Meinungsbeitrag

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz – sie hatten wieder einen Auftritt. Nein, dieses Mal ging es nicht um das Reformationsjubiläum. Und auch haben sie sich getrennt voneinander geäußert. Aber ihre Aussagen klangen wieder einmal ähnlich, doch gleichsam unnötig: Man dürfe dem Hass nicht erlauben, sich im neuen deutschen Parlament in Worte zu fassen. Eine stabile Regierung wünscht man sich wohl, so klingt es aus den Botschaften, die die beiden Kirchen nach der Bundestagswahl ausgesandt haben – und die es allesamt bis in die Hauptnachrichten am Abend schafften. Nichtssagend – und dennoch braucht es das in Deutschland offenbar selbst im 21. Jahrhundert noch immer: Die beiden Konfessionen müssen den Wahlausgang mit staatstragenden Worten kommentieren, sie sagen nicht viel Anderes als die Vertreter aus der Wirtschaft oder der Gewerkschaften. Aber Hauptsache, sie haben überhaupt etwas gesagt. Doch hätten wir es vermisst, wenn sie einmal geschwiegen hätten?

Wieder einmal demonstriert sich im Alltag der Bundesrepublik die enge Verbandelung zwischen Politik und Kirchen. Konfessionelle Nachrichtenportale vermelden, wie viele bekenntnistreue Christen es als Abgeordnete in den Bundestag geschafft haben, es wird analysiert, wen die christlichen Wähler im Land warum gewählt haben. Und die Diskussion bricht los, ob unter künftigen Koalitionen die Themen Religionsfreiheit, Lebensschutz und Familie einen entsprechend großen Raum einnehmen – denn das sind die Angelegenheiten, die gerade konservative katholische oder evangelikale Gläubige bewegen. Nicht lange werden wir warten müssen, bis feststeht, wen Juden, Muslime, Buddhisten und Atheisten gewählt haben. Doch interessiert uns das tatsächlich? Warum müssen wir das religiöse Bekenntnis bis heute mit der politischen Programmatik vermengen? Es geht um Macht und Einfluss, es geht nicht um den Glauben. Nicht darum, ob ein Abgeordneter seine Arbeit auf Basis seines Gewissens ausübt, sondern ob er Politik im Interesse einer Lobbygruppe machen wird – einer weiterhin zu großen Gruppe, der der religiösen Aktionisten, die mitreden und mitgestalten wollen.

Welchen Wert haben die Feststellungen von Marx oder Bedford-Strohm über die AfD, über die Gefahr für unsere Gesellschaft, über die Schwierigkeit, unter dem jetzigen Ergebnis rasch eine Koalition zustande zu bringen, die hält? Wir alle wissen, dass wir vor demokratische Herausforderungen gestellt sind, dass die parlamentarische Arbeit nicht einfacher wird mit sechs Parteien, von denen eine zumindest schon im Vorfeld dadurch auffällt, dass sie nicht zu beabsichtigen vermag, vernünftige Sachpolitik betreiben zu wollen. Wir haben all das gehört von SPD bis FDP, von Grünen bis zur CDU – warum braucht es das noch aus dem Munde der Klerikalen? Mich turnen solche Zwischenrufe ebenso ab wie die naive und gleichsam selbstgerechte Darstellung einer Kanzlerin, die eines der schlechtesten Ergebnisse der Nachkriegsgeschichte für ihre Partei eingefahren hat, aber betont, dass sie nicht wüsste, was sie im Wahlkampf hätte anders machen sollen. Wenn die Kirchen diesem Lande etwas Gutes tun wollen, dann würden sie sich auf die Verkündigung ihres Evangeliums am Sonntag von der Kanzel konzentrieren. Genauso, wie Angela Merkel sich auf die Aufarbeitung ihres desaströsen „Wahlerfolges“, stärkste Kraft geworden zu sein, fokussieren sollte…

[Dennis Riehle]

Dennis Riehle

Veröffentlicht unter Glaube.

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