Pressemitteilung
„Interpretation der Daten erfolgt zugunsten der Kirchen!“

Die Humanistische Alternative Bodensee“ (HABO) hat das Statistische Amt der Stadt Stuttgart für deren Aussagen zu den neuesten Erhebungen über die Zugehörigkeit der Bürger in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu den christlichen Kirchen kritisiert. HABO-Sprecher Dennis Riehle wirft der Behörde eine voreingenommene Interpretation der Daten zugunsten der großen Konfessionen vor, die einem öffentlichen Amt nicht zustehe.

Zwar hatten die Statistiker bekannt gegeben, dass erstmals in der Geschichte Stuttgarts die Anhänger der beiden großen Kirchen nicht mehr die Mehrheit stellten und damit 50,1 % der Bevölkerung weder zur evangelischen Landeskirche von Württemberg, noch zur katholischen Diözese von Rottenburg-Stuttgart gehörten. Gleichzeitig sagte ein Sprecher des Amtes nach Angaben der „Stuttgarter Zeitung“ vom 16. Februar 2016 aber ebenso, dass man davon ausgehe, wonach weiterhin „400 000 Christen in Stuttgart“ lebten. Diese Schätzung wurde mit der Aussage begründet, dass „man auch Christ sein [könne], ohne einer Kirche anzugehören“. Überdies seien in den statistischen Angaben über die Religionszugehörigkeit bei den christlichen Kirchen nicht die anderen Konfessionen wie christlich-orthodoxe Gemeinden oder Freikirchen berücksichtigt worden. Gleichsam müsse man von rund 60 000 Muslimen ausgehen, daneben von einer unklaren Zahl an Personen, die anderen Glaubensrichtungen angehören. So würden das Amt davon ausgehen, wonach „nur zehn Prozent der Stuttgarter gar keine Religionszugehörigkeit haben“. Demnach könne nicht davon gesprochen werden, dass Stuttgart nicht mehr mehrheitlich christlich sei, so die „Stuttgarter Zeitung“.

Riehle bemängelt, dass weite Teile der Darstellungen aus dem Statistischen Amt auf der Erkenntniserfahrung der dortigen Mitarbeiter beruhten: „Auch in der Behörde kann man letztlich keine eindeutige Angabe darüber machen, wie die Verteilung in Sachen Religionszugehörigkeit tatsächlich aussieht. In der Deutung aber zu der sicheren Einschätzung kommen zu wollen, dass Stuttgart weiterhin christlich geprägt sei, ist nicht nur gewagt, sondern spricht für eine eindeutige Voreingenommenheit pro Kirche“, so die HABO. „Man kann auch Christ sein, ohne der Kirche anzugehören. Ebenso kann ich aber eben auch kein Christ (mehr) sein, wenn ich nicht (mehr) in der Kirche bin (und umgekehrt). Der Versuch, den Zustand der Kirchen und die Zahl christlicher Gläubiger künstlich ins Positive zu hieven, ist ein offensichtliches Manöver der Parteiennahme. Sie ist einem städtischen Amt unwürdig“.

Denn besonders, weil die evangelische Kirche in Stuttgart in den letzten Jahren massiv an Mitglieder verloren hat, wäre es aus Sicht von Riehle ehrlich, eine kritische Analyse vorzunehmen: „Die Angst davor, die Umgebung könnte sich letztlich ent-christlichen und damit möglicherweise an Werten, Tradition und Identität verlieren, ist offenkundig selbst bei Statistikern, die eigentlich wissenschaftlichen Fakten statt eigenen Wünschen nachfolgen sollten, omnipräsent. Dabei verdrängt sie nur bereits bestehende Realitäten: Die Säkularisierung hat uns bisher nicht geschadet, im Gegenteil – und wird es auch künftig nicht. Deshalb braucht niemand Daten zu beschönigen, die früher oder später sowieso nicht mehr zu deuteln sind“, so der HABO-Sprecher abschließend.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

Ein Gedanke zu “Humanisten kritisieren Statistisches Amt in Stuttgart…

  1. ..ganz nach dem Motto “ traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht (oder interpretiert) hast ; )
    Wenn auch etwas spät, danke für den Artikel. Das sollte man im Auge behalten!
    Grüße
    Jochen

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