Leserbrief zu
„Wie freiheitstauglich ist ein verurteilter Doppelmörder?“, WELT vom 19.01.2018

Gesellschaften tun sich schwer damit, Menschen zu vergeben. Das Vertrauen in diejenigen, die straffällig geworden sind, ist gering. Ihnen wird nicht zugetraut, sich zu wandeln. Besonders „Schwerverbrecher“ sollten dem Populismus vieler Stammtische gemäß ewig im Knast schmoren. Dabei ist unser Rechtsstaat nicht auf „lebenslang“ ausgerichtet. Ein ständiges Wegsperren widerspricht der Philosophie der Wiedereingliederung, die auch für Menschen gelten muss, die schwer an Schuld tragen. „Freiheitstauglich“ sind besonders die, die Buße tun.

Denen, den ein Umdenken bescheinigt werden kann, dort, wo Sühne stattfindet, da muss auch die Chance auf Rückkehr ins Leben bestehen. Mit dem Credo „Aus den Augen, aus dem Sinn“, werden wir niemandem gerecht. Die dauerhafte Unterbringung in der Haft kostet nicht nur den Steuerzahler, sie läuft auch unserer Ethik der Freiheit zuwider, die jedem zugutekommen sollte, den wir nach ausgiebiger Prüfung, nach langer Beobachtung als den identifizieren, der eine Umkehr gewagt hat. Das Gefängnis, die Beschäftigung mit der eigenen Tat, sie kann verändern – und kann aus Menschen neue Persönlichkeiten machen.

Es wird der Würde eines Jeden nicht gerecht, wenn wir unser Justizwesen auf das Verwahren fokussieren. Jede Möglichkeit, selbst Schwerverbrecher wieder in das öffentliche Dasein zu integrieren, erleichtert auch unser Gewissen. Denn Strafe allein, sie mag unsere Überlegenheit befördern. Gerechtigkeit ist aber erst hergestellt, wenn uns die Resozialisierung des Täters gelingt.

[Dennis Riehle]

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