Pressemitteilung

Die Initiative „Bodanbürger“ ist nun auch ein Verein. In einer Gründungsversammlung am 28. Oktober 2015 in der Ortsverwaltung Dettingen-Wallhausen wurde einstimmig die Satzung verabschiedet, die die Grundlage für eine Eintragung in das Vereinsregister darstellt. Mit der Unterschrift von bislang fünf Gründungsmitgliedern und weiteren, die bereits von Interessierten angekündigt wurden, kann die Urschrift der Vereinssatzung zur Anmeldung beim Amtsgericht Freiburg eingereicht werden. Die Anerkennung auf Gemeinnützigkeit erfolgt noch nicht, da die „Bodanbürger“ neben dem Zweck der Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements noch einen weiteren aus der Liste der Abgabenordnung erfüllen müssen. Der neu gewählte Vorstand um Wolfgang Flick (Vorsitzender), Dennis Riehle (Erster Stellvertretender Vorsitzender, Schriftführer) und Ulrike Flick (Zweite Stellvertretende Vorsitzende, Kassiererin) zeigte sich aber optimistisch, durch Präsenz in der Öffentlichkeit dieses Ziel noch erreichen zu können.

Die Versammlung wählte überdies Martin Romer als Beisitzer. Bis zu fünf weitere Personen können hinzu kommen, wobei der Vorstand darauf achten möchte, dass alle Teilorte des „Bodanbürger“-Einzugsgebiets – also die Konstanzer Bodanrückvororte und Allensbach mit seinen Ortsteilen – unter den Beisitzern repräsentiert sind. Entsprechende Nachwahlen sind für die erste Mitgliederversammlung vorgesehen, die im März oder April 2016 einberufen werden soll. Auch legte die Gründungsversammlung die Mitgliedsbeiträge fest: Demnach beträgt der reguläre Mindestbetrag 49 Euro jährlich für Privatpersonen, Fördermitglieder, Institutionen, Unternehmen und Organisationen. Familienangehörige, Studenten, Auszubildende und Menschen mit geringem Einkommen zahlen einen ermäßigten Beitrag von mindestens 19 Euro. Freiwillig kann auch jederzeit ein höherer Mitgliedsbeitrag entrichtet werden.

Wolfgang Flick legte der Gründungsversammlung die Gründe dar, weshalb die vor über zwei Jahren ins Leben gerufene Initiative „Bodanbürger“ nun zum Verein werden sollte: Einerseits wolle man solide Strukturen schaffen, die von Seriosität und Verlässlichkeit gegenüber der breiten Öffentlichkeit zeugten. Auch die Finanzierung des Bürgerportals könne somit auf stabilere Füße gestellt werden. Letztendlich erhoffe man sich gleichsam, durch diese Institutionalisierung weitere Mitstreiter anzusprechen, die das Team unterstützten. Gerade außerhalb von Litzelstetten wolle man weitere Engagierte gewinnen, die sich mit der Idee der „Bodanbürger“ identifizierten. Die Verbundenheit mit der Region sei vielen Menschen ein Anliegen – und gleichzeitig brauche es Möglichkeiten, sich ins das gesellschaftliche Leben vor Ort einbringen zu können. Dafür seien die „Bodanbürger“ die ideale Plattform, die durch ihre Ehrenamtlichkeit eine Vielzahl an Diensten für die Bevölkerung frei zur Verfügung stellen könne.

Im Ausblick formulierte der frisch gewählte Vorsitzende, dass man die bisherige Arbeit fortsetzen wolle und nun umgehend die Anmeldung beim Registergericht vorantreiben werde. Mit Pressearbeit und einer aktiven Werbung von Interessenten wolle man die bereits zur Gründung eingegangenen und zugesagten zehn Mitgliedsanträge um ein Vielfaches erhöhen. Als Projekte überlege man sich die Eingliederung bestehender Angebote unter das Dach der „Bodanbürger“, wolle aber auch Anstöße geben – beispielsweise für den Einkaufsservice „1korb“ oder den eigenen „Online-Shop“. Als Schwerpunkte werde man ein Dossier zu den Landtagswahlen im nächsten Jahr erarbeiten und auch die Entwicklung um die Flüchtlinge begleiten. Die Erfahrungen aus der bisherigen Arbeit seien ein wesentlicher Beitrag, um die Aktivitäten nun noch zu erweitern: „Wir gehen die anstehenden Chancen, die sich schlussendlich für die ‚Bodanbürger‘ durch die Vereinsgründung ergeben haben, mit viel Elan an“, zeigte sich der Vorstand zum Abschluss der Versammlung zuversichtlich.

Die Satzung, aber auch der Mitgliedsantrag finden sich auf www.bodanbürger.de und können auch gern zugesandt werden (bitte über Tel.: 07531/697171, Mail: post@bodanbuerger.de melden).

[Dennis Riehle]

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Universität Konstanz ist durch Ihr Haus meine Petition vom 21. April 2015 zur Bearbeitung zugeleitet worden. Die Hochschule hat diese Eingabe bis heute nicht beantwortet.

Als zuständige Stelle ist sie nach Art. 17 GG hierzu aber verpflichtet. Ich habe dem Rektor mittlerweile erläutert, dass ich einen Entscheid auf meine Petition nicht mehr erwarte, nachdem davon auszugehen ist, dass die Universität als Empfänger einer Petition als Teil der Verwaltung an § 75 VwGO gebunden sein dürfte – also eine Stellungnahme nach maximal 3 Monaten abzugeben hätte.

Entsprechend rüge ich die Hochschule wegen vermeintlicher Verletzungen von Art. 17 GG und § 75 VwGO.

Damit ist der Vorgang als abgeschlossen anzusehen.

Freundliche Grüße

[Dennis Riehle]

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Beitrag „Rentner kassieren 5 Prozent mehr: Zahlen alle anderen jetzt wieder drauf?“, der am 29.10.2015 im „FOCUS online“ Newsletter erschienen ist, verstößt nach meiner Auffassung gegen Ziffern des Pressekodexes. Entsprechend wird eine Beschwerde vorgebracht. Ein Ausdruck ist beigefügt.

