Leserbrief zu
„Mehr Nutzen als Schaden“, „Stuttgarter Nachrichten“ vom 09.11.2017

Das Bundesverfassungsgericht hat der neuen Koalition – wie auch immer sie aussehen mag – eine wichtige Entscheidung abgenommen. Zwar wird es schwierig sein, ein „positives“ drittes Geschlecht zu finden, das seinen Namen angesichts der großen Bedeutung für intersexuelle Menschen verdient hat.

Dennoch war die Frage in der Gesellschaft schon länger präsent, als man es oberflächlich meinen könnte: Denn nicht wenige Bürger lassen sich früher wie heute ungern in Schablonen pressen. Nur, weil es bislang keine anderen Möglichkeiten gab, heißt das nicht, dass sich jeder mit der Zuschreibung „Mann“ oder „Frau“ wohlfühlte.

Wenigstens ist mit dem Beschluss der Richter eine Absurdität vom Tisch: Es wird nicht tausende neue Geschlechter geben, die sich jeder nach Belieben zusammenschustern kann. Ein einziges Geschlecht, das nicht „neutral“, sondern genauso „wertig“ sein wird wie das männliche und weibliche auch, wird hinzukommen, um dem Wunsch gerecht zu sein, den viele Betroffene lange Zeit unterdrücken mussten.

Ich kann die Sehnsucht gut verstehen, sich endlich einordnen zu können und nicht in der Luft zu schweben, nicht anerkannt zu sein, sondern gezwungen, eine durch die Gesellschaft geformte soziale Rolle anzunehmen, das ist wahrlich unwürdig. Und doch bleibt die legitime Befürchtung, ob mit der Entscheidung nicht Dämme gebrochen werden, die schlussendlich doch zur Aufweichung des Natürlichen führen: Es mag sein, dass wir uns aufgrund persönlicher Merkmale nicht als Mann, nicht als Frau sehen.

Doch es tut uns gut, wenn wir uns wenigstens irgendwie definieren können. Deshalb sei vor der Willkür der Normen gewarnt. Nicht umsonst versucht die Evolution, uns ein Geschlecht zuzuweisen. Identität ist ein Anker. Sie ist für den Menschen eine elementare Sicherheit. Lassen wir daher nicht zu, dass die Diskussion weitergeführt wird ins Unendliche, in das genderifizierte Nichtssagen. Drei Geschlechter sind genug, mehr braucht’s wirklich nicht.

[Dennis Riehle]

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