Lesermeinung zu
„‘Unter falschem Verdacht‘“, „neues deutschland“ vom 18.10.2017

Die Befürchtung, unter falschen Verdacht zu geraten, ist heute größer denn je. Mit modernen Methoden der Forensik kann zwar eine Menge an Straftaten aufgeklärt werden – doch ob der ermittelte Täter auch stets der richtige ist, das bleibt doch fraglich. Blick man nur auf das Vorhaben, die DNA-Analyse auszuweiten, so fragt man sich, ob es tatsächlich ein Fortschritt sein kann, wenn künftig alle 30 – 35-Jährigen mit braunen Haaren, grünen Augen und Migrationshintergrund unter Verdacht gestellt werden, weil eine einzige Spur am Tatort auf diesen Kreis der potenziellen Täter schließen lässt.

Oder bei der „Intelligenten Videoüberwachung“: Vertrauen wir wirklich auf ein Computerprogramm, von dem Experten meinen, es könne unter Milliarden Menschen den einen heraussuchen, der auf der Fahndungsliste steht und kurz davor ist, einen Anschlag vorzubereiten? Oder wie leicht kann es passieren, dass sich solch eine Maschine auch einmal irrt – und im Zweifel das Leben eines Unschuldigen zerstört, nur, weil wir die falschen Erwartungen in eine Technologie gesetzt haben, die niemals ausgereift genug sein wird, um fehlerfrei zu arbeiten?

In menschliches Handeln projizieren wir in der Aufklärung von Verbrechen ein grundständiges Misstrauen, das vor dem Richter dazu führt, wonach einzelne Untersuchungsergebnisse noch keinen Täter überführen können. Doch was ist, wenn wir PC-Systemen diese Skepsis bald nicht mehr entgegenbringen, weil wir ihnen hundertprozentige Genauigkeit beimessen? Dann wird es eng für alle, die einem Schwerverbrecher ähnlich sehen…

[Dennis Riehle]

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