Begründung:

Die Wortwahl des „Kassierens“ in der Überschrift ist nach meiner Einschätzung ein Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodexes. Immerhin wird mit diesem Titel durchaus suggeriert, dass sich die Zugehörigen zu einer sozialen Gruppierung – nämlich die Rentner – unberechtigt durch eine Rentenerhöhung bereichern würden, die ihnen nicht zustehe. Der „Duden“ beschreibt den Begriff unter anderem mit „jemandem etwas wegnehmen; beschlagnahmen; sich etwas aneignen“. Verbindet man diese Bedeutung noch mit dem Fragesatz der Überschrift, wird diese vorwurfsvolle und beschuldigende Konnotation bestärkt. Ein Ausspielen verschiedener Bevölkerungsteile kann nicht Aufgabe der Presse sein und ist zu Recht im Pressekodex unter genanntem Abschnitt als unzulässig benannt.

Dass der Bericht insgesamt zu einer Tendenz der Unterstellung gegenüber den Rentnern votiert, zeigt auch die Unterüberschrift des letzten Absatzes, in der die Mutmaßungen aus dem Titel in eine klare Frage formuliert werden: „Bereichern sich die Rentner auf Kosten der Jungen?“. Auch wenn man sie als rhetorisch ansehen würde, ist sie in der Lage, sozialen Neid zu schüren – was wiederum ein weiteres Kriterium für den Verstoß gegen Ziffer 12 sein könnte.

Entsprechend bitte ich um Überprüfung und verbleibe
mit freundlichen Grüßen

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.

Pressemitteilung
Freier Journalist kritisiert auch jede Parteinahme gegen AfD u.a.: „Die (politische) Unabhängigkeit muss von Redaktionen ernst genommen werden!“

„Man muss nicht mit den Zielen einer Partei sympathisieren, um sie in einem Rechtsstaat gegen Verunglimpfung zu verteidigen“, sagt Dennis Riehle aus Konstanz, der beim Deutschen Presserat eine Beschwerde gegen die „BZ“ eingereicht hat. In einem Beitrag auf ihrer Webseite hatte die Redaktion eine Abbildung von Demonstranten der NPD veröffentlicht und getitelt: „Hier stehen die NPD-Würstchen allein mit ihrem Hass“ (http://www.bz-berlin.de/berlin/umland/hier-stehen-die-npd-wuerstchen-allein-mit-ihrem-hass).

Nach Ansicht des freien Journalisten geht die Überschrift der „BZ“ in diesem Falle eindeutig zu weit. In seiner Eingabe an den Presserat formuliert er deshalb: „Die alleinige Abneigung einer Redaktion beziehungsweise eines einzelnen Journalisten gegenüber einer politischen Richtung oder einer speziellen Partei reicht nicht aus, um eine derartige Wertung in Form persönlicher Herabwürdigung und Bloßstellung zu rechtfertigen. Die Meinung der Presse sollte sich einerseits nur in eindeutig hierfür gekennzeichneten Textarten (wie Kommentaren etc.) wiederfinden dürfen – und darf daneben in keinem Falle die Grundsätze von Verhältnismäßigkeit, Sachlichkeit und nachweisbarer beziehungsweise belegbarer Argumentationen verlassen“.

In seiner Begründung bezieht sich Riehle dabei auf die Präambel des Pressekodexes, die von der Presse Unabhängigkeit einfordert: „Diesem Grundsatz […] kann durch die reine Sensationsberichterstattung (Ziffer 11 des Pressekodexes), in der die Degradierung von Personen über dem eigentlichen Gehalt an Information angestrebt wird und die nach meiner Einschätzung im hiesigen Falle vorliegt, niemals Rechnung getragen werden“. Der Journalist sieht darüber hinaus weitere Kritikpunkte an dem von der der „BZ“ gewählten Titel: „Mit der Bezeichnung ‚Würstchen‘ sehe ich die Teilnehmer der im Text dargelegten Kundgebung in ihrer Ehre verletzt (Ziffer 9 Pressekodex), zumal darüber hinaus eine konkrete Verbindung mit einer möglichen Parteizugehörigkeit (NPD) verbunden wurde und somit auch eine unverhältnismäßige Schmähung von weltanschaulichen Überzeugungen (Ziffer 10 Pressekodex) in Frage kommt“.

Riehle stellt dabei allerdings auch klar: „Wenn ich solch eine Beschwerde einreiche, dann ist keinerlei Aussage darüber getroffen, dass ich die Politik der NPD rechtfertige oder unterstütze. Vielmehr müsste es Aufgabe jedes zivilgesellschaftlich denkenden Bürgers sein, sich für eine Ausgewogenheit von Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Persönlichkeitsrechten und Rechten zur Freiheit der Weltanschauungen einzusetzen“. Da die NPD weiterhin nicht verboten sei, gehöre es auch zur Demokratie, Menschen mit ihrer politischen Überzeugung nicht zu benachteiligen und Ansichten auszuhalten, die man selbst nicht nachvollziehen kann: „Es beunruhigt mich, dass wir seit langem eine Vielzahl an Medien haben, die bestimmte Parteien aus jeglicher Berichterstattung ausnehmen oder sie in einem gänzlich voreingenommenen Licht zeigen. Das trifft im Augenblick besonders auch die AfD und andere politische Kräfte“. Damit lasse die Presse auch die Gelegenheit aus, mögliche Anschuldigungen gegen Ideologien in ihrer Wahrhaftigkeit zu bestätigen.

Denn immerhin sei laut Riehle Kritik an allen politischen Haltungen zwingend. Sie ende aber dort, wo sie in pure Ausgrenzung und Denunzierung übertrete. Wer Radikalisierung entgegenwirken wolle, erreiche mit Beschimpfungen gar nichts. Stattdessen werde jeglicher Populismus aller Couleur gefördert und Vorwürfe der Intoleranz gegenüber der Demokratie unterstützt: „Mit dumpfen Aussprüchen begibt man sich nicht nur auf die Ebene von Außenseitern, sondern erweist unserer Staatsform einen Bärendienst“, meint der Journalist. Er appelliert an die Presse, sich ihrer Verantwortung auch in diesem Hinblick bewusst zu sein. „Nicht alles, was besonders markig daherkommt, nutzt dem beabsichtigten Zweck. Deshalb rate ich zu Fairness, denn Argumente mögen zwar nicht jeden erreichen, nehmen aber die Angriffspunkte auf unsere freiheitliche Rechtsordnung“, so Riehle abschließend.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Medien.

Pressemitteilung
Konstanzer reicht Petition gegen Portoerhöhung ein

Die Deutsche Post hat angekündigt, das Porto für Briefe zum Jahreswechsel neuerlich zu erhöhen. Dies ist die dritte Anhebung innerhalb kurzer Zeit. Auch wenn das Entgelt recht lange unverändert blieb, sind die nun aufeinander folgenden Portoerhöhungen gerade auch für Menschen mit wenig Geld eine ganz erhebliche Belastung, das meint zumindest der Konstanzer Dennis Riehle, der dem Petitionsausschuss des Bundestages eine Eingabe vorgelegt hat, die eine Änderung des bestehenden Postgesetzes (PostG) vorsieht. Die dynamische Entwicklung der Entgeltanpassungen wird seiner Meinung nach nur unzureichend in der Berechnung von Sozialleistungen berücksichtigt. Auch zweifelt der Petent an den Gründen, die die „Deutsche Post“ für ihre Erhöhungen vorgibt – und verlangt deshalb, die Kontrollen durch die für Postangelegenheiten verantwortliche „Bundesnetzagentur“ konsequenter zu betreiben. Auch für die Wirtschaft seien die Anhebungen des Portos nicht nur ein Wettbewerbsnachteil, sondern gerade für kleinere und mittlere Unternehmen ein Hemmnis im Wachstum. Für die öffentliche Hand, die auf den postalischen Schriftverkehr angewiesen ist, sieht Riehle eine erhebliche Auswirkung für das Budget.

Zwar fordert Riehle, dass eine Begrenzung der Portoerhöhungen nicht zu Lasten der Beschäftigten bei der „Deutschen Post“ gehen dürften. Die Argumentationen des Vorstandes nach ständig wachsenden Kosten hält Riehle aber für „vorgeschoben“. Entsprechend sollen auch die bisherigen Preisanhebungen nochmals überprüft werden. In der Eingabe heißt es in Bezug auf das Unternehmen: „Selbst wenn die Privatisierung wettbewerblichen Spielraum garantiert, müssen marktbeherrschende Anbieter von Dienstleistungen der Daseinsvorsorge zur Verhältnismäßigkeit gedrungen werden. Der Gesetzgeber hat die Aufgabe, Machtpositionen Einhalt zu gebieten und in der Ausgestaltung von Preisen dort Grenzen zu setzen, wo die Bürger auf die die öffentliche Infrastruktur angewiesen sind. Zwar sieht die aktuelle Fassung des PostG eine Regulierung durch die zuständige Behörde vor. Eine tatsächliche Orientierung zur Limitierung von Entgelten liefert das Gesetz allerdings nicht. Es gibt der Aufsicht lediglich ‚Maßstäbe zur Entgeltgenehmigung‘ (§ 20 PostG) an die Hand, ohne – wie in anderen Bereichen – entsprechende ‚Bremsen‘ oder ‚Koppelungen‘ zu formulieren“.

In seiner Petition formuliert Riehle überdies: „Auch im Zeitalter der elektronischen Kommunikation ist der Briefwechsel bis heute eine nicht aus dem Alltag wegzudenkende Selbstverständlichkeit. Verbindlichkeit und Authentizität kann oftmals nur in der postalischen Schriftform erreicht werden. Behörden, Ämter und Institutionen verlangen zu Recht auch weiterhin in vielen Fällen das Einhalten des Postweges für die Gewährleistung von Datenschutz und Sicherheit im Austausch von Informationen. Rechtliche Gültigkeit wird in vielen Fällen nur durch den Nachweis der Papierform erzielt. Unter diesem Umstand sind alle Bürgerinnen und Bürger verpflichtet, neben den kostenlosen Wegen der digitalen Kommunikation den nicht entgeltfreien Schriftverkehr – besonders auch im öffentlichen Bereich – zu pflegen. Zur sozialen, politischen und wirtschaftlichen Teilhabe gehört die Möglichkeit, per Post kommunizieren zu können. Nur so entstehen Rechtsansprüche, die auch dazu beitragen können, Existenzsicherung zu wahren. Solange der Staat und seine Körperschaften berechtigt verlangt, den Postweg als unverzichtbares Kommunikationsmittel vorzuschreiben, muss er auch dafür sorgen, dass der Zugang zur postalischen Kommunikation gesichert bleibt“.

Die Petition kann unter https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2015/_10/_21/Petition_61714.html von jedermann mitgezeichnet und damit auch unterstützt werden.

[Dennis Riehle]

Glosse zur Familiensynode

An manchen Orten malen die Mühen langsam. Und wiederum an anderen Orten bleiben die Uhren vollständig stehen. Doch die Rettung naht: Nein, nicht Jesus persönlich stieß den Zeiger wieder an, sondern viele von seinen Nachfolgern auf weltlichem Boden – ganz vorne dabei die leibeigene Stellvertretung. Papst Franziskus, der Revolutionär, hat es doch tatsächlich vollbracht. Das, was in der westlichen Hemisphäre als selbstverständlich galt, war offenbar in diesem kleinen Flecken Erde namens „Vatikan“ in den vielen unterirdischen Gängen und Verstecken wohl behütet worden: die Menschenrechte.

