Pressemitteilung

Konstanz. Die Selbsthilfegruppe für Zwang, Phobie und Depressionen hat in der dunklen Jahreszeit seit Oktober 2016 eine überproportional hohe Zahl an Anfragen und Hilfegesuchen von Menschen mit uni- und bipolar affektiven Erkrankungen erhalten. So lagen die Kontakte monatlich bei rund 15 – 20 alleine für diese Krankheitsbilder. Der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, stellt zwar seit Jahren eine steigende Nachfrage an der niederschwelligen Selbsthilfe durch Menschen mit Depressionserkrankungen fest. In der „Saison“ 2016/2017 seien allerdings auffallend viele schwerwiegende Erkrankte über Telefon, Mail oder per Post auf die Gruppe zugekommen, um sich unter Gleichbetroffenen entsprechenden Rat zu suchen: „Oftmals haben wir diese typischen depressiven Verstimmungen erleben können, die manchmal auch der Stimmung im Winter zu verdanken waren. Der Leidensdruck war in der Regel auch nicht so hoch, sodass die Menschen die häufig herabgesetzte Emotionalität auch keinesfalls als eine krankhafte Veränderung bei sich angesehen haben“. Dieses Mal sei es aber anders gewesen, meint Riehle: „Da waren einige Fälle dabei, die nicht mehr aus ihrem ‚Loch‘ herausgekommen sind“.

Auch zahlreiche bipolar Erkrankte meldeten sich in den letzten Monaten bei der Selbsthilfegruppe: „Zumeist sind es Angehörige, die auf uns zugekommen sind. Sie berichteten, dass die Diagnose in der Regel bereits gestellt wurde und die Familie nun erhebliche Schwierigkeiten habe, mit dieser neuen Situation umzugehen. Wir verweisen dann oft auch an Gruppen, die darauf spezialisiert sind, eine Beratung können wir natürlich aber trotzdem anbieten, haben doch auch bei uns viele Betroffene Erfahrungen mit manisch-depressiven Krankheiten. Ich kann von diesem Auf und Ab bei mir selbst ein eigenes Lied singen“. Insgesamt erlebe die Selbsthilfe dieser Tage durchaus eine Rückkehr in das Gedächtnis der Menschen, empfindet Riehle: „Die klassische und bekannte Gruppe, in der man regelmäßig beieinander sitzt, ist heute aber leider ein Stück aus der Mode gekommen. Und doch ist der Bedarf groß, sich abseits des professionellen Gesundheitswesens mit denen auszutauschen, die die eigene Situation besser verstehen können. Das geschieht mittlerweile auf ganz anderen Wegen – im Einzelkontakt, über elektronische Kommunikation oder in Foren, Chats und Apps“.

„Gerade die bipolare Störung, aber auch schwere depressive Erkrankungen bereiten den Betroffenen und ihrem Umfeld häufig eine große Sorge. Und sie verunsichern auch“, sagt Riehle. „Da ist es hilfreich, Tipps für den Umgang zu geben und aus der eigenen Geschichte zu berichten, um klar zu verdeutlichen, dass eine Heilung zwar schwierig, eine Linderung der Erkrankung aber möglich ist. Besonders auch die Aussicht, dass man trotz der Krankheit ein erfülltes Leben führen kann, lässt sich einfacher von jemandem vermitteln, der aus eigener Erfahrung hinter dieser Aussage steht“. Und obwohl Riehle mehr als zehn Stunden pro Woche Mails und Briefe im Zuge seiner Arbeit rein ehrenamtlich beantwortet, schwört er weiterhin auf die Selbsthilfe: „Wir wollen doch alle solange als möglich eigenständig für uns sorgen, leben und auch entscheiden. Dazu befähigt uns dieses seit Jahrzehnten in Anspruch genommene und offenbar hilfreiche Konzept: Ein mündiger Bürger zu sein, selbstbewusst, gerade, wenn wir vielleicht ein wenig anders sind!“.

[Dennis Riehle]

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Standpunkt

Selbsthilfe. Seit Jahrzehnten ist sie Teil des Gesundheitswesens, wird heute gar als eine vierte Säule betrachtet und neben stationärer, ambulanter und der niederschwelligen Versorgung als ein Angebot gesehen, das auf die Selbstverantwortung des Einzelnen im Umgang mit Herausforderungen im Lebensalltag setzt. Bereits im Zweiten Weltkrieg gab es eine Art von „Selbsthilfegruppen“: Frauen, die um ihre Männer an der Front zitterten oder schon zu Witwen geworden waren, versammelten sich in den Häusern, um dort gemeinsam ihre Trauer und die Ängste zu teilen, sich zu ermutigen und auch Ablenkung zu finden. Spätestens in den 60er-Jahren waren es dann die stärker aufkommenden Alkoholprobleme in der Gesellschaft, die zur eigentlichen Gründung der ersten, bis heute bekannten „Selbsthilfegruppe“ führten: Bei den „Anonymen Alkoholikern“ waren es vor allem die Hinterzimmer in den Kneipen, in denen man sich traf, um nach einem ganz bestimmten Konzept die Abstinenz zu trainieren. Und diese Idee, gemeinsam an einer Krankheit, einer Lebenssituation oder einer vorübergehenden oder dauerhaften Sorge zu arbeiten, entwickelte sich in den Jahrzehnten darauf zu einem Gedanken in den Köpfen der Menschen, die in Psychotherapie, Arztbesuch oder dem Gespräch mit Freunden nicht die alleinige Möglichkeit auf eine Bewältigung ihrer Mühen gesehen haben.

Denn ersetzen sollte die Selbsthilfe nie etwas. Wenngleich die Philosophien in den einzelnen Gruppen unterschiedlich waren, sah man sich klassischerweise als eine Ergänzung zum medizinischen und therapeutischen Gesundheitswesen, um über das eigene Problem nicht nur frei und umfassender, sondern vor allem im geschützten Rahmen unter Seinesgleichen offen, vertrauensvoll und verständnisreich sprechen zu können.

Fünf Säulen tragen die Selbsthilfe bis heute, auch wenn sie sich durch Einflüsse der Digitalisierung immer weiter von ihren eigentlichen Grundsätzen entfernt. Weiterhin ist es die Anerkennung, die Menschen schätzen, wenn sie eine Gruppe aufsuchen. Die Bejahung der Person, ohne Vorurteile, sondern im Wissen, dass man jenen begegnet, die die Situation nicht aus bloßem Mitleid nachvollziehen können, sondern aus der eigenen Erfahrung heraus, wie schwer es ist, mit Ausgrenzung umgehen zu müssen, die Hürden im Leidensweg aus dem Weg zu räumen und Erfolge schlussendlich nicht wieder loszulassen. Im beste Falle gelingt die Zustimmung von Seiten der Gruppe zu einem Neuen auch empathisch. Denn das Klima der Geborgenheit trägt ganz wesentlich dazu bei, dass wir uns überhaupt öffnen, anvertrauen und damit unsererseits einen Beitrag zum Gruppengeschehen leisten können. Wenn wir uns angenommen fühlen, dann sind wir uns auch klar darüber, dass die Interessen sich gleichen. Und dass gerade deshalb auch nach außen geschwiegen wird, weil niemand will, dass Details über Höchstpersönliches in die weite Welt dringen. Dieser Schutzwall wäre wohl im anonymen Chat schon deutlich niedriger…

Und auch wenn im ersten Moment eher ein Nehmen im Vordergrund steht, das Lauschen auf die Historie aller Anderen, ehe ich selbst von mir etwas preisgebe, ist es schon genau das, was hilft. Besonders durch ein Erklären der jeweiligen Krankheitsgeschichte des Gegenübers beginnt früh der Prozess, aus gewonnenen Informationen die richtigen Schlüsse für meine ganz individuelle Situation zu ziehen. Das Erläutern, das Beschreiben und Darlegen der Erkrankung, seiner Therapieoptionen und seiner Behandlungsmöglichkeiten, der psychosozialen Auswirkungen und der niederschwelligen Unterstützungsangebote, des Umgangs und der Perspektiven mit dieser Krankheit gehört zum wesentlichen Kern einer Selbsthilfegruppe. Dabei geht es in erster Linie darum, Hintergründe zu liefern, die die Fachleute nicht bieten können, nämlich Berichte aus dem alltäglichen Umgang mit einer Krise. Nicht um eine Konkurrenz zur Fachwelt, nicht um einen Ersatz für den Arztbesuch. Sondern um eine Ergänzung die sich auf völlig anderer Ebene, nämlich der der Betroffenen untereinander, abspielt. Erfahrene Gruppenmitglieder, die schon länger mit ihrer Lage leben müssen, sind geschult im Verständnis des Problems. Durch das Zuhören der neuen Teilnehmer kann ein Gewinn für beide Seite erwachsen: Das Erzählen hilft, andere Menschen an der eigenen Geschichte teilhaben zu lassen, daraus neues Selbstbewusstsein zu entwickeln und gleichzeitig expositorisch zu verarbeiten, was in anderem Rahmen schlechter ausgesprochen werden könnte. Und die, die sich von den „alten Hasen“ unterrichten lassen, erfahren erstmals, dass es da ja noch andere Menschen gibt, die in einer ähnlichen Situation stecken wie ich. Und sicherlich erhalten sie Details, die auch keine Suchmaschine oder ein Mediziner liefern würde, weil sie keine wissenschaftlichen Erkenntnisse sind, sondern erfahrungsspezifische Besonderheiten, zwischenmenschliche Unikate, die sich so im Netz nicht finden lassen würde.

Blickt man auf weitere Aufgaben dieser „Selbsthilfeszene“, kommt man nicht umhin, zu erkennen, dass sie gerade im Bereich der seelischen Erkrankungen lange Zeit wahrlich „boomte“. Das liegt wohl an der Tatsache, dass sicher jede Herausforderung in unserem persönlichen Alltag schlussendlich auch unsere Psyche berührt. Wir müssen verarbeiten und lernen, mit einer Prüfung umzugehen, die zeitweise, manches Mal aber auch unser gesamtes Leben, an unserer Seite bleibt, und uns nicht selten provoziert, an die Grenzen bringt, uns hilflos erscheinen, hadern und gar verzweifeln lässt. Eine Reaktion der Seele ist dabei ganz selbstverständlich und etwas, was vielen Anderen auch so geht. Gerade deshalb ist es auch hier wieder das Erkennen, dass wir nicht alleine sind mit unseren Fragen, sondern sie gemeinsam diskutieren können, Wissen und Erlebnisse von verschiedenen Gleichbetroffenen als Anregung nutzen und uns zusammen Wege der Psyche in ihrem Vorgehen vor Augen führen können, wenn sie das, was wir im Augenblick durchstehen, zu verarbeiten versucht – und weshalb sie an manchen Stellen streikt. „Rezepte“, um sie wieder zu beruhigen, gibt es in der Selbsthilfegruppe sicher nicht. Aber Unterstützung beim Verstehen des großen Labyrinths unserer Tiefen, Psychoedukation, das kann sie leisten. Denn Einige sind in den Wirren schon vorangekommen und können uns davon berichten.

Und genau dieses Erzählen ist ein Teil der sich in jeder Selbsthilfegruppe durch dynamische Prozesse meist von ganz allein entwickelnden Interaktion – auch von einem Moderator angestoßen und zurückhaltend begleitet. Die Bereitschaft zur Teilhabe und Teilgabe derjenigen, die eine solche Runde aufsuchen, ist eine wesentliche Bedingung für den gemeinsamen und persönlichen Erfolg. Niemand erwartet, dass jeder Teilnehmer von Beginn an und andauernd seinen Beitrag leistet. Das alleinie Wahrnehmen kann gleichermaßen ein wichtiger Baustein für die Arbeit der Gruppe sein, verdeutlicht es doch einen hohen Konzentrationsfaktor unter den Teilnehmern, die das aufnehmen, was nicht nur gut gemeint ist, sondern ein Modell für die eigene Situation sein kann. Dabei sind es nicht nur die Geschichten des Positiven, besonders auch die Darlegungen von Rückschlägen machen das Gespräch in einer Selbsthilfegruppe so authentisch. Denn der Solidargedanke ermutigt die Gruppe, in solchen Augenblicken mit Trost, Rat und dem Verweis darauf, dass nicht nur Hoffnung nötig, sondern die Bewältigung von dunklen Tälern mit ernstgemeinten Hilfen zur Orientierung in Therapie und Behandlung, auf gesundheitsfördernde und heilende Maßnahmen aus Eigeninitiative oder als Tipp zur bloßen Alltagsbewältigung möglich ist, einzugehen.

Denn gerade diese Eigenregie ist es, zu der die Selbsthilfe letztlich anregen soll. Selbst-Hilfe als ein Entwicklungsprozess von der Solidarität unter den Betroffenen hin zur Selbstständigkeit im Umgang mit meiner persönlichen Lebenssituation. Selbsthilfe lehrt also ganz bewusst, auf den eigenen Beinen zu stehen, ohne dabei aber auf den Rückhalt vieler Unterstützungsangebote und Anregungen verzichten zu müssen, die nicht bevormunden sollen, sondern befähigen, in einem Netz von Hilfen die passenden auszusuchen und sich damit auf den Weg zu begeben, Krankheit, Behinderung oder sozialer Not mithilfe meiner und bedarfsweise auch fremder Ressourcen zu begegnen. Wie solch ein Aufbruch letztlich aussehen kann, dafür liefern diejenigen in der Selbsthilfegruppe ein Beispiel, die bereits unterwegs sind auf dem Hürdenlauf. Anhand ihrer Rückmeldungen wird es für mich durch Reflektion möglich, Parallelen für meine eigene Situation zu erkennen und aus den Errungenschaften und den Misserfolgen die Schlüsse für meine Fahrt zu ziehen. Eine bloße Übernahme der Gedanken genügt meist nicht, dazu sind die Probleme zu individuell. Doch die Ansätze gleichen sich bereits aus dem einfachen Umstand heraus, dass die Ausgangslage analog ist. Denn Erkrankungen und Krisen haben oftmals doch ähnliche Muster, sprechen nicht selten auf dieselben Therapien an und werfen meistens dabei die gleichen Fragen auf, wenn es um den Alltag, die Behandlung und die Perspektiven geht. Dass Andere es auch schaffen, das erzeugt Mut und gibt Kraft, körperliche und seelische Qualen als nicht gottgegeben anzunehmen, sondern sich ihnen zu stellen.

