichkeiten, gleichzeitig aber dennoch wertvoll ist und sich auch im 21. Jahrhundert die Bedeutung eines Menschen nicht an seinen Aufstiegen, Karrieren und nach oben gerichteten Lebensläufen orientiert, auch das war nicht immer leicht. Und doch hat es sich gelohnt, denn auch bipolare Erkrankungen kann man wahrlich in Schach halten – und nicht nur nach oben und unten…

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Selbsthilfe-App soll traumatisierten Geflüchteten helfen“, „Deutsches Ärzteblatt“ vom 04. August 2017

Für Flüchtlinge soll sie schon bald kommen – die „Selbsthilfe App“. Sie soll in der schwierigen Situation der Flucht helfen, sich im Aufnahmeland zu orientieren, sich mit dem Gesundheits- und Sozialsystem zurechtzufinden und gleichsam psychisch zu stärken, wenn es um die Traumatisierung geht, die die Asylsuchenden in ihren Erinnerungen mit sich tragen müssen. Ähnlich wie die Überlegungen, Selbsthilfe künftig nur noch online abzuhalten, sind Entwicklungen wie diese Anlass, sich Gedanken darüber zu machen, ob die persönliche Hilfestellung, die als Garant aus den 60er- bis 80er-Jahren ihren Höhepunkt in der Unterstützung von Menschen mit Suchtproblemen, seelischen Erkrankungen oder körperlichen Gebrechen hatte, nicht mehr gefragt ist – oder ob sie unwillentlich verdrängt wird.

Natürlich kann ich mir ein reagierendes System vorstellen, das mein Computer für mich bereit hält, sogar ein personifiziertes Gegenüber, das mir antwortet. Aber will ich das tatsächlich, nur, weil es vielleicht angenehmer, gemütlicher und unkomplizierter geht? Vielleicht hat die Selbsthilfe aber auch selbst etwas vergessen, in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten, was sich nun rächen könnte. Haben wir stets eindrücklich formuliert, was uns auszeichnet? Warum hilft es Menschen, wenn sie einem realen Gegenüber ihre Sorgen anvertrauen können, auf Augenhöhe mit jemandem sprechen dürfen, der in einer selben oder ähnlichen Lage war oder ist – und mit seinen Erfahrungen eine Rückmeldung geben kann, die ein Roboter in dieser Individualität sicher nicht leisten könnte?

Es ist nicht allein der Umstand, dass jemand da ist. Es ist einerseits wesentlich, wer für mich da ist. Und vor allem: wie er für mich da ist! Selbstverständlich kann ich auch „skypen“, brauche keine Selbsthilfegruppe mehr, sondern ziehe das Einzelgespräch über die Kamera vor. Ich kann auch „Facebook“ nutzen, ohne ein Gesicht, dafür aber in einer geschlossenen Gruppe, die sich kaum moderieren lässt, dafür aber sicher nicht so geschützt erscheint wie das Zusammenkommen in einem echten Gruppenraum. Und was nutzen mir „Apps“, die mir zwar Links, Dokumente und Anwendungen präsentieren, vielleicht auch erklären, die aber nur bedingt auf meine Fragen eingehen können, emotional nicht die Regung zeigen, die ich bräuchte – und überhaupt derart unpersönlich sind, dass ich schlussendlich sogar lieber die Finger davon lasse.

Es war ein Versäumnis, dass wir die Vorzüge der menschlichen Selbsthilfe nicht stärker hervorgehoben haben. Dass wir uns von den „Contra“-Argumenten beeindrucken lassen, so wie „Muss ich mir denn das Leid von Anderen auch noch anhören?“, „Weshalb soll ich mich denn abends extra nochmals auf den Weg machen, nur, um mit jemandem mein Elend durchkauen zu müssen?“ oder „Bringt das denn überhaupt etwas, wenn viele Depressive sich gegenseitig nur noch schlechter reden?“, als zu betonen, welche „Pros“ dem gegenüberstehen. Die Synergien, die wir nirgendwo anders finden als in der realen Selbsthilfe! Denn es ist dieses Alleinstellungsmerkmal, dass wir nicht nur zuhören, uns annehmen, uns reflektieren, uns beraten, auch debattieren und ringen, vor allem aber: nahbar zueinander sein können! Es ist die Einsicht, dass wir uns in der Eigenverantwortlichkeit aus der Faulheit manches Selbstmitleides aufraffen können, dürfen und müssen, für uns etwas zu tun, zu verändern – ohne PC, „Smartphone“ oder „Tablet“!

