Glosse

Entrüstet zeigte sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer über das Programm der „Alternative für Deutschland“. Rückwärtsgewandt, veraltet. Tatsächlich stehe da doch drin, Mütter sollten sich um ihre Kinder kümmern! Ja, ein Skandal! In Zeiten der Selbstbestimmung der Frau von einer Mutter zu verlangen, sich bis zum 3. Lebensjahr um das aufwachsende Kind zu mühen, ist tatsächlich ein enormer Einschnitt in die Freiheit der Emanzipierten! Wie könne man es nur ablehnen, Tagesbetreuung für „U3“ auszubauen – und damit die Frauen wieder zurück an den Herd zu verbannen, ihnen zu verweigern, arbeiten zu gehen! Das kenne man von Wahlplakaten der CDU und SPD aus den 70er-Jahren. Was damals gut war, muss heute „bäh“ sein!

Das Vertrauen der Regierenden in ihre eigene Politik scheint groß zu sein, wenn sie offenbar glauben, Frauen würden nach einer Auszeit für die Erziehung nicht mehr zurück in den Arbeitsmarkt finden. Nein, nicht die immer größeren Investitionen in Kindertagesstätten, sondern die Entlastung der Frauen, die sich bewusst eine Pause nehmen, um für ihr Kind da zu sein, wäre ein Signal dieser Tage, in dem wir nur noch auf Leistung aus sind. Gebären – und danach zurück an den Schreibtisch. Was aus den Kindern wird, ist dabei egal. „Ich“, das ist das neue Stichwort. Ein Baby in die Welt gesetzt – um den Rest kümmert sich dann schon der Staat. Dass wir bereits heute die ersten Folgen dieser Entfremdung von Müttern gegenüber ihren Kindern sehen, ist eine Tatsache, wenn man sich die wachsenden seelischen Nöte von Jugendlichen ansieht. Hilflosigkeit in Entscheidungen, Überforderungen mit dem Alltag.

Stattdessen konnte Mama Karriere machen. Und sie ist gleichberechtigt. Dass damit die natürliche Rollenverteilung wegdiskutiert wird, scheint gerade diejenigen, die immer wieder auf ihr „Frausein“ beharren, wenig zu stören. Das Alleinstellungsmerkmal, wonach das weibliche Geschlecht es ist, das Geschenk der Geburt überhaupt erst herbeizuführen, wird nicht mehr gewürdigt, sondern eher als Laster abgetan. Kinderkriegen zur alleinigen Nachwuchssicherung, der später einmal die Rente absichern dürfte. Denn Zeit, um sich mit diesem wertvollen Wunder des Kindes zu beschäftigen, mit ihm die Augenblicke des Heranwachsens zu verbringen, ihn bei seinen ersten Schritten und Worten beobachten zu dürfen, Erfahrungen mit ihm zu sammeln, ihm die Welt zu erklären und sie aus seiner Sicht neu zu entdecken, Wissen zu schenken und Verantwortung dafür zu übernehmen, was aus ihm wird, gibt es nicht mehr. Wahrscheinlich wäre das auch alles emotional nur vollens überbewertet…

„Was mein Gatte darf, das will ich auch können“. Wahrscheinlich liegt es an den Schmerzen, weshalb noch selten ein Mann sich darüber beklagte, warum die Gleichberechtigung nicht auch die Gebärfähigkeit des männlichen Geschlechts einfordert. Vertauschte Rollen, Willkür nach menschlichem Willen. Ordnungen zu überwinden, das steckt heute wohl hinter diesem so programmatischen Begriff einer „Reform“. Dagegen ist das Festhalten an Bewährtem eine überwundene Zumutung, der man mit Risiko begegnet – das Kind wird’s schon schaukeln. Ohnehin: Was rechts klingt, ist schlecht. Mir schien es so, als hätte Malu Dreyer kaum darüber nachgedacht, was sie im Interview von sich gegeben hatte. Es klang danach, als wäre es auswendig gelernt. Wie eine pauschale Schmähschrift an allem, was nicht in ein genderisiertes Weltbild passt. Die Gesellschaft polarisiert sich – und leider zu Lasten der Kleinsten…

[Dennis Riehle]

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