Es kommt also mindestens einem Wunder gleich, dass die Synode von Kardinälen und Bischöfen in Rom zur Weisheit des Heiligen Geistes gelangen durfte und feststellte: Homosexuelle verdienen doch tatsächlich Respekt! Ja, es war wohl über lange Zeit hinweg unklar, wie man diese in ständiger Sünde lebenden Geschöpfe denn nun einordnen soll: Sind es wirklich Menschen, die da ihres gleichen Geschlechts zu lieben vermögen? Nun, das wäre vielleicht für den Anfang dann doch etwas zu viel. Mit Gnade und Barmherzigkeit solle man ihnen begegnen, diesen vom Weg abgekommenen Kreaturen, denen doch hinter manch vorgehaltener Hand katholischer Priester schon einmal die Verantwortung für ihre Verwirrung genommen wurde – denn wie solle es zu solchen Entgleisten gekommen sein, beim schöpferischen Akt – der Schaffung von Leben -, wenn nicht durch den Herrn persönlich?

Ja, es ist auch wirklich keine schöne Sache, wenn der Chef selbst seine eigenen Mitarbeiter in solche Zwickmühlen fallen lässt. Da formt er sein Ebenbild – und kommt immer öfter vom eigenen Plan ab. Nicht Mann zu Frau, sondern im Gräuel der Gleichgeschlechtlichkeiten begehren sich dort einige. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“*, wird so mancher Pfarrer fragen, wenn das Weibe vor ihm steht und etwas beichtet, was streng genommen mit dem Tode zu bestrafen ist. Doch der Pontifex will es nicht anders: Respekt soll man ihr zollen, statt sie mit Steinen zu bewerfen – vielleicht auch besser so, denn wer im liturgischen Gewand kann es sich zutrauen, den ersten Stein in die Hände zu nehmen**? Aber ein bisschen Mitleid darf es auch weiterhin sein. Dem Schwulen helfen, nicht der aktiven Lust zu verfallen, höchstens der passiven – das ist doch pure Zuwendung. Und so schwierig dürfte es auch nicht sein: Das Existieren in Enthaltsamkeit und Keuschheit, wer kennt es im Klerus denn nicht, ist ein Geschenk – genauso wie unbequeme Socken. Es drückt und kratzt, doch Oma im Himmel sieht es so ungern, wenn man Handgestricktes nicht mit Würde trägt.

A propos: Würde? Vielleicht gibt es das beim nächsten Mal, wenn sich die Gesandten wieder um diesen oder einen neuen „Brückenbauer“ versammeln werden. Bis dahin bleibt der Homosexuelle der, der die Erbsünde trägt. Für seinen Mut, vom Baume gegessen zu haben, gibt es schon jetzt lobende Worte. Doch mit den Konsequenzen muss er dann doch erst einmal allein klarkommen. Tatsächlich sind wir Schwule und Lesben Gebeutelte, denen jeden Tag neu ihre Schmach offenbar wird. Wer einst dachte, das schelmische Grinsen des Jorge Mario Bergoglio*** sei Ausdruck von Freundlichkeit, der weiß spätestens jetzt, dass es lediglich die Zufriedenheit über seinen großen Erfolg ist: Respektieren statt Tolerieren, Ignorieren statt Akzeptieren. Für einen Tag reichte diese gefuchste Gleichung, um sich in der ganzen Weltpresse neuer Huldigungen sicher sein zu können. Und was interessiert das Morgen, wenn es doch 2000 Jahre brauchte für diesen Meilenstein. „Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein“****: Homos sind auch nur Menschen!

* Johannes 9, Vers 26 – 27 (u.a.)
** nach Johannes 8, 7
*** Bürgerlicher Name von Papst Franziskus
**** Evangelisches Gesangbuch (Nr. 225)

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

Kommentar
Vermischung verharmlost rückständige Strömungen innerhalb des Islams

Wenn Politiker nach den Sorgen in der deutschen Bevölkerung vor einem wachsenden Einfluss des Islam in der Bundesrepublik gefragt werden, bedienen sie sich nicht selten einem Vergleich, der nicht nur hinkt, sondern auch gefährlich ist: Erst kürzlich war es wieder eine Vertreterin von „Bündnis 90/Die Grünen“, die in einer Talkshow feststellte: Ängste seien deshalb unbegründet, weil ja nicht nur der Koran voll sei von Gewalt und Hass. Die Bibel sei es mindestens genauso. Und Christen würden deshalb ja auch nicht zu radikalen Kämpfern, die den Staat bedrohten.

Man möchte nicht nur dieser Politikerin nahelegen, sich nochmals mit der Geschichte zu befassen. Alle Religionen waren oder sind über lange Zeiten hinweg Auslöser von Kriegen und Auseinandersetzungen gewesen. Durch verschiedenste Einflüsse gelang es einigen Weltanschauungen, sich einer Säkularisierung zu unterziehen. Der teilweise mühsame Weg der Auslegung „Heiliger Schriften“ ist auch im Christentum bis heute nicht vollends abgeschlossen. Und auch nicht überall hat die Aufklärung dazu geführt, Menschen zu befähigen, Aufzeichnungen aus der Vergangenheit so zu interpretieren, dass nicht das geschriebene Wort, sondern die daraus wirkende Botschaft symbolhaft als Handreichung dienen soll, die stets einer Reflexion durch unseren Verstand bedarf.

Die islamische Welt hat bis heute kaum die Möglichkeit gehabt, sich diesen „vernünftigen“ Blick auf ihren Koran anzueignen. Exegese ist nicht gewollt und deshalb auch nicht praktiziert. Ob man „den Muslimen“ dafür eine Verantwortung geben kann, mag dahingestellt bleiben. Manche Beobachter sagen, das Christentum habe „Glück“ gehabt, mit der Demokratie in Berührung gekommen zu sein. Erst dadurch sei es unumgänglich gewesen, rechtsstaatliche Werte und Normen über religiöse Bestimmungen zu stellen – und das von großen Teilen der Gesellschaft auch akzeptiert. Allerdings zeigen Erfahrungen der letzten Jahre, dass der Versuch, Menschenrechte zu oktroyieren, zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist, solange die Zeit nicht ausreichte, um das Begreifen dieser Zusammenhänge auch bis in die Tiefen der verschiedenen Völker zu tragen.

