Leserbrief
zu „Rechtliche Regelungen für Oberstufe an Gemeinschaftsschulen“, Schwäbisches Tagblatt vom 23.11.2017

Die sich hinziehende Diskussion um die gymnasiale Oberstufe an Gemeinschaftsschulen zeigt die grundsätzliche Überflüssigkeit dieses Schultypus. Wer eine vernünftige Vorbereitung auf das Studium möchte, der sollte auch weiterhin auf eine qualifizierte Vorbildung der Studienanwärter ab Klasse 5 setzen, die am ehesten im altgedienten Gymnasium umgesetzt werden kann.

Die Gleichmacherei der Schüler, sie motiviert niemanden, nimmt aber die Chancen, wonach sich jeder seinen Ressourcen, seinem Können und seinen Visionen und Fähigkeiten entsprechend entwickeln kann, ohne dabei Rücksicht auf die zu nehmen, die schulisch stärker oder schwächer sind. Das Entfalten der Persönlichkeit, sie gelingt dort, wo wir den Schülern maßgeschneiderte Förderung einerseits, Herausforderung andererseits bieten.

Im Mischmasch der Gemeinschaftsschule verlieren wir die Potenziale derer, die mehr könnten – und überfordern die, die mehr Rücksichtnahme bräuchten. Ein Festhalten an der ursprünglichen Dreigliederung der weiterführenden Schulen kommt der Realität der menschlichen Unterschiedlichkeit am nächsten, sie schließt aber gleichzeitig auch nicht aus, dass wir selbst in den bewährten Schulformen Veränderungen bräuchten.

Gerade, wenn wir jedem Kind die bestmögliche Allgemeinbildung zukommen lassen wollen, dann bedarf es eines zeitgemäßen Unterrichts, einer Spitzenausstattung unserer Schulen und einer exzellenten pädagogischen wie fachlichen Qualifikation des Lehrpersonals. Statt sich mit Feinheiten wie dem Fremdsprachenunterricht zu befassen, wäre es an der Zeit, dass die grün-schwarze Regierungskonstellation endlich diese grundlegenden Reformen anpackt und sich dafür zumindest für ein in finanzieller Hinsicht geprägtes Aufweichen des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern aussprechen würde.

Denn in Sachen Bildung haben wir schon über viel zu viele Jahre den Anschluss versäumt, jetzt ist Zeit für die großen Würfe, statt im Justieren von Stellschrauben im Kleinklein zu verharren.

[Dennis Riehle]

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