[Dennis Riehle]

Dennis Riehle

Erfahrungsbericht

Zunächst hatte ich mir vorgenommen, eine Torte zu backen. Mit 20 Kerzen. Immerhin wollte ich meinem Mitbewohner ja eine Freude zu seinem Ehrentag machen. 1997 – zum ersten Mal „Zählen“. Damals hatte ich noch nicht gedacht, dass ich dauerhaften Besuch bekommen würde. Einen eigentlich vollkommen unerwünschten Gast in meinen vier Wänden. Nein, so kann man das nicht sagen, denn auch mein Kopf ist glücklicherweise eher rund statt eckig. Doch das ist egal, eingenistet hat er sich trotzdem. Und das nun seit zwei Jahrzehnten. Der Zwang hat Geburtstag. Doch soll ich da wirklich mitfeiern?

Nein, ein Grund zur Freude ist es wahrlich nicht. Denn würde ich allein die Stunden zusammenrechnen, ich käme auf rund 50 000, in welchen mich der Zwang mittlerweile gefordert hat. Anfangs schien es ja nur wie ein Tic, da hätte es auch sein können, dass nach Ende meiner Pubertät alles wieder vorbei ist. Aber spätestens, als ich erstmalig berichten konnte, 35 000 Pflastersteine auf dem Boden gezählt zu haben, wurde schon deutlich, dass das wohl nichts werden würde mit einem raschen Ende. Ja, man merkt, ich habe es auch heute noch mit den Zahlen. Kein Wunder, denn irgendwann hatte ich meine eigene Technik entwickelt: Länge mal Breite sozusagen – und schon war ermittelt, wie viele Betonklötze den größten Platz in Konstanz zierten.

Ich hatte überlegt, ob ich meinem Zwang ein Geschenk machen sollte, zu seinem Geburtstag. Vielleicht ein paar Flaschen Flüssigseife. Wie viele Liter ich wohl verbraucht haben mag in diesen zwanzig Jahren? Wie viel Wasser durch meine Hähne geflossen ist – nur, weil ich mir selbst nicht vertraut habe, dass die Hände spätestens nach dem ersten gründlichen Waschen auch wirklich sauber gewesen sind. Hätten mich alle Keime und Viren befallen, die ich mir in dieser Zeit vorgestellt hatte, ich wäre bereits nach einigen Wochen tot gewesen. Aber ich lebe noch, was wiederum ein Beweis dafür ist: Zwänge sind die Reaktion auf übertriebene Furcht, auf Zweifel an der eigentlichen Gewissheit, die jeder um mich herum erkennt – nur ich eben nicht.

Ich gebe es zu: Ich bin kein Anhänger der expositorischen Verhaltenstherapie. Aber das nur aus ganz persönlichen Erfahrungswerten. Viel eher habe ich in 20 Jahren der Zwänge eher nachgefragt, was dahinter stecken könnte, abseits von biochemischen Vorgängen im Gehirn, die ich glücklicherweise mit einer seit Beginn rund ein Dutzend Mal gewechselten Zusammenstellung an Präparaten gut beeinflusst habe und feststellen kann, dass ich ohne Arzneimittel heute nicht dort stehen würde, wo ich mit ein bisschen Stolz auch bin. Die Funktion des Zwangs, seinen Sinn zu erkennen, das war Aufgabe in den verschiedenen Therapieformen – von kognitiver Verhaltens- bis zu tiefenpsychologischer Psychotherapie. Und ich bin fündig geworden: Das Thema „Freiheit“ zieht sich durch meine eigene Geschichte. Das Selbstvertrauen – und das jener, die um mich sind. Erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen, eigens entscheiden zu dürfen.

