Leserbrief zu
„FDP will wöchentliche Höchstarbeitszeit auf 48 Stunden anheben“, „Merkur“ vom 14.03.2018

Das Vorhaben der FDP zur Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes tut Deutschland nicht gut. Schon heute erleben wir, wie anfällig die Menschen auf die Arbeitsbelastung reagieren, die in Zeiten immer häufiger erwarteter Erreichbarkeit, Multifunktionalität der Arbeitskraft und einem ständig wachsenden Anforderungsprofil an den einzelnen Arbeitnehmer vor allem gesundheitliche Auswirkungen einer weiteren Liberalisierung nicht schultern könnten.

Es ist Aufgabe des Staates, den Menschen einerseits selbst über das eigene Arbeitspensum entscheiden zu lassen. Andererseits muss uns die öffentliche Hand auch vor zu viel Selbstbewusstsein und Überheblichkeit schützen. Ein „Ich schaff‘ das schon“ nutzt niemandem, wenn die Qualität der Arbeit unter deren Quantität leidet.

Wirft man einen Blick in die Literatur, so sind die Aussagen einhellig: Nach Hänecke et. al. (1998) steigt das Unfallrisiko nach acht Stunden Arbeitszeit dramatisch an. Nachreiner et. al. (2005) hat festgestellt, dass eine höhere Wochenarbeitszeit als 40 Stunden zu einem signifikanten Anstieg der Muskel-Skelett- und psychovegetativen Beschwerden führt. Und Spencer et al. (2006) fand heraus, wie dramatisch die Anfälligkeit für Unfälle bereits nach 120 Minuten seit der letzten Arbeitspause zunimmt. All das sind wissenschaftliche Befunde, die das Modell der Liberalen nicht stützen.

Eine moderne Arbeitswelt bedeutet keinesfalls, die Zügel immer weiter zu lockern. Im Gegenteil: Wir sollten aus den Erfahrungen lernen und Verantwortung für die Arbeitnehmer zeigen. Ihnen steht nicht nur das Recht auf Freizeit, Pause oder Feierabend zu, sondern vor allem das auf eine intakte Gesundheit.

[Dennis Riehle]

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