Doch kann Selbsthilfe in Zeiten von Wissensdatenbanken, Foren und Apps all das überhaupt noch leisten? Trauen wir ihnen mehr als einem menschlichen Gegenüber, das mir Fakten nicht nur auf den Bildschirm legt, sondern dazu auch Emotionen zeigt, auf Fragen nicht nur objektiv, sondern eben individuell eingeht und mir seine Geschichte erläutert, während Andere auf meine Stimmung reagieren und mir Feedback geben können? Es geht vor allem darum, nicht nur meine Krankheit zu verstehen, sondern das, was sie in mir auszulösen vermag, mit Anderen zu teilen. Die Gefühle, die mich belasten, wird niemand so gut verstehen wie der, der dieselbe Diagnose erhalten hat. Und niemand sonst kennt die Vorwürfe gegenüber mir selbst so genau, wie jener, der sie sich auch macht. Er fängt mich am besten auf, wenn ich neben ihm sitze, nicht vor dem Bildschirm. Daher bleibt die Selbsthilfegruppe auch heute noch das Werkzeug erster Wahl, wenn es um die ehrenamtliche Unterstützung von Menschen untereinander in gleichen Lebenslagen geht…

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Wie glaubwürdig ist Hankas Verhalten?“, 19.01.2017, „BUNTE“

Wir kennen Hanka Rackwitz kaum – und doch wurde die Fernsehnation zu wahren Hobby-Psychologen, als die „Verrückte“, wie sie sich selbst verkauft hatte und bereits im Vorfeld oftmals bezeichnet worden war, den Weg auf den australischen Kontinent suchte, um mit anderen „Promis“ die Prüfungen zu bestehen, die die Zuschauer begeistert verfolgten, und letztendlich einen Nachfolger von Desirée Nick, Maren Gilzer oder Joey Heindle wählten. Viele warfen ihr vor, sie spiele ihre Zwänge nur. Und so deutete man in den Wohnzimmern jede Bewegung von Rackwitz, studierte ihre Interviews noch vor Einzug ins Camp und befragte manch ein Online-Lexikon danach, was denn eine „Zwangsstörung“ überhaupt sei. Denn schlussendlich trifft man solch eine Situation nur selten an, in der sich eine mehr oder weniger bekannte Persönlichkeit mit ihren seelischen Problemen der breiten Öffentlichkeit stellt. Und so waren Häme und Spott dem Respekt und der Anerkennung gegenübergestellt, neugierig schienen alle – und gewisse Personengruppen zitterten vor einer völligen Fehldarstellung der Erkrankung bis hin zu einer absoluten Verharmlosung oder Übertreibung eines Störungsbildes, das die Meisten mit „Händewaschen“ oder „Ritzen zählen“ assoziieren dürften. Schließlich wurde das, was sich rund um das „Dschungel-Camp“ 2017 abgespielt hat, ein Einblick in Vorurteile, mit denen Menschen mit einer Zwangserkrankung umgehen müssen. Aber auch in die Prozesse hinein, wie solche Meinungen entstehen und vielleicht gar noch in falsche Richtungen gelenkt und damit schaden können.

Nachdem ich selbst seit knapp 20 Jahren mit einer Zwangskrankheit beladen bin, wirkten die Verhaltensweisen von Hanka Rackwitz auf mich nicht sonderlich gespielt. Gleichermaßen irritierte mich ihr Vorgehen. Der Genuss von tierischen Genitalien als Konfrontationstherapie gegen das Putzen und Ordnen? Ich gebe zu: Im Gegensatz zur Wissenschaft war ich noch nie ein Freund von Expositionen, vom Therapieansatz, Zwänge durch das gezielte Auseinandersetzen mit den Angst auslösenden Situationen provozierend und überwindend bewältigen und gleichsam auch beherrschen zu wollen. Dafür sind Zwänge für mich zu komplex, als dass ich ihnen alleine durch eine Symptombehandlung begegnen möchte. Doch meine Sicht ist hier nicht repräsentativ, daher mag Rackwitz mit ihrer Entscheidung durchaus Anhänger finden. Viel eher störte mich der inszeniert wirkende und – erwartungsgemäß – medial ausgenutzte Gang in Richtung Australien. Er war es, der unnatürlich daher kam. Als öffentlichkeitswirksamer Versuch, durch größtmögliche Aufmerksamkeit den Blick nicht nur auf sich, sondern auch auf eine Erkrankung zu lenken, die durchaus einen Fokus braucht, war Rackwitz‘ Vorgehen eher unglücklich gewählt. Denn sie erwies der Zwangsstörung und vielen Betroffenen einen Bärendienst: Letztlich war es nämlich nicht nur ein Einblick in die Krankheit, sondern ein im falschen Rahmen inszeniert daherkommendes Präsentieren einer Dramatik, der es an Authentizität fehlte.

Was mich stutzig werden ließ, waren die raschen Erfolge von Hanka Rackwitz. Zweifelsohne wirkt das „Flooding“ rasch, also die massierte Spiegelung des eigenen Verhaltens an den Reizen wie potenziellen „Bakterien“, „Keimen“ oder quer gelegten Bleistiften. Doch dass innerhalb von Tagen nicht nur eine Stimmung derartig umschlägt, sondern auch Zwänge schwächer zu werden scheinen, die nach Angaben von Rackwitz zuvor ihren Alltag ausgestalteten, das überraschte doch. Zwar kann das neue Umfeld einen bedeutenden Einfluss gehabt haben, Stresssituationen sind aber eigentlich eher für eine Verstärkung des Zwangsverhaltens bekannt. So mögen Patienten vielleicht falsche Hoffnungen entwickelt haben über den Fortgang ihrer eigenen Erkrankung – ohne abschließend klären zu können, was bei Hanka Rackwitz letztendlich „echt“ war und vielleicht eben nur „schauspielend“ gewesen ist. Denn nicht umsonst sprechen viele Betroffene von lebenslangen Begleitern, wenn sie ihre Zwänge einschätzen. Das müssen sie nicht sein – und vor allem nicht derart ausgeprägt, dass sie dauerhaft die Genussfähigkeit im Dasein einschränken. Und doch mag dann ein Tenor der raschen Linderung im Urwald nicht die passende und vor allem auch nicht ehrliche Antwort auf die Qual sein, die mittlerweile mehrere Millionen Deutsche in unterschiedlichem Ausmaß mit sich schleppen.

