Kommentar

Nein, ich bin kein Anhänger der AfD. Und gerade, weil ich den Wahlkampf der Partei hier in Baden-Württemberg erlebt habe, weiß ich auch, warum sie mir nicht sympathisch sein kann. Dafür brauchte ich gar nicht erst den unerträglichen Ausspruch der Frauke Petry zum potenziellen Einsatz gegen Flüchtlinge an unseren Grenzen. Und doch frage ich mich, ob jede Forderung, die von der „Alternative für Deutschland“ kommt, per se schlecht sein muss. So ergeht es mir gerade auch mit dem neuen Schwerpunkt, den die Partei in ihrem Programm verstärkt in den Mittelpunkt rücken und damit die bisherigen Lieblingsthemen der Euro-Krise und des Flüchtlingszustroms eher in den Hintergrund drängen will.

Der SPIEGEL berichtete über interne Mails, in denen vor allem die Vize-Chefin Beatrix von Storch, die mit ihren Aussagen in einem sozialen Netzwerk über den Schusswaffengebrauch gegen Frauen und Kinder, die in Deutschland „illegal“ Asyl suchen, ebenso für große Empörung sorgte, dafür warb, die Islamkritik zum neuen inhaltlichen Mittelpunkt der Partei zu machen. Doch ist es tatsächlich verwerflich, wenn man feststellt, dass Minarette und Muezzin ein Herrschaftssymbol sind – und damit gegen eine tolerante Gesellschaft stehen? Wenn man attestiert, dass da zwei Kulturen aufeinanderprallen, wenn sich ein aufgeklärtes Christentum und ein eher nach Macht strebender, politisierter Islam in Deutschland treffen? Ist man Rassist, wenn man zumindest Zweifel daran hat, ob wesentliche Teile des praktizierten Islams mit dem demokratischen Verständnis von Religions-, Meinungs- und Glaubensfreiheit vereinbar sind?

Ist Islamkritik zukünftig verpönt, weil sie von der AfD betrieben und damit möglicherweise auch von rechtsradikalen Kräften missbraucht wird? Noch weiß niemand genau, wie die Partei ihre Kritik formulieren wird. Aus den bisherigen Erfahrungen kann man aber erahnen, dass sie recht pauschal ausfallen wird. Und genau darin liegt die Herausforderung, aber auch Chance für diejenigen, die ebenso Sorge vor einem politischen Islam in Deutschland haben, aber nicht zu einer generellen Verurteilung einer Religion ausholen wollen. Differenziertheit kennt die AfD nicht. Deshalb muss man sie ihr entgegensetzen. Und das darf – und muss – gerade auch beim Thema „Islamkritik“ geschehen. Denn Zurückhaltung nur aus der Vorsicht heraus, den Petrys, den Höckes, den von Storchs und den Gaulands nicht in die Hände zu spielen, wäre falsch.

Denn mindestens genauso gefährlich wie eine extreme Hetze ist auch ein Schönreden: Nein, nicht jeder Muslim hat ein verachtenswertes Frauenbild. Und nicht jeder Muslim fordert für Homosexuelle die Todesstrafe. Und nicht alle rufen zum Krieg gegen die Ungläubigen auf. Doch es gibt eben genau auch diese Muslime, die solche Einstellungen vertreten, weil sie sich der Schriften ihrer Religion bedienen, ohne sie zu hinterfragen. Und man muss kein Wahrsager sein, um zu erkennen, dass derartige Ideologien auch nach Deutschland getragen werden. Zurecht weisen selbst Gelehrte aus den islamischen Ländern – wie kürzlich erst der Künstler „Adonis“ – darauf hin, dass der Islam als Religion nicht reformierbar scheint und keine Aufklärung helfen wird, wie sie es beispielsweise beim Christentum tat. Viel eher ist der Islam auf Absolutheit ausgelegt – und dass sich nicht alle Muslime daran halten, liegt allein an dem Umstand, dass sie mit menschlichen Werten in Kontakt kamen, die die Dogmen relativierten.

Doch es wird keinesfalls garantiert sein, dass sich alle zu uns kommenden Muslime so offen zeigen. Deshalb ist nicht nur Skepsis angebracht, sondern auch eine klare Grenzziehung erforderlich: Multi-Kulti hat dort ein Ende, wo unser Grundgesetz missachtet wird. Und wenn eine Moschee nicht für den Glauben, sondern für die Radikalisierung zweckentfremdet wird, muss man das nicht nur kritisieren, sondern verbieten. Und dann hat das wenig mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern viel eher etwas mit der Verpflichtung, unsere Verfassung zu schützen und zu ermöglichen, dass diejenigen, die friedlich zusammenleben wollen, auch künftig in Vielfalt bei uns willkommen sind. Ja, wir müssen auch gemäßigte Muslime vor ihren fanatischen Glaubensbrüdern bewahren – weibliche Muslime, die von Misshandlung berichten, oder schwule Muslime, die gefoltert wurden. Diese Aufgabe dürfen wir aber nicht der AfD überlassen, weshalb es heute wichtiger denn je ist, eine verantwortungsvolle Islamkritik zu betreiben, die denen den Wind aus den Segeln nimmt, die nur zum Eigennutz polarisieren wollen.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

Ein Gedanke zu “Islamkritik darf nicht der AfD überlassen werden!

  1. Alle religiösen Privilegien beseitigen!

    Im Prinzip stimme ich dieser AfD-Islamkritik zu. Ergänzen möchte ich, dass die Kairoer „Erklärung der Menschenrechte im Islam“ betont hat, dass die Menschenrechte nur dann akzeptiert werden (dürfen), wenn sie nicht mit dem islamischen Rechtssystem Scharia kollidieren, welches z.B. Nichtreligiösen noch nicht einmal ein Existenzrecht zubilligt.
    Die islamischen Verbände in Deutschland sollten sich dazu bekennen, dass für sie wirklich die Menschenrechte stets über der Scharia stehen; andernfalls sollten sie und ihre Moscheen geschlossen werden!
    Auf der anderen Seite sollten sämtliche mittelalterliche und menschenrechtswidrige religiöse Privilegien in Deutschland endlich beseitigt werden, z.B. Gottesbezug im Grundgesetz, Kirchensteuer, Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und die vielen staatlichen christlichen – statt weltanschauungsneutralen – Feiertage.
    Wenn es in Deutschland strikte Weltanschauungsneutralität gäbe, hätten wir hier wesentlich mehr Gerechtigkeit und Frieden!

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