Zwischenruf

Es ist ein Skandal, mit welch scharfen Tönen linke Politiker auf den Kompromiss reagieren, den die schwarz-rote Regierung zur Reform des § 219a StGB gefunden hat. Wenn die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cornelia Möhring, von der „Fake-Krankheit Post-Abortion-Syndrom“ spricht, dann ist das eine tiefe Verächtlichmachung des Ansinnens, werdendes Leben zu schützen. Wo Möhring eine Doppelmoral der Union wittert, hat sich in Wahrheit die ethische Vernunft durchgesetzt.

Mediziner werden nicht kriminalisiert, wenn die Koalition auch weiterhin darauf setzt, das Werben für den Schwangerschaftsabbruch zu verbieten. Ihnen wird lediglich untersagt, für eine Maßnahme „Kunden“ zu akquirieren, die im gesellschaftlichen Grundkonsens auch weiterhin als nicht alltäglich gelten darf. Reine Information wird künftig wohl möglich sein, insbesondere sollen ausgewählte Bundesstellen die Gelegenheit erhalten, hilfesuchenden Frauen Kontakte zu entsprechenden Krankenhäusern und Ärzten zu vermitteln, bei denen eine Abtreibung möglich ist.

Der werbende Charakter muss jedoch ausbleiben, denn der Schwangerschaftsabbruch ist keine Dienstleistung, kein Geschäft. Er ist der letzte Ausweg, den Frauen in großer Hilflosigkeit suchen. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau auf ihren eigenen Körper, es kollidiert mit dem Recht auf heranwachsendes Leben. Schon beim Verständnis des Sexualverkehrs unterscheiden sich die Vorstellungen linker Aktivisten offenbar von dem, was die „selbsternannten Lebensschützer“, wie Möhring sie nennt, erwarten: einen verantwortungsvollen Umgang mit Liebe, Gefühl und Lust.

Dass der Geschlechtsverkehr heute oftmals zum reinen Ausleben der Triebe verkommt, das ist eine Ursache dafür, dass immer mehr Frauen für das Recht auf Abtreibung kämpfen. Dabei ist eine Schwangerschaft kein „Unglücksfall“; sie sollte der gewollte und herbeigesehnte Höhepunkt einer Beziehung sein, den zu steuern es allemal möglich und nötig ist. Wer sich bewusst auf eine Schwangerschaft einlässt, wer sich vorab mit dem Ziel, Kinder zu bekommen, eindrucksvoll auseinandersetzt, wird auf eine Abtreibung verzichten können. Es ist die Verpflichtung einer jeden Frau, mit dem Thema einer Schwangerschaft nicht leichtfertig umzugehen.

Es gibt im Zweifel stets Situationen, die Frauen in Not bringen können. Auch dann muss der Grundsatz „Hilfestellung vor Abtreibung“ Gültigkeit haben, denn es gibt nur wenige Unwägbarkeiten, die Gesellschaft, Familie und persönliches Lebensumfeld einer Frau nicht gemeinsam lösen könnten. Eine Stärkung des Beratungsnetzes ist ebenso von immenser Bedeutung wie das Feingefühl der Umwelt, mit den Sorgen von Frauen in der Schwangerschaft respektvoll umzugehen. Die häufig vorgebrachten Argumente für einen Schwangerschaftsabbruch resultieren nicht selten aus einer Kurzschlusshandlung heraus, genau dann, wenn Frauen sich überfordert fühlen und auf den Rückhalt ihrer Liebsten angewiesen wären. Der Staat hat die Aufgabe, die Ausgangslage für werdende Mütter so komfortabel wie möglich zu gestalten – immerhin sind Kinder der Grundstock unserer Zukunft.

Wenn Möhring abschließend einfordert, dass Frauen „selbstständig denken und entscheiden“ sollten, dann schlägt sie sich mit ihren eigenen Waffen. Ich bin überzeugt, dass „mündige Bürger“, wie sie auch die CDU in der Debatte bezeichnet, in der Lage, willens und alt genug sind, den Schwangerschaftsabbruch nicht länger als ein „Serviceangebot“ des Arztes um die Ecke zu begreifen. Viel eher stehen Frauen in der verantwortungsvollen Position, über ihr eigenes und werdendes Leben gleichsam zu bestimmen. Sie sind sich dieser tragenden Rolle bewusst und können mit Weitsicht darüber befinden, wann sie für eine Schwangerschaft bereit sind. Statt sich als Vorkämpfer für die Frauen Deutschlands herauszuputzen, sollte die LINKEN-Politikerin Möhring in Wahrheit darüber nachdenken, wie sehr sie die Bürger des Landes bevormundet.

Das Werbeverbot für Abtreibungen, es muss in seiner Kernsubstanz auch weiterhin Geltung haben. Ärzte, die mit dem „Leistungsangebot“ des Schwangerschaftsabbruchs prahlen wollen, dürfen sich nicht auf legitime Informationsrechte beziehen, denn das Anpreisen eines medizinischen Eingriffs, der letztendlich den Tod eines heranwachsenden Kindes bedeutet, er ist eine moralische Bankrotterklärung vor dem Selbstbestimmungsrecht der Frau und eine Perversion unserer Vorstellung von gesellschaftlichem Fortschritt. Wer nach vorne blickt, der muss dem neuen Leben eine Chance geben und darf sich dem Glück der Elternschaft nicht verschließen. Wir brauchen eine Kultur des Werbens für unseren Nachwuchs, einen Aufruf zum begeisterten Muttersein. Lassen wir uns die gesamtgesellschaftliche Aufgabe anpacken, statt uns auf feministischen Parolen auszuruhen.

[Dennis Riehle]

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