Was zu kurz kam, das waren die Hintergründe einer solchen Störung. Manch einer verniedlichte die Probleme von Hanka Rackwitz als „Tics“. Dabei sind Zwänge mehr als ein paar Marotten, die sich ab und zu einmal zu Wort melden. Eine Zwangserkrankung nimmt Lebenszeit, als Erkrankte haben wir aber in vielen Momenten der Betroffenheit nur mehr oder weniger die volle Macht, über sie mitzubestimmen. Aus Unwissenheit ließen Andere aus der „Neurose“ der Zwänge eine „Psychose“ werden – was sie eben gerade nicht ist. Zwar sind die Grenzen in wenigen Fällen fließend, sicher aber nicht bei Rackwitz‘ Waschen und Reinigen. Denn eigentlich sind Menschen mit Zwängen von ihrem Handeln nicht überzeugt, sie zweifeln in alle Richtungen. Das ist der Kern der Erkrankung. Und so lange sie keine Gewissheit haben, ihr Tun sei richtig und sinnvoll, so lange sind sie davon entfernt, in eine wahnhafte Welt abzudriften – und entsprechend als „Schizophrene“ stigmatisiert zu werden. Auch half die Biografie von Rackwitz nicht weiter, ihre Emotionen wirkten durch die „Scheinwerfer-Situation“ nicht selten aufgesetzt. Ihre Teilnahme am „Dschungelcamp“ schien ein Ausdruck einer großen Hilflosigkeit. Und das vereint sie mit den vielen anderen Betroffenen. Daraus aber abzuleiten, dass ein kulinarischer, geografischer und kultureller Schock das richtige Mittel für die Bekämpfung der eigenen Zwänge ist, wäre fahrlässig. Denn die Therapieauswahl muss individuell geschehen, hängt maßgeblich auch von möglichen Ursachen, systemischen oder psychodynamischen Faktoren ab. Wenn aber die Botschaft von Hanka Rackwitz ausgegangen sein sollte, überhaupt aufzustehen und das Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen, statt es von einem unsichtbaren Gegenüber bestimmen zu lassen, dann hat sich ihr Engagement gelohnt…

[Dennis Riehle]

Leserreaktion zu
„Psychiatrie tritt auf der Stelle“, „ÄrzteZeitung“, 28. Dezember 2016 (http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/926708/60-jahre-stillstand-psychiatrische-therapie-tritt-stelle.html)

Ist die Psychiatrie in den letzten Jahrzehnten in ihren Ansätzen von Behandlung und Therapie nicht weitergekommen? Das meint zumindest aktuell die „ÄrzteZeitung“ in einem Kommentar – und bezieht sich mit ihrer Meinung auf die Ergebnisse des Jahreskongresses der „Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychosomatik, Psychotherapie und Nervenheilkunde“ (DGPPN) in 2016. Demnach sei es nicht gelungen, über die bereits seit langem angewendeten Wirkstoffgruppen hinaus passende Medikamente für Patienten zu finden, die mit den „neuen“ und „alten“ Psychopharmaka nicht vorankämen. Keine medizinische Disziplin trete derartig auf der Stelle wie die Psychiatrie, so der Tenor des Autors.

Schon allein dieser Vergleich scheint unpassend. Ja, auch die Psychiatrie gehört zu den medizinischen Fachrichtungen. Doch kann man sie wirklich der Orthopädie, der Hals-Nasen-Ohren – Heilkunde oder der Gynäkologie gegenüberstellen? In keinem Bereich der Medizin scheinen die praktizierenden Ärzte mit derartig vielen unsichtbaren Zusammenhängen konfrontiert wie bei der Behandlung von psychiatrischen Leiden. Nicht nur Hirnprozesse, endokrines Geschehen, neurologische Einflüsse und internistische Schwankungen spielen eine Rolle, sondern vor allem das Unsichtbare der Seele. Denn die Psychiatrie kommt heute nicht mehr ohne psychotherapeutische Betrachtung aus – ein enormer Fortschritt im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten. Sie versteht den Menschen – im Gegensatz zu manch anderer Fachrichtung – nicht allein als ein biologisches Objekt, das empirisch auf Behandlungen reagiert. Im Dogma ist sie damit den meisten medizinischen Disziplinen voraus.

Dass die Medikamente weiterhin auf die bekannten Wirkstoffklassen beschränkt bleiben und insbesondere Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer als wichtigste Antidepressiva neben den modernen Neuroleptika nicht all den Patienten helfen können, das liegt letztlich ganz in der Natur der Sache. Denn trotz einer großen Vielfalt an Arzneimitteln dieser Gruppen ist nicht nur das Ansprechen auf die individuelle Symptomatik, die bei Krankheiten außerhalb des psychiatrischen Spektrums nie derartig zielgenau angegangen werden muss wie eben den Psychosen, Depressionen oder auch Persönlichkeitsstörungen, sondern auch die Nebenwirkungsrate weiterhin so komplex, dass man sich mit einem Wettbewerb um den fortschrittlichsten Fachbereich der Medizin schwer tut, wenn die Ausgangslage für ihre denkbaren Erfolge dann doch so unterschiedlich scheint.

Es ist der Psychiatrie recht unfair gegenüber, sie als eine Disziplin im absoluten Stillstand wahrzunehmen. In keiner waren die Reformen derart enorm, von der Hilflosigkeit der Zwangsmaßnahmen über das bloße Austesten von willkürlichen Substanzen zu einer in den Wechselwirkungen überschaubar gewordenen, für viele Patienten über Jahre große Erleichterungen bringenden und symptomatisch lindernden Behandlung, die abwägt und keinesfalls eindimensional bleibt. Der Anspruch, die Psychiatrie möge heilen, möge ursächliche Therapien bieten, um die Abhängigkeit von einer pharmakologischen Dauerbehandlung abzulösen durch eine schonendere, die Stoffwechselprozesse des Gehirns noch stärker berücksichtigende Begleitung, ist berechtigt, aber auch halbherzig. Zweifelsohne stößt die Psychiatrie auch heute noch an ihre Grenzen. Doch kaum eine Disziplin wird gleichsam derart stiefmütterlich behandelt wie sie.

Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Medizin selbst fristet sie noch immer in ihrem Mauseloch unter verschiedensten Vorurteilen, wird nicht ernst genommen und manches Mal auch als überflüssig betrachtet. Wenn sich solch eine Einstellung auch auf die Forschung übertragen sollte, erklärt sich eine gewisse Stagnation im weiteren Vorankommen der Psychiatrie. Faktisch ist sie aber nicht allein auf eine nicht wachsende Bandbreite an Medikamenten aus den bekannten Kategorien angewiesen. In der Selbsthilfearbeit bin ich eher überrascht darüber, wie vielseitig die Psychiater heute Diagnostik betreiben – und damit Ursprünge psychiatrischer Krankheiten finden, die über lange Zeit unbeachtet blieben. Ob die Testung der Funktion endokriner Drüsen, Blutuntersuchungen auf Vitamine und Hormone, aber auch die Klärung möglicher humangenetischer oder immunologischer Ursachen – all das gehört bei den meisten Psychiatern heute neben bildgebenden Verfahren, radiologisch-interventionellen Methoden und einem neuropsychiatrischen Konsil zur Vielfalt von Erkennung und Behandlung.

