Leserbrief zu
„Familiennachzug für Flüchtlinge“, FOCUS 46/2017

Es ist richtig, dass das Grundgesetz die Familie schützt. Doch unsere Verfassung hat ihren Geltungsbereich lediglich in Deutschland. Kann sich also ein in der Bundesrepublik lebender Familienteil, der hier subsidiären Schutz genießt, auf Artikel 6 berufen, wenn er seine Familie aus dem fernen Ausland nachholen möchte?

Natürlich hat der Zusammenhalt der Familie oberste Priorität – und er ist gleichsam heilsam für Menschen, die Zuflucht bei uns gefunden haben. Doch wie sinnvoll ist die Botschaft, die wir mit einem pauschalen Recht auf Familiennachzug für jeden aussenden würden, der in Deutschland ankommt? Es wäre eine Einladung auf Zeit, denn die Prüfung subsidiär Schutzberechtiger kann in wiederholtem Abstand die Notwendigkeit der Ausreise zur Folge haben.

Dann wird eine komplette Familie wieder zurückgesandt, neue Gräben aufgerissen, ein Hin- und Herschieben der Kinder traumatisiert. Die neue Heimat wird genommen, die alte ist fremd geworden. Die Suche nach Wurzeln beginnt von vorne, die gemachten Hoffnungen werden enttäuscht. Der Nachzug der Familie erscheint dann pragmatisch, wenn auf Dauer Stabilität gewährleistet werden kann. Das wird dort nicht gelingen, wo ein Aufenthalt auf Zeit in Aussicht gestellt ist.

Auch das Grundgesetz ist logischem Denken unterworfen. Eine polemische Deutung nutzt niemandem, sie weckt nur falsche Visionen. Wer durch den Familiennachzug eine dauerhafte Unterkunft suggeriert, gaukelt Unwahrheiten vor. Das ist nicht nur fahrlässig, sondern verantwortungslos.

[Dennis Riehle]

Hörermeinung zum
Interview mit Michael Theurer über „Konsequenzen aus den Paradise Papers“, „deutschlandfunk“ vom 08.11.2017

Michael Theurer gibt ein gutes Bild ab, wenn er im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der „Paradise Papers“ davon spricht, wie frühzeitig die FDP bereits auf ein einheitliches europäisches Steuerwesen gedrängt habe, das Exzesse wie die jetzt bekannt gewordenen möglicherweise verhindert hätte.

Die Frage aber bleibt, wo sich die Steuersätze Europas treffen könnten – das wird die wahre Krux sein, die auch die Liberalen herausfordert: Geht es um ein „Steuerdumping“, also um einen möglichst geringen Steuersatz für alle – und damit um die Gretchenfrage von mehr oder weniger Staat? Oder blicken wir fair auf die Bedarfe, die die verschiedensten Länder haben, um ihrer sozialen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung einer Umverteilung in gerechtem Sinne nachzukommen – und legen wir einen Steuerwert fest, der sich nicht an des Unternehmens Wünsche anschmiegt?

Theurer ist in all seinen Aussagen nur zuzustimmen, gleichwohl bleibt bei mir eine grundlegende Skepsis, ob der Wettbewerb um das gerechteste Steuersystem für ganz Europa ohne ein staatliches Eingreifen wird gelingen können. Die unterschiedlichsten Nationen mit ihren verschiedensten Biografien, politischen Kulturen und geschichtlichen Prägungen werden sich nicht leicht auf einen Nenner bringen lassen, wenn Sozialismus auf Liberalismus prallt.

Und doch ist die grundlegende Idee der Freien Demokraten zielführend, denn der Flickenteppich unterschiedlichster Steuergrößen öffnet dem Missbrauch Tor und Tür.

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Pfarrer kritisiert kirchliche Lehre vom Sühnetod Jesu“, idea Spektrum 45/2017

Was wäre, wenn Jesus nicht für unsere Sünden gestorben wäre? Wenn er allein zu Unrecht verurteilt worden wäre, als ein Opfer bloßen Hasses hingerichtet, ohne jegliche Bedeutung für die Menschheit, ohne die Theorie des Sühnetodes, auf dem sich nach Meinung mancher Theologen die ganze Christenheit aufbaut? Dieser Tage wurde die Debatte darum neu entfacht. Ein Kölner Pfarrer hatte anlässlich des Reformationsjubiläums in Frage gestellt, ob Jesus sterben musste, um uns von unseren Vergehen zu erlösen. Rasch entbrannte die Diskussion um ein Fundament christlichen Glaubens, das anzuzweifeln in den Augen einiger Kleriker wohl eher „Todsünde“ als ein Fakt freier Meinungsäußerung sein dürfte.

