Zwischenruf

Da sitze ich – und nehme mir kurz Zeit, um diesen Text zu schreiben. Ich bin dankbar, dass das Telefon gerade nicht klingelt und keine neue Mail in meinem Postfach angekommen ist. Denn über die Wintermonate, da ist die Nachfrage groß – die Nachfrage von Menschen mit seelischen Erkrankungen, die nach Hilfe suchen. Als Selbsthilfegruppenleiter scheine ich eine der niederschwelligsten Zugangswege zu irgendeiner Form von Unterstützung zu sein, die in großer Not zumindest einen Rat geben kann. Wo finde ich den nächsten Therapeuten? Wie lange muss ich auf einen Therapieplatz warten? Woher kommen meine Depressionen? Wie gehe ich mit meinen Angehörigen um, die nicht nachvollziehen können, dass ich krank bin? Und welche Behandlung hat Ihnen geholfen, um wieder fit zu werden?

Diese und andere Fragen reihen sich seit Wochen aneinander. Und natürlich versuche ich, jede einzelne mit großer Sorgfalt zu beantworten. Dabei ist es nicht nur meine Wahrnehmung, sondern auch meine eigene Statistik, die mir sagt: Jedes Jahr wird der Ansturm größer. Besonders viel Bedarf an Hilfe besteht über die dunklen Tage hinweg, in denen die Menschen zum Grübeln neigen – oder sich im Weihnachtsstress das BurnOut ankündigt. Das ist die Hochphase für Ehrenamtliche wie mich, die es sich aus eigener Betroffenheit zur Aufgabe gemacht haben, denjenigen zur Seite zu stehen, denen 50 Minuten Psychotherapie pro Woche nicht genügen, die auf der Suche nach jenen sind, die sich aus der eigenen Erfahrung mit dem Gefühl auskennen, seelisch plötzlich leer und ausgelaugt zu sein.

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Auch im 21. Jahrhundert erlebe ich es fast täglich, dass ich selbst schräg von der Seite angesehen werde, dass ich aberwitzige Kommentare über die Ursachen psychischer Erkrankungen zu hören bekomme oder dass man mir und allen Anderen, die mit seelischen Konflikten zu ringen haben, Empfehlungen austeilt, wie es uns denn besser gehen könnte. Die Einen sagen, man müsste mehr Sport treiben, die Anderen denken, es würde helfen, sich gesünder zu ernähren. Die Dritten meinen, psychisch Kranke hätten zu oft gesündigt und die Vierten empfehlen, öfter ans Licht zu gehen. Wenn denn alles so einfach wäre, unsere Gesellschaft würde vor seelischer Gesundheit nur so strotzen.

Die erst kürzlich veröffentlichte Studie über den Wissensstand der Deutschen in Bezug auf Depressionen hat uns den dringenden Auftrag an die Hand gegeben, die Sensibilisierung für das Thema psychischer Leiden noch viel stärker voranzutreiben. Regelmäßig spreche ich vor Schulklassen und referiere ihnen meine persönliche Geschichte. Denn das, so zeigt es sich immer wieder, beeindruckt mehr als Information und Fakten darüber, was es denn bedeutet, seelisch krank zu sein. Die Erfahrbarkeit im Alltag, dass Menschen mit psychischen Handicaps ganz normal sein können, sie hinterlässt bleibende Spuren – nicht nur bei den Jugendlichen. Wir brauchen mehr Menschen, die über das Tabu sprechen, ein bisschen „verrückt“ zu sein.

Denn auch wenn mir immer wieder versichert wird, dass die Bevölkerung heute doch schon viel offener über die „Volkskrankheit Depression“ spreche, so spüre ich, dass sich solch eine Toleranz vor allem gegenüber dem Theoretischen zeigt. Sobald wir auf Menschen treffen, die tatsächlich nicht mehr aus dem Bett kommen, weil sie den ganzen Tag an die Wand starren, ihr Körper zu schwer ist, um aufstehen zu können, sie keinerlei Grund sehen, überhaupt noch in den Tag zu starten und jedwede Perspektive für ihr Leben verloren haben, dann beginnen sich die Vorurteile in unserem Kopf zu drehen: Ist er nicht einfach nur zu faul? Spielt er nicht nur etwas vor, simuliert er, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen, sich vor dem Alltag drücken zu können?

Die Berührungsängste sind groß, wenn wir mit etwas konfrontiert werden, was wir uns selbst gar nicht vorstellen können. Natürlich hat jeder von uns schon sein Tief erlebt, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit. Doch wie ist das, wenn man vor Angst über Monate hinaus die eigene Wohnung nicht mehr verlässt? Wenn man wie angekettet die Decke über den Kopf zieht und jegliches Gefühl für alles und jeden verloren hat? Wenn man merkwürdige Dinge tut, sich dauernd wäscht, ständig kontrolliert, wenn man Dinge sieht, die für Andere nicht da sind? Wenn Stimmen flüstern und die Wahrnehmung nicht verfliegt, permanent beobachtet oder verfolgt zu werden? Vielleicht machen wir es uns manches Mal zu leicht, wenn wir nicht wissen, wie wir mit Menschen umgehen sollen, die eben „anders“ sind.

Ich kann jeden verstehen, der eben nicht versteht, was es heißt, psychisch krank zu sein. Das voreilige Mitgefühl, man könne sich schon gut in meine Lage versetzen, es wirkt nicht nur unpassend, sondern es relativiert ein Leiden, in das sich nur Wenige tatsächlich hineinversetzen können. Denn nicht jede Psychose ist gleich, nicht jede Angst der anderen ähnlich. Deshalb ermutige ich nicht, den Versuch zu unternehmen, jemandem mit einer seelischen Erkrankung nachempfinden zu können. Es genügt allein der Respekt vor der Tatsache, dass jemand lädiert ist, der von Wahnvorstellungen, Depressionen oder Phobien geplagt ist – und dass er sich das nicht alles nur einbildet, sondern solch eine Krankheit genauso ernst zu nehmen ist wie ein Herzinfarkt oder ein Knochenbruch.

In einem Jahrzehnt, in dem der Leistungsdruck mehr wird, das Ideal des immer Weiter, Schneller, Höher zum Maßstab aller Dinge geworden ist, da müssen wir uns nicht wundern, dass manch eine Seele zu streiken beginnt. Ich bin überzeugt, dass gesellschaftliche Zwänge und ein transhumanistisches Credo, wir könnten über uns selbst hinauswachsen, erheblich dazu beitragen, dass sich bei unseren Psychiatern Einer nach dem Nächsten die Klinke in die Hand gibt. Dass Einiges der psychischen Krankheiten in unserer Bevölkerung hausgemacht ist, das sollte uns zu denken geben. Nicht nur, wie wir uns gegenüber denen verhalten, die seelisch kapituliert haben. Sondern auch, ob wir uns nicht an der eigenen Nase packen sollten, wenn wir besserwisserisch über die urteilen, deren Psyche streikt.

Denn die meisten Betroffenen, die den Kontakt zu mir suchen, sie geben zu, dass sie nie damit gerechnet hätten, selbst einmal psychisch krank zu werden. Es kann jeden treffen, das sollte uns bewusst sein. Und gleichzeitig sollten wir wissen, dass wir mit einem gesellschaftlichen Umdenken dazu beitragen könnten, Entschleunigung, Achtsamkeit und Besonnenheit in Arbeitsleben, Medienkonsum und Freizeit zu bringen. Das ist kein Allheilmittel gegen Depressionen oder Ängste, aber ein erster Schritt. Die Ehrlichkeit, nicht über den seelischen Zustand des Gegenübers befinden zu können, ihm aber Wertschätzung dadurch entgegenzubringen, dass ich seine Nöte anerkenne. Eigentlich sollten diese Wünsche selbstverständlich sein, sie sind es aber eben nicht. Psychische Erkrankungen führen weiterhin ein Schattendasein. Und die Stigmatisierung ist ein Alltagsgeschäft. Wie schön wäre es, wenn es künftig weniger florieren würde…

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Konstanz. Kann und soll eine Psychotherapie über Videochats oder per Telefon ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht ersetzen? In Zeiten, in denen diese Frage durch immer neue Angebote auf dem Markt stetig aktueller wird, tun sich auch Patientenvertreter schwer mit einer endgültigen Einschätzung. Und nicht nur die: Auch in den Selbsthilfegruppen des Landes sind die neuen Formate der Psychotherapie Gesprächsthema, wie Gruppenleiter Dennis Riehle bestätigt. Er ist für die Selbsthilfe zu Zwängen, Ängsten und Depressionen im Landkreis Konstanz zuständig und berichtet von reger Diskussion über die Möglichkeit, die Psychotherapie künftig über verschlüsselte Dienste per Kamera und Bildschirm wahrzunehmen.

„Es zieht sich ein Riss durch die Betroffenen in unseren Gruppen. Gerade Patienten, die schon seit Monaten auf einen Therapieplatz warten, sind eher offen für eine digitale Psychotherapie. Andere wiederum lehnen solche Methoden grundwegs ab, fürchten sie sich doch vor fehlenden Interventionsmöglichkeiten, der unzureichenden Empathie oder einem ausbleibenden Vertrauensverhältnis, denn Viele nehmen die Kommunikation über Online-Medien noch immer als ungeschützten Rahmen wahr“, so Riehle. „Ich selbst sehe das Argument, dass digitale Psychotherapie gerade auf dem Land ein guter Ersatz sein könne, als schwierig an. Denn eigentlich müssten wir erwarten können, dass flächendeckend ambulante Psychotherapie in einer zumutbaren Erreichbarkeit gewährleistet ist. Wenn wir nun vermehrt auf Online-Psychotherapie setzen, dann nehmen wir auch die Politik aus der Verantwortung, einen Versorgungsauftrag sicherzustellen“.

Als Ersatz kann sich Riehle eine Psychotherapie über Videochat nicht ausmalen: „Auch per Telefon fehlt mir das Gefühl, meine Seele unmittelbar ausschütten zu können, sich in die Augen sehend die Reaktionen des Therapeuten wahrzunehmen. Es ist gleichsam die Empfindung nach Sicherheit, die mir online zu kurz käme. Dabei geht es nicht nur um den Datenschutz, der über die lange Leitung anfällig wird für äußere Eingriffe. Bei einem Therapeuten ankommen zu können, das gelingt nur bedingt, wenn man ihn allein auf der Leinwand verzögert mitverfolgen kann“. Zudem sieht der Gruppenleiter die Hürden für die Inanspruchnahme einer Online-Psychotherapie noch als viel zu hoch: „Auch wenn Studien die Wirksamkeit bestätigen, derzeit ist der Gedanke, wonach digitale Hilfestellung eine Variante darstellen kann, selbst im Gesundheitswesen nicht angekommen. Überdies scheint man sich generell schwer damit zu tun, auch diagnostisch über die Online-Medien tätig werden zu wollen. Ich denke, es braucht einerseits noch viel Zeit, andererseits zunächst den Anspruch, die digitale Psychotherapie als Ergänzung, nicht aber als Ersatz anzusehen“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

Erfahrungsbericht

Sechs oder sieben Jahre lang, ich kann es nicht mehr genau sagen, trug ich dieses Geheimnis mit mir umher. Dass ich Zwänge hatte, das wusste zu diesem Zeitpunkt nur mein allerengstes Familienumfeld. Denn das konnte ich nicht an der Nase herumführen. Allein der Wasser- und Seifenverbrauch hatte irgendwann ans Tageslicht geführt, dass mit mir etwas nicht stimmt. Und dass ich Waschzwänge, Kontrollzwänge, Zählzwänge, später auch schwere Zwangsgedanken hatte. Doch über meine Eltern hinaus, da konnte und wollte ich es niemandem anvertrauen. Mein Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut war es damals, dem ich mich anschließend öffnete. Auf dem wöchentlichen Weg in seine Praxis legte ich einen Spießrutenlauf zurück. Denn hinter jedem Fenster im hier so beschaulichen Dorf lauerte manch neugieriger Mitbürger, der sich dafür interessierte, was ein ungefähr 14-Jähriger denn bei einem „Seelenklempner“ wollte. Ich hatte es bereits mitbekommen, dass man sich das Maul zerriss, dass man munkelte und spekulierte. Allein in der Schule, da fühlte ich mich sicher. Denn da war ich weitgehend symptomfrei – und entsprechend mutmaßte wohl kaum jemand etwas davon, dass ich „zwängelte“.

Doch der Leidensdruck stieg. In der Öffentlichkeit riss ich mich nach Möglichkeit zusammen, nichts von meinen Eigenheiten nach außen durchdringen zu lassen. Während ich gleichsam mit einem zweiten Outing über meine sexuelle Orientierung haderte, sollte das erste kurz bevorstehen: Wie dankbar war ich über die Anfrage eines Fernsehsenders, der damals – über die DGZ vermittelt – auf mich zukam und nach einem Protagonisten für einen Beitrag in einem täglichen RTL-Magazin suchte. Ich selbst musste nicht lange mit mir ringen, bis ich innerlich zugesagt hatte. Überzeugen musste ich noch meine Mutter, die anfangs keineswegs so begeistert war wie ich. Warum ich denn mit solch einem offensiven Schritt meine Krankheit publik machen wollte, fragte sie mich. Doch für mich war klar: Nur mit einer „Schocktherapie“ konnten diejenigen, die sich in meinem Umfeld die schlimmsten Gedanken über den Gesundheitszustand des „kleinen Dennis“ machten, beruhigt werden. Ich war fest davon überzeugt, dass es mir helfen würde, endlich reinen Tisch zu machen – und das die besänftigt würden, die in ihrem Bedürfnis nach neuen Informationen die tollsten Gerüchte in die Welt setzten.

Dreharbeiten sind nicht einfach, gerade nicht im Lebensumfeld. Denn sie zogen in einer Ortschaft mit 4000 Einwohnern, in der eben doch fast jeder jeden kennt, wiederum Blicke auf sich. „Freuen Sie sich doch daran, dass ich unser schönes Dorf in die Medien bringe“, reagierte ich auf all jene, denen fast die Augen aus dem Gesicht fielen: „Herr Riehle, was machen Sie denn mit dem Fernsehen hier?“. Mich wunderte, dass keiner dabei war, der seine Angehörigen grüßen wollte, so erstaunt klammerten sich Manche an Kamera und Scheinwerfer, die mich einen Tag fast jede Minute und bei jedem Schritt begleiteten. Das Resultat aber war gut. Kurz nach der Ausstrahlung stand das Telefon nicht mehr still. Und ich hatte damit gerechnet, dass ich nun einige Freundschaften verlieren würde. Denn theoretisch wusste nun die ganze Nation, dass ich Zwänge hatte. Und wer will schon gern mit jemandem befreundet sein, der eigentlich kaum noch Zeit findet für Partys, für lockere Stunden im Freien, für Hobbys und Freizeit mit Gleichaltrigen – weil er stattdessen die Pflastersteine auf den Straßen zählte, die Hände wusch, bis sie blutig waren oder der in seinem Kopf Gedanken darüber hin und her kreisen ließ, ob es denn für einen friedliebenden Menschen wie mich möglich sei, jemanden mit einem Messer zu verletzten.

Doch nein, die Reaktionen waren ganz andere: Für meinen Mut, meine Courage und meine Ehrlichkeit gratulierten mir nicht nur Klassenkameraden, sondern auch Nachbarn und die, die noch Wochen zuvor hinter dem Fenster standen und damit liebäugelten, was ich beim Psychologen suchte. Irgendwie war mir das schon ziemlich peinlich, denn ich hatte es vor allem für die getan, die sich ebenso einsam fühlten mit ihren Zwängen, die kein Vertrauen finden konnten in Bezugspersonen, am Arbeitsplatz oder in ihrem Privatleben. Ihnen wollte ich Kraft schenken – wenngleich ich wusste, dass mein Weg keinesfalls Vorbild sein kann für die, die noch selbst mit der Annahme der eigenen Krankheit rangen. Und auch heute würde ich niemandem „empfehlen“, die große Bühne für sein Bekenntnis zu Zwängen zu suchen. Solch ein Schritt muss aus dem Innersten kommen und kann kein Selbstläufer sein. Er muss gewollt werden – und er braucht Standfestigkeit. Denn es gibt bei all den Menschen, die engagierten Auftritte gegenüber der Öffentlichkeit zu würdigen wissen, auch jene, die darauf mit Häme und Spott reagieren. Dass ich seit jeher transparent mit meinen Zwängen umgegangen bin, das hat mir viel Respekt, aber eben auch viel Anfeindung entgegengebracht. Das muss man aushalten. Und das ist in einer Gesellschaft, in der psychische Krankheit noch immer verpönt scheint, nicht immer leicht.

