Kommentar

Abtreibungen wären nicht nötig, würden wir verantwortungsvoll mit unserer Sexualität umgehen. In Zeiten, in denen wir den Geschlechtsverkehr zu einem Ausleben von Trieben, Spaß und ungezügelter Lust verkommen lassen, wundert es kaum, dass sich selbst die aufgeklärte Frau am Tag danach über die „Folgen“ des zweigeschlechtlichen Miteinanders wundert. Deshalb beginnt das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper mit der Verpflichtung, den Geschlechtsverkehr umsichtig zu gestalten.

Dazu gehören nicht nur Verhütungsmethoden, sondern vor allem die Reduktion des Sexualaktes auf bewusste Momente, denn „Sex“ ist zweifelsfrei etwas Besonderes, etwas nicht Alltägliches, dem wir mit Respekt und Würde begegnen sollten. Finden wir zurück zu einem maßvollen, der Tragweite des Aktes angemessenen Umgang mit dem Geschlechtsverkehr, huldigen wir der Entbehrung und der Enthaltsamkeit, die das Ausleben von Sexualität zu etwas Einzigartigem macht. So wird auch der Kindeswunsch wieder zu dem, was er ist: eines der wertvollsten Güter menschlichen Daseins.

Nur in den seltensten Fällen werden Frauen in unseren Breiten ungewollt schwanger. Sie sind die Planer ihrer Zukunftsgestaltung. Diese Eigenverantwortung gilt es hochzuhalten, die Verpflichtung, eine Schwangerschaft nicht als unliebsame Konsequenz des Aktes, sondern als das größtmögliche Geschenk für eine Frau anzunehmen – all das ist Ausdruck der Freiheit über den eigenen Körper, über das persönliche Leben.

Deshalb braucht der Sexualverkehr nicht nur Planung und Bewusstsein, sondern Sensibilität für das Hier und Jetzt einer Frau. Im Ausdruck der Leidenschaft, da offenbart sich die Bereitwilligkeit für Nachwuchs, die nicht zur Unzeit kommen kann, solange wir demütig, aber gleichsam selbstbewusst das Heft des Handelns gegenüber dem eigenen Sexualleben in den Händen halten.

Die Entscheidung für einen neuen Erdenbürger, sie sollte stets mit Bedacht gefällt werden. Es ist ethisch höchst verwerflich, wenn wir die Zeugung eines Kindes zu einem „Spiel“ degradieren, bei dem jeder Schritt beliebig rückgängig gemacht werden kann. Die Idee des Lebens ist zu wertvoll, als dass ich in einen bewusst eingeleiteten Prozess nach Gutdünken eingreifen und ihn durch die Freiheit menschlichen Handelns in Form der Abtreibung jederzeit zerstören kann.

[Dennis Riehle]

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