Doch ohne jeglichen Belang war Jesu Tod für uns Menschen keinesfalls. Es war kein „Justizirrtum“, sondern ein vorsätzlicher Verrat und ein von durchtriebener Inhumanität geprägter Entschluss, ihn der puren Gewalt preiszugeben. Wäre Jesus heute noch unter uns, man hätte ihn „lediglich“ lebenslang ins Gefängnis geworfen. Und? Wäre die Menschheit dann auf ihrer Erbsünde sitzen geblieben, die von Paulus konstruiert nach den Geschehnissen im Paradies für ewig an den Spuren des Einzelnen haften würde? Und was hätte das für uns, für jeden von uns tatsächlich bedeutet? Können wir auf Gottes Sündenvergebung nur durch den Tod Jesu vertrauen?

Brauchte es eine Genugtuung für die Versündigung des Menschen im Garten Eden? Konnte das Erliegen der Versuchung nur durch ein Opferlamm wieder aufgewogen werden? Und ließ Gott seinen Sohn nur deshalb leiden, um selbst spüren zu können, was Leid tatsächlich bedeutet? Mit diesem Konstrukt schafft die Theologie auf katholischer wie protestantischer Seite einen neuerlichen Spagat, ein Spannungsfeld zwischen einem mitfühlenden Gott einerseits, einem blutrünstigen Schöpfer, der sein eigenes Blut für die Versöhnung mit der Welt vergießen lässt, andererseits. Doch wie empathisch ist ein mitleidender Gott, der in seiner Allmacht das eigene Fleisch am Kreuze hängen lässt?

Christi Tod offenbart uns die grenzenlose Gier des Menschen nach Macht, Einfluss und Unterdrückung. Wie die vielen Skandale in der Welt, die uns jeden Tag neu aufheulen lassen, so wurde auch er unschuldig in den Tod gesandt, ohne, dass Gott eingriff. So, wie er sich auch zurückhält, wenn heute politische Gegner in manch einem Staat gefoltert, gepeinigt und ermordet werden. Auf Golgatha wird viel eher die schreiende Ungerechtigkeit laut, die „Theodizée“-Frage, die niemand zu beantworten weiß. Jesu Ermordung ist Zeichen für die Unbarmherzigkeit des Menschen, nicht für den Leidensdurst Gottes.

Gott braucht kein Menschenopfer, um jedem von uns ganz persönlich zu vergeben. Was sollten wir noch reuig sein und Buße tun, wenn durch den Tod Jesu all unsere Schuld vergolten wäre? Gedankliche Verwirbelungen sind nötig, um die Sühneopfertheologie zu verteidigen, eine Prämisse wird um jeden Preis aufrechterhalten, die mit dem Gottesbild der Christen doch allzu wenig gemein hat. Dass Adam und Eva nicht widerstehen konnten, Gott kann es ihnen selbst anlasten. Er wollte die Treue des Menschen zu ihrem Vater testen, doch er scheiterte mit dem Feldversuch, Liebe durch Prüfung zu erzwingen.

Und trotzdem gab er sein Projekt nicht auf. Gott schuf Menschen wie die im Paradise, ohne dass die Bibel eindeutig erkennen lässt, wonach es einen Augenblick der Sühne gebraucht hätte. Viel eher ist es Gottes großer Liebesbeweis, dass er weitergemacht hat, dass er sich nicht aufhalten ließ von der negativen Erfahrung des Ungehorsams der beiden Geschöpfe. So, wie das Bild der Schmerzen einer gebärenden Frau nicht als Durchsetzung des Absolutheitsanspruches Gottes gewertet werden kann, der das weibliche Geschlecht bis heute für Evas Naivität straft, so ist Jesu Tod auch nicht Bedingung dafür gewesen, dass Gott uns all unsere Sünden vergibt.

