Leserbrief zu
„Jeder Vierte bricht die Lehre ab“, RP vom 05.04.2018

Die hohe Abbrecherquote bei den Auszubildenden in Deutschland ist unter anderem auf fehlende Vorbereitung für die Berufswahl in unseren Schulen zurückzuführen. Noch immer fokussieren wir uns zu sehr auf fachliche Qualifikation, anstatt die jungen Menschen frühzeitig fit zu machen für eine solide Entscheidungsfindung über ihren weiteren Lebensweg.

Wir können die Schüler nicht mit dem Zeugnis in der Hand auf die Straße setzen – und uns darauf verlassen, dass sie ihr Vorankommen schon selbst meistern werden. Die Auswahl des richtigen Berufsbildes ist in einer komplexer werdenden Welt mit immer neuen Möglichkeiten an Ausbildungszielen zu einer eigenen Wissenschaft geworden. Umso mehr müssen noch viel zeitiger Bundesagentur für Arbeit, Kammern und Betriebe in den schulischen Alltag integriert werden, muss Transparenz darüber geschaffen werden, was potenzielle Auszubildende in ihrem künftigen Dasein erwartet.

Ein eigenes Unterrichtsfach zur Berufsvorbereitung, das sich ausschließlich der Sensibilisierung widmet, junge Erwachsene auf die Wichtigkeit der richtigen Berufswahl aufmerksam zu machen und sie zu mündigen Entscheidungsträgern fortzubilden, die im Abwägen der Argumente zu einer Ausbildungsstelle finden, welche bis zum Abschluss gehalten werden kann, wäre für alle Bundesländer wünschenswert.

[Dennis Riehle]

Ein Gedanke zu “Dringend gesucht: Berufsvorbereitung!

  1. Ich lese auch mal gern die guten älteren Beiträge. Mir stellt sich die Frage, wie unabhängig denn Berufsberatung sein kann. Da drängen die Berater zu Alten- oder Krankenpflege, zur Bundeswehr, zu Metzger, Koch und Gastronomiefachkraft. Selbst wenn der gesamte schulische Lebensweg eng mit dem Theaterspiel verbunden ist. Es gibt keine Chance für Künstler*innen, sondern Wartelisten ohne Ende und es wird Druck gemacht, eine Ausbildung als Erzieher*in oder ähnlichem zu beginnen. Selbst jene, die danach mit größten Hoffnungen in die Ausbildung Pflegeberufe gegangen sind, begegnen mir, wie jene mit Gastronomieausbildung, schon nach einem Jahr oft als gebrochene Menschen. Gerade in der Kinderbetreuung und Altenpflege war es der Gesamtzusammenhang aus Betreuung und miteinander leben, der Berufe wie Sozialarbeiter, Erzieher oder Pflege attraktiv gemacht hat. Man suchte nach frischem Wind in der Heimkinderbetreuung, der Psychiatrie, Kinder- und Jugendbetreuung. Da gab es durchaus Sonnenstunden für die 68er, weil man gerade so viel Neues entdeckt hatte. Vieles ging ab 1970 wohl schon zuende – weil zu teuer. Berufe, die der Republik mal ein menschliches Gesicht geben sollten beschränkten sich auf die Medikamentenausgabe und die Sozialarbeit bekam Helfer*innen ohne Ausbildung. Spazieren gehen, Basteln, Singen, Einkaufsbegleitung alle diese Tätigkeiten werden heute durch „ehrenamtliche“ Helferinnen im Ein-Euro-Job, ausgeübt und kommen durch den Druck aus Politik und Amtsstuben der Eigenschaft einer besonderen Form von Zwangsarbeit sehr nahe. Der Begriff „Ehrenamt“ bekommt dadurch einen zunehmend bitteren Beigeschmack. In diesem Zusammenhang sollte auch beachtet werden, dass in vielen gemeinnützigen, karitativen Einrichtungen, die morgendliche Tasse Kaffee von Sozialhilfeempfänger*innen genauso wie das Frühstücksbrötchen oder nachmittägliche süße Teilchen von dem einen Euro-Stundensatz, mit einem Euro, bezahlt werden müssen, während mit den Krankenkassen oft höhere Stundensätze bis 26 Euro abgerechnet werden. Die kleine „Kaffespende“ müßte sonst als „Verpflegungsleistung“ auf das Entgelt für Leistungsempfänger*innen (Hartz IV) zur Anrechnung gemeldet werden. Es wird Zeit, dass man der Menschlichkeit und Kultur in diesem Land wieder einmal ein Tor öffnet.

    Antworten

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt