Pressemitteilung

Konstanz. Die Selbsthilfegruppe für Zwang, Phobie und Depressionen hat in der dunklen Jahreszeit seit Oktober 2016 eine überproportional hohe Zahl an Anfragen und Hilfegesuchen von Menschen mit uni- und bipolar affektiven Erkrankungen erhalten. So lagen die Kontakte monatlich bei rund 15 – 20 alleine für diese Krankheitsbilder. Der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, stellt zwar seit Jahren eine steigende Nachfrage an der niederschwelligen Selbsthilfe durch Menschen mit Depressionserkrankungen fest. In der „Saison“ 2016/2017 seien allerdings auffallend viele schwerwiegende Erkrankte über Telefon, Mail oder per Post auf die Gruppe zugekommen, um sich unter Gleichbetroffenen entsprechenden Rat zu suchen: „Oftmals haben wir diese typischen depressiven Verstimmungen erleben können, die manchmal auch der Stimmung im Winter zu verdanken waren. Der Leidensdruck war in der Regel auch nicht so hoch, sodass die Menschen die häufig herabgesetzte Emotionalität auch keinesfalls als eine krankhafte Veränderung bei sich angesehen haben“. Dieses Mal sei es aber anders gewesen, meint Riehle: „Da waren einige Fälle dabei, die nicht mehr aus ihrem ‚Loch‘ herausgekommen sind“.

Auch zahlreiche bipolar Erkrankte meldeten sich in den letzten Monaten bei der Selbsthilfegruppe: „Zumeist sind es Angehörige, die auf uns zugekommen sind. Sie berichteten, dass die Diagnose in der Regel bereits gestellt wurde und die Familie nun erhebliche Schwierigkeiten habe, mit dieser neuen Situation umzugehen. Wir verweisen dann oft auch an Gruppen, die darauf spezialisiert sind, eine Beratung können wir natürlich aber trotzdem anbieten, haben doch auch bei uns viele Betroffene Erfahrungen mit manisch-depressiven Krankheiten. Ich kann von diesem Auf und Ab bei mir selbst ein eigenes Lied singen“. Insgesamt erlebe die Selbsthilfe dieser Tage durchaus eine Rückkehr in das Gedächtnis der Menschen, empfindet Riehle: „Die klassische und bekannte Gruppe, in der man regelmäßig beieinander sitzt, ist heute aber leider ein Stück aus der Mode gekommen. Und doch ist der Bedarf groß, sich abseits des professionellen Gesundheitswesens mit denen auszutauschen, die die eigene Situation besser verstehen können. Das geschieht mittlerweile auf ganz anderen Wegen – im Einzelkontakt, über elektronische Kommunikation oder in Foren, Chats und Apps“.

„Gerade die bipolare Störung, aber auch schwere depressive Erkrankungen bereiten den Betroffenen und ihrem Umfeld häufig eine große Sorge. Und sie verunsichern auch“, sagt Riehle. „Da ist es hilfreich, Tipps für den Umgang zu geben und aus der eigenen Geschichte zu berichten, um klar zu verdeutlichen, dass eine Heilung zwar schwierig, eine Linderung der Erkrankung aber möglich ist. Besonders auch die Aussicht, dass man trotz der Krankheit ein erfülltes Leben führen kann, lässt sich einfacher von jemandem vermitteln, der aus eigener Erfahrung hinter dieser Aussage steht“. Und obwohl Riehle mehr als zehn Stunden pro Woche Mails und Briefe im Zuge seiner Arbeit rein ehrenamtlich beantwortet, schwört er weiterhin auf die Selbsthilfe: „Wir wollen doch alle solange als möglich eigenständig für uns sorgen, leben und auch entscheiden. Dazu befähigt uns dieses seit Jahrzehnten in Anspruch genommene und offenbar hilfreiche Konzept: Ein mündiger Bürger zu sein, selbstbewusst, gerade, wenn wir vielleicht ein wenig anders sind!“.

[Dennis Riehle]

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