Leserbrief zu
„Schlechtere Schulleistungen im Land“, „Badische Zeitung“ vom 15.10.2017

Zweifelsohne, die Landesregierung hat Schwachpunkte ausgemacht, die zum schlechten Abschneiden der Grundschüler im IQB-Bildungstrend geführt haben dürften. Doch zieht sie daraus auch die richtigen Konsequenzen? Ein „Weiter so!“ in Integration, Inklusion, bei Gemeinschaftsschule oder Ganztagesbetreuung ist sicher nicht der „große Wurf“.

Zwar will Ministerin Eisenmann an einzelnen Stellschrauben drehen, doch braucht es angesichts des dramatischen Abfalls in den Erhebungen nicht endlich auch Offenheit dazu, ideologische Grenzen zu überwinden? Seit Jahren arbeiten wir darauf hin, Schüler mit und ohne Behinderung, deutsch oder migriert, hochintelligent oder durchschnittlich in einer gemeinsamen Klasse zu unterrichten. Die einen mögen die anderen mitziehen, so ist die Idealvorstellung der Wissenschaft.

Doch funktionierte denn früher wirklich alles so schlecht, als man den Einzelnen noch förderte, im Kreise derer, die ihm vertraut waren durch ein annähernd gleiches Niveau, ähnliche Herkunft oder dieselben Ressourcen? Fühlte sich ein Schüler mit Handicap unter seinesgleichen wirklich so ausgegrenzt, wie man es uns weißmachen will? Und wie schwer tut sich heute ein Kind, das eigentlich viel mehr könnte, aber aus Rücksicht auf seine Mitschüler sein Wissen zurückstellt, leidet und schweigt? Die Wertschätzung des Individuums, zu ihr gehört auch die Einsicht der Unterschiedlichkeit. Gleichmacherei mit dem Ziel, dass letzten Endes alle Mittelmaß erreichen, das hat etwas Planwirtschaftliches und verletzt die Würde derer, die unter- und überfordert werden.

Nicht nur die der Schüler, sondern auch die von Lehrern, die zur Quadratur des Kreises verdammt sind, alle unter einen Hut bringen sollen – und die der Eltern, die verzweifeln, weil ihr Kind mit Fürsorge überladen wird, aber nicht die Unterstützung erhält, die es in seiner Einzigartigkeit verdient hätte.

[Dennis Riehle]

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