Pressemitteilung

Konstanz. Die Zahl der Menschen mit einer Glaukomerkrankung, die im Landkreis Konstanz Unterstützung bei der örtlichen Selbsthilfegruppe suchen, steigt beständig an. Dies berichtet der zuständige Gruppenleiter Dennis Riehle, der aktuell Bilanz zieht: „Knapp zehn Jahre, nachdem die ersten Gedanken zu einer Glaukom-Initiative in der hiesigen Region reiften, verzeichnen wir eine kontinuierliche Nachfrage von Betroffenen und Angehörigen“. So schildert der 33-Jährige, der selbst an einem „Grünen Star“ erkrankt ist, dass die regelmäßigen Kontakte zu anderen Patienten in den letzten Monaten sogar noch leicht zugenommen hätten. „Es vergeht kaum eine Woche, in der es keine Anfragen gibt“, sagt Riehle, der festhält: „Ich bin froh, wenn sich die Menschen informieren“.

Denn es gebe viele Fragen zum Glaukom, berichtet der Gruppenleiter, dem es am Herzen liegt, aus der eigenen Erfahrung weiterhelfen zu können: „Die notwendigste Aufklärung leistet der Augenarzt. Doch darüber hinaus suchen viele Betroffene Rat bei der Selbsthilfe, weil sie gerade nach der Diagnosestellung erst einmal geschockt sind“, meint Riehle, der noch viele Vorurteile über den „Grünen Star“ im Umlauf sieht: „Auch wenn das Glaukom zu den häufigsten Erblindungsursachen gehört, muss zunächst niemand befürchten, das Augenlicht zu verlieren. Gerade, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird, kann ihr Verlauf überaus positiv beeinflusst werden“.

Zudem wunderten sich gerade junge Patienten über eine allfällige Diagnose „Glaukom“: „Während der ‚Graue Star‘ eher eine typische Alterserkrankung ist, kann der ‚Grüne Star‘ eigentlich jeden treffen“. Schließlich sei das Problem eines erhöhten Augeninnendrucks, auf den das Glaukom zurückzuführen sei, nicht vom Alter abhängig. „Durch verschiedenste Ursachen steigt der Druck auf den Sehnerv, dessen Fasern durch die Einwirkung dauerhaft geschädigt werden. Seien es nun ein zu hoher Blutdruck, eine starke Kurzsichtigkeit oder degenerative Veränderungen beim Abfluss des Kammerwassers – Risikofaktoren und Ursachen sind nicht an das Alter gebunden, weshalb das Glaukom bereits in Kindesjahren auftreten kann“.

Zunehmende Bedeutung käme auch dem „Normaldruckglaukom“ zu, bei welchem die Nervenfasern trotz eines normalen Augeninnendrucks langsam untergingen. „Gemein ist den Glaukomerkrankungen die teils starke Beeinträchtigung des Gesichtsfeldes, die von den Betroffenen trotz ihrer Ausprägung oft erst sehr spät erkannt würde. „Daher appellieren wir an die Vorsorgeuntersuchung, denn nur so lässt sich ein ‚Grüner Star‘ rechtzeitig entdecken – und behandeln“. Und die Möglichkeiten der Therapie seien heute vielfältig, so Riehle: „Von einer ausschließlichen Tropfbehandlung über Laseroperationen bis hin zum klassischen chirurgischen Eingriff reicht die Palette“.

„Besonders zu den Behandlungsoptionen haben die Betroffenen Fragen“, schildert Dennis Riehle aus den Gesprächen mit Erkrankten. „Gerade an einem sensiblen Organ wie dem Auge will sich niemand sofort unter das Messer legen. Da ist die Suche nach Alternativen groß“. So helfe vielfach eine zweite Meinung, die er einzuholen rät. „Letztlich sind es aber auch ganz praktische Anliegen, mit denen ich konfrontiert werde: Wie tropfe ich mein Auge richtig? Wie gehe ich mit meinem veränderten Gesichtsfeld um? Habe ich Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis? Benötige ich schon einen Blindenstock? – All das bewegt die Menschen, wenn sie mit einem nicht selten hohen Leidensdruck an mich herantreten“, berichtet Riehle, der mit seiner eigenen Glaukomerkrankung gut umzugehen weiß: „Viele der Ängste, die sich anfänglich einstellen, lösen sich in Luft auf, sobald man über die Erfahrungen mit anderen Betroffenen in Austausch kommen kann“.

Derzeit fänden keine Gruppentreffen der Selbsthilfeinitiative statt, weil viele Betroffene sich nicht an einen festen Zusammenschluss binden wollten. „Wir beobachten im Selbsthilfewesen ohnehin einen Wandel: Die einstigen Selbsthilfegruppen wandern ins Web ab; dort trifft man sich in Chats und Foren“. Der individuelle Beratungsbedarf bleibt aber dennoch bestehen, weshalb auch die hohe Nachfrage nach Informationen nichts Ungewöhnliches sei, berichtet Riehle: „Die beratende Selbsthilfe wird immer mehr an Bedeutung gewinnen, daran müssen sich die Ehrenamtlichen anpassen“, sagt der Konstanzer, der seit fast 15 Jahren im Selbsthilfewesen aktiv ist. Für das Angebot der hiesigen Glaukomselbsthilfe bedeutet dies, auch künftig ansprechbar zu sein: „Mir macht mein freiwilliges Engagement große Freude – und wenn davon Andere profitieren können, ist das ein doppelter Gewinn“, meint Riehle.

Betroffene, Angehörige und Interessierte erreichen die Glaukomselbsthilfe im Landkreis Konstanz unter Tel.: 07531/955401 beziehungsweise per Mail über: kontakt@glaukomselbsthilfe.de.

[Dennis Riehle]

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt