Pressemitteilung

Konstanz. Die Selbsthilfeinitiative „Hormonelle und Stoffwechselerkrankungen“ im Kreis Konstanz hat ihre Arbeit aufgenommen. Sie steht Betroffenen, Angehörigen sowie der Fachwelt und Interessierten als Ansprechpartner zur Verfügung. Abhängig von der Nachfrage ist auch die Bildung einer Gruppe zu wiederkehrenden Treffen denkbar. Bis dorthin wird ehrenamtlich Beratung von Erkrankten für die genannte Zielgruppe im Vordergrund stehen, aber auch die Vermittlung an passende Behandlung und Therapie, die Zurverfügungstellung von Informationsmaterial sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Repräsentanz der Anliegen gegenüber Politik und Gesellschaft im Sinne der Betroffenen.

Angesprochen sind vornehmlich Menschen, die an Störungen von endokrinen Drüsen leiden, wobei ein Schwerpunkt bei den Erkrankungen von Hypophyse (Hirnanhangdrüse) und Nebenniere liegt. Aber gleichsam zählen Schilddrüse, der Hypothalamus, der Thymus, die Zirbeldrüse, Bauchspeicheldrüse, Eierstock und Hoden dazu. Über- oder Unterfunktionen treten meist durch Tumore, Hirnschädigungen, angeborene oder ohne erkennbaren Grund (idiopathisch) auftretende Ursachen auf. Symptome können durch den Ausfall oder die übermäßige Produktion verschiedenster Hormone beispielsweise den sexuellen Reifungsprozess, die psychische Gesundheit, die Ausbildung der Genitalorgane, die Aktivität der Muskeln, das Wachstum des Körpers oder den Kreislauf die neurologische Befindlichkeit beeinflussen.

Auswirkungen sind überdies vor allem auf den Stoffwechsel möglich, weshalb Erkrankungen in diesem Bereich die zweite Säule der Selbsthilfeinitiative bilden. Zu denken ist dabei an Diabetes“ Über- und Unterversorgung mit Mineralstoffen, Adipositas, Lipid-, Purin-, Aminosäuren-, Fett- und Kohlenhydrate-Stoffwechselstörungen.

Die Kontaktdaten der Selbsthilfeinitiative sind: Dennis Riehle, Tel.: 07531/955401, Mail: mail@hormone-stoffwechsel.de. Sie kann selbstverständlich auch überregional und aus dem Ausland angefragt werden. Ihre Arbeit erfolgt unentgeltlich. Ein Flyer ist dieser Pressemitteilung zugefügt.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Der Vorsitzende des Selbsthilfenetzwerkes KOMMIT im Landkreis Konstanz, Dennis Riehle, ist von seinem Amt zurückgetreten. Er schied auch aus dem Sprecherrat aus, der die Interessen der rund 160 Selbsthilfegruppen in der Region vertritt. Der 30-Jährige hatte seine Entscheidung bewusst im Vorfeld der Mitgliederversammlung des nicht eingetragenen Vereins erklärt, um dort bereits die Beratung über seine Nachfolge zu ermöglichen.

Riehle begründete den Entschluss damit, dass er nach zehn Jahren ehrenamtlicher Arbeit in der Selbsthilfebewegung Platz für neue Gesichter schaffen möchte. Man stünde vor Herausforderungen, wie der Überalterung der Gruppenleiter oder rückläufiger Nachfrage an den Zusammenkünften bei gleichzeitig stark steigendem Bedarf an individuell ausgerichteten oder digitalisierten Selbsthilfeangeboten, die viel Energie benötigten. Dafür brauche es frische Kraft, denn er selbst müsse aus gesundheitlichen Gründen verschiedene Belastungen rückfahren. Schlussendlich habe sich eine solche Aufgabe „auch mal abgeschliffen“, was Zusammenarbeit, Atmosphäre und Struktur betreffe. „Ein Wechsel tut dem Netzwerk sicher gut!“, meint der scheidende Vorsitzende.

Er wolle sich weiterhin für seine eigenen Selbsthilfeinitiativen zu Augen-, endokrinen, neurologischen und psychischen Erkrankungen einsetzen, Betroffene und Angehörige in dieser Funktion ehrenamtlich beraten, für die Fachwelt als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, aber auch an Vorträgen und Diskussionen teilnehmen sowie zur Vernetzung und für die Öffentlichkeitsarbeit seine Erfahrung einbringen. Darüber hinaus widme er sich wieder umfangreicher dem Bürgerschaftlichen Engagement im Gesundheits- und Sozialwesen, aber auch in der Bürgerbeteiligung, der gesellschaftlichen Debatte und der Politik, so Riehle.

