Selbstschutz

Die Empörung war groß, als der Landkreis verkündete, den Zugang von Helfern in die Flüchtlingsunterkünfte besser steuern zu wollen. Dabei sind die Beweggründe nachvollziehbar: Keinen Zutritt für Unbefugte und Wahrung der ohnehin eingeschränkten und geringen Privatspähre der Asylbewerber.

Doch einen weiteren Zweck erfüllt solch eine Kontrolle des Einlasses auch: den Selbstschutz der Ehrenamtlichen. Wir hören in diesen Wochen viel davon, dass Deutschland sein „Helfer-Syndrom“ entdeckt. Da finden sich unter den vielen Engagierten auch jene, die sich mit ihrem wohl gemeinten Einsatz übernehmen – und letztlich nicht nur auf ein eigenes „BurnOut“ hinsteuern, sondern gleichzeitig zu viel des Guten für die Geflüchteten wollen.

Um auch den Dienst der Hauptamtlichen nicht zu erschweren, wenn diese immer häufiger mit der Verwaltung der Freiwilligenarbeit statt mit ihren eigentlichen Aufgaben für die Vertriebenen befasst sind, ist es sinnvoll, Ordnung zu schaffen. Dazu gehört schlussendlich ebenso, ein Instrumentalisieren der oftmals ahnungslosen Schutzsuchenden für ichbezogene oder politische Ziele der Helfenden und ihre dahinterstehenden Netzwerke zu verhindern und sie vor einer Bevormundung und einem Bemuttern abzuschirmen.

Denn es muss im Sinne der Aktiven sein, das Selbstbewusstsein und die Eigenverantwortung der „Refugees“ zu fördern und ihnen den Freiraum zu geben, den sie für die Entwicklung ihrer Integrationsfähigkeit neben aller Unterstützung gleichsam benötigen.

Da entpuppt sich manch Entrüstung der Wohltätigen über das Landratsamt vielleicht eher als Schreck davor, sich auch wieder um das eigene Leben kümmern zu müssen…

[Dennis Riehle]

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