Mittlerweile suche ich nicht mehr die Scheinwerfer, auch wenn die Erfahrung, Zwänge ein Stück weit alltagstauglicher zu machen, für mich eine große Zufriedenheit brachte. Schnell wird man in der Presse des 21. Jahrhunderts „verheizt“, und das soll nicht Sinn der Sache sein. Neben der eigenen Bewältigung meiner Krankheit, neben dem langen Prozess der Akzeptanz einer seelischen Beeinträchtigung in meinem Leben stand vor allem der Wunsch, Zwangserkrankungen bekannter und anerkannter zu machen, im Vordergrund jeglicher öffentlichen Betätigung. Denn ich weiß aus den vielen Kontakten mit Gleichbetroffenen, wie schwer sich viele von ihnen bereits damit tun, sich selbst ein psychisches Problem einzugestehen. Wie soll dann ein Preisgeben solch eines Persönlichkeitsmerkmales, das wir nicht als uns zugehörig hinnehmen müssen, aber zu dem es sich zu bekennen lohnt, auf wirklich fruchtbaren Boden fallen, wenn die Angst vor Ablehnung und Rückweisung sehr viel stärker ist als die Aussicht auf diesen befreienden Moment, in dem wir uns nicht mehr verstecken müssen, sondern in dem der Ballast abfällt mit all den Ausreden, all dem Rückzug und all der Verheimlichung, die man über Jahre und Jahrzehnte praktizierte? Es war ein Moment der tiefen Dankbarkeit gegenüber mir selbst, dass ich den Schritt gewagt hatte, aus dem Korsett der Verschlossenheit zu entfliehen. Und ich wünsche das Gefühl jedem – und sei es nur gegenüber dem Partner, dem Vater oder dem Freund, all das anzuvertrauen, was man an Zwanghaftem jeden Tag neu auf seinem Buckel trägt.

Heute ist mir die Arbeit dort wichtig, wo ich selbst einst begonnen hatte, mich langsam mit meinem Geheimnis vorzuarbeiten: In Schulen ist die Notwendigkeit der Aufklärung über Zwangsstörungen dringend geboten. Das merke ich immer wieder aufs Neue, wenn ich einzelne Unterrichtsstunden oder ganze Projekttage mit denen gestalte, die seelischer Gesundheit einerseits so unvoreingenommen, andererseits mit so vielen Vorurteilen behaftet begegnen. Gerade, weil ich selbst vermisst habe, dass an unserer Schule über die Möglichkeit von psychischen Problemen gesprochen wurde, setze ich mich jetzt dafür ein, dass wir möglichst schon in der Jugend ein Gespür dafür entwickeln, was es bedeutet, „anders“ zu sein. Die Faszination gegenüber „Zwängen“ ist groß, das erfahre ich jedes Mal wieder. Nicht nur, weil jeder von uns mit vorübergehenden Tics und Marotten etwas anfangen kann, sondern weil sich Jugendliche von heute glücklicherweise oftmals trauen, ein eigenes Bild über die Lebenswirklichkeit zu erlangen, fällt es zunehmend leichter, auch jene für das Thema zu gewinnen, die auf der anderen Seite mit größtmöglichen Stereotypen des „psychisch Kranken“ in den täglichen Meldungen auf „Facebook“ und Co. konfrontiert werden. Doch gerade denen, die heute und künftig an Zwängen erkranken, sind wir es schuldig, die Atmosphäre des Angenommenseins zu stärken. Es gibt viele Gelegenheiten, das beginnt mit Toleranz im Kleinen. Und doch können wir mit ein bisschen Offenheit so viel bewirken…

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Konstanz. Die Selbsthilfegruppe zu Zwangsstörungen im Landkreis Konstanz bietet wieder verstärkte Beratung an. „Nachdem die ‚Zwäng’ler in den letzten Monaten aufgrund der großen Anfrage zu Depressionserkrankungen zu wenig Aufmerksamkeit von uns erhielten, wollen wir uns nun wieder einem unserer Schwerpunkte widmen“, so Gruppenleiter Dennis Riehle, der die Initiative für Zwangserkrankte vor rund zwölf Jahren ergriffen hatte und seither persönlich, mittlerweile vor allem aber telefonisch, postalisch und elektronisch Patienten, Angehörige und Interessierte als betroffener Laie informiert und aufklärt.

„Die Fragestellungen haben sich über die Zeit kaum geändert: Welches sind die passenden Therapien? Wie finde ich den richtigen Arzt? Wie sage ich es meinen Nächsten? Und wie gehe ich am Arbeitsplatz mit der Erkrankung um? – Auf all das, was vor allem die Menschen bewegt, die selbst unter dem zwanghaften Zählen, Kontrollieren, Waschen oder Denken leiden, wollen wir Antworten finden. Heutzutage funktioniert das am ehesten über Mailberatung, zu Gruppentreffen kommt es dagegen seltener. Das liegt an einer veränderten Erwartungshaltung der Betroffenen und ihrer Angehörigen, die zunächst einmal Vertrauen fassen müssen und den Kontakt daher lieber so als über das direkte Aufeinandertreffen suchen“, erklärt der 32-Jährige, der seit mittlerweile 20 Jahren von Zwängen heimgesucht wird.

Das Ziel sei es, laut Riehle, Betroffenen und Angehörigen abseits der professionellen Versorgung im Gesundheits- und Sozialwesen auch eine ergänzende, niederschwellige Betreuung zu bieten: „Mit jemandem, der ebenfalls erkrankt ist, kann man viele Dinge deutlich leichter besprechen als mit einem Therapeuten, der die Erkrankung oftmals nur aus Büchern kennt“, meint Riehle, der überdies ergänzt: „Wir sind kein Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, im Gegenteil. Wir versuchen, an die passenden Stellen zu vermitteln, geben aus der Lebenserfahrung mit vielen Jahren an Zwängen unsere Einschätzung ab und können somit den Rat der Fachpersonen komplettieren“.

Die Selbsthilfeinitiative zu Zwängen, Phobien und Depressionen ist über Dennis Riehle, Mail: info@zwang-phobie-depression.de sowie Tel.: 07531/955401 (AB) erreichbar.

