Pressemitteilung

Wegen einer hormonellen Erkrankung hatte Dennis Riehle (Konstanz) Veränderungen an seiner Brust bemerkt. Eine erste Untersuchung ließ ihn im Unklaren, man verwies ihn an das Brustzentrum eines Krankenhauses. Dort angefragt, stellte man zunächst fest, dass für das Aufsuchen der Sprechstunde die Überweisung eines Gynäkologen vorliegen müsste. Riehle kontaktierte in einem weiten Umkreis verschiedenste Frauenärzte und erhielt stets ähnliche Antworten: „… Nach Rücksprache mit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) muss ich Ihnen leider sagen, dass […] gesetzlich versicherte männliche Patienten nicht behandel[t] werden können“ oder „… Die Möglichkeit zur Behandlung von Männern durch einen Frauenarzt ist mir nicht bekannt“. Man verwies den 30-jährigen Patienten an den Andrologen, aber der Männerarzt wiederum verdeutlichte, dass Untersuchungen der Brust nicht in sein Leistungsspektrum gehörten. An der Rezeption eines Urologen hieß es schlussendlich: „Wir sind nur für unten rum zuständig“.

Riehle stand vor einem Dilemma und wandte sich mit seinen Erfahrungen an den Landtag von Baden-Württemberg – mit Erfolg. Dieser entschied nun über seine Petition und verdeutlichte, dass unter bestimmten Voraussetzungen die gynäkologische Behandlung von Männern einerseits in fachlicher Sicht, andererseits aber auch im Hinblick auf die Abrechnung legitim ist. Gerade bei vorliegenden Verdachtsdiagnosen sei die Behandlung und Überweisung durch Frauenärzte auch für das männliche Geschlecht möglich. Die KV versprach laut dem Entschluss des Petitionsausschusses, in einem Rundschreiben an alle Mitglieder zu verdeutlichen, wie die Kostenabrechnung in solchen Fällen gehandhabt wird. Gleichsam zeigte auch die Ärztekammer auf, dass es laut höchstrichterlicher Rechtsprechung erlaubt sei, fachfremde Leistungen – wozu die gynäkologische Behandlung beim Mann gehöre – in einem bestimmten Umfange durchzuführen. Dies gelte gerade bei der Endokrinologischen Gynäkologie und Reproduktionsmedizin, die Teil der Ausbildung der Frauenärzte sei, weshalb auch kein Vorbehalt gegenüber der Qualifizierung der niedergelassen Gynäkologen gesehen wurde. Als unzulässig erklärt wurde darüber hinaus, dass einzelne gynäkologische Praxen eine Verwaltungsgebühr erheben wollten, um dem männlichen („fachfremden“) Patienten eine Überweisung an die Brustsprechstunde auszustellen.

Riehle zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Wenngleich es doch selten vorkommt, ist es gerade für einen Mann eine belastende Situation, wenn er neben der ohnehin schon ‚untypischen‘ Erkrankung noch mit solch einer bürokratischen Hürde konfrontiert wird. Ich bin froh, dass hier nun Klarheit geschaffen worden ist – und dass ich mit der Petition möglicherweise auch anderen Patienten geholfen habe, die in ähnlichen Situationen steckten. Wir sprechen heute ja oftmals von der Benachteiligung der Frau; aber es gibt eben auch Bereiche, in denen die Männer das entsprechende Nachsehen haben. Und dass nun mal der Mann auch eine Brust hat, dafür bin ich leider nicht ich verantwortlich…“.

[Dennis Riehle]

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