Leserbrief zu
„Wir brauchen Sanktionen gegen Länder, die Christen verfolgen“, WELT vom 11.1.2018

Zweifelsohne gehören christliche Gläubige zu denjenigen weltweit, die die stärkste Verfolgung, Unterdrückung, Gewalt und Folter hinnehmen müssen. Doch warum fällt der Kommentar so einseitig aus? Natürlich bietet der aktuelle „Open-Doors“-Bericht einen Anstoß dafür, sich mit der Christenverfolgung auseinanderzusetzen.

Doch blicken wir darauf, welche Torturen Menschen unterschiedlichen Bekenntnisses hinnehmen müssen, dann sind es auch andere Religionszugehörige, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken sollten. Und es sind vor allem auch die, die überhaupt nicht glauben: Atheisten werden schikaniert, gepeinigt und verurteilt, weil die „Blasphemie“ noch vielerorts unter Strafe steht und gar den Tod bedeuten kann. Ich würde mir wünschen, dass wir die Realitäten mit mehr Weitsicht wahrnehmen – nicht nur aus dem Blickwinkel des christlich geprägten Deutschlands, in welchem Humanisten, Freidenker oder Konfessionslose auch in diesen Tagen Benachteiligungen in Bildung, bei Feiertagen oder in der Vertretung in öffentlichen Gremien hinnehmen müssen, obwohl sie zu einer immer weiter wachsenden Gesellschaftsgruppe gehören.

Nein, Christenverfolgung ist nicht hinnehmbar. Um aber ein Vorbild in Sachen Religionsfreiheit zu sein, sollten wir in unserem eigenen Land damit beginnen, gleichen Menschen gleiche Rechte zukommen zu lassen – ob sie nun glauben oder nicht.

[Dennis Riehle]

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