[Dennis Riehle]

Kommentar
Individualisierte Selbsthilfe

Weniger Teilnehmer an den Gruppentreffen, ein Anstieg interessierter Kontakte über das Telefon und per Mail – und nicht zuletzt eine Abwanderung vieler Menschen in die sozialen Netzwerke. Diese Beobachtungen über die Entwicklung der Selbsthilfeszene bewegen mich schon seit langem. Über viele Jahre Leiter der in den 1970er – 2000er-Jahre so wertgeschätzten Selbsthilfegruppen, in denen man zusammenkam, wenn man in ähnlichen Lebenssituationen, bei Krankheit, Sucht oder Armut die Unterstützung von Gleichbetroffenen suchte, erinnert mich der Wandel in der Landschaft dieses wesentlichen Fundaments des Bürgerschaftlichen Engagements an die generelle Veränderung unserer Gesellschaft.

Heute werden wir konsumorientierter, blicken in erster Linie auf unser eigenes Schicksal. Es geht weniger darum, den Grundgedanken der Selbsthilfe, der ein überaus individueller, liberaler und idealistischer ist, weiter aufrecht zu erhalten, wonach es nämlich wechselseitiger Synergie bedarf, um einerseits eigene Probleme zu lösen, andererseits mit den eigenen Erfahrungen auch anderen Betroffenen in deren Lebenslagen solidarische Unterstützung zu geben. Viel eher führt ein sich durchsetzender Egoismus dazu, dass dieses „Geben und Nehmen“ auf eine Komponente verzichtet: Gegeben wird heute nur noch ungern, obwohl das die Prämisse unseres Sozialstaates ist, in dem wir alle füreinander einstehen.

War die Kernaussage interessierter Anhänger einer Selbsthilfegruppe früher noch, man wolle aus dem Wissen der Anderen etwas mitnehmen, hoffe aber gleichzeitig, mit den durch die eigene Lebens- und Leidensgeschichte erlangten Erkenntnissen auch den Mitbetroffenen in einer Gruppe Mut zu machen und Hoffnung zu spenden, fragen viele Menschen in schwierigen Lebenslagen heute vornehmlich nach Hilfe für sich. Natürlich war die Selbsthilfe ihrem Namen nach auch immer darauf ausgerichtet, dass wir aus dem Miteinander mit Gleichgesinnten einen größtmöglichen Nutzen für uns ziehen, dass wir die Erfolge Anderer als Basis dafür heranziehen konnten, um daraus eigene Konzepte zu entwickeln, die wiederum uns in der ganz persönlichen Situation weiterbringen sollten.

Doch heute fehlt die Rückkoppelung, die Bereitschaft, für die Gedanken des Gegenübers wiederum einen Blick in das eigene Leben zuzulassen. „Ich will mich doch nicht noch mit den Problemen der Anderen beschäftigen“. Dieser Satz begegnete mir noch vor zehn Jahren selten, wenn es darum ging, für eine Selbsthilfegruppe zu werben. Heute ist er ein standardmäßiger Einwand dafür, weshalb sich Menschen aus Selbsthilfegruppen zurückhalten. „Ich habe genug mit mir selbst zu tun“ – eine Ausrede, die wiederum einen verheerenden Wandel in der Positionierung des Einzelnen in unserer Gesellschaft wiederspiegelt. Denn begriff man noch vor nicht allzu langer Zeit noch ganz genau, dass Selbsthilfe nur dann gelingen kann, wenn man sich seinerseits öffnet, so ist es heute das Verschließen der eigenen Persönlichkeit, das es schwierig macht, Menschen in prekären Lebensmomenten überhaupt noch eine Unterstützung anzubieten.

Seit Jahren verzeichne ich das wachsende Ansteigen der Zahlen an Hilfsgesuchen, die elektronisch, telefonisch oder postalisch eingehen. Früher war es nicht anders, doch die Selbstverständlichkeit, sich für Information, Beratung und Hilfe zumindest in einer Gruppe einzufinden, von der man selbst profitiert, wenn man eigens zu geben bereit ist, war um Längen größer. Heute sitze ich oftmals alleine im Stuhlkreis, wenn ich darauf warte, dass sich Menschen über ihre seelischen, körperlichen oder sozialen Probleme austauschen. Ich hoffe vergebens darauf, dass Bereitwilligkeit zur Interaktion besteht – und muss erkennen: Die Erwartungshaltung hat sich verändert. Welche Therapie die hilfsreichste ist, wie man mit seiner Erkrankung im Alltag umgeht und wie es der Andere geschafft hat, wieder gesund zu werden – all das debattierte ich noch vor ein paar Jahren in einer lebendigen Gruppe aus mehr als einem Dutzend Personen, dort, wo heute Stille herrscht.

Ganz anders sieht es da in meinem Postfach oder auf dem Anrufbeantworter aus: Die Fragen sind noch immer dieselben, doch die Forderung ist eine Andere. Individuelles Eingehen auf die Belange des Einzelnen, der sich nicht mehr mit den Nöten Anderer auseinandersetzen möchte, sondern möglichst kurze und prägnante Antworten wünscht. Im Dilemma, mich als Ehrenamtlicher verpflichtet zu sehen, Hilfestellung zu leisten, fällt es mir schwer, solche Menschen in eine Gruppe zu zwingen, ehe sie auf Reaktion hoffen können. Der Druck ist groß, die Mail zu bearbeiten und am Hörer für Auskunft zur Verfügung zu stehen. Immerhin will man als gleichbetroffener Laie ja seinen Beitrag dazu leisten, dass die Selbsthilfe auch weiterhin als die ergänzende Säule im Gesundheitssystem angesehen wird – auch wenn es eigentlich nicht ihre Aufgabe ist, die kurzen Sprechzeiten beim Arzt oder die langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu kompensieren.

