Leserbrief
zum Rückzug von Stadtrat Jürgen Puchta aus der SPD, SÜDKURIER Konstanz vom 12.11.2018

Dass eine Fraktion ein ehemaliges Mitglied dazu auffordert, das Mandat im Falle eines Rücktritts aufzugeben und damit den Weg für einen Nachrücker der eigenen Liste frei zu machen, das ist nicht neu. Deshalb verwundert auch nicht, dass der Fraktionsvorsitzende und die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Jürgen Puchta diesen Schritt nahelegen.

Doch mehr als eine bloße Floskel kann dieser Ruf zur Ordnung nicht sein. Denn nicht nur der Umstand, dass die Persönlichkeitswahl den Menschen vor die Partei stellt und Wähler damit in erster Linie den Namen statt die politische Couleur eines Bewerbers ankreuzen, spricht für den Entschluss Puchtas, Stadtrat zu bleiben.

Es ist auch das Wissen um die tiefe sozialdemokratische Verwurzelung des einstigen SPD-Mannes, den offenkundig schwerwiegende Gründe dazu bewogen haben müssen, Partei und Fraktion den Rücken zu kehren. Deshalb ist der Hinweis, die Menschen hätten Puchta aufgrund seines Ziels gewählt, gemeinsam mit der SPD für eine entsprechende Politik in Konstanz zu kämpfen, völlig unnötig. Immerhin ist es in Zeiten wie diesen wohl eher die SPD selbst, die sich von ihren sozialdemokratischen Wurzeln verabschiedet – zumindest auf Landes- und Bundesebene.

Puchta wird den Inhalten, die er bisher vertreten hat, sicherlich auch nach seinem Rückzug aus der Partei und Fraktion treu bleiben, vielleicht sogar sozialdemokratischer als bisher. Persönliche und inhaltliche Gründe können das Profil Puchtas als soziales Gewissen außerhalb der SPD eher noch stärken. Seine Wähler dürfte das aufrichtige Ringen um seine ganz persönliche Entscheidung mehr beeindrucken als der Ruf nach „Anstand“ und „Moral“.

[Dennis Riehle]

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