Wie viel logischer erscheint es doch, wenn er uns als freie Menschen eigenverantwortlich für unsere Fehltritte einstehen lässt. Dass es keine Koexistenz des sterbenden Jesu als Versöhner bedarf, der in Stellvertretung für des Geschöpfes Unvollkommenheit die Vergebung Gottes aushandelt, das macht er nicht nur in Matthäus 6,14 deutlich. Nicht durch den Tod Christi kommt Vergebung auf Erden, sondern dadurch, dass auch wir bereit sind, unserem Nächsten seine Sünden zu erlassen, wird Friede gestiftet unter den Völkern – und mit Gott. Dann wird er Gnade walten lassen mit denen, die schuldig geworden sind – aber bußfertig bleiben, ohne auf die Erlösung durch Jesus Christus zu warten.

Wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand. Wir müssen Gottes Sohn nicht opfern, um mit uns mit unserem Schöpfer ins Reine zu kommen. Mit Jesus hat er allein ein Zeichen der Freundschaft, der Verbundenheit Gottes mit seinen Ebenbildern gesetzt. In ihm wird deutlich, dass er nicht unpersönlich herrscht und waltet, sondern uns kennt und liebt – als einer von uns. Jesu Schicksal, es steht viel eher für die Millionen Opfer menschlicher Willkür, für den grenzenlosen Egoismus von Vielen, den er nicht zu bremsen vermag. Denn Gott lässt uns leben in bedingungsloser Freiheit und Zuwendung. Er lässt geschehen, was nur wir verhindern können, doch er tröstet dort, wo wir unter uns selbst leiden müssen.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

Leserbrief zu
„Möbelhaus wirbt mit Zehn-Gebote-Spot“, proKOMPAKT 45/2017

Religiöse Gefühle – wer sie nicht hat, wird Schwierigkeiten haben, sie verstehen zu können. Nicht umsonst sind es immer wieder Satiriker, Unternehmen oder atheistische Kampagnen, die sich mit ihrer unsensiblen Art, witzig sein zu wollen, stets neu auf Kosten des religiösen Bekenntnisses von Menschen lustig machen.

Es zeugt von fehlendem Selbstbewusstsein, von fehlendem eigenen Glauben, wenn man sich über jene köstlich zu amüsieren vermag, die Sinn und Orientierung in ihrem Leben gefunden haben. Kleingeistigkeit und mangelnde Empathie für Überzeugungen, die nach dem Grundgesetz genauso geschützt sind wie die Meinungen derer, die sich mit ihrer Hilfe auf dem Boden der Niveaulosigkeit bewegen, resultieren aus einer persönlichen Leere an eigenen Visionen und Vorstellungen, von denen Gläubige reichlich besitzen.

Vielleicht ist es gar Neid, der sich als Ventil Bahn bricht aus einer Hoffnungs- und Ideenlosigkeit, hinaus in den Garten Eden der Betenden, die sich gar noch erbarmen, für die Fehltritte der selbsternannten Spaßtreiber der Nation Verständnis aufzubringen. Denn letztendlich kann es nicht mehr als leidtun, wenn Anstand und Erziehung fehlen, die dabei helfen würden, vor dem Schutzbereich des Gegenübers Halt zu machen.

Die Bibel sichert zu, dass auch die Gottes Geist empfangen werden, die mühselig und beladen sind. Wer weiß, ob die Luther-Veralberer und Zehn-Gebote-Spötter nicht zu ihnen gehören.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

Leserbrief
zur FDP-Kritik am „grünen“ Antrag zu Regenbogenfamilien im Landtag von NRW

Die FDP hat vollkommen recht, wenn sie die Frage stellt, welche Antwort die „Grünen“ im Landtag von Nordrhein-Westfalen auf die Verantwortungsbereitschaft von Vätern haben, deren Kinder in einer Regenbogenfamilie aus zwei Frauen leben.

Es ist das Recht eines Kindes, seinen Vater auch als solchen wahrnehmen zu dürfen – statt einer zweiten Mama verordnet zu werden, die automatisch, durch das Gesetz geregelt, mit der Heirat ihrer Ehefrau auch zur Mutter des Kindes wird, das eine der beiden Frauen mit in die Ehe bringt. Denn schon in heterosexuellen Familien, nach Scheidung und Trennung, stehen Väter in Deutschland oftmals alleine da mit ihren Ansprüchen, ihre Kinder zu Gesicht zu bekommen, den Umgang regeln zu können oder darauf zu vertrauen, auch nach dem Aus zwischen zwei Partnern zumindest die Elternschaft für das Kind nicht zerbrechen zu lassen.