Die Individualisierung der Selbsthilfe schreitet trotz der Bedenken vieler Akteure in der „Szene“ weiter voran. Sie verlagert sich auch in geschlossene Gruppen wie bei „Facebook“ oder anderen Anbietern von Kommunikationsmöglichkeiten, die scheinbar geschützt wirken, in denen aber die Hilfestellung nie so aussehen kann wie im direkten Gegenüber. Auch in der Beratung an Telefon oder per Mail kommt nicht die Empathie zum Tragen, die Selbsthilfegruppen einst so populär und beliebt gemacht haben. Nicht nur ein stützendes Wort, sondern die Rückmeldung einer Gruppe, in der man sich auch gegenseitig in den Arm nehmen oder in Krisen rechtzeitig intervenieren kann. Die Selbsthilfe verarmt, wenn sie sich allein auf die mehr oder weniger persönliche Beratungstätigkeit von Betroffenen und Angehörigen zurückzieht.

Sie gibt aber gleichsam auch ein Fundament auf, das die gesellschaftliche Erosion zeigt: Die Wertschätzung des ehrenamtlichen Einsatzes am anderen Ende der Leitung ist heute eine andere als noch „damals“, als man gemeinsam in der Gruppe dankbar für den Einsatz jedes Einzelnen war, der zivilgesellschaftliches Engagement bewies und mit der Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe nicht nur einen Eigennutzen für sich zog, sondern vor allem klar machte: In schwierigen Zeiten stehen wir zusammen. Niemand muss seinen Weg alleine gehen. Und am stärksten gewinnen wir aus der reziproken Zusicherung, „helf ich dir, hilfst du mir“. Dieses Konzept, das den Grundstein für eine Solidargemeinschaft legt, in der jeder nach seinen Möglichkeiten partizipiert, ist nicht nur in der Selbsthilfe verloren gegangen – es ist auch in unserem Gemeinwesen rar geworden.

Die Negativschlagzeilen nutzen jedoch nichts, sondern vornehmlich das Engagement, die Selbsthilfe wieder zu dem zu machen, was sie war – oder das neue Zeitalter als eine Herausforderung anzunehmen, in welchem neue Strategien entwickelt werden, die personengebundene Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenslagen abseits von Gruppen zu betreiben, die vielen einfach zu viel Zeit kosten und welche scheinbar nicht vermitteln können, dass es sich im Miteinander ergiebiger zu helfen lohnen würde. Deshalb ist die „Selbsthilfe-Beratung“ als neues Trendwort durchaus angemessen. Man mag dazu stehen, wie man möchte. Doch die Verantwortung für mich, der früher selbst dankbar war für all die Ratschläge, die Ermutigungen und die Denkanstöße, die ich von Anderen in vergleichbarer Lebenslage erhalten habe, wirkt bis heute weiter. Und sie verpflichtet mich, Beistand auch in einem Rahmen zu leisten, der mir noch fremd ist, weil er anders aussieht als noch gestern…

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Die Selbsthilfeinitiative zu hormonellen Erkrankungen im Landkreis Konstanz bietet wieder verstärkte Beratung für Betroffene und Angehörige an. Nachdem die Zahl der Hilfsgesuche nach einigen Monaten Rückläufigkeit nach dem Sommer wieder zugenommen hat, macht Leiter Dennis Riehle neuerlich auf die Telefon- und Mail-Beratung aufmerksam, die von Laien angeboten wird, die selbst an einem der entsprechenden Krankheitsbilder leiden. Gerade Fragen zu Therapiemöglichkeiten, Kontakten zu entsprechenden Fachärzten, dem Umgang mit der Erkrankung mit all ihren Auswirkungen im Alltag oder auch zu den sozialen Folgen, die aus den Hormonstörungen resultieren können, stehen oftmals im Mittelpunkt der Beratung, die die Selbsthilfeinitiative aus ihren eigenen Erfahrungen beantwortet.

Das Angebot bezieht sich dabei insbesondere auf Betroffene von Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen. Dies können Funktionsbeeinträchtigungen der Hirnanhangdrüse sein, die durch Raumforderungen, Traumen oder unklare Ursachen ausgelöst werden. Bei Tumoren in der Hypophyse kommt es unter Umständen nicht nur zu einem Mangel der durch die Drüse zu bildenden Hormone, sondern auch zu einem Überschuss der vom zusätzlichen Gewebe produzierten. Krankheitsbilder bei Störungen der Nebennierenfunktion können das Cushing-Syndrom mit einer vermehrten Ausscheidung des Hormons Cortisol oder eine Insuffizienz der Rinde sein, was zu „Morbus Addison“ führt. Das jeweilige Ungleichgewicht an Hormonen, das häufig auch mit einer Beteiligung der (Neben-)Schilddrüse einhergeht, kann unterschiedlichste Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, auf die Psyche, auf Muskeln und Gelenke oder die Sexualfunktion haben.

Die Beratung der Selbsthilfeinitiative ersetzt keine fachkundige Beratung bei Arzt oder Therapeut. Sie versteht sich als niederschwellige und ergänzende Maßnahme im Gesundheitswesen, die von Betroffenen für Betroffene angeboten wird, um sich mit Menschen in ähnlichen Lebenssituationen austauschen zu können. Sie ist erreichbar unter Tel.: 07531/955401 (AB) oder Mail: mail@hormone-stoffwechsel.de.

[Dennis Riehle]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen für Ihre Äußerungen auf der Vertreterversammlung.

Allerdings warne ich vor zu einfachen Antworten: Wir dürfen aus meiner langjährigen Erfahrung in der Selbsthilfearbeit, durch die ich viele Patienten mit ihren Meinungen ganz direkt erlebe, nicht einfach davon ausgehen, dass die Ambulantisierung der Medizin als gottgegeben oder unabwendbar hingenommen wird. Sie mag politisch gewollt sein, ob sie allerdings auch den Vorstellungen der Patienten entspricht, darüber scheint aus meiner Sicht noch keine hinreichende Debatte geführt worden zu sein.