Gemeinsam mit der Psychotherapie, die sich ebenfalls gerade in diesem Jahrzehnt wieder weiterentwickelt, ist durch die Psychiatrie vielen Betroffenen zumindest eine Remission ihrer Beschwerden zuteil geworden. Aus eigenem Antrieb heraus erlebe ich Mediziner, die nicht nur Pharmakotherapie bis zuletzt ausreizen, um Menschen zu helfen, sondern interdisziplinär arbeiten. Dass dabei manches Mal noch immer die alleine Ruhigstellung als das einzige Mittel zur Unterdrückung von Symptomen in Frage kommt, ist kein befriedigender Zustand. Das weiß auch die Zunft selbst. Und trotzdem macht man es sich zu leicht, die Psychiatrie selbst mit all ihren Mitwirkenden als auf dem Stand tretenden Fachbereich zu deklassifizieren. Viel eher erwarte ich den Einsatz dafür, dass die Disziplin weiter aus ihrem Schattendasein geholt wird, finanzielle und personelle Anerkennung für die weitere Erforschung neuer Behandlungsansätze erhält und ihrem Wandel in den vergangenen Jahrzehnten eine Wertschätzung zugesprochen wird, den besonders jene zu würdigen wissen, die als Patienten erstmals mit einer gewaltfreien Psychiatrie aufwuchsen…

[Dennis Riehle]

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Gastkommentar

Vor über zehn Jahren begann ich mit meinem ehrenamtlichen Engagement in der Selbsthilfe. Eigentlich ist ein solcher Zeitraum in einer gefühlt immer schnelleren Entwicklung kaum eine große Distanz. Doch wenn ich dieser Tage eine Bestandsaufnahme vornehme über das, was sich in der Bewegung getan hat, die nicht erst seit den 1960er-Jahren durch die Zusammenkunft von Menschen in ähnlichen Lebenssituationen einen besonderen Stellenwert in der niederschwelligen Selbstverantwortung für die persönlichen Probleme eingenommen hat, bin ich ernüchtert. Von Jahr zu Jahr gestaltete es sich schwieriger, diejenigen für die Selbsthilfe zu begeistern, die noch kurze Zeit davor von der Kraft der Selbsthilfearbeit schwärmten. Die Epoche einer zunehmenden Individualisierung hatte sich nicht nur in der Gesellschaft spürbar breit gemacht. Auch die Idee, dass der Austausch über die eigenen Tiefen und besonders die Erfolge ein wechselseitiges Profitieren ist, war offenbar verkümmert. Denn nicht selten hörte ich doch plötzlich diesen Standpunkt aus Egoismus, vielleicht aber auch Angst: „Was soll ich mich da hinsetzen, damit die anderen was davon haben und ich dennoch nichts mitnehmen kann!“.

Aber nicht nur die Fokussierung auf die eigenen Gewinne haben der Selbsthilfe schwer zugesetzt. Der Vormarsch an digitalen Kontakten macht zunichte, was über Jahrzehnte in freiwilliger Arbeit von vielen Betroffenen und Angehörigen errichtet wurde. Heute trifft man sich nicht mehr persönlich, in dem mit vielen Vorurteilen besetzten und in den Köpfen der Allgemeinheit weiterhin omnipräsenten Stuhlkreis. Auch immer mehr Selbsthilfeorganisationen bieten stattdessen die virtuelle Selbsthilfegruppe an. Im Videochat tauscht man sich scheinbar ebenso gut aus wie dort, wo man früher noch Auge in Auge miteinander sprechen, auf Körperhaltungen eingehen, Emotionen spüren und auf Gefühle des Anderen adäquat eingehen konnte. Für eine Gruppe wie meine, in der auch Soziale Phobien das Thema waren, ist solch eine Entwicklung der wahrhaftige Dolchstoß. Denn waren wir nicht genau dafür angetreten? Dafür, die Menschen aus ihren vier Wänden wieder zurück in die Realität zu holen? Zunächst über den Weg des bewusst geschützt gewählten Außenrahmens einer Gruppe, die an Orten zusammenkommt, an denen es anonymisiert machbar war, später dann auch mit gemeinsamen Ausflügen in die Welt dieses für viele Erkrankte so beängstigenden pulsierenden Lebens? Dabei ist dieser Prozess, sich wieder verstärkt in die Privatsphäre zurückzuziehen, mit dem Trend zur Entsolidarisierung problemlos in Verbindung zu setzen.

Die eigenen Sorgen haben stetigen Vorrang – dieser Gedanke zeigt auch, dass die Szene trotz umfangreicher Aufklärungsarbeit noch immer nicht vermitteln konnte, dass Selbst-Hilfe nur bedingt etwas mit der Überlegung gemein hat, die sprichwörtlich in „Hilf‘ dir selbst, dann hilft die Gott“ ihren Ausdruck findet. Mit Gleichbetroffenen die Erfahrungen auszutauschen, das tut nicht nur deshalb gut, weil man ein Gespür dafür bekommt, wie heilsam eigentlich die Hilfe für den Anderen ist. Vielmehr wird derjenige, dem man sich zu öffnen bereit ist, ebenso mit seinen Aufs und Abs im eigenen Leben eine Unterstützung, hat er doch vielleicht das erlebt, was auch mir in meiner Situation eine Linderung bringen könnte. Diese Philosophie scheint zu wenig vermittelt worden zu sein, wenn es nun darum geht, es sich auf der Couch daheim gemütlich zu machen und dort darauf zu warten, dass die Hilfe durch den Laptop kommen möge – um gleichzeitig noch darauf abzuzielen, dass dabei ausschließlich der persönliche Nutzen herausspringt. Wie sehr sich ängstliche Symptome, die bei nahezu jeder Krankheit in irgendeiner Art und Weise eine Rolle spielen, durch eine solche Haltung verfestigen, musste ich bei mehreren Betroffenen miterleben, die sich bei mir nach einer Gruppe erkundigten, dann jedoch nie bei einem Treffen aufgetaucht sind – und stattdessen in regelmäßigen Abständen erneut ihre Mails schickten und letztlich attestierten, dass sie sich mittlerweile gar nicht mehr vor die Türe trauten. Und das, zu ihrem großen Erstaunen, obwohl sie doch wöchentlich an einer Chat-Gruppe teilnahmen. Eine Moderation gab es nicht – und so endeten die dortigen Gespräche entweder beim „geilsten“ Burger einer großen „Fast Food“-Kette oder im selbstmitleidigen Tränensee, den über die Kamera niemand so wirklich trocknen kann.

Kann der Leidensdruck wirklich groß sein, wenn man mit seiner Erkrankung so lax umgeht? Wahrscheinlich ist es eher die Hilflosigkeit vieler Menschen, wie sie mit den Umwälzungen der Moderne verfahren sollten. Nicht anders kann ich mir auch die Ergebnisse aus Befragungen erklären, die ich über einige Monate vorgenommen habe, nachdem ich bei meinen Gruppentreffen trotz einer ständigen Nachfrage plötzlich alleine dasaß – und durchaus an meinem Engagement zweifelte. Bei 34 Mail- und Telefonkontakten innerhalb von vier Wochen, von denen sich 27 nach einer Selbsthilfegruppe zunächst erkundigten, dann aber doch zu zögern begannen, als es um eine konkrete Teilnahme gehen sollte, fragten schlussendlich immerhin 21, ob es denn nicht auch online ein Angebot gebe, das man in Anspruch nehmen könne. Auf den Einwand, warum man nicht an einem persönlichen Treffen interessiert sei, waren immerhin 13 ehrlich und gaben an, dass sie nicht zuverlässig seien, um regelmäßig zu einer Zusammenkunft zu kommen. Von allen Kontaktsuchenden meinten nach einer Information darüber, was eigentlich eine Selbsthilfegruppe sei, doch 23: „Was habe ich davon, wenn ich da dabei bin?“. Und 29 stellen am Ende fest, dass sie eigentlich nur eine Frage hätten – um dann aber doch anzufügen, ob sie denn nochmals anrufen oder schreiben könnten. Selbsthilfe – und vor allem ihre Ehrenamtlichen begeben sich durch solche Standpunkte zunehmend in die Situation des Gemischtwarenladens, eine Dienstleistung, die mit der eigentlichen Ideen eines wirklichen „Gebens und Nehmens“ nicht mehr allzu viele Gemeinsamkeiten hat.