Wir haben bereits heute eine Gesetzgebung und eine Rechtsprechung, die Väter – ob nun in „gewöhnlichen“ Familien oder aus Gleichgeschlechtlichen bestehend – nicht selten schlechter stellt als die Mütter. Dabei gehört der Vater nicht nur zwingend zur Zeugung hinzu. Auch im Erwachsenwerden eines Kindes spielt die männliche Figur eine bedeutende Rolle. Ganz abseits der Frage, in welchem Umfeld die Kleinsten nun heranwachsen, ihnen muss ein Anrecht auf die Einbindung des Vaters in jedwedes Familienkonstrukt erhalten bleiben.

Denn wie bei allen Fragen aus diesem Bereich hat auch hier das Kindeswohl an erster Stelle zu stehen. Und dass die „grün“ geforderte Abstinenz der Männer tatsächlich ohne Folgen für diejenigen bleibt, die irgendwann ganz natürlich nach einem Vater fragen werden, das kann ich nicht glauben – und will es auch nicht.

[Dennis Riehle]

Leserbrief zu
„Mehr Nutzen als Schaden“, „Stuttgarter Nachrichten“ vom 09.11.2017

Das Bundesverfassungsgericht hat der neuen Koalition – wie auch immer sie aussehen mag – eine wichtige Entscheidung abgenommen. Zwar wird es schwierig sein, ein „positives“ drittes Geschlecht zu finden, das seinen Namen angesichts der großen Bedeutung für intersexuelle Menschen verdient hat.

Dennoch war die Frage in der Gesellschaft schon länger präsent, als man es oberflächlich meinen könnte: Denn nicht wenige Bürger lassen sich früher wie heute ungern in Schablonen pressen. Nur, weil es bislang keine anderen Möglichkeiten gab, heißt das nicht, dass sich jeder mit der Zuschreibung „Mann“ oder „Frau“ wohlfühlte.

Wenigstens ist mit dem Beschluss der Richter eine Absurdität vom Tisch: Es wird nicht tausende neue Geschlechter geben, die sich jeder nach Belieben zusammenschustern kann. Ein einziges Geschlecht, das nicht „neutral“, sondern genauso „wertig“ sein wird wie das männliche und weibliche auch, wird hinzukommen, um dem Wunsch gerecht zu sein, den viele Betroffene lange Zeit unterdrücken mussten.

Ich kann die Sehnsucht gut verstehen, sich endlich einordnen zu können und nicht in der Luft zu schweben, nicht anerkannt zu sein, sondern gezwungen, eine durch die Gesellschaft geformte soziale Rolle anzunehmen, das ist wahrlich unwürdig. Und doch bleibt die legitime Befürchtung, ob mit der Entscheidung nicht Dämme gebrochen werden, die schlussendlich doch zur Aufweichung des Natürlichen führen: Es mag sein, dass wir uns aufgrund persönlicher Merkmale nicht als Mann, nicht als Frau sehen.

Doch es tut uns gut, wenn wir uns wenigstens irgendwie definieren können. Deshalb sei vor der Willkür der Normen gewarnt. Nicht umsonst versucht die Evolution, uns ein Geschlecht zuzuweisen. Identität ist ein Anker. Sie ist für den Menschen eine elementare Sicherheit. Lassen wir daher nicht zu, dass die Diskussion weitergeführt wird ins Unendliche, in das genderifizierte Nichtssagen. Drei Geschlechter sind genug, mehr braucht’s wirklich nicht.

[Dennis Riehle]

Lesermeinung zu
„Christliche Initiative: ‚Ehe theologisch nicht neu definieren‘“, „idea Spektrum“ 45/2017

Segen sollte jedem Menschen zuteilwerden. Doch ist auch alles Segen, was der Mensch zu tun vermag? 1. Mose 12,2 spricht uns als Personen an. Er nimmt Bezug auf das Liebesgebot aus 1. Johannes 4 und macht deutlich: Gott liebt jeden Einzelnen von uns. Er kann und will aber nicht alles gutheißen, was aus unserer Sicht richtig zu sein scheint. Denn mit einem Segen, da setzen wir ein Zeichen. Segnen heißt auch, ein Vorbild zu schaffen. Die Bibel kennt die Verbindung aus Mann und Frau als Ideal des Miteinanders an.

