Gedanken zur Jahreslosung 2018

Umsonst! Was gibt es heute noch umsonst? In einer kommerzialisierten Gesellschaft ist Zeit Geld, da schenkt niemand freiwillig etwas her. So denken wir zumindest. Auch denen, die da in der Ferne dürsten, wir wollen ihnen so gerne helfen – und doch sind wir weit weg. Was wollen wir tun angesichts von Armut und Not, von Hunger und Durst? Auch in unserem Land leben Menschen auf der Straße, haben kein Dach über dem Kopf. Umsonst ein Stück abgeben vom Reichtum, den wir mit uns herumtragen. Einmal nicht darauf schauen, was es uns kostet. Vor allem nicht abwerten, den Anderen nicht beurteilen, ihn verantwortlich machen für seine Lage. Nein, ihn annehmen. Teilhabenlassen diejenigen, die ausgeschlossen sind. Die am Rande der Gesellschaft stehen. Die ausgegrenzt sind, obwohl sie Rechte haben.

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“. Gott spricht zu uns in der Offenbarung, in der Jahreslosung 2018. Er will den Dürstenden zu trinken geben. Doch nein, nicht nur das. Er will spenden das lebendige Wasser. Das uns wieder auferstehen lässt von der Qual des Alltags, von der Mühsal unseres Lebens, von den existenziellen und den materiellen Fragen. Wasser – wir können nicht ohne leben. Und wer sich vorstellt, wie es ist, das erste Mal im Jahr ins Freibad zu gehen, das kühle Nass zu spüren, zu erleben, dass Wasser trägt, der wird um seine Bedeutung wissen. Und wer nach einem langen Ausdauerlauf mit ausgetrockneter Kehle endlich wieder ein wenig Flüssigkeit aufnimmt, der ist dankbar für den Wohlgenuss.

Vom lebendigen Wasser nehmen zu dürfen, ohne eine Gegenleistung. Weil Wasser uns allen gehört. Es ist für das menschliche Überleben elementar. Jeder von uns sollte genug davon abbekommen, doch leider ist die Realität eine andere. Dabei steht das Wasser im Bibelvers nicht nur stellvertretend, sondern symbolisch. Mit Wasser werden wir getauft, weil wir damit eine Zugehörigkeit zum Leib Christi ausdrücken können. Weil Wasser uns deutlich macht, dass wir nur mit ihm überleben können – genauso, wie mit der Hoffnung und Zuversicht auf Jesus selbst. Auch die Taufe wird uns geschenkt. Wir müssen nichts zu tun, sondern wir dürfen allein empfangen. Das ist die Zusicherung Gottes: Er lässt uns nicht allein, auch nicht in der Wüste, wenn wir zu verdorren drohen.

Die Jahreslosung ermutigt uns, uns wieder einmal bewusst zu sehnen nach dem erfrischenden Wasser. Das Kostbare wertzuschätzen. Gottes Schöpfung nicht für selbstverständlich anzunehmen. Und viel mehr noch: Wieder einmal Lebendigkeit zu tanken, indem wir in Jesus Christus aufgehen. In seiner Nachfolge. Vitalität erlangen wir nicht nur durch reichliches Trinken, sondern insbesondere, uns an Wort und Tat des Herrn zu laben. Wenn wir die Schrift lesen und die Verkündigung hören, dann wird uns nicht länger mangeln. Jeden Körperteil empfinden, uns selbst wahrnehmen, achtsam sein mit uns, uns eigens Zeit geben. Wasser ist in einigen Teilen der Erde Luxus – sind auch wir vorsichtig und umsichtig mit dem, was so selbstverständlich aus den Hähnen fließt.

Sogar Psalm 23 führt uns zu frischem Wasser: Gott lässt es uns gutgehen, er sorgt für uns. Auch für die, die dürsten. Denn ihre trockenen Lippen werden durch seine Botschaft benetzt sein. Nein, nicht im physischen Sinne, aber im geistlichen. Darum sind wir angehalten, uns für unseren Nächsten einzusetzen, der nach Anerkennung, nach Zuwendung, nach Unterstützung sucht. Gehen wir hin zu ihm, ohne dafür etwas zu verlangen. Auch Gott tut es umsonst. Lassen wir ihn Anteil haben an seiner Verheißung auf ein ewiges Dasein, wenn, ja wenn wir es annehmen, das Geschenk der Lebendigkeit. Christus hat es uns vorgemacht: Nicht der, der im Überfluss ist, sondern der seine Existenz dahingeben würde für seinen Glauben, für seine Mitmenschen, der wird schlussendlich das Jenseits empfangen.

Entbehrung üben – und danach den Durst löschen. Welch ein wohltuender Gedanke! Wenn Gott uns an der Quelle des lebendigen Wassers trinken lässt, ganz umsonst, dann ist das eine Aufforderung und Verantwortung zugleich. Wir sollen niemandem das Gut der Herrlichkeit vorenthalten. Wir sollen die schmecken lassen, die Orientierung verloren haben. Diejenigen mit der Güte Gottes bedenken, die gierig sind nach den letzten Vorräten. Die nur sich im Sinn haben, wenn sich die Flasche leert. Sie werden es sein, die Jesu Frieden am nötigsten haben. Mögen Bäche und Flüsse sprudeln für die, die selbstlos sind. Das Himmelreich wird ihnen nahe sein – denn sie versorgen die, die noch immer dürsten, auch mit dem letzten Rest. Mit dem Kelch des Heils, mit dem Wasser des Lebens. Gott schenkt uns dieses Hier und Jetzt, völlig umsonst!

Gehen wir im kommenden Jahr bewusster mit uns um. Und mit dem Wasser. Denn wir haben nur diese eine Erde. Und dieses einzige Leben. Es hilft uns nicht, wenn wir raffen, während Andere entbehren müssen. Und doch werden wir die Ungerechtigkeiten in dieser Welt nicht vollständig ausräumen können. Auch nicht, wenn wir manche Geste, manches gute Wort und manch hilfreiche Tat einfach so verrichten, umsonst. Und doch können wir im Kleinen dazu beitragen, dass Lebendigkeit nicht nur uns erreicht. Sprechen wir über das Diesseits des Herrn, über seinen Trost, seine Ermutigung. Saugen wir sie in uns auf, wie ein Glas Wasser an einem heißen Tag. Und geben wir sie weiter. Erfahrbar wird Gott durch das bedingungslose Geben. Setzen wir ein Zeichen. Ein paar Tropfen genügen schon…

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

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