Eine Tendenz ist dagegen klar: Das Bedürfnis nach einer individuellen – aber eben nicht mehr kollektiven – Stütze wird in einem Miteinander des fortdauernden Rückzugs immer größer. Verzeichnete ich vor einigen Jahren pro Jahr noch 200 Kontakte, sind es heute mehr als 500. Da wird aus einem Selbsthilfegruppenleiter ein Zuhörer, ein Wegweiser und ein Hoffnungsträger, der über Kommunikationsmittel die Resultate einer Entwicklung auffangen muss, die er eigens nie gewollt hat. Und doch fühle auch ich mich machtlos, wenn es darum geht, wie sich die Selbsthilfe heute selbst helfen kann. Natürlich versuchen wir, mit der Zeit zu gehen und auch das auszuprobieren, was uns in der Dynamik eines transhumanistischen Denkens an Chancen, aber eben auch an Risiko aufgebrummt wird. Da entstehen interaktive Webseiten und ansprechende „Tools“ für die jungen Menschen, da werden „Apps“ bereitgestellt, die die Seele trösten sollen, „QR-Codes“ auf Plakaten wie in der Unternehmenswerbung oder das Forum, das die Nöte genauso ernst nehmen soll wie eben der Freund oder der Partner. Bei aller Entpersonalisierung wird deutlich: Ist die Selbsthilfe tatsächlich mit dieser Vision über unsere Gegenwart und unsere Zukunft kompatibel? Ist sie nicht auch ein Opfer des Verlustes an Empathie, an Menschlichkeit und wachsender Einsamkeit? Und muss sie hinnehmen, dass solche Tatsachen nun geschaffen wurden – oder ist sie nicht sogar verpflichtet dazu, diese Veränderung kritisch zu betrachten?

Sie war besonders stark in Zeiten um 1968. Sie kennt also Umbrüche und weiß, wie es gerade in derartigen Augenblicken einer reflektierten Kraft bedarf. Denn sie ist wahrlich nicht nur mit Ideologien beschäftigt, sondern auch mit pragmatischen Problemen. In meiner Arbeit wird mir stets neu deutlich, wie sehr sich an der Selbsthilfe auch ein Zeitgeist widerspiegelt, den die Politik kreiert: Da fange ich auf, was im Gesundheitswesen immer schiefer läuft. Die wenigen Minuten beim Therapeuten, die nicht reichen, um zumindest das Grundproblem näher zu erklären. Die monatelangen Wartezeiten bis zu einem Termin beim Facharzt. Der Hausarzt, der eigentlich glücklich ist, am Wochenende das Handy klingeln zu lassen. Oder die frühzeitige Entlassung aus der Klinik, weil die Pauschale doch schon verbraucht ist. Im Zweifel sind es wieder diese Freiwilligen, die ihre Ohren öffnen, wenn die öffentliche Daseinsvorsorge nicht mehr lauscht. Das soll Ehrenamt eigentlich nicht sein – und doch fehlt es auch der Selbsthilfe heute an einem gesunden Bewusstsein. Sie muss sich wahrlich nicht unter ihrem Wert verkaufen. Vielleicht ist das die Lehre aus einer spürbaren Zäsur einer Bewegung, die nicht umsonst auf Traditionen setzen darf. Nein, wir brauchen keine Bemutterung und auch keine Versuche, die Selbsthilfe wiederzubeleben. Viel eher sollten wir uns auf unsere Kernkompetenz besinnen: Die Hilfe für uns, aber viel eher auch für Andere. Denn daraus ziehen wir – und eben nicht der Einzelne – unseren kräftigsten Nutzen. Wo es denn geht, natürlich am besten in der Gruppe und mit leibhaftigen Teilnehmern. Und daneben immer dort, wo wir diesem Ideal letztlich noch am allernächsten kommen…

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung
Selbsthilfegruppe ermutigt zur Weltwoche der Seelischen Gesundheit

Konstanz. Die Selbsthilfegruppe für Zwänge, Phobien, psychosomatische Erkrankungen und Depressionen im Landkreis Konstanz blickt zur Weltwoche der seelischen Gesundheit auf aktuelle Herausforderungen für alle Akteure, die sich um die Belange von Menschen mit psychischen Leiden kümmern. Ihr Leiter, Dennis Riehle, sieht vor allem die Verantwortung gegenüber den Traumata der Asylsuchenden als zentrale Aufgabe, die momentan die Helfenden befasst.

„In diesem Jahr richten wir unser Augenmerk besonders auf die Menschen, die aus Krisengebieten zu uns geflüchtet sind. Sie tragen nicht selten einen für uns nicht fassbaren Ballast auf ihrer Seele. Auch die Selbsthilfeangebote sind Anlaufstelle, wenn es darum geht, eine niederschwellige Unterstützung zu leisten und dabei zu helfen, die passenden Versorgungsstrukturen zu suchen. Wir hoffen, dass die kürzlich in ihrem Nutzen bestärkte ‚Systemische Therapie‘ alsbald zur Kassenleistung wird, denn sie kann besonders dieser Personengruppe wirkliche Chancen auf Linderung der seelischen Nöte bringen“, so Riehle.

„Nicht nur Flüchtlinge profitieren daneben von neuen Lotsenfunktionen, wie sie in Baden-Württemberg die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestellen (IBB) in Psychiatrie und Psychotherapie besitzen. Durch die gemischte Besetzung, auch mit Betroffenen, sind die eine wichtige Ergänzung, die Aufmerksamkeit bedarf. Und auch die zunehmende Bedeutung der Sozial- und Gemeindepsychiatrischen Dienste mitsamt dem Ausbau ihrer Strukturen ist für Menschen mit seelischen Problemen eine gute Entwicklung, die es positiv hervorzuheben gilt“.

Der Gruppenleiter sieht allerdings noch ganz andere gesellschaftliche Probleme: „Sorge bereiten uns die zunehmenden Abhängigkeiten durch das mediale und vor allem digitale Zeitalter. Das Verhalten nicht nur von jungen Menschen hat mittlerweile einen Suchtcharakter erreicht, der für die seelische Gesundheit nicht förderlich sein kann. Der Anstieg an Anfragen von Eltern, die ihre Kinder kaum noch vom ‚Smartphone‘ trennen können, beunruhigt dabei besonders. Denn die soziale Isolation ist nicht selten Ausgangspunkt für einen Rückzug in eine Parallelwelt, die Meldungen über depressive Kinder ist erschreckend hoch“.