Hatte ich in den Spitzen der Zwangserkrankung etwa 20 Stunden täglich mit ihr verbracht, so sind es heute höchstens vier. Das Kontrollieren hat sich auf ein Mindestmaß an Skepsis reduziert, das Sortieren auch. Zufrieden bin ich auch heute noch nicht, wenn etwas verrückt wird, was ich ursprünglich völlig anders angeordnet hatte. Und vor allem die Zwangsgedanken – sie sind weiterhin ein ständiger Begleiter und haben mich gar in manch psychotisch anmutende Situation manövriert. Die Vorstellung von Aggression in meinem Kopf stimmt so gar nicht mit dem überein, was man mir als Charaktereigenschaft nachsagt. Und deshalb sind sie auch so besonders schlimm, waren sie es, die den Leidensdruck teilweise in ein Unermessliches getrieben haben – bis dorthin, dass ich wirklich glaubte, den Zwang mit dem Donnern meines Kopfes an die Wand ausschlagen zu können.

Wenn Gedanken kreisen, immer und immer wieder aufs Neue, dieselben Fragen ständig ins Gedächtnis rufen, ob es denn nun wirklich sein kann, was diese „Tagträume“ in meinem Gehirn abspulen, dann zehrt das an Psyche und Physis. Und da kamen selbst die Therapeuten an ihre Grenzen, denn wenngleich mit mancher Übung eine kurzzeitige Besserung erzielt werden konnte, suchten sich die Zwänge kurz darauf ein anderes Thema, mit dem sie mich neu quälen konnten. „Wie haben Sie es geschafft, auf das Niveau eines Fünftels zu kommen, was ihre Zwänge angeht?“, fragte mich ein Experte vor kurzem. Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Und schon gar keine, die sich übertragen lassen würde auf andere Betroffene. Aber natürlich bin auch ich in der Selbsthilfearbeit gefordert, Hinweise zu geben aus meinen Erkenntnissen, die ich über die Jahre hinweg gesammelt habe. Und einen Tipp kann ich dabei nur weitergeben: „Gelassenheit“.

„Der hat gut reden“, werden jetzt Viele sagen. Und das hätte ich auch. Noch vor ein paar Jahren hätte ich jeden ausgelacht, der mit solch einem einfachen Ratschlag zu mir gekommen wäre. Dabei ist es nicht leicht, mit etwas mehr Abstand auf die Zwänge zu blicken. Das ist nur möglich, wenn man den Zwang verstehen kann. Nein, wir müssen nicht Freunde werden. Aber ein erster Schritt war das Ernstnehmen des Zwangs als einen Warnenden. Er hat mir etwas zu sagen, ist ein Botschafter der eigenen Seele, der mir seinen Spiegel allerdings reichlich schräg vorgehalten hat. Nicht das Kämpfen gegen den Zwang, sondern der Versuch, ihn mit Respekt zu behandeln, auch wenn man manches Mal nur losschreien möchte. Ich bin heute überzeugt, dass die Zwänge nicht umsonst sind, sie strafen allerdings in einer Härte, die nicht angemessen ist.

Es würde ausreichen, wenn sie uns wachrütteln. Die Ursachen, zumindest die psychischen, haben wir nämlich manches Mal selbst verschuldet. Oder sie wurden bereits in Kindheit und Erziehung gelegt – und nun müssen wir die Konsequenzen ausbaden. Nein, gerecht ist der Zwang nicht. Aber grundsätzlich halte ich ihn für notwendig, gar für ein bisschen sinnvoll, um uns aufzuzeigen, was wir an unserem Leben ändern müssen. Ich habe genug gefunden, was neu auszurichten ist. Mein Stressmanagement muss ich ändern, meine Perfektion ablegen, mich selbst annehmen mit meinen Schwächen und mit meinen Stärken, die für mich kennzeichnend sind und mir Wertschätzung abverlangen sollten. Denn sind es nicht meistens die, die alles richtig machen wollen, die sich mit vollem Einsatz hingeben für Andere, die ein spezielles Risiko haben, in das Hamsterrad zu kommen?

A propos: Für jeden bin ich da gewesen, aber für mich? „Ja“ gesagt habe ich dauernd, weil ich meinte, die Welt retten zu müssen – zumindest die kleine, die um mich herum immer wieder nach mir rief. So dachte ich es zumindest. Und ich kann es auch niemandem übel nehmen, der meine Hilfsbereitschaft (aus-)nutzte, war ich es doch, der sich beinahe in die Selbstaufgabe trieb, weil er irgendwie davon ausgegangen war, der Einzige zu sein, der all die Herausforderungen seiner Zeit meistern konnte – und gleichzeitig überzeugt gewesen ist, zu nicht mehr geboren worden zu sein, als die Probleme zu bewältigen, die zu lösen sonst niemand Lust hatte. Zwischen Narzissmus und Minderwertigkeit, Zwänge treiben uns emotional in eine Ambivalenz, die mitverantwortlich ist für ihre Dramatik.

