Pressemitteilung

Konstanz. Der Deutsche Presserat hat eine Beschwerde des Konstanzer Journalisten und Psychologischen Beraters (VfP) Dennis Riehle in der Vorprüfung als unbegründet zurückgewiesen, die sich auf einen Artikel des Magazins „Stern“ bezog. Es formulierte am 01. Mai 2017 in seiner Online-Ausgabe unter der Überschrift “So gefährlich sind Heilpraktiker in Deutschland“ verschiedene Vorwürfe anhand von Beispielen der Arbeit ausgewählter Heilpraktiker, bei denen es zu Missständen in Beratung und Therapie gekommen war. Riehle sah in den Formulierungen des Beitrages eine pauschale Kritik an der Berufsgruppe der Heilpraktiker und beanstandete eine Ehrverletzung (Ziffer 9 Pressekodex) dergleichen.

„Durch eine fehlende Einschränkung in der Überschrift kann in der Interpretation von einer unbestimmten Anzahl an Heilpraktikern in Deutschland ausgegangen werden, die ‚gefährlich‘ sind. Diese Zuschreibung geht über die Ergebnisse der Recherche hinaus, die zwar vermuten lässt, dass strukturelle Probleme in der Qualifizierung und Überprüfung von Heilpraktikern bestehen, die gleichzeitig aber außer Acht lässt, dass viele Heilpraktiker eine über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Ausbildung durchlaufen haben – und eine verantwortungsvolle Arbeit betreiben. Dies wird lediglich im letzten Absatz erwähnt – und steht im Widerspruch zur Überschrift, den die Redaktion gewählt hat“, so Riehle in seiner Begründung.

Der Presserat reagierte mit dem Einwand, dass er sich dieser Darlegung nicht anzuschließen vermochte. Die Berichterstattung habe „einen Tatsachenkern, der durch die verschiedenen Beispiele belegt wird. Es wird nicht gesagt, dass alle Heilpraktiker gefährlich sind. Auch im Text wird dies nicht personalisiert“. Riehle hatte die Auffassung geteilt, dass „der insgesamt tendenziöse Beitrag, der allein Negativbeispiele herausgreift, in seiner Gesamtheit eher beschädigend für eine komplette Berufsgruppe [wirkt]. Die Rückschlüsse, die aus den genannten Extrembeispielen gezogen werden, lassen sich nicht durch die einzelnen Kreise von Heilern belegen“. Beim Presserat gab man Riehle zumindest darin recht, „dass der Beitrag sich sicherlich auf die negativen Aspekte des strukturellen Ausbildungsproblems der Berufsgruppe und die damit verbundenen Auswirkungen“ beschränke, aber es liege „im Ermessen der Redaktion, den Fokus eines Thema selbst zu wählen“.

Auch Riehle brachte vor, dass „die Intention des Artikels vollkommen legitim sei, „die vorgebrachten Falldarstellungen“ genügten seinem Verständnis nach aber nicht, „um pauschale Urteile – vor allem in der Überschrift, die für den Leser wegweisend in Erinnerung und als Resümee des Beitrages haften bleibt – über eine bestimmte Lehre und ihre Anwender zu treffen“. Außerdem monierte der gleichzeitig als PR-Fachkraft und Journalist tätige 32-Jährige zwei Beispiele innerhalb des Textes, die herausstachen: „[…] manche Darstellungen [wirken] oberflächlich (‚Das Einzige, was das alte Gesetz verlangt: Angehende Heilpraktiker müssen einen Test über elementare Medizinkenntnisse beim Gesundheitsamt absolvieren‘)“. Diese Sachdarstellung halte einer Überprüfung nicht stand, meint Riehle, seien die „Tests“ bei den „Gesundheitsämtern doch durchaus geeignet, die medizinische Anschauung der Anwärter kritisch zu hinterfragen – und verlangen ihnen weitaus mehr als nur grundlegende Kenntnisse ab. Hierüber weist der Artikel in seiner Einseitigkeit allerdings keine weiteren Recherchen auf“.

Ähnlich ergebe es sich laut Riehle mit der Aussage, ‘An Heilpraktikerschulen werde[n] lebensbedrohliche Irrlehren verbreitet‘. Denn: „Auch hier wird durch die Ungenauigkeit suggeriert, als handele es sich um eine breite Masse an Schulen, an denen solche Praktiken vorherrschten. Ob die Aussagen, wonach am Klinikum rechts der Isar jeden Monat eine Frau auftauche, deren Brustkrebserkrankung durch ‚Alternativheiler‘ verschleppt worden sei, für die Aussage ausreicht, es handele sich hierbei nicht um Einzelfälle, bleibt ebenso kritisch zu werten wie die Belastbarkeit der Feststellung, dass man mit entsprechenden Suchbegriffen bei ‚Google‘ in mehr als der Hälfte der Fälle auf Berichte über nicht richtig erkannte beziehungsweise auch behandelte Brustkrebserkrankungen durch Heilpraktiker (und Ärzte!) stoße“, so der Beschwerdeführer. Der Presserat konstatierte abschließend, dass man zusammenfassend „keinen Verstoß gegen die presseethischen Grundsätze feststellen“ konnte.

[Dennis Riehle]

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