Im Gegenteil: Ich erlebe, wie die Diskussion, immer mehr Behandlungen ambulant statt stationär durchzuführen, bei vielen Patienten zu großen Sorgen führt. Unzureichende Aufklärung über die Möglichkeiten der ambulanten Therapie, Angst vor ungenügender Nachbehandlung, schlechte Erfahrungen mit zu kurzer (teil-)stationärer Behandlung, die die Bedenken vor einer vollständig ambulanten Versorgung noch steigert – all dies sind Befürchtungen, die wir nicht unter den Tisch kehren dürfen. Wir sind dafür verantwortlich, nicht nur in finanziell-wirtschaftlichen und praktischen Dimensionen zu denken, sondern uns auch in die Empfindungslage der Patienten hineinzuversetzen.

Außerdem konnte vielen Patienten bis heute nicht überzeugend dargelegt werden, dass sowohl Ausstattung wie auch Umfeld ambulanter Therapien gerade bei schwerwiegenderen Erkrankungen ausreichend genug sind, um einen problemlosen Erfolg der Behandlung auch gewährleisten zu können. Denn in den Köpfen ging der Prozess der Ambulantisierung bei weitem nicht so schnell voran wie in der Wirklichkeit. Und doch müssen wir die Menschen mitnehmen, wenn wir sie davon überzeugen wollen, dass viele Krankheiten auch ambulant in der nötigen Qualität und gleichsam Seriosität und Sorgfalt behandelt werden können wie in der Klinik.

Das Ringen um die Krankenhäuser vor Ort zeigt, wie wichtig die stationäre Versorgung allein aus psychologischen Gründen ist. Dass im Notfall eine Klinik in der Nähe ist, das gibt Menschen Sicherheit und steigert zudem die Lebensattraktivität einer Region. Zwar können neue Modelle der Versorgungszentren für viele Krankheiten tatsächlich einen adäquaten Ersatz für die klinische Behandlung darstellen, wir dürfen uns aber nicht zu sehr von der Vorstellung verabschieden, die Gesundheitsversorgung könne sich zu großen Teilen ausschließlich auf die ambulante Säule verlassen.

Insofern fordere ich weniger Tempo in der Dynamisierung einer Entwicklung, die Deutschland zwar einerseits auch gesundheitspolitisch international wettbewerbsfähig bleiben lässt, die andererseits aber nicht darauf verzichtet, die Bedürfnisse der eigenen Patienten zu vernachlässigen. Auch wenn letztere nicht immer in der Lage sind, in Ausnahmesituationen auch zu erkennen, dass „ambulant“ nicht schlechter sein muss als „stationär“, braucht es zwingender denn je Information und Transparenz im Ambulantisierungsprozess. Und nicht zuletzt: Wer sich „ambulant vor stationär“ wünscht, der muss gleichsam eine ambulante Versorgungslage vorhalten, die in der Lage ist, die ihr zugestandenen Dimensionen an Patienten und Behandlungen auch zu bewältigen. Bedarfsanalaysen aus den vergangenen Jahrzehnten reichen dann nicht mehr aus, um die Versorgung zu gewährleisten.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

Beste Grüße

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Aus Anlass des Welttages zur Seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2017 warnt die Selbsthilfegruppe für Zwänge, Phobien und Depressionen im Landkreis Konstanz vor zu viel Gelassenheit: „Nur, weil wir mittlerweile desöfteren etwas von Depressionen im Fernsehen hören oder in der Zeitung lesen, ist die Entstigmatisierung von Betroffenen noch lange nicht fortgeschritten“, so der Leiter des Angebots, Dennis Riehle, der ergänzt: „Wir erleben in unserer Arbeit, dass die Scham weiterhin sehr groß ist und sich Erkrankte bereits gegenüber Angehörigen fürchten, zu ihrer Betroffenheit zu stehen. Noch schwieriger wird es im Arbeitsumfeld, unter Freunden oder Schulkollegen – denn immer häufiger sind auch Schüler, Studenten oder Auszubildende unter den Erkrankten“.

„Auch, weil wir nicht richtig wissen, wie wir mit psychischen Erkrankungen umgehen sollen, verharmlosen wir sie. Ob als Betroffener oder auch als Gegenüber – wenn wir das Ganze auf ein ‚BurnOut‘, auf Stress oder den Leistungsdruck schieben können, sind wir erleichtert, uns nicht weiter mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen. Dabei sind das häufig nur einige der Auslöser für schwere Leiden wie die Depression, die natürlich in vielen Fällen auch eine Wurzel in unserer gesellschaftlichen Entwicklung des Schneller, Weiter, Höher hat“, meint Riehle, der gerade für diese Situationen mahnt, die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Was sich mittlerweile nach einer gängigen Volkskrankheit anhört, ist zwar heute eine gut behandelbare, aber noch immer nicht im Bewusstsein der Menschen angekommene seelische Störung, die dringend einer Therapie bedarf“.

Gerade zum Welttag sei es daher wichtig, auf die Ernsthaftigkeit der Thematik hinzuweisen: „Uns hilft die gute medizinische und psychotherapeutische Unterstützung, die vor allem in den vergangenen 20 Jahren an Fahrt gewonnen hat, nur wenig, wenn Mitmenschen in der Annahme der Erkrankung nicht mitziehen. Dabei erleichtert es die Betroffenen erheblich, wenn sie sich nicht noch im eigenen Umfeld rechtfertigen müssen, sondern offen über ihre Situation sprechen können. Der Appell geht daher zum Abbau von zwischenmenschlichen Hürden und zum Aufbau von Vertrauen in den engsten Beziehungen“, so Riehle, der in der Selbsthilfearbeit oft gerade zu der Frage berät, wie Erkrankte sich ihren Nächsten gegenüber öffnen können – und wie Angehörige im Zweifel auf ein „Geständnis“ reagieren sollten.