Und heute? Ich bin ausgeglichener, weil ich mich nicht mehr so wichtig nehme. Weil ich aber auch erkannt habe, dass nichts von meinen Befürchtungen jemals eingetreten ist, die meine Zwänge mir weiß zu machen versuchten. Ich bin nicht frei von ihnen. Und ich weiß auch nicht, ob ich das jemals sein werde. Aber tatsächlich fühle ich mich mittlerweile wie in einer gut situierten Studenten-WG, in der es manches Mal drunter und drüber geht, in der man sich aber auch hin und wieder daran erinnert, dass noch Nachholbedarf besteht an der Arbeit an sich selbst. Ein Stück Kuchen habe ich mir zum Geburtstag doch noch gegönnt. Der Zwang bekam davon allerdings nichts ab. Vielleicht ist das der größte Erfolg nach 20 Jahren…

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Konstanz. Die Selbsthilfegruppe zu Depressionen, Ängsten und Zwängen verzeichnet eine starke Zunahme an Kontakten durch Menschen mit affektiven Störungen. Wie Leiter Dennis Riehle berichtet, sind es vor allem bipolar Erkrankte, die seit einiger Zeit vermehrt den Rat und die Hilfestellung durch die Selbsthilfe suchen. „Betroffene mit einer manisch-depressiven Erkrankung haben oftmals Probleme, einen passenden Facharzt zu finden, der sich mit der Krankheit gut auskennt. Auch ist es nicht einfach, die richtige Therapieform auszuwählen. Die Patienten und ihre Angehörigen kommen nicht selten mit großer Not zur Selbsthilfegruppe, rufen an und fragen nach Erfahrungswerten. Wir können nicht immer helfen, weil wir kein Ersatz für das medizinisch-therapeutische Gesundheitswesen sind. Wir versuchen aber, mit Hinweisen den niederschwelligen Zugang zu den entsprechenden Hilfestellungen zu ebnen. Vor allem gilt aber mehr denn je: Zuhören!“, so Riehle.

Dabei geht es mittlerweile mehr um das „Mitlesen“ von Mails, denn diese Kontaktaufnahme hat sich weit nach vorne geschoben. „Waren es vor fünf oder zehn Jahren noch fünfzehn bis zwanzig Betroffene, die in der Gruppe saßen, so müssen wir unsere Treffen mittlerweile einstellen, weil dorthin niemand mehr kommt. Dafür habe ich um die 30 bis 40 Nachrichten pro Monat auf elektronischem Weg, aktuell waren davon sechs bipolar Erkrankte, die mir schrieben – so viele, wie noch nie innerhalb einer so kurzen Zeit“, meint der Ansprechpartner für die Selbsthilfeinitiative, die sich bewusst den Menschen mit manisch-depressiven Erkrankungen geöffnet hat. „Nicht selten ist es ein ganzes Spektrum an psychischen Erkrankungen, das mit der bipolaren Störung einhergeht. Wir haben einen Verteiler mit interessierten Betroffenen angelegt, an die ich sich neu meldende Erkrankte verweise. So kommt heutzutage der Kontakt zu Gleichbetroffenen auch außerhalb des Gruppenraumes zustande“.

Wesentlich sei weiterhin die Beratung der einzelnen Erkrankten und ihrer Angehörigen. „Fragen nach Adressen von Ärzten, Therapeuten, sonstigen Hilfsangeboten, aber auch die Erfahrung mit unterschiedlichen Behandlungsformen, die Aussicht auf Heilung, den Umgang mit der Erkrankung im Alltag, gegenüber Freunden und der Familie, mögliche Sozialleistungen – all das sind Themen, mit denen die Menschen auf uns zukommen. Und auch über die Erkrankung möchten sie viel wissen, gerade, wenn die Diagnose erst frisch gestellt wurde. ‚Warum bin ich so überdreht, warum rutsche in derart tiefe Täler?‘ – Das Kopfschütteln über die eigene Krankheit ist dann groß. Wir versuchen, aus unserer Geschichte zu berichten, wie wir die Nachricht aufgenommen haben, an einer bipolaren Störung zu leiden. Das bringt schon große Entlastung für die, die neu damit konfrontiert sind“, so Riehle.

