Lesermeinung zu
„Israel fordert Todesstrafe für Attentäter“, ZEIT vom 28.07.2017

Nein, es ist kein Antijudaismus, wenn ich mit großer Traurigkeit feststellen muss, dass Israel seit einigen Monaten und Jahren einen Weg weg von der Rechtsstaatlichkeit nimmt. Da geht es nicht um die Zuschreibung von Feindbildern, um das Drängen in eine Opfer- und Täter-Rolle, nicht um das Aufwiegen der Verbrechen auf beiden Seiten zwischen Israelis und Palästinensern.

So, wie wir den Terror von Islamisten verurteilen müssen, so entsetzt stelle ich jetzt fest: Israel verlässt mehr und mehr den Boden der Demokratie. Es ist dieses Vorzeigeland im Nahen Osten, auf das wir unsere Hoffnung setzen, weil es in Sachen Fortschritt, in Sachen Menschenrechten und Wertevorstellungen so vorbildlich war. Und nun will der Premier die Todesstrafe wieder aktivieren, fordert das Volk indirekt eine Aufhebung der Gewaltenteilung, wenn Urteile gegen eigene Soldaten nicht gefallen, die Palästinenser brutal ermordet haben, scheint die Pressefreiheit offen mit Füßen getreten, wenn kritische Blicke auf das Vorgehen Israels in den besetzten Gebieten als Antisemitismus gebrandmarkt werden.

Dass gleichsam Attentäter mit Messern auf Juden zugehen, den Tempelberg stürmen oder Siedler töten, das ist durch nichts zu relativieren. Doch dürfen wir von einem Land, das sich modern gibt und als Teil der Weltgemeinschaft im 21. Jahrhundert verankert ist, nicht verlangen, dass es Abschied nimmt vom biblischen „Auge um Auge“?

[Dennis Riehle]

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