Zwischenruf

Heute erreichte mich wieder eine Anfrage: Dieses Mal war es eine Werbeagentur, die auf der Webseite unserer Selbsthilfegruppe gerne den Werbebanner einer Fernschule publiziert hätte. Gegen ein sattes Honorar natürlich! Ähnlich erging es mir erst vor ein paar Tagen, als sich der Vertreter einer Gesundheitsfirma bei mir meldete und anbot, in einer unserer nächsten Zusammenkünfte ihr neuestes Produkt vorstellen zu wollen – angeblich helfe es gut gegen jegliche Form von Angst. Und vor ungefähr drei Wochen klingelte der Vertreter einer Fachzeitschrift bei mir; ich könne für unsere Gruppe das Abonnement zu einem ganz besonders günstigen Preis erwerben.

Die Vereinnahmung der Selbsthilfe durch Unternehmen, sie zieht immer weitere Kreise. Dabei stört die Firmen auch nicht der geschützte Rahmen einer Gruppe, in der Menschen in schwierigsten Lebenslagen nach Hilfe suchen. Vielmehr geht es um Profit und den angeblichen Wunsch, uns etwas Gutes tun zu wollen. Doch am Ende bedeutet das aufdringliche Verhalten, dass nicht nur die Gruppenleiter einen beständigen Mehraufwand in der Abwehr von Werbetreibenden und Lobbyistenvertretern zu bewältigen haben. Auch die Unabhängigkeit der Selbsthilfe gerät in Gefahr, denn die Anreize, sich kaufen zu lassen, sie sind groß.

Von der Politik erhoffe ich mir, dass sie die Förderung der Selbsthilfe nicht weiter verkompliziert. Denn nur, solange wir als Ehrenamtliche auf die offiziellen Gelder der Krankenkassen vertrauen können, können wir mit Standhaftigkeit den Angeboten widerstehen, die uns die freie Wirtschaft unterbreitet. Selbsthilfe, sie möge auch weiterhin vom Einfluss derjenigen befreit bleiben, die mit der Notlage von Menschen Gewinne erzielen möchten. Ich wünsche mir, dass wir als freiwillig Engagierte Rückgrat zeigen, nicht den aussichtsreichen Geldgeschenken ganzer Branchen zu verfallen, sondern Protest zeigen gegen jene, die zivilgesellschaftlichen Einsatz füreinander für Eigenzwecke skrupellos auszunutzen bereit sind.

[Dennis Riehle]

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