Allerdings gibt es laut Riehle auch ermutigende Perspektiven: „Nach den Querelen um das Entgelt für die Leistungen der stationären psychiatrischen Pflege und Versorgung scheinen sich Verbesserungen abzuzeichnen, die insgesamt hoffen lassen, dass der Arbeit der dort Tätigen endlich der nötige Respekt zugeht und die Patienten nicht noch stärker zu ‚Fällen‘ werden, sondern in ihrer individuellen Problematik gewürdigt werden können. Gleichwohl dürfen wir nicht allein die prekäre Situation der wachsenden Zahl an Betroffenen verwalten, sondern müssen Ursachen bekämpfen. Und dabei spielt unsere veränderte Philosophie von Egoismus, Leistung und Schnelllebigkeit eine Rolle, die krankt macht. Insofern beginnen die Maßnahmen bereis bei einem adäquaten Betrieblichen Gesundheitsmanagement, das seinen Fokus auch auf ein Gleichgewicht aus Körper und Seele legt, gleichsam aber auch in der Sensibilisierung und Aufklärung über psychische Erkrankungen und Maßnahmen der Vorsorge, am besten bereits in den Schulen“, so der selbst Betroffene 31-Jährige.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Seit 1. Oktober haben Patienten, die mindestens drei verordnete Arzneimittelmittel erhalten, einen Anspruch auf einen Medikationsplan. Diese bundesweit einheitlich und standardisiert beim behandelnden Arzt erhältliche Auflistung wird dann auf Wunsch mit allen verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Medikamenten eines Versicherten versehen und dient als Überblick für die Einnahme, aber auch als Hilfestellung, um unerwünschte Wirkungen einzelner Präparate besser aufdecken zu können. Zudem soll die Steuerung der Medikamentenverordnung erleichtert werden, um gleichzeitig Medikationsfehler zu verhindern. Sowohl Haus-, aber auch Fachärzte und Apotheken sollen den Plan ändern können, neben Wirkstoff und Medikamentenname werden Dosierung, Anwendungszeitpunkte und Einnahmegrund erfasst. Zunächst wird der Plan auf Papier gedruckt und regelmäßig aktualisiert, später soll er dann auf der elektronischen Versichertenkarte der Patienten gespeichert sein.

Die Selbsthilfegruppe zu Zwängen, Phobien, psychosomatischen Störungen und Depressionen im Landkreis Konstanz ermutigt die Patienten, vom Recht auf Aushändigung eines Medikamentenplanes Gebrauch zu machen. Leiter Dennis Riehle zeigt sich überzeugt, dass gerade bei drei Arzneimitteln und mehr für den Patienten schnell die Übersicht verloren gehen kann: „Dann hilft es, wenn man eine Übersicht in den Händen hält, an der man sich orientieren soll. Immerhin geht es bei Medikamenten darum, sich an Vorgaben zu halten, um den gewünschten Erfolg für die Gesundheit erzielen zu können. Es ist daher nicht nur für ältere Menschen eine Unterstützung, wenn sie bei der verantwortungsvollen Aufgabe der Medikamenteneinnahme eine Erinnerungshilfe haben“. Bezüglich der Angst vor einer möglichen Entmündigung von Patienten durch einen solchen Plan entgegnet Riehle, dass die Übersicht eher eine Stärkung des Einzelnen sei, immerhin habe er auch die freie Wahl, solch eine Auflistung überhaupt zu beanspruchen. Datenschutzrechtliche Bedenken sieht der Gruppenleiter ebenso nicht: „Da vertraue ich darauf, dass die Angaben später einmal auf der Gesundheitskarte gut platziert sind – und schlussendlich nur die Arztpraxis Zugriff erhält“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Die Selbsthilfegruppe zu Zwangsstörungen und Depressionen im Landkreis Konstanz warnt vor einer zunehmenden Anzahl an Abhängigen von mobilen Endgeräten. Wie der Leiter der Gruppe, Dennis Riehle, berichtet, würden immer mehr besorgte Anrufe und Mails von Angehörigen eingehen, die sich über das Suchtpotenzial des Verhaltens ihrer Nächsten erkundigen würden: „Es besteht eine berechtigte Angst, dass nach Alkohol, Drogen und Computerspielen nun vermehrt das Smartphone zum Suchtmittel in unserer Zeit wird“, so Riehle.

„Viele Angehörige, selten auch Betroffene, melden sich bei der Gruppe, weil sie hoffen, dass ihre Abhängigkeit lediglich ein Tic, vielleicht ein Zwang ist. Dafür fehlt einerseits aber eine Ich-Dystonie, also die Einsicht, sich nicht mit dem Verhalten zu identifizieren. Auch erfüllt der Smartphone-Gebrauch eine andere Funktion in der Persönlichkeit des Betroffenen als bei einer zwanghaften Genese“, erklärt der Gruppenleiter, der deshalb in vielen Fällen an die Suchtberatungen verweist. „Ob die Angehörigen sich dort tatsächlich Hilfe für den Umgang mit ihren Lieben einholen, weiß ich nicht. Das Schamgefühl ist besonders hoch, da jegliche Sucht noch stärker verpönt ist als eine zwanghafte Störung“.

Viele der Personen, die kaum noch von ihren Geräten wegkommen, zeigen nach Meinung von Riehle erhebliche Abhängigkeitspotenziale. Diese lägen nicht nur in der zeitlichen Beschäftigung mit dem Suchtmittel, sondern insbesondere auch in der gedanklichen Verschmelzung mit den dortigen Inhalten – wie beim momentanen Hype um „Pokémon Go“. Ein Realitätsverlust gegenüber der Außenwelt ist ebenso ein Anzeichen wie das emotionale Verhalten, wenn das Smartphone ausgestellt werden müsste. „Mit der Zeit entwickelt sich eine soziale Vereinsamung, die wiederum in die Depression führen kann. In einem solchen Falle wären die Betroffenen bei uns wiederum richtig“, meint Riehle abschließend.

Betroffene und Angehörige können sich bei Verdacht auf ein auffälliges Verhalten bei der Selbsthilfegruppe Zwänge und Depressionen melden und werden im Zweifel an die passende Stelle verwiesen. Kontakt vorzugsweise per Mail: info@zwang-phobie-depression.de, alternativ Tel.: 07531/955401 (AB).

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Die Selbsthilfegruppe zu Zwangsstörungen und Depressionen im Landkreis Konstanz warnt vor einer zunehmenden Anzahl an Abhängigen von mobilen Endgeräten. Wie der Leiter der Gruppe, Dennis Riehle, berichtet, würden immer mehr besorgte Anrufe und Mails von Angehörigen eingehen, die sich über das Suchtpotenzial des Verhaltens ihrer Nächsten erkundigen würden: „Es besteht eine berechtigte Angst, dass nach Alkohol, Drogen und Computerspielen nun vermehrt das Smartphone zum Suchtmittel in unserer Zeit wird“, so Riehle.