Als Homosexueller ist für mich wichtig zu wissen, dass Gott mich annimmt. Ich verlange von ihm nicht, dass mir Segen für etwas zugesprochen wird, das der Herr nicht kennt. Natürlich ist er auch dort, wo die Zuneigung unter zwei Gleichgeschlechtlichen greift. Das sichert uns Matthäus 18,20 zu. Die „Ehe für alle“ ist aber fern dem Zeugnis der Schrift, das sollten wir nicht zu deuten versuchen. Sie ist klar in Matthäus 19, 5 – 6. Eine weitergehende Exegese verbietet sich an dieser Stelle.

Nein, die Zweisamkeit unter zwei Menschen kann nicht Sünde sein, solange sie in Verantwortung gelebt wird. Und trotzdem obliegt es nicht der Kirche, dort Segen zu schenken, wo das Leben Wege abseits der biblischen Verheißung geht. Wir werten nicht ab, indem wir den Segen versagen. Doch wir können ihn nur dort erteilen, wo Gott seine offen erkennbare Zustimmung gegeben hat. Es ist nicht in unserer Hand, über die „Homo-Ehe“ zu richten.

Lassen wir ihn selbst walten, doch lassen wir uns nicht abbringen von unserem Gewissen. Wer nicht segnen kann um seines Bekenntnisses willen, der handelt in Verantwortung vor Gott. Das gilt es zu respektieren, das sagt nichts aus über den Menschen, der Segen gibt – und der ihn empfängt. Jeder von uns ist ein Segen, doch nicht jede Bindung kann Segen im Sinne des Herrn sein. Verzagen wir dennoch nicht, um seine Güte zu bitten. Denn das Herz Gottes, es ist weit!

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

Leserbrief
zu: „Penny verkauft ‚Zipfelmännchen‘ in Regenbogenfarben“, idea.de vom 05.11.2017

Bei allem Verständnis für das Eintreten von Gleichheitsrechten Schwuler und Lesben: Ich schäme mich als Homosexueller, wenn nun selbst das Nikolaus-Fest missbraucht wird, um auf empfundene Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft hinzuweisen.

Ein traditionsreiches Fest, hinter dem eine ernsthafte Botschaft von Armut, Gerechtigkeit und Empathie steckt, darf nicht für eine Werbemaßnahme zweckentfremdet werden, die mit dem eigentlichen Hintergrund des Brauchtums nichts gemein hat.

Ich distanziere mich als Schwuler von solch einer Vereinnahmung des Nikolaus-Festes für einen rein politischen Aufruf, denn es geht in Wahrheit nicht um die Liebe auch unter Gleichgeschlechtlichen, sondern um die Weiterverbreitung einer Ideologie, in der nicht nur Respekt, sondern Akzeptanz aufoktroyiert werden soll.

Schwule und Lesben sind nicht weniger, aber eben auch nicht mehr wert als alle Anderen. Wenn dieser Grundsatz durch ein ständiges Bevorzugen der Homosexuellenbewegung ins Wanken gerät, dann wackelt auch der soziale Friede.

[Dennis Riehle]

Kommentar

Ja, vor der (möglichen) zukünftigen Bundesregierung, da liegen tatsächlich viele Aufgaben. Von allen Seiten wird sie mit Themen beschossen, eines wichtiger als das andere. Manchmal tun mir die Unterhändler schon leid, denn was ist wirklich entscheidend in unseren Tagen? Ist es vordringlich, Artikel 3 des Grundgesetzes anzupassen? Einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie aufzulegen? Das weltweite Eintreten für eine Entkriminalisierung von LSBTI voranzutreiben? Sicher, manch ein Anliegen davon ist nicht nur sinnvoll, sondern gar erstrebenswert. Doch kämpft unsere Republik gerade nicht mit anderen Sorgen? Geht es da nicht um Existenzielleres, als um Feinheiten, die für Einige sicherlich eine große Bedeutung haben mögen, die in einem demokratischen Verständnis der Mehrheit aber zunächst einmal zurückgestellt werden sollten, bis wir all das gelöst haben, was uns gemeinsam noch viel dringlicher auf den Nägeln brennt?

Wenn ich Deutschland aus dem Blickwinkel des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) sehe, dann denke ich manchmal, wir lebten noch immer in einem Unrechtsstaat! „Menschenrechtsbasierte Gesetzgebung zur Anerkennung der Geschlechtsidentität“ ist eine weitere Forderung des LSVD anlässlich der Sondierungsgespräche einer möglichen Koalition, so verlautbarte es erst kürzlich gegenüber der Öffentlichkeit. Ja gelten in der Bundesrepublik denn noch immer keine Menschenrechte, so will man ob der skurrilen Formulierungen der selbsternannten Interessenvertreter von Homosexuellen fragen, die offenbar ernsthaft der Überzeugung sind, Deutschland sei auch im 21. Jahrhundert noch immer fern eines Rechtsstaates?!