Religionen scheinen besonders dann anfällig, missbraucht zu werden, wenn ihr Machtanspruch nicht durch geistliche Autoritäten relativiert wird. Fehlender Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, wirtschaftliche und soziale Nöte sowie Perspektiven für das Leben, die sich allein auf dem Glauben begründen, sind Katalysatoren für eine besonders extreme und offensive Verteidigung der eigenen Überzeugung. Nein, all das kann, soll und darf Anhänger einer Weltanschauung nicht in Schutz nehmen, wenn sie im Namen ihrer Religion zu Unfrieden anstiften. Denn auch wenn der humanistische Einfluss Schwierigkeiten hat, in den Regionen mit überwiegend islamischer Prägung überhaupt Fuß zu fassen und nur von einzelnen Minderheiten, Strömungen oder Einzelpersonen geteilt wird, die wiederum in Angst vor den radikalisierten Kämpfern leben, kann ich auch von letztgenannten Extremen, die Respekt und gar Unterordnung einfordern, erwarten, den Erdball als einen Ort zu begreifen, an dem es aus reiner Vernunft nur im Miteinander funktioniert. Es sei denn, ich muss mir eingestehen, dass große Breiten des Islams einem Fanatismus unterworfen sind, dem mit Rationalität nicht zu begegnen ist.

Man kann sicher feststellen, dass einem nicht geringen Teil der islamischen Welt, der (wie die meisten anderen Religionen auch) – und das durchaus verständlich – seine Grundlagen in den religiösen Schriften findet, die Fähigkeit zur Selbstkritik, die die notwendigste Eigenschaft für eine gesunde Weltanschauung ist, zum jetzigen Zeitpunkt fehlt. Wer dagegen hält und entsprechend Vergleiche zwischen den Religionen bemüht, vergisst, dass die Trennung zwischen Buchstabentreue eines religiösen Bekenntnisses und der gelebten Praxis der Gläubigen zwar für weite Teile des Christentums gelten mag, aber deswegen keinesfalls für den Islam selbstredend ist. Wer vermischt und leugnet, dass zwischen Theorie und Anwendung von Auffassungen natürlicherweise nicht unterschieden wird, der gewährt einer Vielzahl von Muslimen einen ungerechtfertigten Vorschuss an Vertrauen.

Die Naivität, zu denken, was im Christentum normal sei, könne auch von anderen Religionen abverlangt werden, setzt voraus, von gleichen Standpunkten aus zu argumentieren. Und natürlich sind es wiederum nicht „alle Muslime“ und auch nicht der „gesamte Islam“, die unserer Kultur und dem unsrigen Verständnis von der Welt vollkommen abgeneigt wären. Positive Erfahrungen zeigen, dass eine geordnete Integration durchaus in der Lage ist, auch Gläubige aus dem Islam, die bereits mit Bildung und Weitsicht in unserem Land um Aufnahme bitten, von einem säkularisierten Gesellschaftsmodell zu begeistern, in dem eine Verfassung gilt, die zwar auch schon in die Jahre gekommen ist und immer wieder neu eine zeitgemäße Deutung braucht – aber eben bereits unter einer Atmosphäre entstand, in der Religion und Staat eine klare Rangfolge einnahmen.

Uns steht es keineswegs zu, aus Begeisterung über unseren Glauben oder unsere Ideologie gleichsam der restlichen Welt diese Errungenschaften aufzuzwingen. Doch eines können wir verlangen: Wer zu uns kommt, darf nicht den Genuss der Freiheit kosten, den wir so lieben, ohne dafür auch Verpflichtungen einzugehen. Und der kleinste Nenner bleibt dabei die Achtung vor einer Tradition, einer Geschichte und einer Staatsform, über die wir nicht verhandeln können. Praktizierter Glaube muss sich in dieses Geflecht aus Grundsätzen einfinden – auch wenn Schriften etwas Anderes verheißen. Wer diesen Spagat nicht bewältigen kann, wird immer wieder in Konflikt mit Gesetz und Gesellschaft geraten. Und auch diejenigen, die in ihrer Fürsorglichkeit jedem neuen Mitbürger in unserem Land pauschal diese Fertigkeit zusprechen, sind mitverantwortlich für berechtigte Sorgen über eine „Islamisierung“ in der Bundesrepublik, die letztlich nichts Anderes beschreibt als die Furcht vor dem Verlust über Jahrhunderte errungener säkularer Rechte. Gutgläubigkeit passt eben einfach nicht in Epochen, in denen wir einen Umbruch erleben…

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung
…und mich für eine Interessenpolitik kritischer Homosexueller stark mache…

Mehr Rechte hier, mehr Gleichstellung dort: Interessenverbände vertreten die Anliegen ihrer Mitglieder. Zweifelsohne dürfen sie das, doch kritisch wird ein solcher Einsatz immer dann, wenn er den Eindruck erweckt, für eine ganze Gruppe sprechen zu wollen – oder ideologisch einseitige Forderungen zu stellen. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Homosexuellen in Deutschland weitere Gleichberechtigung zukommen zu lassen. Mit Nachdruck und Engagement werden nahezu täglich neue Missstände aufgezeigt und Appelle gegen die angeblich noch immer stark ausgeprägte Diskriminierung Schwuler und Lesben gerichtet.

Ich bin selbst schwul – und stehe deshalb nicht im Verdacht, einen Verband zu kritisieren, der überhaupt nicht mein Klientel repräsentieren würde und von dem ich keine Ahnung hätte. Im Gegenteil: Ich sehe mich als Verfechter für die Anliegen Homosexueller. Und trotzdem bin ich nun aus dem LSVD ausgetreten. Warum? Ich formulierte es vor kurzem mit einer schon nahezu abgedroschenen Floskel: „Nicht die, die besonders laut schreien, müssen immer Recht haben“. Denn diesen Eindruck erweckt der Lesben- und Schwulenverband seit Jahren auf mich. Nahezu das Mitleid von Politik und Bevölkerung, Menschenrechtlern und Antidiskriminierungsstellen provozierende Aussagen sind nicht das, was für mich eine gute Interessenvertretung ausmacht.

Ein Mitstreiter erklärte mir vor einiger Zeit, es müsse das Ziel der Schwulen- und Lesbenbewegung sein, mindestens die gleichen Rechte für Homosexuelle zu erreichen wie für die restliche Bevölkerung. Mindestens genauso viele Rechte wie für andere Bürger? Nein, ich möchte nicht „besser“ behandelt werden wie der Heterosexuelle aus der Nachbarschaft – denn ich habe keine besondere Fürsorge nötig. Strukturelle Folter und Gewalt gibt es gegenüber Homosexuellen in Deutschland glücklicherweise schon seit längerem nicht mehr. Und trotzdem beschleicht mich die Wahrnehmung, dass gerade eine zugespitzte, weit übertriebene Darstellung der Dinge Verantwortliche in der Gesellschaft unter Druck setzen soll. „Seht her, wie schlecht es uns Schwulen und Lesben doch geht“, könnte man die Eindrücke zusammenfassen, die man beim Lesen von Veröffentlichungen des LSVD erhält.

Ich frage mich, wie ein Miteinander funktionieren soll, wenn jeder Interessenverband der vielen Minderheiten in Deutschland derart offensiv seine Sichtweisen vertreten würde, wie es der LSVD tut. Es geht nicht schnell und weit genug, was die Politiker beschließen. Es reicht nicht aus, was an großen Schritten bereits erreicht wurde. Ob „Homo-Ehe“, Steuergleichheit oder Adoptionsrecht – wenn es nach dem LSVD ginge, wäre all das schon vorgestern umgesetzt worden. Ohne Rücksicht darauf, dass eine Gesellschaft auch Zeit benötigt, Veränderungen anzuerkennen. Das Grundgesetz garantiert uns allen Würde und sichert auch zu, niemanden zu benachteiligen. Natürlich ist der Status von Schwulen und Lesben in verschiedenen Bereichen noch nicht der, den Heterosexuelle ganz selbstverständlich erreichen. Aber können wir von einer strukturierten und gar systematischen Herabwürdigung sprechen, die Homosexuellen quer durch die Lande zuteilwird? Und was verstehen wir eigentlich unter Nichtachtung? Ist beispielsweise das Festhalten an der verschiedengeschlechtlichen Ehe als Idealtypus des Zusammenlebens und des Ortes von Fortpflanzung gleichzusetzen mit einer Diskriminierung homosexueller Partnerschaften?

Wir sind heutzutage rasch dabei, uns über Ausgrenzung zu beschweren. Dort, wo nicht alles gleich ist, scheinen zwangsläufig Schmähungen zu herrschen. Ich weiß nicht, ob der LSVD tatsächlich für alle Lesben und Schwule in Deutschland spricht, wenn er einerseits Toleranz einfordert – andererseits gerade Homosexuelle aber selbst am besten wissen, wie intolerant es in den eigenen Reihen zugeht. Oberflächlichkeit prägt oftmals das Miteinander. Der Körperkult entscheidet über den Wert eines Menschen. Und beim CSD betreiben wir eine Sexualisierung – von einer politischen Demonstration sind nackte Oberkörper und der Wettbewerb um das schönste Kostüm geblieben. Nein, nicht nur die ältere Generation nimmt daran Anstoß – auch ich stehe immer wieder irritiert am Straßenrand, wenn sich mitten im Sommer vermeintliche Karnevalszüge an mir entlang rauschen. Schwule und Lesben wollen ein gleichwertiger Teil der Gemeinschaft sein – und setzen dennoch immer wieder darauf, Vorurteile zu bedienen und eine Parallelwelt (die bekannte und unter Homosexuellen gleichsam verpönte wie geliebte „Szene“) aufrecht zu erhalten.

Man schreibt mir die Eigenschaft zu, in vielen Fragen „konservativ“ zu sein. Und ja: Ich halte durchaus an Traditionen fest – und habe zumindest Verständnis dafür, dass Normvorstellungen nicht von jetzt auf nachher wandlungsfähig sind. Gerade der LSVD spricht immer wieder von der Vielfalt – in Wirklichkeit verfolgt er nicht nur eine Gleichmacherei, sondern den Versuch, seiner Sicht eine pauschale und unumstößliche Verbindlichkeit zu verleihen. Kritische Meinungen über das Konzept des Verbandes sind nicht willkommen. Die Mitarbeit von Mitgliedern, die nicht „auf Linie sind“, scheint nicht gewollt. Sprachlosigkeit gegenüber differenziert Denkenden ist auch eine Form der Missachtung. Und sie habe ich im LSVD so erlebt: Zurücksetzung gerade dort, wo die Freiheiten der Demokratie bis auf das Letzte ausgereizt werden sollen. Ein Verband, der über seine Weltanschauung nicht zu reflektieren bereit ist und keinen Hehl aus seiner eindeutigen politischen Gesinnung macht, braucht aus meiner Sicht ein Gegengewicht. Denn ich weiß, dass ich nicht der einzige „bürgerliche Schwule“ in diesem Land bin…

[Dennis Riehle]

Pressemitteilung

Kennen Sie eigentlich Ihre Mitbürger? Wissen Sie, wer Ihr Nachbar ist? Und woher Ihr die Bewohner von der nächsten Tür stammen? Litzelstetten ist spätestens seit der zunehmenden Bedeutung der Universität zu einem prosperierenden Teilort geworden, der sich in der Zusammensetzung seiner Bevölkerung verändert hat. Studierende und Lehrende haben sich hier niedergelassen, aber auch für junge Familien wird unser Dorf immer häufiger ein attraktives Lebensumfeld – und nicht zuletzt auch die älteren Menschen schätzen die Mischung aus guter Infrastruktur und ländlichem Raum.

