Leserbrief
zu „Theater als sonntägliche Alternative zur Kirche“, SÜDKURIER Konstanz vom 02.12.2017

Ganz ohne Glauben wird keiner von uns können. Denn immerhin ist auch der Nihilist überzeugt von etwas – vom Nichts. Ob nun gläubiger Christ, Buddhist, Jude oder Muslim, ob Humanist, Atheist oder Freidenker: Wir alle wissen mehr oder weniger um eine Sinnhaftigkeit für unser Leben, die sich allerdings bei jedem aus einer anderen Ursache speist.

Natürlich braucht es am Sonntag keinen Gottesdienst – und selbstverständlich ist es legitim, stattdessen ins Theater zu gehen. Entscheidend bleibt doch, was wir ganz individuell für uns als hilfreich, tragend, ermutigend ansehen. Das kann der Glaube an eine höhere Macht sein, an den Schutz und die Barmherzigkeit eines Gottes, dem man mit festen Ritualen, Schriften und Lehren zugewandt die Hoffnung auf Halt entgegenbringt – und daraus die Kraft schöpft, auch den ein oder anderen Tiefschlag zu überstehen.

Doch was wäre unsere hochgehaltene Religionsfreiheit, wenn sie nicht auch das Zwischenmenschliche, die Ethik und die Werte des Miteinanders, zu würdigen und als Grundlage des Seins zu würdigen wüsste? Auch sie kann den Zweck erfüllen, den wir alle suchen – bewusst oder unbewusst.

Und schlussendlich ist gleichsam die Haltung, unser Dasein sei als Nebenprodukt der Evolution nur dazu da, um geboren zu werden, zu leben und zu sterben, ein Modell des Glaubens, der zwar ohne Hintergedanken, ohne Grund zu bleiben scheint, der aber verdeutlicht: 70, 80, 90 Jahre irdische Existenz sollten wir nutzen, in der Eigenverantwortlichkeit vor uns selbst, nicht gezwungen, sie vor dem Transzendenten zu rechtfertigen, sondern sie wertzuschätzen als Möglichkeit, etwas verändern zu können.

Dieses Ziel kann uns so schnell niemand streitig machen – der Christ hat den Auftrag dazu, der Humanist macht es aus festem Willen und der Zweifelnde will sich die Chance nicht entgehen lassen…

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

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