Der gebürtige Konstanzer hatte sich seit 2005 für das Selbsthilfenetzwerk engagiert, neun Jahre gehörte er dem Sprecherrat von KOMMIT an und war zuletzt dessen Vorsitzender. Durch seinen Rücktritt müssen für verschiedenste Gremien neue Funktionsträger gefunden werden, in denen Riehle die Selbsthilfe bislang repräsentiert hatte.

[Dennis Riehle]

Kommentar
„Würde im psychiatrischen Versorgungswesen“

Würde in der Psychiatrie, das sind für mich zwei Seiten einer Medaille, die untrennbar zueinander gehören: Als Psychiatrie-Erfahrener erwarte ich einerseits, dass mir als Patient die Würde zuteilwird, die das Grundgesetz garantiert – und die die UN-Behindertenrechtskonvention explizit und detailliert auf Menschen mit Behinderung (welcher Art auch immer) ausformuliert. Andererseits bin ich gegenüber jedem Behandelnden, jedem Mediziner, Therapeuten oder Pfleger dazu verpflichtet, auch ihm Würde zuzugestehen. Das bedeutet Respekt und Fairness – und in Momenten, in denen ich klare Blicke auf das werfen kann, wie ich vermeintlich „würdelos“ behandelt wurde, den Versuch, für sein Handeln Verständnis zu zeigen und an ihn nicht das Paradoxon der menschlichen Unfehlbarkeit abzuringen.

Nein, ich bin in vielen Jahren der eigenen Betroffenheit und der Erfahrung mit Psychiatrie in all ihren Formen noch nie einem Gegenüber begegnet, dem ich unterstellen könnte, er würde seinen Beruf aus sadistischem Drang ausführen. Psychiatrie schränkt dort ein, wo Grenzen erreicht werden. Nicht nur für Patienten sind dies Augenblicke des Ausnahmezustandes; auch die Behandelnden stehen temporär in der Verantwortung, aus der schieren Hilflosigkeit zum eigenen und vor allem zum Schutze des Erkrankten mit Maßnahmen zu reagieren, die keinerlei Freude bereiten. Wir setzen auf Selbstbestimmung vom Beginn des Lebens bis zum Sterben – und wissen genau, dass uns Momente ereilen können, in denen wir nicht in der Lage sind, dieses Recht im Sinne der Menschenwürde einzuschätzen, auszudrücken oder einzufordern. Dann steht die Würde an oberster Stelle – und muss im Zweifel, sofern wir für diese Krisen keinerlei Anweisung im Vorhinein artikuliert haben, von denjenigen definiert werden, in deren Obhut wir uns befinden.

Würde ist bedingungslos. Wir können aber dazu beitragen, dass sie uns auch in Phasen der Not in unserem Verständnis zuteilwird, wenn wir die Möglichkeit nutzen, so konkret wie möglich zu verfügen, welche Konnexion wir uns für unerwartete Gegebenheiten wünschen. Zweifelsohne bleibt die Frage im Raum, ob sich Würde ausschließlich durch das Verhalten Anderer uns gegenüber oder durch den Umgang mit uns nehmen lässt. Viel eher, so meine ich, erklärt sich Würde auch insbesondere dadurch, ob und wie wir sie empfinden – oder wie wir sie in jenem Moment deuten würden, im welchem wir dazu fähig sind. Nicht die Deutungshoheit der Umwelt, sondern meine persönliche Wahrnehmung gibt den Ausschlag. Nicht alles, was Dritte als entwürdigend einschätzen, muss auch von mir als solches so verstanden werden – und umgekehrt. Diese Betrachtung gilt für mich auch, wenn ich als psychisch Erkrankter zeitwillig das Erkenntnisvermögen verliere, aber gleichsam immer der Anspruch bestehen darf, auf das eigene Verständnis von der Würde in urteilsfähigen Augenblicken zurückzusehen. Die Subjektivität spielt gerade auch in der Psychiatrie eine wesentliche Rolle. Sie ist wohl die einzige medizinische Disziplin, die derart auf Beurteilungen, Eindrücken und Interaktion basiert, dass nicht immer umgehend klar wird, welche Maßstäbe sich reiben.