„In der Kommunikation gibt es Wichtiges zu beachten, sie muss befreit sein von Vorwürfen, dafür unterfüttert von ‚Ich-Botschaften‘ und der beiderseitigen Bereitschaft, Überforderung einzugestehen“, erklärt der 32-Jährige, der selbst mit schweren Depressionen zu kämpfen hat und weiß, dass im Zweifel ein offensiver Umgang helfen, aber auch risikoreich sein kann: „Man sollte genau abwägen, welcher Person man wann seine Erkrankung anvertraut. Denn nicht jeder Zeitpunkt ist ideal dafür. Und manchmal rate sogar ich dazu, lieber zu schweigen“. Gleichsam gelte für die Allgemeinheit, das Thema der seelischen Erkrankungen auch im Alltag nicht zu tabuisieren. „Warum sprechen wir so leicht von einer Grippe, tun uns aber bei einer Depression so schwer? Einen logischen Grund dafür gibt es für mich nicht!“, motiviert der Gruppenleiter zu mehr Mut.

Für Rückfragen steht die Selbsthilfeinitiative unter Mail: info@zwang-phobie-depression.de oder über Tel.: 07531/955401 (AB) zur Verfügung. Das ehrenamtliche Angebot ist kostenlos und steht Betroffenen, Angehörigen und Interessierten offen.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung
Selbsthilfeinitiative rät zu rascher fachärztlicher Abklärung

Konstanz. Die Selbsthilfegruppe für Zwang, Phobie, Depression und psychosomatische Krankheitsbilder im Kreis Konstanz macht auf die zunehmende Bedeutung der funktionellen Erkrankungsbilder aufmerksam. Sowohl dissoziative, psychogene wie psychosomatische Krankheiten würden beim Ansprechpartner der Initiative, Dennis Riehle, zunehmend thematisiert und sich nach entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten erkundigt. „Die Scham ist hier nochmals größer als bei seelischen Erkrankungen ohnehin bereits, fühlen sich die Betroffenen mit ihren körperlichen Beschwerden doch nicht ernst genommen, weil der somatische Befund fehlt oder die Symptome nur unzureichend erklärt“, so Riehle.

Am häufigsten meldeten sich Betroffene mit Schmerzsyndromen und Leiden aus dem Magen-Darm-Trakt. „Sie haben oftmals bereits unzählige Untersuchungen durchlaufen, meist kam es dabei nie zu einem befriedigenden Ergebnis, weshalb man sie dann fälschlicherweise als ‚Simulanten‘ abtut. Doch das ist nicht richtig, denn die körperlichen Einschränkungen bilden sich die Menschen ja nicht ein, sie sind ja oft sogar nachweisbar“, weiß der 32-Jährige, dem eine funktionelle Hemiparese bescheinigt wurde, die nur bedingt durch eine körperliche Genese beschreibbar ist. „Meine Muskelmasse nimmt einseitig ab, das ist keine Phantasie, sondern lässt sich belegen“ und ergänzt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass sich bei mir auf eine neurologische Symptomatik noch ein psychogener Komplex verstärkend draufgesetzt hat. Dafür gibt es genügend gute Gründe, dies anzunehmen“.

Den Betroffenen rät Riehle rasch zu einer fachärztlichen Abklärung: „Mediziner, die auf psychosomatische Krankheitsbilder spezialisiert sind, werden nicht abweisend sein, sondern den Betroffenen ernsthaft mit seinen Problemen annehmen“. Wichtig sei aber auch, dass sich Erkrankte bereit erklärten, im Falle eines Ausschlusses aller körperlichen Ursachen auch den Weg in eine Psychotherapie zu gehen: „Damit gesteht sich niemand ein, dass er träumt und alle Einschränkungen nur Hirngespinste sind. Viel eher ist dieser Mut ein Ausdruck von Selbstverantwortung und Größe, couragiert tieferliegende seelische Konflikte aufzuarbeiten. Denn sie führe letztlich dazu, dass wir mithilfe von körperlichen Beschwerden ein Zeichen setzen, unsere innere Last loswerden und abtrennen wollen. Und diesen Hilferuf der Psyche sollten wir respektieren“.

Erkrankte und Angehörige können sich bei der Selbsthilfeinitiative zum Erfahrungsaustausch melden. Riehle ist auch behilflich bei der Suche nach den passenden Medizinern und therapeutischen Ansprechpartnern. Kontakt ist über Tel.: 07531/955401 (AB) und Mail: selbsthilfearbeit@riehle-dennis.de möglich.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Die Sozial- und Pflegesprechstunde der Litzelstetter Nachbarschaftshilfe e.V. hat ein neues Informationsblatt veröffentlicht, auf welchem sie zehn beratende Tipps für Angehörige gibt, die Menschen mit altersbedingten Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit pflegen oder betreuen.

Der reguläre Altersprozess, aber auch gerontologische (also Krankheiten aller Art, die bei jüngeren wie älteren Menschen gleichermaßen auftreten, aber im Alter zu besonderen Herausforderungen führen, z.B. Depression) und geriatrische (Krankheiten des Alters, z.B. Demenz) Erkrankungen sind dafür verantwortlich, dass wir uns in der späteren Lebensphase körperlich wie geistig, psychisch, emotional und sozial verändern. Gerade für unsere Bezugspersonen ist dieser Wandel der Persönlichkeit eine große Hürde in der Betreuung und im Umgang mit den Betroffenen. Dabei helfen oftmals einfache Ratschläge, um sein Verhalten anzupassen.

Deshalb hat der Leiter der Sprechstunde, Dennis Riehle, zehn Ratschläge zusammengefasst, die die Kommunikation, aber auch die Steuerung von Emotionalität, das Reagieren auf Eigenarten des Betroffenen und das Verständnis von Veränderung der Persönlichkeit und des Wesens des Gegenübers betreffen. Damit soll Unterstützung geleistet werden, sich als Angehöriger in der schwierigen Aufgabe der Annahme seines Nächsten nicht alleine gelassen zu fühlen.

Das kostenlose Informationsblatt kann postalisch oder elektronisch angefordert werden: Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz, Tel.: 07531/955401 (AB), Mail: Li-Na@Riehle-Dennis.de.

[Dennis Riehle]