Das Bestreben absoluter Neutralität. Keine Männer, keine Frauen mehr – nur noch ein „Es“. Gesetze berücksichtigen nicht Männlein, nicht Weiblein – so, wie Toiletten unisex sind und Ampelmännchen (pardon, -frauchen) nicht länger darauf hinweisen dürfen, ob und welchem Geschlecht sie denn möglicherweise zugehören. Ad absurdum führen schon lange „Binnen-I‘s“ und Sternchen (*) jeglichen Leser von geschlechtsneutralen Texten, die nun durchgängig Verwaltungen, Unternehmen und das gesellschaftliche Zusammenleben heimsuchen und das Land zu einer geschlechtsfreien Zone erklären sollen. So zumindest dürfte die Vorstellung sein, wenn man sich ernstlich vor Augen führt, was hinter den Anstrengungen steckt, die auch abseits jeglicher Wahlen auf Politiker einwirken.

Dass wir uns nach dem Erreichen eines großen Etappenziels, der Einführung der „Ehe für alle“, nun um die nächsten Wünsche derer kümmern müssen, die dem „Gendern“ verfallen sind, das dürfte nicht jedem schmecken. Verbindlichkeiten abzuschaffen und stattdessen der Beliebigkeit Tor und Tür zu öffnen, für die in vielen Teilen der Zivilgesellschaft nur beschränktes Verständnis zu herrschen scheint, ist das Aufgabe der Politik, die Verantwortung für die gesamte Gesellschaft trägt? „Können die denn nie genug kriegen“, so fragte mich erst kürzlich ein Bekannter, als wir darüber debattierten, was ich – als vermeintlich einer von „denen“ – denn so halten würde von den Ansinnen der Lesben- und Schwulenvertreter im Land, bei denen nach der Wahl schon wieder vor der Wahl zu sein scheint.

Ich mache mich keinesfalls lustig, weder über Homosexuelle, von denen ich selbst einer bin, aber auch nicht über Intersexuelle (zu denen man mich auch schon zählte), Transsexuelle oder wie auch immer jemand sich selbst zu definieren vermag. Doch wo ist Minderheitenpolitik gegenüber einer Mehrheit noch gerechtfertigt? Muss jede menschliche Besonderheit künftig eine gesetzgeberische Beachtung finden? Ist es verhältnismäßig, dass sich eine Vielzahl nach dem richtet, was einen Einzelnen in seinen Gefühlen zu verletzen droht? Und wie soll das Zusammenleben praktisch aussehen, wenn wir fortan tatsächlich unsere Identität verlieren und als Neutren durch die Welt gehen, in der wir jede Ecke und jede Kante einbüßen, vor Gleichmacherei auch noch unseren Charakter aufgeben?

Nein, ich verlange niemandem ab, dass er sich in ein Korsett einer Geschlechtsidentität presst. Wer nicht männlich und nicht weiblich empfindet, wer Frau zu sein scheint, aber eher Mann sein möchte – und umgekehrt, der hat weder weniger Wert als der, der männlich gestanden mit geschwellter Brust vor lauter Testosteron zu platzen droht. Der ist auch nicht „fremd“, vielleicht anders, hat aber dieselben Rechte wie jeder, für den es unsinnig sein mag, das Thema überhaupt zu diskutieren. Ja, wie Mann und Frau, so – nicht mehr, nicht weniger – stehen jedem von uns universelle Ansprüche zu. Dabei kann und will ich aber nicht glauben, dass wir in einem Land leben, in dem wir reihenweise von unserem Geschlecht Abstand nehmen, in welchem wir der Zugehörigkeit zu Mannsein oder Frausein versagen, vielleicht gar aus Solidarität mit denen, die sich nicht einengen, nicht einklassifizieren lassen möchten.