Doch durch die verstärkte Fluktuation fällt es auch immer schwerer, die „Ureinwohner“ mit den neu nach Litzelstetten gezogenen Bürgern in Austausch zu bringen. Manches Mal holt uns der Eindruck ein, die Einheimischen bilden ihre beständigen Strukturen. Und die „Reing’schmeckten“ vernetzen sich (verständlicherweise) unter ihresgleichen. Bürger, deren Vorfahren schon in Litzelstetten lebten, aber auch Menschen, die nun schon seit Jahrzehnten hier wohnen, und diejenigen, die ganz frisch zur „Dorfgemeinschaft“ zählen – unter ihnen Kontakte zu knüpfen, ist es eine Herausforderung. Nicht erst durch diejenigen, die derzeit in unserer Stadt Asyl und Zuflucht suchen, wird das Miteinander lebendiger. Bereits seit Jahren merken wir, wie neue Bürger Innovationen, Anregungen und Ideen „von außen“ beisteuern. Und gleichzeitig wäre unser Ort viel ärmer, gäbe es nicht die, die Geschichten aus Litzelstetten erzählen könnten, Traditionen pflegen und sich mit Gepflogenheiten und Historie auskennen.

Um diese wertvollen Ressourcen zu verbinden, „alte“ und „neue“ Litzelstetter anzunähern, sich gegenseitig auszutauschen, einander mit Informationen zu helfen, Vereine und Institutionen vorzustellen, Tipps und Ratschläge für das „Einleben“ zu geben oder einfach nur über aktuelle Themen, Interessen und Freizeit ins Gespräch kommen, locker miteinander plaudern und somit Nachbarschaften vital zu gestalten – das soll Ziel eines angedachten „Litzelstetter Nachbarschaftstreffs“ sein, der in Form eines Stammtischs regelmäßig in ungezwungener Runde diejenigen einlädt, die den Ort schon lange kennen oder erst seit kurzem hier sind. Wer Freude am Kennenlernen, Neugier auf neue Kontakte oder Lust darauf hat, die Mitbürger über die eigenen vier Wände hinaus kennen zu lernen, ist herzlich willkommen!

Initiator Dennis Riehle, der seit Geburt in Litzelstetten wohnt, erklärt seine Idee mit den eigenen Erfahrungen: „Natürlich kenne ich die Einheimischen. Aber auch in meinem Umkreis gibt es einen beständigen Wechsel. Und mit manchen Bewohnern vom Haus gegenüber, die nun schon seit Jahren oder Monaten dort leben, konnte ich noch nie einige Worte wechseln. Dabei ist es doch gerade im Angesicht des demografischen Wandels von großer Bedeutung, die kleinräumigen Nachbarschaften als besonders wichtig zu würdigen“. Langfristig könnte überlegt werden, so Riehle, ein derartiges Projekt an einen der bestehenden Vereine anzuschließen.

Zunächst werden Interessierte gebeten, die an einem „Nachbarschaftstreff“ Gefallen finden, sich Dennis Riehle zu melden (vorzugsweise per Mail: email@riehle-dennis.de, alternativ auch Tel.: 07531/955401), damit aus der Resonanz deutlich wird, ob derartige Treffen auf Anklang stoßen.

[Dennis Riehle]

Kommentar für das Stadttheater Konstanz, Saison 2015/2016

„Wer keinen Gott hat, braucht auch keinen Teufel!“, so erklärte es mir ein atheistischer Freund auf meine Frage, ob er denn an die Hölle glaube. Und wie das dann mit „böse“ und „gut“ sei, entgegnete ich. Wer urteilt darüber, was „falsch“ und was „richtig“ ist, wenn es nicht der urteilende Schöpfer sein kann, der uns im ewigen Gericht erwartet, wie es beispielsweise die Christen sehen? Zugegeben, als „Humanist“ lag mir die Antwort eigentlich auf der Zunge – und ich hatte gedacht, dass auch mein Gegenüber zu dem Schluss kommt, dass es der Mensch ist, der sowohl Gott, aber damit eben auch seinen Widersacher für die Einklassifizierung als bestimmende Akteure über die Erdenbewohner „erschaffen“ hat.

Doch nein, die Aussage meines Kollegen fiel völlig anders aus: Er bezog sich auf den Sprecher der „Giordano-Bruno-Stiftung“, den atheistisch denken und sicherlich führenden Intellektuellen der säkularen Bewegung, Dr. Michael Schmidt-Salomon, der 2009 in seinem Buch „Jenseits von Gut und Böse“ die Unterteilung in diese Kategorien aufgehoben hat – und sie letztlich als allein subjektive Zuschreibungen des Menschen ansieht. Im Vergleich mit der Tierwelt argumentiert er, dass dort Vieles passiert, was wir als „böse“ bezeichnen würden, aber im animalischen Sinne ganz natürlich ist (beginnend beim Erlegen von Beute bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um Höhlen oder Unterschlupf).

Ist „das Böse“ also eigentlich nichts, was wir verdammen und wovor wir uns fürchten müssen? Ist „das Gute“ letztlich genauso neutral besetzt wie das, was wir als schrecklich wahrnehmen? Und braucht es folglich keinen Teufel – und damit auch keinen Gott? Wenn wir nach der Unterwelt fragen, dann bewegen wir uns nach meiner Einschätzung in Richtung der „Gretchen-Frage“. Schmidt-Salomon argumentiert in seinen Thesen, dass mit der evolutionär vorgegebenen Entwicklung der Dinge eine Wertung oder Klassifizierung in Himmel und Hölle, in das Gute und das Schlechte, in Diesseits und Jenseits, zumindest objektiv unnötig sei. Dennoch ist der Mensch durch seine Ausformung wohl das einzige Wesen, das dennoch zu einer subjektiven Einordnung in der Lage ist.

