Pressemitteilung

Konstanz. Kann und soll eine Psychotherapie über Videochats oder per Telefon ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht ersetzen? In Zeiten, in denen diese Frage durch immer neue Angebote auf dem Markt stetig aktueller wird, tun sich auch Patientenvertreter schwer mit einer endgültigen Einschätzung. Und nicht nur die: Auch in den Selbsthilfegruppen des Landes sind die neuen Formate der Psychotherapie Gesprächsthema, wie Gruppenleiter Dennis Riehle bestätigt. Er ist für die Selbsthilfe zu Zwängen, Ängsten und Depressionen im Landkreis Konstanz zuständig und berichtet von reger Diskussion über die Möglichkeit, die Psychotherapie künftig über verschlüsselte Dienste per Kamera und Bildschirm wahrzunehmen.

„Es zieht sich ein Riss durch die Betroffenen in unseren Gruppen. Gerade Patienten, die schon seit Monaten auf einen Therapieplatz warten, sind eher offen für eine digitale Psychotherapie. Andere wiederum lehnen solche Methoden grundwegs ab, fürchten sie sich doch vor fehlenden Interventionsmöglichkeiten, der unzureichenden Empathie oder einem ausbleibenden Vertrauensverhältnis, denn Viele nehmen die Kommunikation über Online-Medien noch immer als ungeschützten Rahmen wahr“, so Riehle. „Ich selbst sehe das Argument, dass digitale Psychotherapie gerade auf dem Land ein guter Ersatz sein könne, als schwierig an. Denn eigentlich müssten wir erwarten können, dass flächendeckend ambulante Psychotherapie in einer zumutbaren Erreichbarkeit gewährleistet ist. Wenn wir nun vermehrt auf Online-Psychotherapie setzen, dann nehmen wir auch die Politik aus der Verantwortung, einen Versorgungsauftrag sicherzustellen“.

Als Ersatz kann sich Riehle eine Psychotherapie über Videochat nicht ausmalen: „Auch per Telefon fehlt mir das Gefühl, meine Seele unmittelbar ausschütten zu können, sich in die Augen sehend die Reaktionen des Therapeuten wahrzunehmen. Es ist gleichsam die Empfindung nach Sicherheit, die mir online zu kurz käme. Dabei geht es nicht nur um den Datenschutz, der über die lange Leitung anfällig wird für äußere Eingriffe. Bei einem Therapeuten ankommen zu können, das gelingt nur bedingt, wenn man ihn allein auf der Leinwand verzögert mitverfolgen kann“. Zudem sieht der Gruppenleiter die Hürden für die Inanspruchnahme einer Online-Psychotherapie noch als viel zu hoch: „Auch wenn Studien die Wirksamkeit bestätigen, derzeit ist der Gedanke, wonach digitale Hilfestellung eine Variante darstellen kann, selbst im Gesundheitswesen nicht angekommen. Überdies scheint man sich generell schwer damit zu tun, auch diagnostisch über die Online-Medien tätig werden zu wollen. Ich denke, es braucht einerseits noch viel Zeit, andererseits zunächst den Anspruch, die digitale Psychotherapie als Ergänzung, nicht aber als Ersatz anzusehen“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

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