Wenn wir ehrlicherweise das Recht auf Selbstbestimmung dem Grundrecht auf Würde und Unversehrtheit nachordnen, geben wir zwar einerseits einen Vertrauensvorschuss an diejenigen, die im Bedarfsfall unser Wohl retten wollen – weil ich der festen Überzeugung bin, dass die bedeutendste Mehrheit im psychiatrischen „System“ (wie jeder andere soziale Akteur ebenfalls) für unsere Genesung und für unser Leben eintritt; andererseits können wir nicht erst durch gesetzliche Regelungen – die nicht nur rechtliche Absicherung für beide Seiten, sondern auch verlässlicher Leitfaden für die Akutsituation sind – darauf setzen, dass uns Wohlwollen angetragen wird. Denn während die – verständlicherweise von Betroffenen als tiefgreifende und nachhaltige Missachtung von Würde wahrgenommene – Zahl an Fehlverhalten in der Psychiatrie wahrscheinlich nur deshalb hoch erscheint, weil nicht selten die Möglichkeit zur genügenden Aufarbeitung, zur Kritik und dem Mut für einen Austausch an individuell und eben nicht objektiven Eindrücken zwischen Patient und Behandelndem ausbleibt, ist die helfende Intention des psychiatrischen Gesundheitswesens bislang wenig gewürdigt geblieben.

Sobald Selbstbestimmung eingeschränkt wird, können wir nach meinem Glauben an die unbedingte Präsenz des Grundgesetzes in den Köpfen unserer Gesellschaft davon ausgehen, dass dies aus Beweggründen für und eben nicht gegen die Würde geschieht. Verantwortungsvolles Handeln heißt auch, im Zweifel vor Unheil zu bewahren und den Verfassungsgrundsatz der Freiheit des Betroffenen in größtmöglicher Differenziertheit mit dem Anspruch auf die Sicherheit und Entfaltung des Behandelnden, Pflegenden oder Therapeuten abzuwägen. Nicht jeder selbstbestimmte Entschluss entspricht dem tatsächlichen Willen eines Erkrankten. Wer für eine grenzenlose und umfassende Selbstbestimmtheit plädiert, mag zwar im Vordergrund das absolute Entscheidungsrecht eines Individuums bestärken; dieser Überlegung sind aber die Realitäten fern. Denn sie basiert auf dem Standpunkt, wonach wir jederzeit in der Lage sind, uns gegenüber annehmend und so zu begegnen, wie wir es zu früherem oder späterem Zeitraum getan hätten. Selbstbestimmtheit entscheidet sich nicht in der Momentaufnahme, sondern auf perspektivisch getragener Lebenserfahrung. Wenngleich wir jede Krankheit und die damit verbundenen Symptome als Teil des menschlichen Schicksals verstehen oder sogar einfordern, auch vermeidbares Leid durchleben zu wollen, sind wir in der Balance der Menschenrechte nach meiner Sicht nicht berechtigt, ihm nur tatenlos zuzusehen – gerade und ausdrücklich dann nicht, wenn wir einen Eid geschworen haben, der zum Gegensätzlichen zwingt. Im Übrigen vertrete ich diese Meinung auch, wenn wir aktuell um Sterbehilfe oder den Beginn des Lebens debattieren.

Fairerweise muss in der Fragestellung nach der Würde des Patienten abschließend auch angemerkt sein, dass beschränkte und fördernde Rahmenbedingungen maßgeblichen Einfluss auf ihre Fähigkeit zur Entfaltung haben. Ob der Aspekt von Zuwendung und Zeit, Personal und Ressourcen, Ausstattung und Geld, Einstellung und Kommunikationsfähigkeit, die nicht nur die unmittelbar Handelnden im psychiatrischen Versorgungsnetz, sondern besonders auch Politik und Träger zu verantworten haben – es braucht neben der ideellen Ausgestaltung des Grundgesetzes die Bereitschaft zu einer gleichsam materiellen und lernfähigen Anstrengung. Gleichsam ist es nicht das Gesundheitswesen im engeren Sinne, das mit der Umsetzung von würdevollem Umgang arge Schwierigkeiten hat. Er startet nämlich nicht zuletzt beim Abbau von Diskriminierung, die bei einer systematischen Einklassifizierung seelisch Erkrankter in einen zweiten, dritten oder nicht monetär entlohnten Arbeitsmarkt zu beginnen scheint – und mit der Verbalattacke des Nachbarn auf den „Verrückten dort nebenan“ endet.

