Zwischenruf

Noch wenige Tage bis zum Heiligabend. Da fragt man sich: Habe ich schon alle Geschenke gekauft? Ist das Weihnachtsmenü in trockenen Tüchern? Der Baum bereits geschmückt? Dabei ermutigt uns die Adventszeit doch zu einer ganz anderen Frage: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?“, so schrieb Paul Gerhardt 1653. Ja, wie gehen wir zu auf diesen kleinen Jesus, der da in der Krippe liegt, so hilflos, so zurückhaltend, so wie wir es waren, als wir auf die Welt gekommen sind.

Wir feiern ein Ende des anonymen Gottes. Er ist nicht mehr allein die „höhere Macht“, die wir nicht greifen können. Sondern er wird personalisiert. In Jesus Christus, als einem von uns. Er ist in Windeln gewickelt, liegt zwischen Heu und Stroh, in einer Krippe im Stall. Nichts deutet darauf hin, dass er etwas Göttliches an sich hat. Doch die Engel verkünden es bald – und auch der „Stern über Bethlehem“ macht deutlich: Da geschieht etwas Besonderes. Das ist mehr als eine „normale Geburt“. Gott wird Mensch.

Er wird fassbar, tritt heraus aus dem hellen Antlitz, das uns blendet. Aus der Allmacht, die so riesig erscheint, dass sie uns fast erdrückt. Er kommt hernieder auf die Erde. Er betritt irdischen Boden – und macht uns deutlich: Gott ist Mensch. In jedem von uns steckt Gott. Jesus symbolisiert die Menschwerdung Gottes. Und deshalb müssen wir uns nur umschauen: Überall um uns herum ist Gott. In unserem Nächsten, ob links, ob rechts. Auch wenn wir dann gemeinsam unter dem Weihnachtsbaum stehen, „wo zwei oder drei“ im Namen Jesu zusammenkommen. Gehen wir also wachen Blickes durch die Welt, dann können wir Gott ständig erkennen.

Und wie beantworten wir nun die Frage nach dem Empfangen und Begegnen? Georg Weissel gibt uns um 1642 eine Antwort darauf, wie wir uns dem „König der Ehre“ nähern können: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Aber was bedeutet das konkret? Unser Herz öffnen, Zugewandtheit und Liebe schenken. Frieden geben, Respekt zollen, Wertschätzung und Anerkennung. Nicht nur diesem Gottessohn gegenüber, sondern im Blick auf alle Menschen. Die kleinen Gesten des Alltages, sie sind es, die wir gerade jetzt im Advent oft vergessen, wenn uns der Weihnachtsstress übermannt.

Achten wir etwas mehr auf das Menschliche. Behandeln wir Andere so, wie wir selbst behandelt werden möchten. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, so steht es in Matthäus 25,40. Du und ich, wir wollen leben. Und wir dürfen leben. Das macht Weihnachten uns klar, denn mit der Geburt Jesu, da feiern wir das Leben. Das Geschenk, das Gott uns gemacht hat. Er wird lebendig – und er macht uns lebendig. Lassen wir uns anfassen von neuer Kraft, tanken wir auf über die Feiertage, in der Besinnung auf das Wesentliche.

Denn das hiesige Leben ist endlich. Im Hier und Jetzt, da sollten wir genießen. Und wir sollten an die denken, die es nicht so gut haben. Die auf die Ankunft Jesu in tiefer Armut warten. Und wir sollten uns ein Beispiel nehmen an denen, die Hoffnung haben, trotz Krankheit, trotz Schicksalsschlag, trotz Krieg und Gewalt. Sie ermutigen uns, dass es weitergeht. Darauf vertrauen wir, weil wir die Aussicht auf Gottes Gnade haben: „Er ist gerecht, ein Helfer wert Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit. All unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat. (EG 1, Strophe 2)“.

[Dennis Riehle]

Veröffentlicht unter Glaube.

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt