Leserbrief

In der Debatte um ein Kopftuchverbot hat sich der österreichische Bundespräsident in den Medien geäußert und davon gesprochen, dass es ähnlich einer Meinungsfreiheit auch eine „Bekleidungsfreiheit“ gebe.

Grundrechte sind tatsächlich nur überaus bedingt einschränkbar. In einem sozialen Miteinander ist es allerdings nötig – und gängige Rechtsauffassung –, dass sie ihre Grenze dort erreichen, wo sie die Freiheit des Anderen tangieren.

So ist es bei der Meinungsfreiheit – und so müsste es in der logischen Konsequenz dann auch bei der „Bekleidungsfreiheit“ sein. Ich darf niemanden beleidigen – darf ich also in einer offenen Gesellschaft im Zweifel meine Identität dadurch kaschieren, dass ich ein Kopftuch zwar nicht als Symbol der Unterdrückung trage, es in meiner Selbstverwirklichung aus religiösen oder anderen Zwecken aber zumindest nutze, um – bewusst oder unbewusst – den Blick auf mein Gesicht nicht vollständig zuzulassen?

Gehört es lediglich zum „Anstand“, sich dem Gegenüber identifizierbar zu offenbaren, oder ist es nicht gar auch ein Grundrecht, meinen Mitmenschen zumindest soweit einsehen zu können, dass kein Misstrauen entsteht? Nicht nur gegenüber Behörden und Ämtern ist es wichtig, sich vollständig erkennbar zu präsentieren. Es ist auch eine Sicherheitsfrage, über meine Person in der Öffentlichkeit eine Transparenz walten zu lassen, die es im Zweifel ermöglicht, jemanden wiederzuerkennen oder ihn einschätzen zu können. Habe ich nicht ein Anrecht darauf, das Haupt einer Person hinreichend sehen zu dürfen, um damit auch zu wissen, mit wem ich es zu tun habe?

„Bekleidungsfreiheit“ kennt aus meinem Verständnis eine gleichsame Limitierung wie andere Grundrechte. Und deshalb muss es legitim sein, zu hinterfragen, ob ein Kopftuch im öffentlichen Raum mit den Freiheitsrechten aller anderen Bürger in Einklang zu bringen ist. Ich halte es für falsch, eine solche Debatte vorzeitig abzukürzen, indem man Vergleiche zieht, ohne ihre Einschränkungen zu diskutieren.

[Dennis Riehle]

Ein Gedanke zu “Freiheiten kennen ihre Grenze…

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