Leserbrief zum
Denkmalschutz für die Geschwister-Scholl-Schule, SÜDKURIER Konstanz vom 24. und 25. November 2017

Denkmal, laut Duden ein Bau, der „über eine frühere Kultur Zeugnis ablegt“ – er ist definierbar. Wir sind es gewohnt, lediglich solche künstlerischen Schöpfungen zu hofieren, denen wir subjektive Ästhetik, Schönheit und Anmutung nachsagen. Doch wer weiß, was die Nachwelt tatsächlich interessiert?

Die Geschwister-Scholl-Schule erinnert in eindrücklicher Weise an den Zweckbau der 1970er-Jahre, der den Brutalismus nochmals in seiner eindrücklichsten Form widerspiegelt. Er belegt, zu welchen für die Mehrheit der Menschen abstoßenden Baustilen man bereit war, nur, um der Faszination für die Materialien Ausdruck zu verleihen. Sichtbeton, der nach Le Corbusier in seinem rohen Zustand die Klarheit der Konstruktion abbildet, er wirkt auf mich faszinierend.

Denn allein auf Formalität ausgerichtetes Bauen, es drückt aus, wie man noch vor einem halben Jahrhundert dachte, wie das Lebensgefühl in kalten und kahlen Fassaden spürbar wurde: Eindeutigkeit in der Lesbarkeit des Objekts, schnelles Vorankommen in der Gestaltung, pure Beachtung für die Funktionalität. Aus der Schlichtheit, dem gewaltigen Einpflocken eines massiven Volumens, entsteht eine denkwürdige Botschaft, die es in dieser Form aus meiner Sicht durchaus zu erhalten gilt: Wir gedenken Zeiten, in denen man raschen Neubau brauchte, weil nicht nur die Nachfrage nach Schulräumen davon galoppierte.

Wir erinnern an künstlerische Ergüsse, die zügig auf dem Papier und einfach umsetzbar sein mussten, weil der wirtschaftliche Aufschwung drängte. Und wir bewahren den Gedanken an eine Stilepoche, die durch ihre gnadenlose Transparenz Zeiten offenbart, in denen die Eile schlichtweg Hässlichkeit gebot.

[Dennis Riehle]

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