Leserbrief zu
„Pokémon Go in der Kirche: Das geht gar nicht, findet der Pfarrer“, SÜDKURIER Konstanz vom 4.10.2016

Wer in die Kirche kommt, der sollte dies aus einem bestimmten Antrieb tun: Gotteshäuser sind Orte der Besinnung. Menschen kommen dort zusammen, um ihren Glauben zu leben. Zweifelsohne strahlen sie somit auch Vitalität aus, weshalb es falsch wäre, Abwechslung, Freude oder Spaß aus ihnen zu verbannen. Doch sie sind keinesfalls dafür gedacht, sie für das reine Vergnügen zu entweihen. Ich tue mir schwer, bei „Pokémon Go“ irgendeinen Zusammenhang zu dem religiösen Bekenntnis zu finden, für das eine Kirche steht. Im Gegenteil: Sie soll unsere Gedanken zentrieren, uns nicht ablenken. Jeder bringt seine Gottesfurcht anders zum Ausdruck, sicher aber nicht dadurch, ein Gebetshaus für eine virtuelle Welt zu missbrauchen. Gerade ein Spiel, das auf Kampf, Kommerz und Erobern ausgerichtet ist, entspricht dem typischen Bild des Götzendienstes. Ein Pfarrer, der seine Sehenswürdigkeit davor bewahrt, handelt verantwortungsvoll. Denn er hat die wesentliche Verpflichtung gegenüber jenen, die den Zweck der Kirche würdigen und sich in ihr sammeln wollen. Ruhe zu finden, das ist in der heutigen Zeit nicht einfach, daher lobe ich Herrn Rudiger dafür, dass er denen Heimat bietet, die im Hier und Jetzt lebendig sind. Es ist Aufgabe der Kirchen, nicht alles zu tolerieren, sondern den Menschen auch Grenzen aufzuzeigen, zu deren eigenem Schutz. Und bei allen Versuchen der Übertragung des Biblischen in die heutige Zeit habe ich meine Zweifel, ob sich Jesus gern von magischen Fantasiewesen hätte jagen lassen…

[Dennis Riehle]

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