Zusammenfassend bleibt meine Einschätzung aufrecht, dass die im Stau von Frust und Emotionen angesammelte und von Angst und etwaigen Vorurteilen gehaltene Anschuldigung, wonach das psychiatrische Versorgungswesen im Kern der Würde des Patienten entgegen zu arbeiten fähig und willig ist, nicht nur durch eine zunehmende gesetzgeberische Wegweisung, der Forcierung von Dialog, Information und Aufklärung, aber auch der Selbstreflexion und Kritikfähigkeit aller Beteiligten auf dem Wege ist, jegliche Grundlage zu entziehen – sondern gleichsam Fehler einzugestehen, Verbesserungen anzupacken und sich aus dem Schatten mancher dunkler Vergangenheit weit zu entfernen vermag.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Konstanz. Zum „Tag der Depression“ am 1. Oktober 2015 erinnert die Selbsthilfeinitiative für Depressionen, Ängste, psychosomatische Störungen und Zwangserkrankungen im Landkreis Konstanz an die weiterhin bestehende Stigmatisierung von Menschen mit seelischen Leiden. Wie der Leiter der Gruppe, Dennis Riehle, ausführt, ist trotz der zunehmenden öffentlichen Wahrnehmung und Berichterstattung über das Thema „Depression“ noch immer ein großer Vorbehalt gegenüber der Erkrankung existent: „Die häufigsten Anliegen, die uns bis heute von Betroffenen erreichen, drehen sich um die Frage, wie mit der Depression im Umfeld am besten umgegangen werden sollte. Das macht deutlich, dass das Störungsbild selbst in Freundeskreis und Familie nicht selten einem Tabu unterliegt“. Dass Betroffene gar im geschützten Rahmen wie der Selbsthilfe nur ungern von ihrer Depression berichten, zeigt sich laut Riehle daran, dass häufig von „BurnOut“, „Erschöpfung“ oder einem „Durchhänger“ gesprochen wird – auch dann noch, wenn die Depression bereits voll ausgeprägt ist und ihre Symptomatik weit über ein temporäres „Tief“ hinausgeht: „Die Scham ist groß, weil die Erkrankten ihre Depression oftmals als persönliches Versagen einstufen. Deshalb offenbaren sich gerade Männer auch erst unter erheblichem Leidensdruck, da sie befürchten, mit dem Bekenntnis zur Depression eine Schwäche zu zeigen“.

Die Tendenz, wonach die Zahl der Betroffenen kontinuierlich ansteigt, vermag auch der Gruppenleiter nicht verneinen: „Seit Beginn meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Selbsthilfe haben sich die jährlichen Hilfsgesuche etwa vervierfacht. Allerdings ist damit nicht zwingend gesagt, dass tatsächlich mehr Menschen an Depressionen erkrankt sind. Viel eher können wir glücklicherweise doch feststellen, dass sich Erkrankte rechtzeitiger bei uns melden als früher. Die Hürden sind zwar weiterhin hoch; die Aufklärungsarbeit zeigt aber langsam ihre Blüten“. Dagegen ist die Teilnahme an den Gruppentreffen seit Jahren rückläufig: „Selbsthilfe hat sich verändert. Menschen sind seltener bereit, sich mit den Problemen Anderer zu befassen – obwohl gerade der Erfahrungsaustausch der Kerngedanke der Gruppe ist. Viel eher steht das eigene Leiden im Mittelpunkt, es wird individuelle Beratung gewünscht, ohne sich dabei den Umstand zu machen, regelmäßig an der Selbsthilfegruppe teilzunehmen oder Verantwortung zu tragen“.

Die Entwicklung werde laut Riehle vor allem auch durch das Internet und die sozialen Netzwerke vorangetrieben: „Da kann man von der Couch aus an einer virtuellen Gruppe teilnehmen, im Forum mitmachen oder die Gedanken per Kurznachricht austauschen. Diese Bequemlichkeit ist zwar überhaupt nicht im Sinne der Selbsthilfebewegung, die wir aus ihren Anfängen in den 1970er-Jahren kennen; denn damals lebte sie gerade von dem realen Begegnen Betroffener, das auch die Möglichkeit bot, rasch aufeinander einzugehen. Tatsächlich müssen wir aber akzeptieren, dass sich der Bedarf ändert. Entsprechend liegt meine größte Aufgabe heute im Beantworten von Telefonaten, Briefen und Mails“. Gerade bei psychischen Erkrankungen zementiere die Mentalität der Selbsthilfe in den eigenen vier Wänden die ohnehin oftmals bestehende soziale Isolation, Ängste oder Kontaktschwierigkeiten, meint Riehle. „Mir ist es aber allemal lieber, wenn sich die Betroffenen überhaupt durchringen, mit ihren Fragen, dem Wunsch des Gehörtwerdens oder ihren Nöten auf uns zukommen – und wir mit den Erfahrungen aus unserer eigenen Betroffenheit Unterstützung leisten oder an Fachpersonen vermitteln können“, so der Gruppenleiter abschließend.

