Leserbrief zu
„Ex-Präsident Wulff erntet für neuen Job scharfe Kritik“, „Abendblatt“ vom 07. August 2017

Der Hype um den ehemaligen Bundespräsidenten, als es um seine Beziehung, sein Haus oder darum ging, wann er mit wem Zeit verbrachte, hat mich damals abgeschreckt. Denn es war einem Menschen nicht würdig, derart in seine Privatsphäre einzugreifen. Da hatte Christian Wulff meine volle Solidarität – und ich bewundere, wie er mit Anfeindungen, Unterstellungen und Vorwürfen unterging.

Allerdings ist die jetzige Nachricht, sollte sie denn stimmen, von gesellschaftlich viel größerer Brisanz, denn sie rückt Politiker in die Nähe von Managern, die den Hals nicht vollzubekommen scheinen: Reichen denn über 200 000 Euro Ehrensold zum Leben nicht aus? Hat Wulff aus privaten Gründen derart viele Verbindlichkeiten, dass er einen Zusatzverdienst braucht?

Natürlich rechnet man in solchen sozialen Schichten offenbar mit ganz anderen Zahlen, doch es bleibt ein „G‘schmäckle“, wenn einem ehemaligen Staatsoberhaupt die riesigen Summen für seine kurze Amtszeit nicht genügen. Und dass er sich dann auch noch am Bosporus etwas hinzuverdienen will, ist obendrein recht taktlos. Denn Wulff bleibt eine Person öffentlichen Lebens und trägt auch weiterhin politische Verantwortung.

In Zeiten, in denen Deutschland von Erdogan gegängelt wird, ist es eine merkwürdige Konstellation, wenn ein früherer Bundespräsident genau in jenem Land Geld scheffeln möchte, in dem deutsche Journalisten in Haft gehalten werden. Nein, damals stand ich auf Wulffs Seite, heute verstehe ich ihn überhaupt nicht mehr…

[Dennis Riehle]

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