Wie jeder von uns sich in seiner Selbstverantwortung versteht, das ist die Privatsache eines Einzelnen. Wir können als Gesellschaft aber nur funktionieren, wenn wir gewisse Normen an uns anlegen, um Ordnung in ein Gemeinwesen zu bringen, das sich eben nicht erst seit gestern an der offensichtlich mehrheitlichen Geschlechtszuweisung von Mann und Frau orientiert. Es steht mir nicht zu, mich einzumischen in die emotionale Welt eines Anderen. Doch aus eigener Erfahrung weiß ich, welch unheimlich erlösendes Gefühl es gewesen ist, mich zu einem der gängigen Geschlechter zugehörig definieren zu können. Nein, nicht, weil ich damit auch Teil dieses angeblichen „Normalen“ wurde, sondern weil ich selbst nicht mehr ringen musste, nicht mehr durcheinander war ob des Auseinanderbrechens von äußerlichen Geschlechtsmerkmalen und inneren Empfindungen. Weil ich Gewissheit hatte und Ruhe finden konnte, deshalb war es für mich erleichternd, mich als Mann zu sehen – und ein solcher auch zu bleiben.

Und nochmals: Ich erwarte nicht, dass sich jemand in gleicher Art festlegt. Und doch kann ich in einer Gemeinschaft der Vielen doch um Verständnis bitten, dass die Zukunft nicht der Willkür überlassen wird. Wir brauchen Verlässlichkeiten, auf die wir uns berufen können, allein, um des eigenen inneren Friedens willen, aber auch, um nicht zu vergessen, dass die Natur offenbar Verschiedenheiten vorgesehen hat. Auch hier gilt: Es ist nicht eine Frage des „Besser“ oder „Schlechter“. Geschlechter sind jemandem gegenüber, der sich nicht einordnen kann, weder überlegen, noch dazu berechtigt, sich über ihn zu erheben. Und doch ist es eine Frage von Mehrheit und Minderheit – und von Egoismus und Solidarität. Denn ein demokratisches Gemeinwesen kann nur funktionieren, wenn nicht jeder Einzelne seine Rechte durchzusetzen vermag, sondern bereit ist, sich auf Nenner zu verständigen.

Und so wäre es auch an der Zeit, dass sich LSVD und alle, die berechtigt für ihre Klientel eintreten, bedachtsam geben in Forderungen, Erwartungen und Ansprüchen. Denn nichts wäre in Phasen der Geschichte, in denen wir uns neuerlich auseinander zu dividieren drohen, verheerender, als vordringlich auf Partikularinteressen von Minderheiten dort zu setzen, wo wir – und da gebe ich allen Kämpfern für mehr Gleichberechtigung vollkommen recht – noch genügend Arbeit damit haben, für deutlich Grundlegenderes zu werben: Homosexualität, Transsexualität, Intersexualität – sie alle müssen als gleichwertige, schützenswerte und respektierte Merkmale des Menschen selbstverständlich werden. Nicht auf dem Papier. Sondern im Alltag.

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Was versteht man im Sozialrecht eigentlich unter „Schwerbehinderung“? Was ist ein Schwerbehindertenausweis? Und wer hat Anspruch auf ihn? In einem aktualisierten Vortrag hat der Leiter der Litzelstetter Sozial- und Pflegesprechstunde, Dennis Riehle, Antworten auf diese Fragen zusammengetragen. Unter anderem erklärt er, wie die Berechnung des „Grades der Behinderung“ (GdB) zustande kommt, wann man im Arbeitsleben mit einem Schwerbehinderten gleichgestellt werden kann und was die Merkzeichen bedeuten, die auf einem Schwerbehindertenausweis zusätzlich angegeben werden.

Umfangreich stellen die Vortragsunterlagen dar, welche Nachteilsausgleiche mit dem Schwerbehindertenausweis in Anspruch genommen werden können, wie ein solcher überhaupt beantragt wird und was es beim Feststellungsverfahren zu beachten gilt. Neu sind darüber hinaus auch Informationen darüber, wann die Krankenkasse bei vorliegender Schwerbehinderung die Fahrtkosten für Krankenfahrten übernimmt und wie sich Arbeitnehmer im Umgang mit ihrer Schwerbehinderung am ehesten gegenüber dem Arbeitgeber verhalten sollten.

Der Vortrag kann kostenfrei unter Mail: Li-Na@Riehle-Dennis.de angefordert werden. Er ist auszugsweise auch gedruckt erhältlich (postalisch unter Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz). Die Sprechstunde der Litzelstetter Nachbarschaftshilfe unterstützt zudem niederschwellig und ehrenamtlich bei der Antragsstellung und allen weiteren Fragen rund um Pflege- und Sozialleistungen. Präsenztermine zum persönlichen Gespräch werden jeweils zeitnah bekanntgegeben.

[Dennis Riehle]