Pressemitteilung

Konstanz. Der evangelische Sachbuchautor Dennis Riehle (aktueller Buchtitel: „Freier Glaube – Gedanken über Zweifel, Fragen und Widersprüche des Christseins“) hat die Kirche verlassen. Wie der 33-Jährige am Montag (11.03.2019) mitteilte, habe er vor dem Standesamt Konstanz seinen Austritt aus der Religionsgemeinschaft vollzogen. Riehle, der bereits seit Konfirmationszeiten an in der Jugend- und Gemeindearbeit ehrenamtlich engagiert war, begründete seinen Rückzug aus der Evangelischen Landeskirche Badens mit „erheblichen Zweifeln im eigenen Gottesglauben“. Zudem habe es ihm an Wärme und Geborgenheit in der Kirche gefehlt, die Möglichkeit, sich neu zu partizipieren, sei ausgeblieben.

Riehle war bereits 2012 aus der Kirche ausgetreten, kehrte nach einer Auszeit in der säkularen Szene 2017 aber wieder in die evangelische Kirche zurück, da er „Hoffnung hatte, dass es doch einen Gott geben könnte“. Besonders die Frage des Leides in der Welt, aber auch der fehlende Zuspruch von Mitchristen in schwierigen Lebenssituationen habe ihn in seiner Entscheidung bestärkt, dieses Mal „endgültig und ohne Rückfahrkarte“ die Kirche zu verlassen, in der er seit Kindesbeinen an sogar Pfarrer werden wollte. „Wenn mir jedoch gesagt wird, dass ich aufgrund meiner psychischen Erkrankung nicht als Seelsorger taugen würde“, dann verletze das nicht nur. „Es zeigt auch die Falschheit mancher Christen, die ihr Sonntagskleid am Montag wieder ablegen“.

Seine eigene gesundheitliche Situation habe ihn schließlich dazu bewogen, einem Gott abzuschwören: „Die Theodizée-Frage, die Frage nach der ungerechten Verteilung von Krankheit, Armut und Schicksalsschlägen, sie ließ mich nicht mehr los. Warum sollte uns ein Schöpfergott immer wieder stolpern und fallen, danach wieder aufstehen und weitergehen lassen? Das alles nur, um seine Allmacht unter Beweis zu stellen? Zwar hat er uns laut 1. Buch Mose die Fähigkeit geschenkt, zwischen gut und böse unterscheiden zu können. Dass seine Liebe aber so weit geht, des Menschen Freiheit auch dann nicht zu bremsen, wenn wir uns gegenseitig in Krieg und Gewalt die Köpfe einschlagen, das kann und will ich nicht verstehen“, so Riehle, der außerdem sagt: „Wenn ich ein Glaubensbekenntnis nicht mehr mitsprechen kann oder die Reaktion Gottes auf mein Vaterunser ausbleibt, dann muss ich mir ehrlicherweise eingestehen, nicht mehr der richtigen Institution anzugehören“. Zu viele Menschen blieben heute in der Kirche Mitglied, weil sie um ihren sozialen Status fürchteten. „Dabei macht es doch keinen Sinn, einem Verein zuzusprechen, dessen Leitbild ich nicht einmal mehr unterschreiben würde“.

Er habe der Kirche so manchen Fehler verziehen, „auch damals, als es um die Frage ging, ob ich homosexuell sein könnte“. Statt Rückhalt und Bestätigung habe er Ausgrenzung und Rückweisung erfahren. „Das gab es in humanistischen Kreisen nicht“, attestiert Riehle, sagt aber auch: „Der Atheismus sollte sich weniger auf ein Glaubens-Bashing konzentrieren, sondern viel eher die positive Botschaft seiner eigenen Lehre an Mann und Frau bringen“. Riehle, der bis 2016 Sprecher der „Humanistischen Alternative Bodensee“ war, kann freidenkerischem Gedankengut mittlerweile viel Sympathie abgewinnen: „Auf die Fähigkeiten des Menschen zu vertrauen und die Werte der Aufklärung hochzuhalten, das lohnt sich in jedem Fall“. Heute gehe es „im Markt der Weltanschauungsgemeinschaften“ darum, mit Inhalten zu punkten. „Ich meine, da hat der Humanismus gute Chancen, von sich überzeugen zu können“, meint der Konstanzer, der ergänzt: „Wir brauchen die institutionelle Verankerung der Konfessionsfreien heute mehr denn je“.

Nach seinem Rückzug aus der Kirche möchte sich Riehle erneut der konfessionsfreien Szene zuwenden: „Ich habe einen Schlussstrich unter meine Zeit in der Kirche gezogen. Fortan möchte ich mich damit beschäftigen, die Arbeit der Glaubensgemeinschaften von außen kritisch zu begleiten, mich für Toleranz, Offenheit und Freiheit stark zu machen und gleichsam daran mitarbeiten, dass es Konfessionsfreie leichter haben, in der Gesellschaft Fuß zu fassen“. Als ehemals gläubiger Christ könne er sicher manch hilfreiche Perspektive aus Kirche und Gottesglaube einbringen, so Riehle, die dazu geeignet sei, den Diskurs um die individuell passende Weltanschauung zu bereichern. „Daneben werde ich meine berufliche Qualifikation als PR-Fachkraft sicher dazu nutzen, für den Humanismus zu werben“. Und nicht zuletzt wolle er auch sein politisches Handeln fortan ganz ausdrücklich von fortschrittlichen Tugenden bestimmen lassen, so der 33-Jährige abschließend.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

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