Blickt man auf die Geschichte der Religionen, so waren das „Gute“ und das „Böse“ bis heute Gründe, um Gläubige zu einem Leben nach Regelungen zu bewegen. Ob es die „Zehn Gebote“ sind, Anweisung und Verbote in Sachen Sexualverhalten oder Ernährung, das Einhalten von Dogmen und Sakramenten – mit Hoffnung auf die himmlische Ewigkeit oder der Angst vor der höllischen Unterwelt wurden schon Milliarden von Menschen im Sinne verschiedenster Religionen zu Marionetten von Willen und Macht. Was hätten die Gelehrten damals und die Kirchenführer von heute noch in der Hand, wenn sie nicht mehr mit dem „Guten“ und dem „Bösen“ argumentieren könnten?

Richtigerweise entgegnete mir mein Freund an diesem Punkt, dass Himmel und Hölle ja auch dazu dienen würden, den Menschen auf geordnete Bahn zu bringen. Dort, wo das Instrument der Strafe für ein sündhaftes Verhalten nicht mehr existiere, fehle die Abschreckung. Wir würden zurückfallen in das Denken der Steinzeit, wo allein das eigene Überleben im Mittelpunkt stand – und jede Hemmung ausblieb, zum persönlichen Nutzen die Integrität des Nächsten zu vergessen. Ich frage mich aber: Sind es allein die Drohungen mit Bestrafung, Hölle und „Jüngstem Gericht“, die uns abhalten, in Anarchie, Missgunst und Respektlosigkeit zurückzufallen?

Nein, ich bin überzeugt, dass wir heute gut auf die Bilder von der „Himmelspforte“ und dem „Tor in die Unterwelt“ verzichten könnten. Höre ich mich unter jungen Menschen meiner Generation um, so definieren sie Normen und Werte nicht mehr aus der Überlegung heraus, dabei von „Gut“ und „Böse“ im jenseitigen Verständnis gelenkt zu werden. Nicht nur ihnen, sondern auch denen, die als Nicht-Religiöse den Vorstellungen von „Fegefeuer“ und „Paradies“ kaum Bedeutung werden schenken können, ist viel eher ein Grundsatz wichtig: Humanität.

Während Tiere nicht zwingend abschätzen können, dass sie ihre Artgenossen zum Fortbestand bedürfen, ist sich der Mensch durchaus bewusst: Alleine ist ein Überleben nicht möglich. Und auch wenn diese Aussage schlussendlich dann doch nach viel Eigennutz klingt, so meine ich, sind es nur in zweiter Linie Gesetze, Konventionen und Strafen, die uns davon abhalten, „böse“ zu sein. Wir wissen viel eher, dass wir vom Brot (und Fleisch) allein nicht existieren können. Wir haben Sehnsüchte, die befriedigt werden wollen. Und dazu brauchen wir früher oder später unseresgleichen.

Zwar sind wir dieser Tage derart zivilisiert, dass wir es als ethische Pflicht oder eine vollkommene Selbstverständlichkeit ansehen, jedem Menschen dasselbe Recht auf Dasein zuzugestehen wir uns selbst. Im ursprünglichsten Verständnis ist es aber die nicht nur nachhaltigste, sicherste undgerechteste, sondern vor allem die das Alleinsein nehmendste Einsicht, wonach wir im positivsten Sinne darauf angewiesen sind, für uns und unsere Mitmenschen lebensbejahend zu agieren.

Das heißt nicht, dass wir frei wären von all jenen Gefühlen, denen wir ebenso eine eher negative Bedeutung zumessen. Doch Wut, Neid und Eifersucht sind natürlich – hier würde ich ganz mit Schmidt-Salomon einhergehen: Eine Zuordnung in Schubladen ist kontraproduktiv. Denn immerhin macht uns nicht nur die Psychologie, sondern vor allem die Lebenserfahrung klar, dass wir gerade auch diese Empfindungen nicht unterdrücken sollten, um – wie Freud es nannte – zu unserem „Ich“ zurückzufinden. Wer sich freuen und Glück verspüren kann, der braucht im wahrsten Sinne die „Erdung“, um nicht dem Metaphysischen zuzufallen. Das „Böse ins uns“ gehört ganz „normal“ dazu, weder schlecht, noch gut.

Und verdeutlicht man sich diesen Umstand, wonach wir als Menschen einerseits fähig sind, zwischen zwei Polen zu differenzieren, gleichzeitig aber erkennen können, dass es eine menschgemachte und unserer Spezies vorbehaltene Eigenschaft ist, zwischen Wertung und Realität unterscheiden zu können, bekommen „Gut“ und „Böse“ (egal, ob sie dem religiösen Zeigefinger oder der evolutionären Erkenntnis entsprungen sind) nicht nur den Stellenwert eines hilfreichen Stützapparates, mit dem wir zwar drohen, aber eben auch Farbe zwischen das Schwarz-Weiße bringen können. Sie lassen viel eher auch unnötige Utopien und den Schrecken vor Transzendentem, vor Ungewissheit kleiner werden.

Gleichzeitig können wir in der Weite und dennoch großen Beschränktheit unserer Vernunft nicht leugnen, dass unsere Kultur und unsere Synapsen geprägt sind von diesem irgendwie auch faszinierenden Reiz aus „Gut“ und „Böse“, von Himmel und Hölle. Gerade, weil wir leidenschaftliche und empfindende Wesen sind, ist es uns nicht fern, mit dem Übernatürlichen in unseren Gedanken – und auf der Bühne – zu spielen. Und solange wir dabei nicht alles so ernst nehmen und die Kunst als Spiegel unserer eigenen Grenzen verstehen, bereichert „Orpheus in der Unterwelt“ nicht nur den Alltag, sondern auch den Horizont.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.