Hintergrund: Die Selbsthilfeinitiative für Zwänge, Phobien, psychosomatische Erkrankungen und Depression im Landkreis Konstanz bietet Betroffenen und Angehörigen Erfahrungsaustausch, Rat und Vermittlung per Telefon (07531/955401) oder Mail (info@zwang-phobie-depression.de) an. Bei ausreichend Interessierten finden Gruppentreffen statt. Das Angebot ist ehrenamtlich und damit kostenlos. Es ersetzt keine medizinische, therapeutische oder heilkundliche Behandlung, sondern ist lediglich eine Ergänzung zur fachkundigen Betreuung.

[Dennis Riehle]

 

Pressemitteilung:
Vorsitzender: „Solidarität für die Erhaltung wohnortnaher Gesundheitsversorgung“

Konstanz. Das Selbsthilfenetzwerk KOMMIT im Landkreis Konstanz unterstützt den Protest des hiesigen Gesundheitsverbundes, der am 23.09.2015 in einer „aktiven Mittagspause“ für Änderungen an der Krankenhausstrukturreform demonstrieren zum Ausdruck bringen will.

Der Vorsitzende von KOMMIT, Gruppenleiter Dennis Riehle, formulierte in einem Brief an die Geschäftsführung: „Es ist uns wichtig, Ihnen unsere Solidarität in dieser Sache zu übermitteln, weil wir als eine Organisation, die mit den Belangen des Gesundheitswesens täglich konfrontiert ist, nicht nur für die Patienten, die sich in unseren Selbsthilfegruppen und –initiativen versammeln, sondern auch für die Mitarbeiter, die für uns als Betroffene wichtige Vertrauenspersonen sind, eintreten möchten. Durch das Versorgungsstärkungsgesetz der Bundesregierung hat gerade die ambulante Betreuung an den Krankenhäusern erheblich an Bedeutung zugenommen. Trotzdem bleiben die Kliniken für diese Leistungen weiterhin vollkommen unterfinanziert. Die Pauschalen, die die Einrichtungen hierfür erhalten, decken die Kosten bei weitem nicht. Und auch die Notfallversorgung bleibt als unverzichtbarer Bestandteil der wohnortnahen medizinischen Infrastruktur aus unseren Augen ein Stiefkind in der Aufmerksamkeit von Politik und Leistungsträgern“.

Die größten Einschnitte befürchtet das Netzwerk beim Personal, die durch den Entzug finanzieller Mittel drohen: „Gerade eine ausreichende Zuwendung ist aber ein bedeutsamer Schlüssel in der Genesung, weshalb wir uns Ihrer Meinung anschließen, wonach weniger Mitarbeiter zu einem ganz erheblichen Verlust an Qualität in unserem Gesundheitswesen führen würde. Eine veränderte personelle Ausstattung würde bereits bestehende Engpässe – beispielsweise im ohnehin schon heute kaum noch möglichen geregelten Entlassmanagement – weiter ausbauen“, so Riehle.

Während die Anforderungen, gerade auch in dokumentarischer und bürokratischer Sicht, an die Krankenhäuser weiter steigen, bringe die gedachte Strukturreform eine Rückbildung an Ressourcen für die wohnortnahe Versorgung, die eigentlich doch intensiviert werden sollte: „Durch eine komplexere (und damit anspruchsvollere), aber eben auch teurere und zeitaufwändigere Technik, Apparatur und Methodik, die uns Forschung und Wissenschaft (glücklicherweise!) für die Behandlung der Kranken liefern, braucht es zweifelsohne eine Regelung, wie steigende Standards finanziert und eine Fachmedizin auch außerhalb hoch spezialisierte Kliniken  gewährleistet werden kann. Die derzeitigen gesetzgeberischen Maßnahmen sind nach unserer Ansicht der falsche Weg und sparen an der heikelsten Stelle ein. Nicht die Struktur wird gestärkt, sondern die dezentralisierte und ökonomisierte Pauschalbehandlung. Das ist mit unserer Definition eines würdigen Gesundheitswesens nicht vereinbar“, stellt der der KOMMIT-Vorsitzende fest.

Man könne sich beim Gesundheitsverbund daher der Rückendeckung sicher der örtlichen Selbsthilfe sicher sein: „Wir schließen uns uneingeschränkt Ihren Forderungen an und teilen aus Sicht der Patienten in Bezug auf dieses Gesetz dieselben Kritikpunkte“, schreibt der Sprecherrat des Netzwerkes abschließend.

[Dennis Riehle]