„Viele Angehörige, selten auch Betroffene, melden sich bei der Gruppe, weil sie hoffen, dass ihre Abhängigkeit lediglich ein Tic, vielleicht ein Zwang ist. Dafür fehlt einerseits aber eine Ich-Dystonie, also die Einsicht, sich nicht mit dem Verhalten zu identifizieren. Auch erfüllt der Smartphone-Gebrauch eine andere Funktion in der Persönlichkeit des Betroffenen als bei einer zwanghaften Genese“, erklärt der Gruppenleiter, der deshalb in vielen Fällen an die Suchtberatungen verweist. „Ob die Angehörigen sich dort tatsächlich Hilfe für den Umgang mit ihren Lieben einholen, weiß ich nicht. Das Schamgefühl ist besonders hoch, da jegliche Sucht noch stärker verpönt ist als eine zwanghafte Störung“.

Viele der Personen, die kaum noch von ihren Geräten wegkommen, zeigen nach Meinung von Riehle erhebliche Abhängigkeitspotenziale. Diese lägen nicht nur in der zeitlichen Beschäftigung mit dem Suchtmittel, sondern insbesondere auch in der gedanklichen Verschmelzung mit den dortigen Inhalten – wie beim momentanen Hype um „Pokémon Go“. Ein Realitätsverlust gegenüber der Außenwelt ist ebenso ein Anzeichen wie das emotionale Verhalten, wenn das Smartphone ausgestellt werden müsste. „Mit der Zeit entwickelt sich eine soziale Vereinsamung, die wiederum in die Depression führen kann. In einem solchen Falle wären die Betroffenen bei uns wiederum richtig“, meint Riehle abschließend.

Betroffene und Angehörige können sich bei Verdacht auf ein auffälliges Verhalten bei der Selbsthilfegruppe Zwänge und Depressionen melden und werden im Zweifel an die passende Stelle verwiesen. Kontakt vorzugsweise per Mail: info@zwang-phobie-depression.de, alternativ Tel.: 07531/955401 (AB).

[Dennis Riehle]

Eigentlich war ich wegen etwas ganz Anderem beim Gastroenterologen vorstellig geworden: Die auffallend hohen Leberwerte, ein diffuser Druckschmerz im Oberbauch rechts und eine zunehmende Abgeschlagenheit führten mich zu ihm, nachdem bereits im Ultraschall eine deutliche Hepatomegalie (Lebervergrößerung) entdeckt worden war. Doch die erneue Sonografie ließ all das eher uninteressant werden. Denn plötzlich war dort eine Läsion (Schädigung) zu finden, im IV. Lebersegment, nur wenige Zentimeter groß. Echoarm, aber abgerundet. In einer ohnehin vorgesehenen Punktion wurde nun gleich auch eine Gewebeprobe aus dem Herd entnommen, denn radiologisch war keine abschließende Aussage im CT zu treffen. Lange Tage des Zitterns gingen dahin, die Verdachtsdiagnose des Hepatozellulären Karzinoms war in ihrer Abkürzung „HCC“ in mein Gedächtnis gebrannt.

Zunächst konnte auch die pathologische Beurteilung kein Ergebnis liefern. Die Histologie (Gewebsuntersuchung) votierte generell eher zu einem gutartigen Tumor, doch noch konnte das Leberadenom nicht bestätigt werden. Erst durch einen Spezialisten gelang die weitere Einordnung: Ein Beta-Catenin (Protein) mutiertes Gewebe lag vor, mit einer hohen Entartungstendenz. Die Frage kam auf, wie diese seltene Kombination einer Fettleberhepatitis und eines solchen Tumors zusammengehen. Die Lösung ergab sich aus meiner Medikamentenliste: Aufgrund einer Störung in der Aktivität der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und einem sich daraus entwickelnden Hypogonadotropen Hypogonadismus (Minderfunktion der Keimdrüsen) ging ich seit Jahren einer Hormonersatztherapie nach. Ja, die Beibackzettel lieferten einen Hinweis für die Gefahr eines Lebergeschehens. Doch mit einer derartigen Entwicklung schienen auch die Experten überrascht gewesen zu sein. Denn sie erwarteten Adenome dieser Art eher bei Bodybuildern, die fahrlässig Steroide zum Aufpumpen ihrer Muskeln nutzen.

Die Hepatozellulären Adenome der Leber stellen insgesamt eine Seltenheit dar. Nach Schätzungen treten sie jährlich bei einem von einer Million Menschen auf, typischerweise rund um das 30. Lebensjahr. Sie bleiben dabei zunächst ohne weitergehende Symptomatik, lediglich bei einem Größenwachstum auf mehr als fünf Zentimeter ist ein diffuses Druckgefühl im rechten Oberbauch möglich, während die Tumormarker im Blut ebenso unauffällig sind wie die eigentliche Leberfunktion. Nur ausnahmsweise treten gleichzeitig Veränderungen des Lebergewebes bei erhöhten Transaminasen (Leberenzyme) auf. Heptozelluläre Leberadenome sind in der Regel solitär (einzeln) auftretend, lediglich ab und zu gibt es Häufungen oder das Anwachsen des Tumors auf Größen über 20 Zentimeter – dann zumeist bei Männern. In der Regel finden sich keine Portalgefäße im Adenom, die Zellen sind oft leicht vergrößert, Gallengänge liegen überwiegend nicht vor. Ursächlich kann neben Hormongebrauch auch eine Glykogenspeicherkrankheit sein, mutiert sind die Tumore entweder auf Grundlage einer Mutation des Gens HNF1 mit fettigen Hepatozyten (metabolisch aktive Zellen) – oder, wie genannt, für Beta-Catenin mit möglicher maligner (bösartiger) Transformation und Dysplasie (Fehlbildung).

Meist lässt sich die genaue Diagnose erst durch Biopsie und radiologische Untersuchungen feststellen, da differenziert auch eine Fokale Noduläre Hyperplasie (gutartige Wucherung), Lebermetastasen, Angiome (Gefäßmissbildungen) oder auch das Hepatozelluläre Karzinom in Betracht gezogen werden müssen. Ich selbst war aufgrund des Verdachts für Letzteres bereits auf eine Teilresektion der Leber eingestellt, dann wurde doch die Radiofrequenz-Thermo-Ablation („Verkochung“ des Tumors) gewählt. Denn die Prognosen sind bei den Tumoren insgesamt gut. Und auch übermäßige Ängste sind nicht angebracht. Denn nicht jede Behandlung mit Hormonen führt zu solch besonderen Neubildungen. Gleichsam bleibt gerade bei Substitutionen des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, aber auch bei der Gabe weiblicher Geschlechtshormone und der Anwendung der „Pille“ und vergleichbaren Verhütungsmitteln immer die Gefahr einer Beteiligung der Leber. Alternativen zu finden, ist schwierig, denn auch Endokrinologen sind gefordert, wenn ein Hormon aufgrund einer heftigen Nebenwirkung plötzlich nicht länger als adäquates Medikament in Betracht gezogen werden kann. Dann ist die Zusammenarbeit wichtig – zwischen Hepatologen, Hormonspezialisten und Internisten. Ich bin dankbar, sie an meiner Seite zu haben…

[Dennis Riehle]