Leserbrief zu
„Rechtsruck in Österreich“, SÜDKURIER vom 16.10.2017

Der „Rechtsruck“ in Österreich, er wird meines Erachtens arg dramatisiert. Da haben ÖVP und FPÖ deutlich hinzugewonnen, aber ihre Stimmenzuwächse kamen keinesfalls aus dem Nichts heraus. Viele ehemalige BZÖ-Wähler, also Anhänger des Haider-Ablegers der „Freiheitlichen“, kaum weniger rechts als das Original selbst, kehrten offenbar zu ihren Wurzeln zurück, weil das „Bündnis Zukunft Österreich“ ebenso keine Alternative mehr darstellte wie das „Team Stronach“, dem man als merkwürdige Liste eines Millionärs zwischen Wirtschaftsliberalismus und Rechtskonservativismus alles zutrauen konnte.

Alle, die in der Wählerwanderung von diesen beiden politischen Kräften 2017 zur FPÖ öder der neuen „Liste Kurz“ wechselten, waren schon bei der letzten Abstimmung eher national gesinnt. Und die Verluste der „Grünen“ gehen keinesfalls zugunsten der „Rechten“, sondern speisen sich vornehmlich aus der Abspaltung der „Liste Pilz“, einem grünen Abweichler, dessen Anschauung man wohl eher bei Mitte-Links suchen sollte. Parteien und Bündnisse in Auflösung oder Ablösung haben vernebelt, dass Österreich bereits unter dem sozialdemokratischen Kanzler Kern eher „rechts“ unterwegs war.

Das machte nicht nur die Präsidentschaftswahl deutlich, sondern das zieht sich wie ein Roter Faden durch die Geschichte der Alpenrepublik, zuletzt besonders plakativ bei den Brüsseler Sanktionen aus den 2000er-Jahren, als Österreich das letzte Mal an der Urne zum Ausdruck brachte, dass es seiner Heimat stets eng verbunden ist.

[Dennis Riehle]

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