Die Selbsthilfegruppe berät auch weiterhin unter Mail: info@zwang-phobie-depression.de oder Tel.: 07531/955401 (AB) und wird den Schwerpunkt auf bipolare Erkrankungen beibehalten. „Momentan sind es vor allem Betroffene vom ‚Rapid Cycling Typ‘, also mit rasch wechselnden Phasen von Manie und Depression. Wir weisen aber grundsätzlich niemanden zurück, egal, welche Kombination an seelischen Leiden nun vorherrscht“, sagt der Gruppenleiter abschließend.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Die Selbsthilfegruppe zu Hormonellen und Stoffwechselstörungen im Landkreis Konstanz hat einen neuen Schwerpunkt in die Arbeit aufgenommen. Sie spricht zukünftig auch Menschen mit Lebererkrankungen direkt an. „Endokrine Krankheiten haben unmittelbare Auswirkungen auf den Zustand der Leber, nicht nur der Diabetes mellitus“, so Leiter Dennis Riehle. „Unsere Selbsthilfeinitiative hat in den vergangenen Monaten bereits einige Anfragen von Betroffenen erhalten, teilweise geht es um Auswirkungen von Fettstoffwechselstörungen, aber auch Hormone und die Folgen der therapeutischen Behandlung dergleichen auf das Organ waren hier Thema“, berichtet der Gruppenleiter.

Die Initiative war ursprünglich gegründet worden, um Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen, Krankheiten der Hypophyse, des Hypothalamus, der Nebenniere oder der Bauchspeicheldrüse anzusprechen. „Nachdem die Leber aber das wesentliche Stoffwechselorgan im menschlichen Körper ist, wollen wir nun auch darauf einen Fokus richten“, erklärt Dennis Riehle, der gemeinsam mit anderen Betroffenen beraten möchte: „Wie in der Selbsthilfe üblich, geben wir Tipps und Hinweise aus unserer eigenen Erfahrung. Wir sind Laien, die mit den Krankheiten leben, und daraus Erkenntnisse ziehen, die anderen Betroffenen für ihre Situation helfen können. Wir ergänzen damit die Experten mit unserem ganz individuellen Wissen“.

Nachdem sich für die Gruppe noch keine feste Zahl regelmäßiger Teilnehmer gefunden hat, wird sich die Arbeit zunächst auf das Angebot des Kontakts mit den Ansprechpartnern der Initiative konzentrieren: „Betroffene und Angehörige können sich bei uns melden, wenn sie das Gespräch mit Gleichgesinnten suchen möchten und Fragen haben, die nicht die Fachexpertise betreffen, sondern die Krankheit im Allgemeinen, den Alltag mit der Erkrankung, Erlebnisse aus Behandlung und Genesung, psychische und soziale Anliegen, aber auch, wo man Fachärzte findet oder welche Kliniken in Frage kommen könnten“, erläutert Riehle abschließend.

Die Selbsthilfeinitiative ist unter Mail: mail@hormone-stoffwechsel.de und Tel.: 07531/955401 (AB) erreichbar.

[Dennis Riehle]

Leserbrief
„Keine Frage des Zusammenreißens“, SPIEGEL 31/2017

Ich kann die Verständnislosigkeit ein wenig verstehen: Wenn Menschen sich umbringen, dann ist es schwierig, für Außenstehende überhaupt zu begreifen, welche Hilflosigkeit hinter solch einer Entscheidung steckt. Ich denke, nicht der Respekt vor einem Suizid kann die Forderung dieser Tage sein, sondern das Eingeständnis, sich nicht in seelische Ausnahmesituationen hineinversetzen zu können, wenn man selbst noch nie davon betroffen war.

Und nein, es geht dabei nicht um ein leichtes „BurnOut“, sondern um Krankheiten wie die Depression, die man nicht verstehen kann, ohne sie erlebt zu haben. Das ist nicht die Lustlosigkeit nach ein paar anstrengenden Tagen, nicht die Traurigkeit nach einem verlorenen Wettbewerb, nicht die morgendliche Sehnsucht, noch ein paar Minuten im Bett bleiben zu können. Eine ernsthafte Depression ist eine Lähmung. Sie macht das Leben nur noch schwer, sie nimmt die Kraft, Sinn und Perspektive erkennen zu können.

Es ist nicht überheblich, wenn Erkrankte den Angehörigen, Freunden oder Kollegen nicht zugestehen können, ihre Lage nachzuvollziehen. Es ist die Angst, in einem Kreislauf der Aussichtslosigkeit gefangen zu sein, ohne das Vertrauen, dass jemand eingreifen kann. Depressionen sind gerade in ihrer schweren Ausprägung ein psychischer Notfall, der einer lebensbedrohlichen Erkrankung des Körpers in keinster Weise nachsteht. Anzuerkennen, dass es hierbei um weit mehr als alleinige Befindlichkeiten geht, diese Erwartung dürfen Betroffene an ihr Umfeld stellen.

Doch nicht selten scheitert es bereits an einer solchen Erkenntnis der „Gesunden“ – und genau sie verhindert leider oftmals auch die nötige Hilfe, die nur deshalb ausbleibt, weil der Ernst der Lage unerkannt bleibt. Dabei kann Intervention ganz einfach sein: vom Zuhören, vom Ernstnehmen, vom sanften Ermutigen, vom Rückführen in einen Alltag bis hin zur Vermittlung eines Therapeuten, eines Arztes, einer Klinik. Verantwortung gegenüber dem Nächsten, trotz aller Berührungsängste sollte sie das sein, was wir als Betroffene von unserem Gegenüber verlangen können.

[Dennis Riehle]

Leserbrief
zu „Inka Bause leidet an ungewöhnlicher Zwangsstörung“, „KÖLNER EXPRESS“ vom 17.07.2017

Ungewöhnlich ist die „Zwangsstörung“ von Inka Bause wahrlich nicht. Das Meiden von Ritzen auf dem Boden, das Überspringen von Bodenplatten oder das Nutzen jeder zweiten oder dritten Stufe einer Treppe – diese manches Mal gar magisch anmutenden „Angewohnheiten“, die sich durch ihre Ritualisierung zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Alltag auswirken können, sind eine häufige Zwangshandlung, die allerdings tatsächlich in der Dominanz der Wasch- oder Kontrollzwänge in der öffentlichen Wahrnehmung nicht selten untergehen. Und auch, dass die „Bauer sucht Frau“-Moderatorin gerade unter Stress an ihren Zwängen leidet, ist eher „normal“ als ungewöhnlich.

Jedoch sollte auch nicht jede Verhaltensweise, die uns merkwürdig vorkommt, sogleich als eine Zwangserkrankung eingeordnet werden. Leidensdruck und Ausmaß des „Tics“ spielen dabei eine wesentliche Rolle – und nicht allein um neuer Schlagzeilen willen sollten Menschen pauschal einer psychischen Störung verdächtigt werden, nur, weil sie in manch einer Situation anders reagieren, als man es gewohnt ist. Inka Bause scheint sich bewusst zu einem Bekenntnis zu ihrer Zwangserkrankung entschieden zu haben – und das ist überaus begrüßenswert. Denn solche Vorbilder ermutigen auch jene Betroffene, die sich noch unsicher sind ob ihrer Symptomatik, mögliche Zwangshandlungen (oder auch Zwangsgedanken) nicht nur in der Eigenwahrnehmung und Selbsteinschätzung zu beurteilen, sondern dafür professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Das Ziel einer jeden Berichterstattung zum Thema muss daher die Hilfestellung sein, Menschen in einer vergleichbaren Lage Anlaufstellen wie Selbsthilfegruppen, psychologische Beratungsstellen oder Psychotherapeuten an die Hand zu geben. Für die Zukunft wäre es deshalb schön, Hintergründe der Erkrankung und Kontaktdaten von Betroffenenverbänden noch ausführlicher darzustellen und es nicht allein bei der Sensationsmeldung über die Zwangsstörung eines Promis zu belassen…

[Dennis Riehle]