Lesermeinung zur Debatte, ob Konstanzer Gemeinde eine zu hohe Aufwandsentschädigung im Vergleich zu anderen Ehrenamtlichen erhalten…

Aufwandsentschädigungen für ein Ehrenamt sind nicht neu. Und doch wird die Diskussion um die Monetarisierung der freiwilligen Arbeit in den letzten Jahren immer lauter. Nicht zuletzt große Verbände heizen einen Wettbewerb um die besten Engagierten an. Das hat etwas von einer Ablöse großer Fußballer im Kleinen. Da wird mittlerweile von mancher Hilfsorganisation mehr als der Mindestlohn für Engagierte geboten, die ihren Dienst eigentlich aus dem Wortsinne heraus zur „Ehre“ erbringen sollen.

In Zeiten wachsender Geringverdiener, Langzeitarbeitsloser und Ein-Euro-Jobber wird das Ehrenamt zu einem Nebenverdient. Doch dafür war es nicht gedacht. Aufwandsentschädigungen sollen den Aufwand entschädigen, den beispielsweise ein Gemeinderat hat, wenn er in der Arbeitszeit die Sitzungen besucht und sich dafür vorbereiten muss. Da geht es nicht um entgeltlichen Ersatz, sondern seine Mühen sollen gewürdigt werden.

Generell könnte man davon ausgehen, dass jeder freiwillig Engagierte Investitionen für sein Tun erbringt – ob in Zeit, Geld oder immateriellen Ressourcen. Dafür sind entsprechende Kostenerstattungen und Entschädigungen gesetzlich vorgesehen – und legitim. Doch während ein Stadtrat ein öffentliches Amt übernimmt, kann sich ein Vereinsvorstand frei in seiner Arbeit entfalten. Zwar haben sich beide ihre Position ausgesucht, doch unterscheiden sie sich in Verantwortung und Ausführung ihrer Funktion.

Für mich ist deshalb das kommunalpolitische Mandat auch kein Ehrenamt im klassischen Sinne – und darf nicht als Richtschnur in der Debatte um die Monetarisierung des Freiwilligendienstes herangezogen werden. Ich wende mich nicht gegen Aufwandsentschädigungen, aber sie müssen verhältnismäßig sein. Ehrenamt muss in erster Linie weiterhin aus Bereitschaft zum gemeinnützigen Tun an der Gesellschaft motiviert bleiben, nicht am Geld. Es soll nicht zur subventionierten und niederschwelligen Arbeitsbeschaffung verkommen, das ist nicht Wert und Würde von Ehre.

Messen wir es an Barem, würden wir nicht nur Ideale zerstören, sondern auch Neiddebatten befördern, die das Ehrenamt in ohnehin schwierigen Zeiten von anspruchsvoller Nachwuchsfindung und komplexen Herausforderung nicht brauchen kann.

[Dennis Riehle]

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