Leserbrief zu
„Zu viele Wohnungen im Gewerbegebiet“, SÜDKURIER Konstanz vom 22.11.2017

Kein Drama, aber durchaus ein Rückschlag für die Stadt. Denn ihre Politik, den Unterlohn zum Gewerbegebiet zu erklären, geht nicht mehr auf. Das Gericht hat eine Zäsur gesetzt. Mit dem Richterspruch geht eine Ära der klaren Trennung zwischen Gewerbe- und Wohngebiet in Konstanz zu Ende.

Und obwohl man sich in der Verwaltung wohl erhofft hatte, im Unterlohn auf absehbare Zeit wieder ein prosperierendes Industriegebiet zu etablieren, so muss man nun eingestehen: Wir können es uns nicht leisten, ungenutzte Flächen oder gar Räumlichkeiten nur deshalb offen zu halten, weil wir den Traum der wachsenden Wirtschaft in Konstanz nicht aufgeben möchten. Unser Stadtgebiet wandelt sich – und das ist gut so. Denn wir müssen stets dafür bereit sein, uns neuen Gegebenheiten, neuer Nachfrage anzupassen.

Wenn das Angebot an Wohnraum theoretisch vorgehalten werden kann, dann darf es nicht deshalb versagt werden, weil wir strikt an einer Baunutzung festhalten, die offenbar nicht einmal mehr vor der Justiz Bestand hat. Gerade einer Stadt, die mit dem „Handlungsprogramm Wohnen“ doch bestens darum weiß, wie angespannt der Wohnungsmarkt ist, sollte man die Freude über dieses Urteil aus dem Gesicht ablesen können. Denn welche Perspektiven eröffnen sich dadurch zur Weiterentwicklung von weiten Teilen unseres Gewerbegebietes!

Die FDP fordert sicher nicht nur aus Klientelpolitik für die Eigentümer, die beharrliche Spaltung zwischen Industrie- und Wohngebiet aufzulösen, sondern weil sie verstanden hat, welches Potenzial für die Wohnungspolitik in einem liberaleren Vorgehen bei der Raumnutzung liegt, das nun richterlich bestätigt wurde. Heutzutage brauchen wir jeden Quadratmeter an Wohnfläche, egal, wo er zu finden ist. Schade, dass nicht die Stadt selbst darum gerungen hat, neuen Wohnraum zu erschließen – eine vertane Chance…

[Dennis Riehle]

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